Mongolei

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Monggol ulus.svg
Монгол Улс
Mongol Uls
Mongolischer Staat
Flagge der Mongolei
Wappen der Mongolei
Flagge Emblem
Amtssprache Mongolisch
Hauptstadt Ulaanbaatar (russ. Ulan-Bator)
Staatsform Parlamentarische Republik
Regierungssystem Parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt Staatspräsident
Tsachiagiin Elbegdordsch
Regierungschef Premierminister
Dendewiin Terbischdagwa (interim)
Fläche 1.564.116 km²
Einwohnerzahl 3.179.997 (Volkszählung 2012)[1]
Bevölkerungsdichte 2,03 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt
  • Nominal
2011[2]
  • 8.506 Mio. US$ (133.)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 3.042 US$ (118.)
Human Development Index 0,698 (103.)[3]
Währung Tögrög (MNT)
Nationalhymne Nationalhymne der Mongolei
Nationalfeiertag 11. Juli, („Naadam“, mongol. Festspiele)
Zeitzone UTC+7 bis UTC+8
Kfz-Kennzeichen MGL
ISO 3166 MN, MNG, 496
Internet-TLD .mn
Telefonvorwahl +976
Ägypten Tunesien Libyen Algerien Nigeria Kamerun Demokratische Republik Kongo Mosambik Tansania Kenia Somalia Dschibuti Eritrea Sudan Ruanda Uganda Burundi Malawi Äthiopien Südsudan Zentralafrikanische Republik Tschad Niger Jemen Oman Vereinigte Arabische Emirate Saudi-Arabien Irak Iran Kuwait Katar Bahrain Israel Syrien Libanon Jordanien Zypern Türkei Afghanistan Turkmenistan Pakistan Griechenland Italien Malta Frankreich Portugal Spanien Mauritius Réunion Mayotte Komoren Seychellen Madagaskar Sri Lanka Indien Indonesien Bangladesch Volksrepublik China Nepal Bhutan Myanmar Kanada Dänemark (Grönland) Island Mongolei Norwegen Schweden Finnland Irland Vereinigtes Königreich Niederlande Belgien Dänemark Schweiz Österreich Deutschland Slowenien Kroatien Tschechische Republik Slowakei Ungarn Polen Russland Litauen Lettland Estland Weißrussland Moldawien Ukraine Mazedonien Albanien Montenegro Bosnien und Herzegowina Serbien Bulgarien Rumänien Georgien Aserbaidschan Armenien Kasachstan Usbekistan Tadschikistan Kirgistan Russland Vereinigte Staaten Malediven Japan Nordkorea Südkorea Republik China Singapur Australien Malaysia Brunei Philippinen Thailand Vietnam Laos Kambodscha Indien Osttimor Papua-Neuguinea SalomonenMongolia on the globe (Asia centered).svg
Über dieses Bild

Die Mongolei (amtlich in der mongolischen Sprache Монгол Улс/Mongol Uls; Monggol ulus.svg/mongɣol ulus, wörtlich: Mongolischer Staat), zwischen Zentral-, Nord- und Ostasien gelegen, ist nach Kasachstan der flächenmäßig zweitgrößte Binnenstaat der Welt. Die Mongolei hat nur zwei Nachbarn, Russland im Norden und die Volksrepublik China im Süden.

Das Land, viereinhalb Mal so groß wie Deutschland, wird lediglich von 3,18 Millionen Einwohnern bewohnt und ist somit der am dünnsten besiedelte unabhängige Staat der Welt. Das Land ist aufgrund seiner Bodenbeschaffenheit und seines Klimas kaum für Ackerbau geeignet, hauptsächlich wird nomadische Viehwirtschaft betrieben. Seine größte Stadt ist die Hauptstadt Ulaanbaatar, in der mehr als 40 % der gesamten Landesbevölkerung wohnt.

Das Territorium der heutigen Mongolei wurde, seit es besiedelt ist, von Nomaden beherrscht, die zeitweise Reiche gründeten, wie die Xiongnu oder die Xianbei. Im Jahre 1190 gelang es Dschingis Khan, die Mongolen zu vereinigen. Dieses Mongolische Reich erstreckte sich am Höhepunkt seiner Macht über die östliche Hälfte Europas und einen großen Teil Asiens und stellte das größte zusammenhängende Reich der Geschichte dar; innerhalb des Mongolischen Reiches etablierte sich die Pax Mongolica. Die Mongolen übernahmen auch die Herrschaft in China, wo sie die Yuan-Dynastie etablierten. Nach dem Zerfall ihres Reiches 1262 lebten die meisten Mongolen wieder nomadisch; die vier Nachfolgestaaten existierten jedoch noch bis ins 16. Jahrhundert, waren aber nur zeitweise geeint. Zur selben Zeit kam das Land unter den Einfluss des Buddhismus, etwas später wurde der Großteil der Mongolei durch die Qing-Dynastie beherrscht. Nach deren Zusammenbruch erlangte die Mongolei mit russischer und später sowjetischer Hilfe die Unabhängigkeit, 1924 wurde die Mongolische Volksrepublik als zweiter sozialistischer Staat der Geschichte proklamiert. In der Folge machte das Land eine Entwicklung parallel zur Sowjetunion durch. Nach den Revolutionen im Jahr 1989 in Osteuropa kam es auch in der Mongolei zu politischen Änderungen; 1992 wurde eine neue, demokratische Verfassung angenommen und die Marktwirtschaft eingeführt. Der Übergang von Plan- zu Marktwirtschaft war von vielen Problemen begleitet und auch heute lebt, trotz starken Wirtschaftswachstums, etwa ein Drittel der Bevölkerung in Armut.

Die Mongolei sollte nicht mit dem in der Volksrepublik China gelegenen Autonomen Gebiet Innere Mongolei verwechselt werden. Zur genaueren Unterscheidung wird die Mongolei gelegentlich auch als Äußere Mongolei bezeichnet.

Geographie[Bearbeiten]

Die Mongolei ist ein Staat in Zentralasien. Sein Territorium erstreckt sich zwischen 41°35" und 52°06" nördlicher Breite sowie 87°47" und 119°57" östlicher Länge. Unter allen Staaten der Erde nimmt es hinsichtlich seiner Fläche den 18. Platz ein. Trotzdem hat die Mongolei nur zwei Nachbarn: Mit Russland im Norden teilt das Land eine 3485 km lange Grenze und mit der Volksrepublik China im Süden eine 4677 km lange Grenze; außerdem beginnt Kasachstan nur 38 km westlich des westlichsten Punktes der Mongolei. Seine Ost-West-Ausdehnung beträgt 2392 km und seine Nord-Süd-Ausdehnung 1259 km. Es ist zu 40 % von Halbwüste, zu 35 % von Baumsteppe und zu 20 % von Grassteppe bedeckt; den Rest machen Wald und Sandwüste aus.[4][5]

Die größte Stadt der Mongolei (Stand 1. Januar 2005/13. Mai 2007) ist die Hauptstadt Ulaanbaatar (Ulan Bator) mit knapp 1 Million Einwohnern oder rund einem Drittel der Bevölkerung des ganzen Landes. Bedeutende Städte sind Erdenet mit 79.649 Einwohnern, Darchan mit 72.386 Einwohnern und Tschoibalsan mit 44.367 Einwohnern; weitere Städte sind in der Liste der Städte in der Mongolei zu finden.

Oberflächengestalt[Bearbeiten]

Jurte in der Gobi

Etwa ein Drittel des Staatsgebietes wird von Hochgebirgen eingenommen, vor allem im Norden, Westen und Südosten. Den Süden und Osten dominieren trockene Hochebenen. Die mittlere Landeshöhe liegt bei etwa 1580 Meter über dem Meeresspiegel.

Als Westmongolei wird die Region zwischen Changai-Gebirge und Altai bezeichnet. Hier, an der Grenze zum chinesischen Xinjiang, erreichen zwei Gipfel des Altai fast 4400 Meter, darunter der Chüiten-Gipfel, der mit 4374 m die höchste Erhebung der Mongolei darstellt. Von dort ziehen die 3000 bis 4000 m hohen Gebirgsketten Mongolischer Altai und Gobi-Altai 2000 km nach Ostsüdost, entlang der Grenze zu China, bis zum Mongolischen Plateau; weitere Gebirge in der Westmongolei sind das Tannu-ola-Gebirge und das Sajangebirge. In der Mongolei gibt es hunderte Gletscher, wenngleich alle sehr kleiner Ausdehnung sind. Der Potanin-Gletscher hat eine Länge von etwa 18 km und der Prschewalski-Gletscher 11 km.[6]

Im Landeszentrum liegt das Changai-Gebirge mit zahlreichen Dreitausendern, dessen Nordflanke bereits zum sibirischen Baikalsee entwässert, und östlich davon die Region um die Hauptstadt Ulaanbaatar (1350 m). Östlich davon schließt das Chentii-Gebirge an. Südlich dieses Gebirgszuges ist das Land hügelig, bis es in die Gobi übergeht. Im Osten der Mongolei befindet sich am See Choch Nuur der niedrigste Punkt der Mongolei, auf 532 m.

Gewässer[Bearbeiten]

Ider bei Dschargalant (Chöwsgöl-Aimag)

In der Mongolei gibt es etwa 1200 Flüsse mit einer Gesamtlänge von fast 70.000 km. Das Land wird in drei Richtungen entwässert: in Richtung des pazifischen Ozeans, in Richtung des arktischen Ozeans und in Richtung der abflusslosen zentralasiatischen Tiefebene. Als Binnenstaat hat die Mongolei selber keinen Zugang zu Meeren oder Ozeanen.

Den Norden durchziehen die wasserreichen Flüsse Selenga und ihre großen Nebenflüsse Ider, Orchon und Tuul. Diese entspringen im Changai-Gebirge und münden in den Baikalsee. Ebenfalls im Norden und Osten fließen der Onon und der Cherlen, die im Chentii-Gebirge entspringen und über den Amur in Richtung Pazifik entwässern, außerdem der Ulz, Kerulen und Halhyn gol. Die größten Flüsse des Ostens sind der Chowd gol und der Dzabhan, die beide in Richtung des abflusslosen Zentralasien fließen. Alle Flüsse der Mongolei frieren im Winter zu. Die Eisdecke kann bis zu einem halben Jahr bestehen bleiben und eine Dicke von mehr als einem Meter erreichen. Die zugefrorenen Flüsse werden im Winter häufig von Fahrzeugen als Straße benutzt, wodurch sie mit Öl verschmutzt werden.[5][7]

Zu den fast 4000 Seen der Mongolei gehören der 3350 km² große Salzwassersee Uws Nuur und der 2760 km² umfassende Chöwsgöl Nuur. Letzterer gehört zu den bedeutendsten Süßwasserseen der Welt. 95 % der anderen Seen haben eine Größe von unter 5 km²; 80 % sind Süßwasserseen. Da sie häufig von Gletschern gespeist werden und fernab jeglicher Industriezentren liegen, sind sie fast nicht verschmutzt und besitzen ein sehr klares Wasser. Sie sind wichtige Raststationen für Zugvögel.[8]

Die Gewässer in der Mongolei sind von erheblicher Desertifikation betroffen, 852 der Flüsse und Bäche und mehr als 1000 der Seen sind ausgetrocknet oder verschwunden (Angaben von 2007).[9]

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Ulan Bator

Die Lage im zentralasiatischen Hochland beschert der Mongolei eines der extremsten Klimate unter den kontinentalen und auch den ariden Klimaten der Welt. Aufgrund des trockenen, ausgeprägten Kontinentalklimas schwanken die Temperaturen im Laufe des Jahres sehr stark: Im Winter liegen die durchschnittlichen Tagestemperaturen bei −25 °C, im Sommer bei +20 °C, womit die Schwankungen zwei- bis dreimal größer sind als in Westeuropa. Der mittlere Jahresniederschlag erreicht 200 bis 220 Millimeter und nimmt von über 400 mm im Norden des Landes auf weniger als 100 mm im Süden der Wüste Gobi ab. Im Jahresgang fallen 80 % bis 90 % der Niederschläge von Mai bis September. Auch die Temperaturdifferenzen zwischen Nacht und Tag sind ungewöhnlich hoch und erreichen bis zu 32 °C. Die absolute Temperaturamplitude zwischen Sommer und Winter erreicht bis zu 100 K.

