Redlichiida

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Redlichiida
Redlichia takooensis aus dem unterkambrischen Emu-Bay-Schiefer der südaustralischen Känguru-Insel

Redlichia takooensis aus dem unterkambrischen Emu-Bay-Schiefer der südaustralischen Känguru-Insel

Zeitliches Auftreten
Kambrium
542 bis 490 Mio. Jahre
Fundorte
  • Weltweit
Systematik
Unterabteilung: Bilateria
ohne Rang: Urmünder (Protostomia)
Überstamm: Häutungstiere (Ecdysozoa)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Trilobiten (Trilobita)
Ordnung: Redlichiida
Wissenschaftlicher Name
Redlichiida
Richter, 1932

Die Redlichiida sind eine der neun Ordnungen der ausgestorbenen Trilobiten (Trilobita). Zusammen mit den Agnostida, den Corynexochida und den Ptychopariida sind sie eine der vier älteren Trilobitenordnungen, die bereits ab dem Unterkambrium auftraten.

Etymologie[Bearbeiten]

Die Ordnung der Redlichiida wurde 1932 von dem deutschen Paläontologen Rudolf Richter zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben[1] und zu Ehren des österreichischen Geologen Karl August Redlich benannt.

Beschreibung[Bearbeiten]

(Morphologische Begriffe werden ausführlicher im Artikel Trilobiten erläutert)

Redlichiida haben ein primitiv anmutendes Erscheinungsbild. Ihr Cephalon (Kopfschild) ist groß und halbkreisförmig, die Glabella meist langgestreckt, deutlich segmentiert und gewöhnlich nach vorn breiter werdend. Die starken Wangenstacheln sind eine Verlängerung des röhrenförmig verstärkten Kopfschildrandes. Das Hypostom ist normalerweise konterminant positioniert. Die Rostralplatte ist meist recht breit. Ihre Augen sind länglich, vorstehend und sichelförmig; sie werden von einer deutlichen rückenförmigen Aufwölbung – den Augenleisten – begleitet, die sich bis an den Vorderrand der Glabella hinzieht. Der Thorax (Brustpanzer) besteht aus vielen Segmenten (es können mehr als 90 vorhanden sein), deren Länge in Richtung des Pygidiums (Schwanzschild) stetig abnimmt; die Pleuren enden gewöhnlich in Spitzen. Manchmal ist eine Unterteilung des Thorax in einen breiteren Prothorax und einen schmäleren Ophistothorax möglich (wie beispielsweise bei den Emuelloidea). Das winzige Pygidium besteht oft nur aus einem oder sehr wenigen Segmenten.

Redlichiida sind sehr häufig mit Stacheln bewehrt – diese können am Kopfschild (Wangenstacheln), an der Glabella, am Schwanz und an den Thoraxsegmenten (Pleuralstacheln) ansetzen. Im Gegensatz zu anderen Trilobitenordnungen konnten sich Redlichiida zu Verteidigungszwecken höchstwahrscheinlich nicht einrollen.

Die Familie der Olenelliden besitzen als Erkennungsmerkmal Stacheln am dritten Brustsegment. Bei einigen Fundstücken wurden auch Fortsätze wie Beine, Antennen und Kiemen usw. erhalten. In Anzahl, Anordnung und Typus befolgen diese für Trilobiten charakteristische Muster.

Verbreitung und Vorkommen[Bearbeiten]

In Faunengemeinschaften des Unterkambriums sind Redlichiida gängige Fossilien mit weltweiter Verbreitung. Sie wurden in zwei bekannten Konservatlagerstätten gefunden – im Emu-Bay-Schiefer im Bundesstaat South Australia (Känguru-Insel) sowie in der Chengjiang-Faunengemeinschaft in der Volksrepublik China.