Vegetation[Bearbeiten]

Während der Nordteil der Mongolei noch Bestandteil der borealen Nadelwaldzone mit ausreichender Niederschlagsversorgung ist, nehmen die Niederschläge in Südrichtung kontinuierlich ab. Die natürlichen Bedingungen wie das Niederschlagsgefälle in Nord-Süd-Richtung und die Luv-Lee-Effekte der das Land durchziehenden Bergzüge führen zu einer ausgeprägten Vegetationszonierung, die Hilbig 1995[10] entsprechend den Niederschlagsverhältnissen von Nord nach Süd wie folgt unterschied (in Klammern ist ihre Verbreitung in den entsprechenden geographischen Gebieten und Florenregionen nach Grubov 1982[11] genannt):

  • Gebirgstaiga (Chubsugul, Chentei, Nordrand Changai)
  • (Gebirgs-) Waldsteppe (Changai, Chubsugul, Chentei, mongolisch-daurische Florenregion, Mongolischer Altai, Hinggan)
  • (Trocken-) Steppe (Südteil Changai, Mittel-Chalcha, Ost-Mongolei, Randgebiet des Beckens der Großen Seen)
    • Grassteppe
    • Bergsteppe
    • Wiesensteppe
    • Sandsteppe
  • Alpine Vegetation (Chubsugul, Chentei, Changai, Mongolischer Altai)
  • Halbwüste (Wüstensteppe) (südliche Hälfte der Mongolei, Becken der Großen Seen, Gobi-Altai, Dsungarische Gobi)
  • Wüste (Dsungarische Gobi, Transaltai-Gobi, Alashan-Gobi und Ost-Gobi)

Extrazonale Vegetation:

  • Alpine Vegetation (ausgebildet im Chubsugul-Gebiet, im zentralen Changai, im mongolischen Altai, teilweise im Chentei)

Fauna[Bearbeiten]

Baktrische Kamele im Nationalpark Gobi Gurwan Saichan

Die Fauna der Mongolei hat sich an die Bedingungen der Steppe angepasst. Von den Menschen werden Schafe, Ziegen, Rinder, Kamele und Pferde gehalten. An wilden Säugetieren der Steppe sind Saiga, Springmaus-Arten, Murmeltier, Wolf, Yak, eine Wildkatzen-Art und der Steppeniltis zu nennen. An den Seen kommt eine Kranich-Art vor, als weitere Vogel-Arten der Mongolei sind Bussard-Arten, Steppenadler, die Lerche und eine Steinschmätzer-Art bekannt. Eine Besonderheit ist das Przewalski-Pferd, das bereits ausgestorben war und erfolgreich wieder ausgewildert wurde. Die Wald- und Gebirgsgebiete des Landes werden vom Argali, einer Wildziegen-Art, einer Gazellen-Art, dem Hermelin, dem Schneehasen, Bekassinen-Arten und dem Altai-Königshuhn (Tetraogallus altaicus) bewohnt. Eine Besonderheit ist hier der Schneeleopard, der aufgrund von Jagd und der Einschränkung seines Lebensraumes stark bedroht ist. In der Gobi leben der Asiatische Esel, die Kaschmirziege, zahlreiche Arten von Nagetieren und Eidechsen und Agamen. In der Gobi lebt auch der stark bedrohte Gobibär, eine kleine Form des Braunbären, die sich hauptsächlich vegetarisch ernährt. In den Gewässern der Mongolei kommen Karpfen-Arten, Lenok (Brachymystax lenok), Hechte, Quappen, Flussbarsche und Schmerlen vor. Der Baikal-Stör (Acipenser baerii baicalensis Nikolskii) migriert über mehr als 300 km über den Orchon, um in der Selenga und dem Oberlauf des Orchon abzulaichen. Zugvögel, die nur den Sommer in der Mongolei verbringen, sind die Schwanengans, Höckerschwan und Krickente. Es gibt auch Zugvögel, die in der Mongolei überwintern, wie die Schneeammer oder die Schnee-Eule.[12]

Paläontologie[Bearbeiten]

Aufgrund des früher warmen und feuchten Klimas der Region, das später trocken und kühl wurde, sind zahlreiche Überreste von Sauriern erhalten geblieben. Seit den 1920er Jahren wurden zahlreiche spektakuläre Funde in der Mongolei gemacht. So entdeckte der amerikanische Wissenschaftler Roy Chapman Andrews die ersten Dinosauriereier. Weiters wurden Fossilien von Oviraptor, Protoceratops, Velociraptor, Therizinosaurus, Pachycephalosauria und Tarbosaurus gefunden.[13]

Naturkatastrophen[Bearbeiten]

Die Mongolei liegt in einem seismisch sehr aktiven Gebiet; Erdbeben sind häufig. Aufgrund der niedrigen Bevölkerungsdichte und weil es relativ wenige Gebäude gibt, die einstürzen könnten, verursachen die Beben allerdings in der Regel nur geringe Schäden. Die heftigsten Erdbeben ereigneten sich 1905 in der Zentral-Mongolei sowie 1931, 1957 und 1967 in der Südwest-Mongolei. Das Beben von 1905 hatte eine Stärke von 8,2 bis 8,7 auf der Richter-Skala, jenes von 1957 eine Stärke von 7,9 bis 8,3 und das Beben von 1967 kam auf 7,5. Die zahlreichen von den Beben hinterlassenen Erdspalten führen allerdings nicht selten dazu, dass Flussläufe, von denen die Nomaden und deren Herden abhängen, austrocknen oder sich verlagern.[14]

Als Dsud bezeichnet man ursprünglich sehr schneereiche Winter, in denen die Tiere nicht mehr in der Lage sind, Futter unter der Schneedecke zu finden und deshalb verhungern. Inzwischen wird der Begriff aber auch für andere, insbesondere winterliche meteorologische Bedingungen benutzt, unter denen das Grasen des Viehs unmöglich wird. So unterscheidet man neben dem genannten Weißen Dsud, bei dem die Tiere nach starkem Schneefall keine Nahrung mehr unter der Schneedecke finden, den sogenannten Schwarzen Dsud, bei dem die Tiere aufgrund von zu wenig Schnee verdursten (da Brunnen und Gewässer gefrieren, ist Schnee bei kalten Temperaturen die einzige Wasserquelle). Eine weitere Form ist der Eisige oder Eiserne Dsud, bei dem gefrierender Regen das Land mit Eis überzieht und so die Tiere daran hindert, sich von Gras und Kräutern zu ernähren. Eine vierte Form schließlich ist der Sturm-Dsud aufgrund von Sandstürmen. Dsuds sind in der Mongolei relativ häufige Phänomene, denen innerhalb eines Winters Millionen von Tieren zum Opfer fallen können und die dadurch die Bevölkerung um ihre Ernährungsgrundlage bringen.[15]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die ethnischen Gruppen der Mongolei (2000)[16]
Ethnie Anzahl
(in Tausend)
Anteil (%)
Chalcha 1.934,7 81,5
Kasachen 103,0 4,3
Dörwöd 66,7 2,8
Bajad 50,8 2,1
Burjaten 40,6 1,7
Dariganga 31,9 1,3
Zachtschin 29,8 1,3
Urianchai 25,2 1,1
Andere 82,6 3,5
Ausländer 8,1 0,3
Summe 2.373,5 100,0

Bevölkerungsgruppen und Entwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung der Mongolei von 1961–2005 (Daten der FAO)

Die große Mehrheit der Bevölkerung der Mongolei (ca. 85 %) gehört zum Volk der Mongolen. Die Untergruppen dieses Volkes werden im Wesentlichen durch ihren jeweiligen Dialekt unterschieden. Vor allem im Westen des Landes (Bajan-Ölgii-Aimag und Chowd-Aimag) leben Minderheiten aus verschiedenen Turkvölkern, wie Kasachen und Tuwiner (Urianchai). Zugewanderte Russen und Chinesen leben vorwiegend in den Städten oder als Fachkräfte im Bergbau. Der Anteil der Russen ist nach der Demokratisierung allerdings stark zurückgegangen.

Die Mongolei ist nach Westsahara und Grönland, dem autonomen Bestandteil des Königreichs Dänemark, der am dünnsten bevölkerte Staat der Welt. Allerdings hat sich die Bevölkerungszahl in den letzten 30 Jahren verdoppelt.

Im Sozialismus wurde das Bevölkerungswachstum staatlich gefördert. Im Rahmen des ersten Fünfjahrplanes (1948–1952) wurde das erste Mal die Notwendigkeit höheren Bevölkerungswachstums festgestellt, um die Ziele in Landwirtschaft und Industrialisierung erreichbar zu machen. Es wurden in der Folge Anreize zu hohen Kinderzahlen geschaffen: Frauen mit mehr als vier Kindern bekamen Auszeichnungen, kostenlosen Erholungsurlaub, höheres Kindergeld und vorzeitige Pensionierung. Die Fertilität erreichte im Jahre 1963 mit durchschnittlich 8 Kindern pro Frau ihren höchsten Wert. Gleichzeitig blieb, trotz deutlicher Fortschritte im Gesundheitswesen, die Kindersterblichkeit mit 75 pro 1000 Lebendgeburten relativ hoch. Verbesserungen in der wirtschaftlichen Lage, höhere Ausbildung und die Einführung von Familienplanung führten zu einem langsamen Sinken der Fruchtbarkeitsrate. Zu Beginn der 1990er Jahre fiel sie aufgrund des Überganges zur Marktwirtschaft und den damit neu auftauchenden sozialen Problem abrupt ab, 1993 lag sie nur noch bei 2,6 Geburten pro Frau und ein weiteres Sinken auf 1,8 bis 2020 wird erwartet.[17] Die Volkszählung von 2000 stellte noch ein Bevölkerungswachstum von 1,54 % fest. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung sind jünger als 30 Jahre, 36 % unter 14. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug 2000 67,25 Jahre (Männer 64,98, Frauen 69,64).

Gesundheit[Bearbeiten]

In der Mongolei gibt es Zeiten extremer Kälte, welche Einwirkungen auf die Lebenserwartung der ländlichen Bevölkerung hat.[18] Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 68 Jahre (2010), wobei Männer im Schnitt 66 und Frauen 71 Jahre alt werden.[1] 2006 betrugen die Gesundheitsausgaben der Regierung 124 US-Dollar (Kaufkraftparität) pro Kopf.[19]

Das Wort „mongol“ in mongolischer Schrift

Sprachen und Schriften[Bearbeiten]

Die Chalcha-mongolische Sprache als wichtigster Vertreter der Mongolischen Sprachfamilie ist die Muttersprache von etwa 85 Prozent der ethnischen Mongolen. Der Rest setzt sich größtenteils aus Burjaten im Norden, Durbet im Nordwesten, Dariganga im Südosten und den Westmongolen (Oiraten u. ä.) im Westen zusammen. Die übrigen Minderheiten im Westen sprechen verschiedene türkische (vorwiegend Kasachisch) oder tungusische Sprachen. Während des Sozialismus wurde den Schülern Russisch unterrichtet. Seit 2005 wird stattdessen Englisch an den Schulen als offizielle erste Fremdsprache gelehrt. Etwa 30.000 Mongolen sprechen Deutsch als Fremdsprache.

Die Alphabetisierungsrate unter Erwachsenen übersteigt nach Angaben der UNO 98 Prozent. Die mongolische Sprache wird in der Mongolei heute in einem geringfügig erweiterten kyrillischen Alphabet geschrieben. Die ursprünglich dem Uigurischen entstammende traditionelle mongolische Schrift wird senkrecht geschrieben. Nach Ende der kommunistischen Vorherrschaft wurde offiziell ihre Wiedereinführung beschlossen, diese hat in der Praxis jedoch schon aus ökonomischen Gründen kaum Chancen, verwirklicht zu werden. In der Inneren Mongolei ist die traditionelle Schrift aber immer noch in Gebrauch.

Religion[Bearbeiten]

Kloster Tsetserleg
Klosteranlagen in Erdene Dsuu
Hauptartikel: Buddhismus in der Mongolei

Die ursprüngliche Glaubensform der zentralasiatischen Steppenbewohner war der Tengrismus, eine Form des Schamanismus. Die Schamanen (boo) stellten mit Hilfe von Zeremonien den Kontakt zu Geistern und Vorfahren her, wobei einer Art Fellpuppe (ongghot) eine ganz besondere Rolle zukam. Ab 1575 wurde der Schamanismus unterdrückt, viele ongghot wurden verbrannt, Elemente des Schamanismus lebten jedoch im Buddhismus fort. Heute spielen schamanistische Traditionen wieder zunehmend eine Rolle. Oboo, Steinhaufen auf Anhöhen oder Wegkreuzungen, wo jeder, der ein Gebet spricht, einen Stein hinzufügt, sind immer häufiger anzutreffen.[20]

Der Buddhismus wurde mehrere Male in der Mongolei eingeführt: Im 1. Jahrhundert v. Chr. durch die Xiongnu, im 6. Jahrhundert durch die Jujuan, im 10. Jahrhundert durch die Kitan. Im Weltreich des Dschinggis Khan, wo alle Religionen gefördert wurden, war der Buddhismus nur eine unter mehreren Religionen. Im 16. Jahrhundert etablierte sich in der Mongolei die tibetische Form des Buddhismus (Vajrayana). Altan Khan, der Ambitionen hatte, die mongolischen Stämme unter seiner Führung zu vereinigen, unterstützte die Priester der Gelugpa-Schule bei der Verbreitung ihrer Lehre und bei der Erlangung der Vormachtstellung in Tibet. Im Gegenzug ließ er sich zur Reinkarnation Kublai Khans erklären. 1578 verlieh man zum ersten Mal den Titel Dalai Lama an Sonam Gyatso (seine zwei Vorgänger wurden posthum ernannt); von diesem Jahr ab verbreitete sich der Buddhismus, von Hohhot ausgehend, in mehreren Wellen über die ganze Mongolei. 1586 wurde aus den Steinen der ehemaligen Hauptstadt Karakorum auf einem 16 Hektar großen Gelände das buddhistische Kloster Erdene Dsuu errichtet, das über 60 buddhistische Tempel beherbergte.

Der Lamaismus, insbesondere dessen tibetische Linie Gelugpa, wurde langsam zu einer dominierenden Kraft. Die Qing nutzten ab 1740 den Buddhismus dazu, die Mongolen zu kontrollieren, indem sie bestimmten, dass der Jebtsundamba Khutukhtu nur noch in Tibet zu finden sei, um sicherzustellen, dass die Tempel kein Ort der Rebellion werden würden. Gleichzeitig wurde den Klostern ein Da Lama vorgesetzt, der in der Regel ein Mandschu war und die Aktivitäten des Klosters zu überwachen hatte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren etwa 40 % der Männer als Lamas oder Laien in den Klöstern, von denen es mehr als 800 in der ganzen Mongolei gab. Die Klöster besaßen eine große wirtschaftliche Macht und hatten hohe Vermögen angehäuft.

Ab den 1920er Jahren wurden alle Religionen nach sowjetischem Vorbild bekämpft. Viele Klöster und Tempel wurden zerstört, darunter auch 1937 Erdene Dsuu, tausende von Lamas wurden ermordet oder verbannt. Es überdauerten nur einige wenige Klöster die sozialistische Periode. Gleichwohl wurden bestimmte Traditionen, wie z. B. das buddhistische Begräbnis, nicht angetastet. Nach der Demokratisierung 1991 lebte die Ausübung der Religion aber wieder stark auf. 2007 gab es etwa 100 Tempel und Klöster, wenngleich ein gewisser Teil der Bevölkerung der Religion skeptisch gegenübersteht.[21]

Die meisten der als Minderheiten in der Mongolei lebenden Turkvölker, wie z. B. die vorwiegend im Bajan-Ölgii-Aimag lebenden Kasachen, sind Anhänger des Islam, mit Ausnahme der Tuwiner. Sie machen etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung aus.[22]

Das Christentum hat in der Geschichte der Mongolei nie eine bedeutende Rolle gespielt. Die einzige christliche Minderheit waren die Nestorianer. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zu verstärkten Missionierungsbemühungen europäischer und amerikanischer Priester, die Missionare wurden jedoch bei der Machtübernahme durch die Sowjets deportiert. Das Ende des Sozialismus bedeutete auch die Rückkehr der Missionare, speziell evangelischer Glaubensgemeinschaften. Umfragen zufolge bezeichnen sich ein bis sieben Prozent der Bevölkerung als Christen, wobei das Christentum häufig mit dem hohen westlichen Lebensstandard assoziiert wird. Auch die Katholische Kirche in der Mongolei erhält verstärkt Zulauf.[23]

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte der Mongolei

Vorgeschichte und Altertum[Bearbeiten]

Vor 500.000 Jahren war das Territorium der heutigen Mongolei von den frühesten Vorfahren der Menschen besiedelt. Dies belegen Funde von primitiven Werkzeugen aus Stein. Damals war das Klima milder als heute. Die Berge waren mit Laub- und Nadelwäldern bedeckt. Auf den saftigen Wiesen lebten Antilopen und Mammuts.

Vor 40.000–50.000 Jahren kühlte das Klima ab, Gletscher bedeckten die Berge. Die Bewohner der heutigen Mongolei verfügten damals bereits über Messer, Pfeilspitzen und Schaber aus Stein. Wahrscheinlich wussten sie, wie man Feuer macht, sie hatten Behausungen und Kleidung.

Kurgan Stelen am Fuße des Berges Uushig, Provinz Chöwsgöl, Mongolei

Aus der späteren Steinzeit, also von vor 40.000 bis 12.000 Jahren, stammen Höhlenmalereien in der Provinz Chowd. Das Land war damals von Mammuts, Nashörnern, Hirschen, Bisons, Eseln und Antilopen besiedelt. Im Mesolithikum, etwa vor 12.000–7000 Jahren, begann man, Pfeil und Bogen zu benutzen und Haustiere zu halten. Es wird auch vermutet, dass Menschen der Region über die damals existierende Landbrücke in die Beringstraße nach Nordamerika wanderten.

Die ersten schriftlichen Belege stammen aus chinesischen Chroniken. Sie bezeugen die Feindschaft zwischen den zwei Völkern und beschreiben die Mongolen wie Wölfe und Barbaren, deren einziges Ziel es war, chinesische Vorräte zu rauben. Man darf davon ausgehen, dass die Vorgänger der Mongolen damals eine primitive Form von Landwirtschaft betrieben und dass es Handelsbeziehungen mit anderen Völkern gab, da Geschirr aus Nephrit gefunden wurde, wofür das Rohmaterial im weiteren Umkreis der Fundstätte nicht zu finden ist.

In der Bronzezeit, etwa 2500 v. Chr. bis 1000 v. Chr., entwickelte sich die Kultur der Region aufgrund der zahlreich vorhandenen Lagerstätten an Kupfer in der Mongolei schnell. Zur gleichen Zeit kühlte das Klima jedoch weiter ab, so dass es zu kalt wurde, um Ackerbau zu betreiben, wodurch die Menschen hier endgültig zu viehzüchtenden Nomaden wurden. Kunstgegenstände, die aus dieser Zeit stammten, belegen, dass Pferde, Ziegen und Schafe in der Gesellschaft bereits damals eine große Rolle spielten.

Im dritten Jahrhundert v. Chr. fiel der Stamm Xiongnu in den südlich gelegenen chinesischen Staaten ein. Sie wurden erfolgreich zurückgeschlagen, und als Antwort auf die häufigen mongolischen Einfälle begann Kaiser Qin Shihuangdi mit dem Bau der Chinesischen Mauer, indem er bereits vorhandene Befestigungsmauern verband und ausbaute. Die Völker aus der Steppe, wie die Xianbei, die Tuoba und die Rouran, überwanden die Mauer jedoch wiederholt und plünderten die chinesischen Gebiete, zeitweise errichteten sie sogar ihre eigenen Reiche und akkulturierten sich. Im 8. Jahrhundert übernahmen Turkvölker, vor allem die Uiguren die Vormachtstellung, im 10. Jahrhundert gründeten die Kitan die Liao-Dynastie, die bis 1125 überdauerte.[24][25]

Der Name Mongolen dürfte während der Tang-Dynastie (7. bis 10. Jahrhundert) aufgekommen sein.