Faunenprovinzen[Bearbeiten]

Innerhalb der Redlichiida kommen Vertreter aus der Unterordnung Redlichiina nur in kambrischen Schichtverbänden außerhalb Laurentias vor, sie finden sich in der Acadobaltischen FaunenprovinzAvalonia, Baltica und Westliches Gondwana – sowie in der Orientalischen Faunenprovinz des Östlichen Gondwana. Im Gegensatz zur Familie der Olenelliden besitzen sie Gesichtsnähte, ihre Versteinerungen werden oft von den sogenannten Librigenae („freie Wangen“) begleitet.

Die Familie der Olenelliden hingegen ist auf den kambrischen Kontinent Laurentia (Nordamerikanische Faunenprovinz – Nordamerika und assoziierte Gebiete) beschränkt. Olenelliden sind recht häufig und definieren gleichermaßen die damalige Ausdehnung Laurentias. Ihr plötzliches Verschwinden legt in ihrem Verbreitungsgebiet die Grenze zwischen Unter- und Mittelkambrium fest. Olenellide besitzen keine Gesichtsnaht.

Zwischen den Olenelliden und den Redlichiina besteht eine deutlich ausgeprägte Ausschließlichkeit ihres Vorkommens, nur in Marokko und in der westlichen Mongolei treten beide Faunen gemeinsam auf. Stark endemische Gattungen der Redlichiina ermöglichen ferner eine weitere Unterteilung der Orientalischen Faunenprovinz in folgende Unterprovinzen[2]:

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Redlichiida sind die ersten im Fossilbericht auftretenden Trilobiten überhaupt. Der älteste bisher bekannte Trilobit stammt aus der zu den Redlichiida gehörenden Familie Fallotaspidae. Die meisten Wissenschaftler sind der Ansicht, dass in der Ordnung Redlichiida bzw. in deren Unterordnung Redlichiina der gemeinsame Vorfahr aller anderen Trilobitenordnungen zu suchen ist – eine Ausnahme bilden hierbei jedoch die Agnostiden. Gewöhnlich wird angenommen, dass sich die Ordnungen Corynexochida und Ptychopariida während des Unterkambriums aus den Redlichiina entwickelten und die Lichida dann später wahrend des Mittelkambriums entweder aus den Redlichiida oder aus den Corynexochida hervorgingen.

Die Redlichiida starben noch vor dem Ende des mittleren Kambriums aus.

Systematik[Bearbeiten]

Nevadia sp. (Familie Nevadiidae)
Mesonacis vermontanus (Familie Olenellidae)
Paradoxides gracilis (Familie Paradoxididae)
Redlichia (Familie Redlichiide)

Die Ordnung der Redlichiida wird in zwei UnterordnungenOlenellina und Redlichiina – und fünf Überfamilien unterteilt.

Unterordnung Olenellina Walcott, 1890[Bearbeiten]

Überfamilie Fallotaspidoidea

Familien:

Überfamilie Olenelloidea

Familien:

Unterordnung Redlichiina Harrington, 1959[Bearbeiten]

Überfamilie Emuelloidea

Familien:

Überfamilie Paradoxidoidea

Familien:

Überfamilie Redlichoidea

Familien:

Die systematische Stellung der relativ seltenen Bathynotiden ist noch nicht geklärt, sie können aber aufgrund der Ähnlichkeiten ihrer Panzeroberseite zu den Chengkouaspidae gestellt werden. Sie besaßen Gesichtsnähte und trugen lange Stacheln am Kopfschild und am letzten Brustsegment.

Die Ellipsocephalidae werden gelegentlich als Redlichiida geführt, obwohl sie eigentlich zu den Ptychopariida zählen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richter, R. 1932. Crustacea (Paläontologie) in: R. Dittler, G. Joos, E. Korschelt, G. Linek, F. Oltmanns, K. Schaum, eds., Handwörterbuch der Naturwissenschaften, 2te Auflage, Verlag Gustav Fischer, Jena, S. 840-64, fig.A, 1-64. [Ordnung Redlichiida, Unterordnung Redlichiina]
  2. Kobayashi, T. (1987) On the Redlichiacea (Trilobita) and the Redlichian Province

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Benton, M.J. (1993). The Fossil Record 2. Chapman & Hall