Das mongolische Großreich[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mongolisches Reich
Ausbreitung des Mongolenreiches unter Dschingis Khan (1227)

Im 12. Jahrhundert gelang es dem Sohn des Clanchefs der Kijat, Temüdschin, die zahlreichen untereinander zerstrittenen mongolischen Stämme zu vereinigen und aus ihnen einen Staat zu formen, der es mit seinen mächtigen Nachbarn aufnehmen konnte. Temüdschin, der seinen Vater schon in seiner frühen Kindheit verlor, wurde mit seiner Familie von seinem Clan in der Steppe ausgesetzt. Nachdem er seinen älteren Stiefbruder getötet hatte, wurde er zum Führer seiner Familie, die Verbindungen mit anderen jungen Männern und Clans einging und schwang sich durch Geschick, Großzügigkeit und Gewalt zum Führer aller Mongolen auf. Um das Jahr 1206 wurde er unter dem Titel Dschingis Khan als Führer aller Mongolen anerkannt.[26][27] Er stellte eine mächtige Armee auf, zu der mit wenigen Ausnahmen alle Männer zwischen 15 und 70 Jahren verpflichtet wurden, wobei er darauf bedacht war, in allen Gruppen Männer von verschiedenen Stämmen zusammenzufassen. Neu war auch eine streng hierarchische Organisation der Armee und die Spezialisierung der Soldaten.

Um seine militärische Organisation zu unterstützen, führte er Neuerungen wie eine Volkszählung, ein Kommunikationssystem mit Fahnen und eine berittene Post ein.[28]

Das Mongolenreich unter Dschingis Khan (1227)
Nachbildung des Silberbaumes in Karakorum

In der Folge eroberte das Heer der Mongolen das Reich Xixia der Tanguten, das Reich der Jurchen im heutigen Nord- und Nordostchina und die reichen muslimischen Königreiche im heutigen Kasachstan, Usbekistan, Iran, Afghanistan und der Türkei; kleine Reiche unterwarfen sich ihm als Vasallen. Es wird geschätzt, dass bei den gewaltsamen Einfällen des mongolischen Heeres etwa 30 % der Bevölkerung ums Leben kam. Dschingis Khan legte Wert darauf, dass bei den Massakern Künstler, Architekten und Verwalter verschont wurden, weil er diese für den Aufbau seines eigenen Reiches benötigte. In der heutigen Zentralmongolei entstand die Hauptstadt Karakorum. Sie lag an der Kreuzung zweier wichtiger Handelsrouten; die Mongolen ermutigten Menschen aus anderen Teilen Asiens, sich in Karakorum anzusiedeln. Die Bewohner hatten Religionsfreiheit, in der Stadt entstanden Moscheen, Kirchen und buddhistische Tempel.[29]

Das von Dschingis Khan erlassene Gesetzbuch Jassa beinhaltete traditionelle mongolische Gesetze, wurde jedoch um neue Gesetze, die die Erweiterung des mongolischen Reiches verlangte, ergänzt. Die Gesetze sahen Strafen für Lügner vor, verlangten die Rückgabe von verlorenem Eigentum, beschränkten den Alkoholgenuss und errichteten ein soziales Sicherheitsnetz für die Hinterbliebenen von getöteten mongolischen Kriegern. Eine weitgehend einheitliche Rechtsordnung trug wesentlich zur Pax Mongolica vom späten 12. Jahrhundert bis ins 14. Jahrhundert bei.

Als Dschingis Khan 1227 starb, wurden alle Lebewesen in seiner Umgebung, inklusive 2000 Menschen, die am Begräbnis teilgenommen hatten, getötet. Nach mongolischer Tradition wurde der Ort der Grabstätte geheim gehalten und bis heute wurde das Grab von Dschingis Khan nicht gefunden.[29]

Vor seinem Tod hatte Dschingis Khan sein Reich bereits in vier Khanate aufgeteilt. Sein Sohn Tschagatai bekam die Herrschaft über den südwestlichen Teil des Reiches, wozu Afghanistan, Turkestan und Zentralsibirien gehörten. Sein Enkel Batu bekam die Macht über Zentralasien und gründete dort die Goldene Horde. Pol Uri bekam die Macht über die Mongolei und Ögedei wurde mit der Herrschaft über China und Ostasien betraut. Ögedei Khan gelang es, das Reich weiter auszubauen und sein Territorium südlich und westlich zu erweitern. Als Ögedei zwölf Jahre später starb, standen seine Armeen in Südchina und vor den Toren Wiens. Sein Nachfolger Möngke eroberte den größten Teil Südchinas und den Nordteil des heutigen Vietnam. 1261 wurde Kublai sein Nachfolger. Kublai war nicht nur ein talentierter Heerführer, sondern auch ein weitsichtiger Herrscher. Er förderte Handel und Seefahrt, die Wissenschaften und führte Verbesserungen in der chinesischen Landwirtschaft ein. Unter seiner Herrschaft wurde die mongolische Schrift entwickelt und 1280 verlegte er seinen Wintersitz nach Dadu, das heutige Peking, wo er die Yuan-Dynastie gründete. Obwohl die Eroberung Japans zweimal fehlschlug, erreichte das Mongolische Weltreich unter Kublai Khan seinen Höhepunkt der Machtentfaltung. Die Thronfolge blieb jedoch nach dem Tod eines jeden Herrschers unklar, die Kämpfe um die Macht schadeten der territorialen Integrität des Reiches.[30][31]

Nach dem Tode Kublai Khans konnten die Mongolen ihre Macht nicht halten.[32] Das Mongolische Reich kannte auch nach Kublai Khan noch die Institution des Großkhans, allerdings wurde er nicht mehr von allen Khanaten vollständig anerkannt. Der letzte Großkhan, der alle mongolischen Teilreiche beherrschte, war Timur Khan (bis 1307)[33][34]. Danach kam es zwar wiederholt zu Tributzahlungen der anderen Khane an den jeweiligen Großkhan, insbesondere an Toqa Timur[35][36], sowie zu ähnlichen Gesten der Unterwerfung und Verbundenheit, allerdings wurden die politischen Geschicke des Mongolischen Reiches nach Timur Khan in Wahrheit weitgehend dezentralisiert gelenkt. Insbesondere unterstützten sich die Khane gegenseitig - beziehungsweise ihren Großkhan - nur mehr bedingt bei militärischen Aktionen; oft wurden nur symbolisch Soldaten entsandt. Insofern war das Mongolische Reich ab 1307 die meiste Zeit über eher ein dem Heiligen Römischen Reich ähnlicher Staatenbund unter mehr formeller denn tatsächlicher Leitung durch den Großkhan als ein einheitlicher Staat im modernen Sinn. Bereits 1368 verloren die Mongolen die Herrschaft über China, wo sich die Ming-Dynastie etablierte.

Trotz mangelhafter politischer Einheit war der Zusammenhalt innerhalb des Mongolischen Reiches auch nach 1307 noch deutlich erkennbar. Er manifestierte sich unter anderem im Rechtssystem, dem Post- und Kommunikationssystem (Örtöö und Païza), und dem gemeinsamen Kunst- und Kulturgut wie insbesondere Schrift und Sprache. Damit ist die Einheit des Mongolischen Reiches durchaus mit jener anderer großen Reiche des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit vergleichbar.[37][38]

15. bis 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Tempel im Kloster Erdene Dsuu, das von Altan Khan gegründet wurde

Wie vor der Zeit Dschingis Khans griffen die mongolischen Stämme wiederholt das chinesische Kaiserreich an, was die Herrscher der Ming-Dynastie bewog, die chinesische Mauer weiter auszubauen und zu verstärken. Auch begannen zahlreiche, durch China angestachelte Kämpfe der mongolischen Stämme untereinander. Im Ergebnis eines langen Krieges zwischen den beiden bedeutendsten mongolischen Stämmen, den Oiraten und den Chalcha, wurden die Oiraten aus der heutigen Mongolei vertrieben. In der Herrschaftszeit von Altan Khan begann der tibetische Buddhismus zur Staatsreligion der Mongolen zu werden.[39] Davor war der Buddhismus noch eine von mehreren Religionen gewesen, die in seinem Reich praktiziert wurden. Gleichzeitig stiegen östlich der heutigen Mongolei die Mandschu zur dominierenden Macht auf. 1634 besiegten sie Ligdan Khan, ab 1644 wurde die mandschurische Qing-Dynastie gegründet, in deren Regierung auch zahlreiche mongolische Beamte tätig waren. Es wurden effizientere Waffen eingeführt, gegen die die berittenen Mongolen mit Pfeil und Bogen nicht ankämpfen konnten. Die nomadische mongolische Gesellschaft war jedoch nicht darauf eingerichtet, solche Waffen selbst herzustellen. Die Grenzen des mongolischen Reiches begannen somit enger zu werden. Der südliche Teil der Mongolei wurde zur Besiedelung durch Han-Chinesen freigegeben und gehört bis heute als Innere Mongolei zur Volksrepublik China. Im Norden wurde die Mongolei Teil des Einflussgebiet des russischen Zarenreiches. Das mongolische Territorium wurde in Banner unterteilt, deren Vorsteher von den Qing eingesetzt wurden. So wurden die traditionellen Machtverhältnisse zerstört; auch der Buddhismus wurde durch mehrere Maßnahmen der Kontrolle durch die Qing unterworfen.[40]

Der Buddhismus führte auch zum Entstehen von festen Ansiedelungen um buddhistische Klöster. Der Buddhismus wurde zu einer der einflussreichsten Kräfte in der Mongolei, zahlreiche Klöster entstanden, viele junge Männer traten in die Klöster ein, um dem Militärdienst zu entgehen und die Einnahmen der Klöster waren in etwa gleich hoch wie jene des mongolischen Staates.[41]

Unabhängigkeit und Kommunistische Herrschaft[Bearbeiten]

Nationalheld Süchbaatar

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts blieb es in der Mongolei relativ friedlich und stabil. Es war eine verarmte, zurückgebliebene, von Krankheit und Unbildung gezeichnete Provinz mit weniger als einer Million Einwohnern, die größtenteils schwer bei chinesischen Händlern verschuldet waren. Den Zusammenbruch der chinesischen Qing-Dynastie im Jahre 1911 nutzte die Mongolei, um sich mit russischer Unterstützung für unabhängig zu erklären. Im Jahre 1915 unterzeichnete die Mongolei mit China den Vertrag von Kjachta, der China offiziell die Kontrolle über die Innere Mongolei gab, wohingegen die Äußere Mongolei formal selbstständig wurde. Nach der Oktoberrevolution in Russland nahm China die Gelegenheit wahr, die Mongolei erneut zu besetzen, die 1919 kapitulieren musste. Die Chinesen wurden jedoch bereits 1920 durch Baron Roman von Ungern-Sternberg wieder vertrieben. Ungern-Sternberg erlaubte nach der erfolgreichen Bekämpfung der Chinesen seinen Truppen, die bedeutendste Stadt der Mongolei, Urga, zu plündern. Zwei mongolische Führer, Süchbaatar und Tschoibalsan, verbündeten sich hierauf mit sowjetischen Truppen, um Ungern-Sternberg zu bekämpfen. Am 11. Juli 1921 verkündete die Mongolei erneut ihre Unabhängigkeit, Ungern-Sternberg wurde im Herbst desselben Jahres hingerichtet. Im Jahre 1923 starb Süchbaatar in sehr jungen Jahren. Die Regierungszeit von Bogd Khan, der gleichzeitig der religiöse Führer des Buddhismus in der Mongolei war, blieb von kurzer Dauer. Am 25. November 1924 verabschiedete die Mongolei eine Verfassung nach dem Vorbild der Sowjetunion und wurde damit zum zweiten kommunistischen Staat der Welt.[42][43]

Die weiterhin nomadisch lebenden Bewohner der Mongolei setzten der neuen kommunistischen Führung des Staates keinen Widerstand entgegen. Aufgrund der fast nicht vorhandenen Organisationsstrukturen des Landes und der niedrigen Bevölkerungsdichte brauchte der Kommunismus eine lange Zeit, um sich in der Mongolei durchzusetzen. In der Folge wurde allen Einwohnern des Landes über 18 Jahren das Wahlrecht verliehen. Nur Händler, Geldverleiher, frühere Adelige und Mönche wurden davon ausgeschlossen. Die Führung des Einparteienstaates wurde von der Mongolischen Revolutionären Volkspartei übernommen. Die dem Obersten Sowjet entsprechende gesetzgebenden Kraft der Mongolei war nun der Große Staats-Chural. Dieser wählte den Kleinen Staats-Chural. Der kleine Chural wählte ein Präsidium und einen Ministerrat, die Exekutive, der zwölf Mitglieder hatte. Der Große Volks-Chural trat nur zweimal im Jahr zusammen. In der Zwischenzeit konnte das Präsidium Dekrete verabschieden und Kabinettsmitglieder entlassen und ernennen. Seine Entscheidungen mussten nachträglich vom Plenum bestätigt werden. Weiterhin ernannte der große Chural die Mitglieder des Obersten Gerichtes.[44]

Mit der Verfassung von 1924 wurden Land, Weiden, Wasser und Bodenschätze verstaatlicht. Alle Schulden gegenüber ausländischen Händlern (besonders Chinesen) wurden annulliert und das private Geldverleihsystem wurde abgeschafft. Der Staat übernahm ein Monopol im Außenhandel und die wirtschaftliche Macht der Klöster wurde gebrochen. Im Jahre 1924 wurde die erste mongolische Währung, der Tögrög, eingeführt. Die erste staatliche Bank war die Mongolbank. Gleichzeitig wurden mit den ersten industriellen Aktivitäten, wie dem Bergbau oder der Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten, begonnen. Im Jahre 1931 wurde das Eigentum von mehr als einem Drittel der Haushalte konfisziert und neu verteilt. Als Reaktion darauf schlachteten die betroffenen Familien sieben Millionen Tiere. Dies und das Faktum, dass die neu gegründeten Kooperativen nicht wie gewünscht funktionierten, führten 1931/1932 zu einer Hungersnot und einer Rebellion. Ein Bürgerkrieg konnte nur mit Mühe vermieden werden. Die Änderungen im Wirtschaftssystem wurden von nun ab langsamer durchgeführt.[45]

Auf der politischen Bühne griffen, parallel zu ähnlichen Ereignissen in der Sowjetunion, politische Säuberungen um sich, zu deren Opfern Bogd Khan, Chakdorjab, Togotkho, Puntsuk Dorji und Dindub gehörten. 1924 wurde Dandsan, der Vize-Premier und Kriegsminister sowie Oberkommandierender der Armee, erschossen. 1937 wurde Genden, der als Premierminister für die Politik der schrittweisen Umsetzung der kommunistischen Politik verantwortlich war, hingerichtet. Sein Rivale, Tschoibalsan, war nun gleichzeitig Premier- und Kriegsminister. Seine stalinistische Politik bekämpfte die Religion, zwang Mönche in Fabriken oder die Armee; Klöster wurden zerstört, Statuen aus Gold und Silber wurden in die Sowjetunion verbracht und dort eingeschmolzen. In den späten dreißiger Jahren wurden die Mongolei und die Sowjetunion durch die expansive Politik Japans bedroht. Sowjetische und mongolische Truppen marschierten an der Grenze zur Mandschurei auf, wo im Jahre 1939 ein japanischer Angriff erfolgreich zurückgeschlagen wurde. Im Zweiten Weltkrieg unterstützte die Mongolei die Sowjetunion mit der Lieferung von Vieh und Kleidung.[46][47]

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahre 1952, starb Tschoibalsan. Tsedenbal wurde sein Nachfolger. Im Vergleich zu Tschoibalsan, in dessen Regierungszeit zahlreiche Gewalttaten fallen, war Tsedenbal gemäßigt. Er führte die Politik von Kollektivierung und Industrialisierung friedlich fort. Im Jahre 1958 gehörten fast alle nomadisch lebenden Haushalte einer Kooperative, Negdel genannt, an. Neben der Entwicklung der Landwirtschaft entstanden einige Industriezentren, wo Bergbau und die Verarbeitung von Wolle, Fleisch und Holz betrieben wurden. Tsedenbal wurde 1984 abgesetzt; unter Nachfolger Dschambyn Batmönch bekam die Mongolei zunehmend Handlungsspielraum, was durch die Politik von Gorbatschow in der Sowjetunion ermöglicht wurde.

Sitzung des Großen Staats-Chural, November 2000

Demokratisierung[Bearbeiten]

Ab 1988 formierte sich in der Mongolei eine Opposition aus verschiedensten Kräften, die ein Mehrparteiensystem und Wirtschaftsreformen forderte und auch von Ressentiments gegenüber in der Mongolei lebenden Russen profitierte. Nach machtvollen Protesten im Dezember 1989 trat die Regierung zurück; die Wahlen von Juli 1990 gewann die Mongolische Revolutionäre Volkspartei jedoch überlegen. Der Übergang in ein marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem war für viele Mongolen hart; in den frühen 1990er Jahren herrschten Inflation und Knappheit. Trotz Vorwürfen von Korruption und Vetternwirtschaft gilt die Mongolei heute als eine der stabileren Demokratien des früheren Ostblocks.[48][49]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten]

Die Mongolei zählt zu den Transformationsländern des ehemaligen Ostblocks. Die Wirtschaft der Mongolei ist vorwiegend agrarisch.

Die Mongolei hat nach langer Stagnation (1990–2002 +3 bis −3 %) nun ein Wirtschaftswachstum von 5,3 bis 10 Prozent; der Anstieg geht großteils auf den Dienstleistungssektor zurück, der auf fast 40 % des BIP stieg, und auf höhere Weltmarktpreise für Kupfer und Gold. Das Wachstum der letzten Jahre ging allerdings am armen Teil der Bevölkerung vorbei: Etwa 40 % leben unterhalb der extremen Armutsgrenze, ähnlich wie im Jahr 1990. Die schwierigen Reformjahre haben den Anteil der Privatwirtschaft zwar auf 80 % gesteigert, aber die sozialen Unterschiede und das Stadt-Land-Gefälle vergrößert.

Aus der Karte der WFP ergibt sich eine chronische und bedrohliche Unterernährungsquote von durchschnittlich 43 %. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch. Von 1000 Neugeborenen sterben 58 im Säuglingsalter. Viele Kinder und Jugendliche leben in der kalten Jahreszeit in den Heizungstunneln von Ulaanbaatar. Der Boden dieser Tunnel ist mit Exkrementen bedeckt und von Ratten bevölkert. Die hygienischen Umstände sind entsprechend. Die Anzahl der in den Tunneln lebenden jungen Menschen wird auf „ungefähr 4.000“ bis „mindestens 10.000“ geschätzt.[50]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Kartoffelernte im Sum Charchorin

Wegen der geografisch bedingt sehr kargen Böden, der langen Winter, der geringen Niederschläge, der nomadischen Tradition des Landes und der kurzen Vegetationsperiode von nur 95–110 Tagen[51] hat sich in der Mongolei nur sehr wenig Ackerbau entwickelt. Im Unterschied dazu ist aber eine hoch spezialisierte Viehwirtschaft entstanden. Dabei werden fünf Nutztierarten gehalten, deren Produkte und Nutzen genau aufeinander abgestimmt in die nomadische Lebensweise eingebunden sind: Schaf (Wolle, Milch, Fleisch), Ziege (Fell, Milch), Yak (Milch, Leder, Fleisch), Pferd (Milch, Transport) und Kamel (Milch, Lasttransport).

Traditionelle Erzeugnisse der Landwirtschaft sind Fleisch (sechs Millionen „Großtier“-Schlachtungen 2002), Milch, Schaf- und Kaschmirwolle; außerdem Getreide (auf wenigen Promille der Landesfläche), Kartoffeln und Gemüse.

Viele bedeutende Kulturpflanzen können in dem rauen Klima der Mongolei allerdings nicht gedeihen. Nur ein Prozent der nutzbaren Fläche des Landes wird für den Anbau genutzt (1998: 1.322.000 ha, entsprechend 3.266.000 acres).[52] Daher konzentriert sich die Landwirtschaft auf die Viehzucht, und der Anbau beschäftigt nur drei Prozent der arbeitenden Bevölkerung. Angebaut werden hauptsächlich Weizen, Gerste, Hafer und Kartoffeln. In geringem Umfang werden auch Mais, Hirse und Raps angebaut.

Die moderne Landwirtschaft entwickelte sich in der Mongolei nur langsam. Erste Versuche der Kollektivierung begannen mit der Gründung von Staatsfarmen in den 1930er Jahren. 1940 bestanden zehn Staatsfarmen und 91 „Negdel“ genannte landwirtschaftliche Kooperativen. In diesem Jahr erwirtschaftete die Landwirtschaft 61 % des Nationaleinkommens und beschäftigte rund 90 % der arbeitenden Bevölkerung.[53] Die Zahl der landwirtschaftlichen Kooperativen stieg von 139 im Jahr 1950 auf 364 im Jahr 1960. 1959 war die Landwirtschaft zu 100 % kollektiviert.[53]

1960 war der Anteil der Landwirtschaft am Nationaleinkommen (nach der in den damaligen sozialistischen Staaten angewandten Methodik) bereits auf 22,9 % gesunken, doch sie beschäftigte noch 60,8 % der arbeitenden Bevölkerung.[53] Nach 1960 stieg die Anzahl der Staatsfarmen, und die Zahl der Kooperativen nahm durch Zusammenlegung ab, auch wurden Spezialfarmen zum Anbau von Futterpflanzen gegründet.[53] Nachdem die Mongolei 1962 Mitglied des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (Comecon) geworden war, erhielt ihre Landwirtschaft in größerem Umfang Unterstützung durch die Sowjetunion und andere Mitglieder des Comecon, vor allem aus der Tschechoslowakei und Ungarn.[53]

Die Negdels, die sich auf Viehzucht konzentrierten, wurden in Brigaden und diese in „Suuri“ genannte Basen, bestehend aus mehreren Familien, eingeteilt. Jeder Suuri hatte seine eigenen Aufgaben und seine eigenen Geräte. Ein durchschnittlicher Negdel produzierte 1985 500 t Korn und verfügte über 61.500 Stück Vieh, 438.500 ha Land, von denen 1200 ha beackert werden konnten, 43 Traktoren, zwei Erntemaschinen und 18 Kraftfahrzeuge.[53] Jedes einzelne Mitglied des Negdels durfte auch Vieh in Privatbesitz halten: In der Gebirgssteppe waren zehn Stück Vieh pro Person und bis zu 50 pro Haushalt zulässig sowie in Wüstengebieten bis zu 15 pro Person und bis zu 75 pro Haushalt. Mitglieder des Negdels durften ebenfalls ein Stück Land privatwirtschaftlich nutzen.

Oase Dal in der Wüste Gobi
Gemüseanbau in der Oase Dal
Rapsfeld im Selenge Aimag

Die Staatsfarmen (1985: 52) verfügten im Vergleich zu den Negdels (1985: 255) über mehr Kapital und über mehr Maschinen. Sie dienten mehr dem Ackerbau und lagen allgemein in ertragreicheren Gebieten oder in der Nähe von Bergbau- und Industriebetrieben. Zusätzlich bestanden 1985 17 Spezialfarmen hauptsächlich für den Anbau von Futterpflanzen. Eine Staatsfarm beschäftigte 1985 im Durchschnitt 500 Arbeiter und verfügte über 26.200 Stück Vieh, 178.600 ha Land, von denen 15.400 ackerbaulich genutzt werden konnten, 265 Traktoren, 36 Erntemaschinen und 40 Kraftfahrzeuge, und sie erntete im Durchschnitt 12.100 t Getreide.[53]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in verstärktem Umfang begonnen, Neuland für den Ackerbau zu gewinnen. Erst im Jahr 1960 begann die Regierung der Mongolei, statistische Angaben über die ackerbaulich nutzbare Fläche zu veröffentlichen. Sie betrug in diesem Jahr 532.000 ha, von denen 77,5 % auf die vorhandenen 25 Staatsfarmen und 22,5 % auf die Kooperativen (Negdels) entfielen.[53] 1985 lag die ackerbaulich nutzbare Fläche bereits bei 1,2 Millionen ha, die zum größten Teil von den 52 Staatsfarmen bearbeitet wurden, und in diesem Jahr plante man, weitere 120.000–130.000 ha ackerbaulich nutzbarer Fläche zu gewinnen.[53]

Die Mechanisierung der Landwirtschaft begann mit sowjetischer Hilfe in den 1950er Jahren in größerem Umfang. Sie erreichte in den Staatsfarmen einen größeren Umfang als in den Kooperativen (Negdels). In den 1960er Jahren wurde mit ungarischer Hilfe mit verschiedenen Projekten zur künstlichen Bewässerung von Staatsfarmen begonnen, und bis 1985 waren 81.600 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche künstlich bewässert.[53]

Bei dem Anbau konzentrierte man sich anfangs auf Getreide, während der Anbau von Futterpflanzen erst in den 1950er Jahren begann. 1941 dienten 95,1 % der ackerbaulich genutzten Fläche dem Getreide-, 3,4 % dem Kartoffel- und 1,5 % dem Gemüseanbau. Seit 1960 war die Mongolei bei der Getreideproduktion Selbstversorger.[54] 1985 wurden auf 60,6 % der bebauten Fläche Getreide, auf 17,7 % Futterpflanzen, auf 1,3 % Kartoffeln und auf 0,4 % Gemüse angebaut. Die wichtigsten Feldfrüchte waren Weizen, Gerste, Hafer und Kartoffeln.[53] Zwischen 1960 und 1980 wuchs die ackerbaulich genutzte Fläche erheblich an, doch blieben die Ernteerträge wegen Naturkatastrophen und Missmanagement konstant.[53]

Gegen Ende der 1980er Jahre war die Landwirtschaft immer noch ein bedeutender Teil der Wirtschaft der Mongolischen Volksrepublik. Sie beschäftigte 1985 33,8 % der arbeitenden Bevölkerung, erbrachte aber nur 18,3 % des Nationaleinkommens.[53] Die Industrie des Landes verarbeitete hauptsächlich Nahrungsmittel und Holz für den Inlandsbedarf sowie tierische Produkte wie Häute und Felle für den Export. 1986 bestanden fast 60 % der Exporte der Mongolei aus landwirtschaftlichen Produkten.[53]

Nach dem Ende des sog. sozialistischen Wirtschaftssystems fanden auch in der mongolischen Landwirtschaft tiefgreifende Veränderungen in der Eigentumsstruktur statt. Die wirtschaftliche Ausrichtung bleibt jedoch von den natürlichen Bedingungen und den Traditionen abhängig. Im Jahr 2006 entfielen 80 % der landwirtschaftlichen Erträge auf die Viehwirtschaft.[55] Die Haltung der Tiere erfolgte nunmehr zu 97 % im Privatbesitz.[56]

Die Bedeutung der Land- und Viehwirtschaft für das Bruttosozialprodukt (nach internationaler Methodik) hat mit einem Anteil von nur noch unter 20 % (2011) weiter abgenommen (1995: 38 %). Jedoch beschäftigt der Landwirtschaftssektor weiterhin ein Drittel der Bevölkerung.[57]

2009 wurden 151.211 t Kartoffeln (Anbaufläche: 13.525 ha), 388.122 t Weizen (Anbaufläche: 248.908 ha) sowie 1844 t Gerste (Anbaufläche: 1460 ha) und 1512 t Hafer (Anbaufläche: 1416 ha) geerntet.[58] Gemüse wie z. B. Erbsen, Bohnen, Zwiebeln, Knoblauch, Auberginen, Tomaten, Möhren und Gurken werden u. a. in verschiedenen Oasen der Wüste Gobi angebaut, wie z. B. in der Oase Dal im Aimag Ömnögobi. Einige der von Touristen zur Übernachtung bevorzugten Jurtencamps verfügen über eigene Gewächshäuser, in denen zur Bewirtung der Touristen ebenfalls Gemüse angebaut wird.

Obwohl die Flüsse und Süßwasserseen der Mongolei fischreich sind, ist die Fischerei von untergeordneter Bedeutung, da Fisch in der Ernährung der Bevölkerung traditionell nur eine geringe Rolle spielt. In den 1980er Jahren begann man mit dem Aufbau einer fischverarbeitenden Industrie für den Export. 1986 wurden jedoch nur 400 t Fisch in der Mongolei gefangen.

Umwelt und Naturschutz[Bearbeiten]

Die Mongolei hat die niedrigste Bevölkerungsdichte der Welt

Die Waldbestände sind seit den 1960er Jahren aufgrund des Bevölkerungswachstums durch Holzschlag und von Menschen verursachte Waldbrände deutlich reduziert worden. Im Sozialismus wurde eine nicht-nachhaltige Form der Landwirtschaft betrieben, die den Böden schadete. Nach der Wende kam die Gefahr der Überweidung durch die Nomaden hinzu. Durch Überweidung, Landwirtschaft und Entwaldung zusammen sind fast 90 % der Fläche der Mongolei von Wüstenbildung bedroht. Anders als in China gibt es in der Mongolei kein staatliches Aufforstungsprogramm.

In den Städten sind teils noch Kohlekraftwerke ohne Rauchgasreinigung in Betrieb, die damit eine Gesundheitsgefahr darstellen. Auch in den Jurtenquartieren wird vorwiegend mit Holz und Kohle geheizt und gekocht, was ebenfalls zur Luftbelastung beiträgt. Schließlich sind viele veraltete und schlecht gewartete Kraftfahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß in Betrieb.

Infostand einer Bürgerinitiative gegen unkontrollierten Bergbau, Ulaanbaatar Juli 2006

Kleine und große Heizkraftwerke sowjetischer Bauart verschmutzen zusammen mit Textil-, Leder- und Bergbaubetrieben unverhältnismäßig große Mengen an Wasser. Weniger als die Hälfte der Abwässer wird gereinigt, zudem meist mit veralteten Anlagen. Die Fließgewässer in der Nähe von größeren Siedlungen sind darum stark belastet, der Fluss Tuul bei Ulaanbaatar etwa enthält mehr als das Zehnfache der zulässigen Schadstoffe.

Die Abfallbewirtschaftung des Landes verfügt nur über eine unzureichende Infrastruktur. Auch in der Bevölkerung ist das Umweltbewusstsein bisher kaum entwickelt. Offizielle und wilde Deponien stellen ein Umweltrisiko dar, zusammen mit dem häufig in die Natur geworfenen Abfall, der auch eine wachsende Zahl von Reisezielen für den Tourismus unattraktiv zu machen beginnt.

Dennoch beherbergt die dünn besiedelte Mongolei noch heute große Naturlandschaften, die auch großen Säugern noch ausreichend Lebensraum bieten. Zahlreiche Schutzgebiete, wie der Nationalpark Gobi Gurwan Saichan wurden zum Erhalt dieser Lebensräume geschaffen.

Siehe auch: Transnationale Umweltverschmutzung in Ostasien

Bergbau, Bodenschätze und Industrie[Bearbeiten]

Die Mongolei gilt als eines der zehn rohstoffreichsten Länder der Welt, es ist jedoch momentan nur zu einem Drittel geologisch voll exploriert. Bisher wurden gut 6000 Vorkommen von 80 verschiedenen Mineralien nachgewiesen, darunter Kohle, Kupfer, Uran (etwa 2 % der Reserven der Welt), Erdöl, Gold, Silber, Flussspat, Molybdän, Zink und Diamanten. Im Südteil der Gobi wurden Kohle- und Kupferlagerstätten nachgewiesen, die zu den größten der Welt gehören.[59] Zwischen 1963 und 1971 waren DDR-Bergbauexperten an Suche und Aufschluss von Goldlagerstätten beteiligt, und von 1973 bis 1975 erkundeten sie Wolframit-Vorkommen im Gebiet von Bürentsogt.[60]

Im Zusammenhang mit dem in den Medien wenig beachteten starken Preisanstieg bei Metallen zur Stahlveredelung seit etwa 2000, darunter neben Kupfer auch Nickel und Molybdän, ist an einigen Stellen der Mongolei eine hektische Bergbautätigkeit entstanden. Unter dem Einfluss ausländischer Investoren wurden, meist unter Missachtung von Genehmigungsverfahren und Umweltauflagen, im Tagebau Lagerstätten abgebaut. Eine Bürgerinitiative hat diese Entwicklung und die damit verbundene Korruption angeprangert und in der Hauptstadt kam es zu Demonstrationen mit teils gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Kupfer- und Kohlevorkommen werden bisher vorwiegend im Tagebau abgebaut. Dies führt zu großräumigen Veränderungen der Landschaft mit entsprechenden Folgen für Flora und Fauna. Abraumhalden und Abwässer der Aufbereitungsanlagen weisen zudem einen erhöhten Gehalt an Schwermetallen auf. Eine zusätzliche Gefährdung wird auch von dem geplanten Abbau von Kupfer und Gold in der Wüste Gobi erwartet. Durch das Goldschürfen trocknete bereits der Fluss Ongi aus.[61] Anderseits bieten die großen Rohstoffvorkommen, bei der relativ kleinen Bevölkerung der Mongolei, auch die Chance auf eine deutliche Erhöhung des allgemeinen Lebensstandards.

Wirtschaftsentwicklung[Bearbeiten]

Die Arbeitslosenquote wird auf 2,8 % beziffert, dürfte aber weitaus höher liegen. Die hohe Inflation wurde seit 1996 teils erfolgreich bekämpft und liegt seither bei etwa 4 %. Die Auslandsverschuldung beträgt etwa 1,86 Milliarden US-Dollar.[62]

Außenwirtschaft[Bearbeiten]

Im Jahr 2007 exportierte die Mongolei Waren im Wert von 1,95 Milliarden US-Dollar, davon entfielen 41,6 % auf Kupferkonzentrat, 12,1 % auf Gold, 9 % auf Zinkkonzentrat, 9 % auf Kaschmirwolle in verschiedenen Verarbeitungsstufen und 6 % auf Kohle. Importiert wurden vor allem Erdölprodukte, Maschinen, Anlagen, Fahrzeuge und Elektronikprodukte und Lebensmittel. 2007 gingen 72 % aller Exporte nach China, zweitwichtigster Abnehmer war Kanada, das einen Anteil von 9 % hatte. Die wichtigsten Lieferländer im Jahr 2007 waren Russland (34 %), China (31 %), Japan (6 %) und Südkorea (5,5 %). Um die Abhängigkeit von seinen beiden direkten Nachbarn zu verringern, verfolgt die Mongolei eine Politik der Dritt-Nachbarschafts-Politik.[63][64]

Der Handel mit Deutschland erreichte im Jahr 2008 ein Volumen von 82 Millionen Euro, mit stark steigender Tendenz. Die Mongolei exportierte Waren im Wert von 15,4 Millionen Euro nach Deutschland, vor allem Textilien (Kaschmir) und tierische Produkte. Dagegen betrug der Wert von Importen aus Deutschland 66,6 Millionen Euro. Aus Deutschland eingeführt werden hauptsächlich Fahrzeuge und Maschinen. Die Mongolei hat starkes Interesse daran, die Handelsbeziehungen zu vertiefen und etwa Technologien zur Kohleverflüssigung, im Bausektor oder der Landwirtschaft einzuführen.[64]

Internationale Handelsbeziehungen[Bearbeiten]

Auch einige Abkommen mit der EU über Handelspolitik, Zoll und Textilwaren existieren. Die Mongolei ist Mitglied wichtiger internationaler Organisationen – neben der UNO und ihren Unterorganisationen z. B. bei WTO, Weltbank und Asiatischer Entwicklungsbank. Daneben hat sich die Mongolei bislang aber als einziges Land der WTO keinem regionalen Handelsabkommen angeschlossen.[65] Mit dem ASEAN, dem SAARC, der APEC und der CIS würden einige größere regionale Freihandelsabkommen in Asien bestehen, denen sich die Mongolei anschließen könnte. Gerade das 'Commonwealth of Independent States', eine Gruppe, die die Schwellenländer Mittel- und Osteuropas und die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten zusammenfasst, könnte dabei an die Verbindung der Mongolei mit Sowjetrussland anknüpfen.

Staatshaushalt[Bearbeiten]

Der Staatshaushalt umfasste 2011 Ausgaben von umgerechnet 3,5 Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 3,4 Milliarden US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 1,2 % des BIP.[62]
Die Staatsverschuldung betrug 2008 1,6 Milliarden US-Dollar oder 33,1 % des BIP.[66]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Verkehr[Bearbeiten]

Eisenbahn[Bearbeiten]

Der Express Moskau–Peking auf der Transmongolischen Eisenbahn

Die Mongolei verfügt über ein Schienennetz von etwa 1815 km Länge, dessen Herzstück die Transmongolische Eisenbahn ist. Sie führt quer durch die Mongolei von der Grenze zu Russland an die Grenze zu China und ist Teil der Verbindung von Moskau nach Peking. Die in 1520-mm-Breitspur trassierte Strecke wickelt etwa 90 % des Warenverkehrs mit den Nachbarstaaten ab. An die transmongolische Eisenbahn sind neben der Hauptstadt Ulaanbaatar auch wichtige Industriestädte wie Erdenet, Darchan und Baganuur angeschlossen. Tschoibalsan ist mit einer Strecke an die Transsibirische Eisenbahn bei Borsja angebunden, hat aber keine innermongolische Eisenbahnverbindung. Um bedeutende Kohle- und Erzlagerstätten zu erschließen, sind weitere Bahnstrecken geplant, etwa eine Verbindung von Sainschand zur Industriestadt Tschoibalsan und eine Kohlebahn von Uchaa Chudag an die chinesische Grenze; für letzte ist die DB International, eine Tochter der Deutsche Bahn, für die Bauüberwachung und Projektsteuerung verantwortlich.[68][69]

Straßennetz[Bearbeiten]

Das Straßennetz bestand 2007 aus 6500 km befestigter Straße, davon waren 2600 km asphaltiert. Auf den Straßen waren zur gleichen Zeit 110.000 PKW, 33.700 LKW und 13.000 Busse unterwegs. Die Hälfte der Fahrzeuge war mehr als zehn Jahre alt; fast 60 % aller Fahrzeuge waren in Ulaanbaatar registriert. Private Busse und Minibusse stellen die wichtigste Möglichkeit für Reisen im Land dar. In das Straßennetz sollen in den kommenden Jahren hohe Investitionen fließen, geplant oder bereits in der Umsetzung sind der Bau von 1000 km Autobahn, einer Millennium Road in der Region um Ulaanbaatar, die Sanierung bzw. der Neubau des Straßennetzes der Hauptstadt selbst und eine befestigte Straße von Bajanchongor nach Tsagaan Tolgoi.[68][69] Aufgrund des nach wie vor dünnen Straßen- und Eisenbahnnetzes werden etwa 30 % der Lasten von Kamelen transportiert.[70]

Flugverkehr[Bearbeiten]

In der Mongolei gibt es mit dem Chinggis Khaan International Airport einen einzigen internationalen Flughafen, welcher die Mongolei regelmäßig mit Berlin, Moskau, Peking und weiteren wichtigen asiatischen Städten verbindet. Weiters existieren Flugplätze und -felder in allen Teilen des Landes, die mehr oder weniger regelmäßig bedient werden. Wichtige mongolische Fluggesellschaften sind Mongolian Airlines, Eznis Airways und Aero Mongolia.

Schifffahrt[Bearbeiten]

Fast keine Bedeutung kommt den Wasserwegen zu, da sie monatelang gefroren sind.

Politik[Bearbeiten]

Rechtssystem und Verfassung[Bearbeiten]

Die Mongolei ist eine parlamentarische Demokratie mit einem Mehrparteiensystem und Gewaltenteilung zwischen Legislative, Exekutive und Judikative. Die 1992 in Kraft getretene Verfassung lehnt sich inhaltlich an das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und die Verfassung Frankreichs an. Als Grundwerte des Staates gelten Demokratie, Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit, nationale Einheit und Achtung vor dem Gesetz.

Die Legislative setzt sich aus der Regierung und dem Parlament zusammen. Das Ein-Kammer-Parlament wird Großer Staats-Chural genannt, umfasst 76 Abgeordnete und wird alle vier Jahre gewählt. 48 Abgeordnete werden in 48 Wahlkreisen direkt gewählt, die restlichen 28 Sitze werden nach dem Verhältniswahlrecht unter allen Parteien aufgeteilt, die mindestens fünf Prozent der Stimmen erhalten.

Die Exekutive besteht aus dem mongolischen Staatspräsidenten und der eigentlichen Regierung. Der Staatspräsident wird für jeweils vier Jahre direkt gewählt, mit einer Beschränkung auf zwei Amtszeiten. Er ist gleichzeitig Staatsoberhaupt, Oberkommandierender der Streitkräfte und Vorsitzender des nationalen Sicherheitsrates. Sein Veto gegen Gesetzesvorlagen kann nur mit einer Zweidrittelmehrheit des Parlaments überstimmt werden. Er schlägt dem Parlament den mongolischen Ministerpräsidenten vor. Sein tatsächlicher Einfluss wurde aber 2001 durch eine Verfassungsrevision wieder etwas reduziert. Der Ministerpräsident und die übrigen Regierungsmitglieder müssen vom Parlament bestätigt werden und amtieren ebenfalls vier Jahre lang.

Die Judikative ist von Exekutive und Legislative unabhängig. Der oberste Gerichtsrat ernennt alle Richter und schützt ihre Rechte. Der Oberste Gerichtshof erarbeitet eine abschließende Interpretation der Gesetze und entscheidet in letzter Instanz in allen Berufungsverfahren. Auf allen Ebenen existieren auch spezialisierte Gerichte für Zivil-, Kriminal- und Verwaltungsbeschwerdeverfahren. Der Verfassungsgerichtshof, dessen neun Mitglieder für sechs Jahre ernannt werden, ist demgegenüber für Verfassungsbeschwerden zuständig.

Bis 1990 hatte die Mongolei ein Staatssystem nach sowjetischem Muster mit der Mongolischen Revolutionären Volkspartei (MRVP) als Einheitspartei.

Wahlen[Bearbeiten]

Bei der letzten Parlamentswahl am 28. Juni 2012 errang die Demokratische Partei den Sieg über die bislang regierende Mongolische Volkspartei (MVP), wie die ehemalige MRVP seit dem 5. November 2010 wieder heißt. Die MVP war geschwächt worden, weil ehemalige Parteimitglieder eine neue Partei unter dem alten Namen MRVP gegründet hatten, die drittstärkste Kraft wurde.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Aimags der Mongolei und Sum (Mongolei)
China Russland Orchon-Aimag Darchan-Uul-Aimag Gobi-Sümber-Aimag Ulaanbaatar Dornod-Aimag Süchbaatar-Aimag Chentii-Aimag Töw-Aimag Dund-Gobi-Aimag Dorno-Gobi-Aimag Ömnö-Gobi-Aimag Bajanchongor-Aimag Gobi-Altai-Aimag Chowd-Aimag Bulgan-Aimag Archangai-Aimag Chöwsgöl-Aimag Dsawchan-Aimag Uws-Aimag Bajan-Ölgii-Aimag Öwörchangai-Aimag Selenge-Aimag
Provinzen der Mongolei

Die Mongolei gliedert sich in 21 Aimags (Provinzen) und die Hauptstadt Ulaanbaatar (Ulan Bator), die eine eigenständige Verwaltungseinheit bildet. Letzteres galt bis 1994 auch für die Stadt Erdenet. Aus dieser wurde aber 1994 zusammen mit einigen Sum des Bulgan-Aimags der Orchon-Aimag geschaffen. Ebenso die Stadt Darchan, für welche der Darchan-Uul-Aimag als Enklave aus dem Selenge-Aimag ausgegliedert wurde.

Jeder Aimag ist in eine Anzahl Sum unterteilt (vergleichbar mit den deutschen Landkreisen), diese wiederum in Bag (vergleichbar mit Gemeinden). Es existieren 331 Sum, die sich in 1573 Bag gliedern.[71] Ein Bag existiert häufig nicht als feste Ansiedlung, da seine Mitglieder alle als Nomaden umherziehen.

Militär[Bearbeiten]

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Entwicklung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mongolische Revolutionäre Volksarmee

Im Kampf für Revolution und Unabhängigkeit bzw. gegen chinesische und weißrussische Invasoren war 1921 die Mongolische Revolutionäre Volksarmee gegründet worden, die an sowjetischer Seite von 1939 bis 1949 gegen Japan und im Grenzgebiet zu China kämpfte.

Infolge des sowjetisch-chinesischen Bruchs waren von 1968 bis 1990 sechs sowjetische Divisionen in der Mongolei stationiert. Die mongolischen Streitkräfte bestanden lediglich aus vier nach sowjetischem Vorbild organisierten und ausgerüsteten motorisierten Schützendivisionen. Beobachter sprechen diesen seitdem lediglich symbolischen Wert zu, um staatliche Souveränität zu belegen.

Die Militärausgaben betrugen zuletzt (2005) um die 12 Millionen Dollar im Jahr. Modernisierungsprogramme sind derzeit nicht geplant. Da Russland und China gute Beziehungen zur Mongolei haben und die Mongolei sich auch sonst keiner Bedrohung gegenüber sieht, werden Streitkräfte weithin als überflüssig angesehen.

Es wird aber diskutiert, innerhalb der nächsten 15 Jahre zwei Schützendivisionen aufzustellen, eine als „Nationalgarde“ und eine für internationale Einsätze. Die Ausrüstung dafür wird möglicherweise von Russland gestellt.

Zurzeit ist mongolisches Militär u. a. an internationalen Einsätzen im Irak, in Afghanistan und in Sierra Leone (UNMIL) beteiligt.

Landstreitkräfte[Bearbeiten]

Das heutige Heer ist dementsprechend mit ehemals sowjetischem Gerät ausgerüstet. So gibt es 650 alte Kampfpanzer T-54/55 und T-62 und Schützenpanzer vom Typ BMP-1 und BTR-60/80; dazu kommen auch vereinzelte Luftabwehrkomplexe. Es gibt 9.300 Mann unter Waffen und 137.000 Reservisten.

Luftstreitkräfte[Bearbeiten]

Die Luftwaffe der Volksrepublik besaß bis 1990 90 Kampfflugzeuge, eine Jägerstaffel mit MiG-21 und eine Bodenangriffsstaffel mit MiG-17. Derzeit sollen noch neun MiG-21 flugfähig sein; der letzte Übungsflug soll 2003 stattgefunden haben. Außerdem sind zwölf Kampfhubschrauber vom Typ Mil Mi-24 vorhanden. Wie viele allerdings noch fliegen, ist unbekannt.

Kultur[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Die Mongolen verfügten über keine Schriftsprache, bis Dschingis Khan eine von den Naimanen übernommene Schrift an die mongolische Sprache adaptieren ließ. Das älteste und auch bekannteste Werk der mongolischen Literatur ist Die Geheime Geschichte der Mongolen. Sie erzählt die Geschichte von Dschingis Khans Umfeld und seines Aufstiegs. Bis heute gehört sie zu den wichtigsten Quellen für das Studium des mongolischen Weltreiches, wenngleich das Original verlorengegangen ist. Teile davon finden sich aber in späteren mongolischen Werken wieder, weiters existieren chinesische Übersetzungen aus der Ming-Dynastie. Gleich wie die Geheime Geschichte war auch das Goldene Buch, eine offizielle Hofchronik, nur für mongolische Leser bestimmt gewesen.

Nach dem Zerfall des mongolischen Weltreiches entstanden zahlreiche semihistorische Werke über das Leben Dschingis Khans und anderer mongolischer Führer. Weiters wurden mündliche Überlieferungen (Üliger) und Geschichten aufgezeichnet. Ab 1578, als der Buddhismus zur Staatsreligion wurde, dominierte die Übersetzung buddhistischer Texte. Gleichzeitig machten die Mongolen Bekanntschaft mit indischen Dichtungen, deren Stoffe sie in eigenen Werken weiterverarbeiteten. Das Gesar-Epos ist eine aus Tibet stammende Heldengeschichte, die nicht nur in der mongolischen Literatur einen wichtigen Platz einnimmt.

Als Begründer des mongolischen Romans gilt Wantschinbalyn Indschinasch. Sein Lebenswerk Das Blaue Buch über den Aufstieg der Yüan-Dynastie ist eine Darstellung von Dschingis Khans Leben in Prosaform, wobei sein Stil sehr von chinesischen Werken wie Der Traum der Roten Kammer beeinflusst ist. Neben Dulduityn Rawdschaa gilt Indschinasch als ein Klassiker der mongolischen Literatur.

In Stein gemeißelt: das Gedicht Mein Vaterland

Der Wegbereiter der modernen mongolischen Literatur war Dschamsrangiin Tseveen, der aus Burjatien stammte und die erste mongolische Literaturzeitschrift gründete. Er übersetzte westliche Literatur aus dem Russischen in die mongolische Sprache. In seinen eigenen Werken übte er Kritik am Bestehenden, wie der Herrschaft der Qing-Dynastie oder an den Zuständen des Buddhismus. Als eigentlicher Gründer der mongolischen Moderne gilt Daschdordschiin Natsagdordsch. Er wurde in der Sowjetunion und in Deutschland ausgebildet, schrieb zahlreiche Prosa- und Epikwerke und arbeitete als Übersetzer. Das bekannteste mongolische Gedicht, Mein Vaterland, stammt von ihm. Er wurde von der neu etablierten kommunistischen Regierung als Nationalist gebrandmarkt. Tsendiin Damdinsüren war Sprachwissenschaftler und -reformator. Er adaptierte im Auftrag der Regierung das kyrillische Alphabet, womit das Mongolische eine weitgehend phonemische Schrift erhielt. Er schrieb Kurzgeschichten und Gedichte, textete die Nationalhymne und gab Neufassungen klassischer Texte heraus. Wegen Letzterem stand er in Konflikt mit der Regierung. Ähnlich ging es Bjambyn Rintschen, der Romane, Kurzgeschichten und Übersetzungen herausbrachte und ebenfalls als Nationalist kritisiert wurde.

Seit der Demokratisierung der Mongolei hat sich das Literaturschaffen belebt. Neue Verlage sind entstanden und zeitgenössische Autoren nutzen alle ihnen zur Verfügung stehenden Medien. Jedoch werden nur sehr wenige Werke in westliche Sprachen übersetzt. Als vielleicht bekanntester Autor im Westen gilt Galsan Tschinag, der über 30 Gedichtbände und Romane veröffentlichte. Galsan Tschinag schreibt viele seiner Bücher, die über das Leben der Menschen in der Mongolei handeln, in Deutsch. Er wurde mit mehreren deutschen Literaturpreisen ausgezeichnet. [72]

Kunst[Bearbeiten]

Statue von Öndör Gegeen Dsanabadsar

Die Mongolei war zwischen 1600 und 1920 ein Zentrum der buddhistischen Kunst. Malerei und Bildhauerei dienten vor allem dazu, Darstellungen als Meditationsobjekt für Geistliche oder als Betobjekt für Laien zu schaffen. Verbreitet war die Kunst des Mandala, wo als komplentative Übung Darstellungen des Samsara als Sandbild geschaffen wurden. Diese wurden in der Regel nach ihrer Fertigstellung zerstört. Eine mongolische Besonderheit sind die Thangka, Bildrollen, die der Dekoration von Klöstern dienen. Sie folgen weitgehend dem tibetischen Stil, binden aber die Darstellung von Tieren ein. Die Kunst der Thangka wurde nach Gründung der Volksrepublik nicht verboten, sondern mit sozialistischen Darstellungen weitergeführt.

Der bedeutendste Bildhauer und Maler des Landes war Dsanabadsar, der auch der erste Jebtsundamba Khutukhtu war. Er gilt als der bedeutendste buddhistische Künstler seiner Zeit und als solcher hat er die mongolische Kunst späterer Zeiten geprägt. Seine Arbeiten zeichnen sich durch starke Anlehnung an die indisch-tibetischen Traditionen und durch außergewöhnliche lebensähnliche Schönheit aus; einige der Skulpturen sind erhalten und befinden sich im Gandan-Kloster von Ulaanbaatar. Es ist bekannt, dass Dsanabadsar auch ein bedeutender Maler war, es gibt jedoch kein Bild, das ihm zweifelsfrei zugeordnet werden könnte. Scharab war ein Künstler, der die Thangka-Kunst weiterentwickelte. Beeinflusst von der sowjetischen Kunst schuf er neben mongolischen Dsurag-Malereien auch Buchillustrationen, Banknoten und Porträts von Politikern. Zahlreiche seiner Werke sind jedoch verlorengegangen. Dem sozialistischen Realismus zuzurechnen sind Künstler wie Dolgoryn Manibadar oder Monkor Erdenbajar. Ein zeitgenössischer Künstler ist Otgonbayar Ershuu, er lebt und arbeitet zwischen Deutschland und Mongolei. Otgonbayar Ershuu ist auf dem Weg, einer der wichtigsten mongolischen Maler zu werden. Purewbat Gankhuu ist ein bedeutender Maler der heutigen Zeit, der den Traditionen der buddhistischen Kunst folgt, er wurde im Film Buddhas Maler dargestellt.[73][74]

Musik und Tanz[Bearbeiten]

Mongolischer Musiker mit einer Pferdekopfgeige

Die traditionelle mongolische Musik wird bis heute gepflegt und Konzerte können große Scharen an Zuhörern anziehen. Das wichtigste und identitätsstiftende Instrument ist die mongolische Pferdekopfgeige, daneben gibt es zahlreiche Blas-, Streich- und Schlaginstrumente. Mongolische Lieder handeln häufig von Helden früherer Zeiten, oder es werden einfache Lieder von Nomaden aufgeführt. Der mongolische Gesang hat zwei Besonderheiten zu bieten: erstens den Obertongesang, der durch eine spezielle Atemtechnik den Eindruck vermittelt, als hätte der Sänger zwei Stimmen. Beim Vortragen eines langen Liedes (Urtyn duu) werden die einzelnen Silben sehr lang gezogen, wodurch der Gesang sehr spirituell und getragen wirkt.

Popmusik war während der sozialistischen Zeit verpönt und Musiker durften nur offiziell freigegebene Texte der mongolischen Autorenvereinigung verarbeiten. Gegen Ende der 1980er Jahre widersetzte sich eine Popgruppe namens Dschinggis Khan dem Verbot und führte ihre Lieder bei Protestkundgebungen öffentlich auf. Sie trug damit maßgeblich zum Ende der sozialistischen Herrschaft in der Mongolei bei. Heute machen Mongolen wie die Sängerinnen Ariunaa und Nominjin, die Boygroup Camerton, die Rockbands Soyol Erdene und Altan Urag moderne Musik aller Richtungen.[75]

Die Volkstänze, über die Reisende durch das mongolische Weltreich berichteten, sind während der Ausbreitung des Buddhismus verloren gegangen; traditionelle Tänze haben sich nur in peripheren Gegenden erhalten. Ausnahmen hiervon sind Zeremonielle Tänze wie der Tsam, der von Mönchen zur Besänftigung wilder Gottheiten aufgeführt wurde. Bei dieser Art des Tanzes, dessen Ursprung im Tibet des 13. Jahrhunderts liegt, tragen die Vorführenden bunte und fantasievollen Masken, die die jeweiligen Charaktere darstellen. Nach einem symbolischen Kampf zwischen Göttern und Dämonen werden diese Masken zerstört und ein weißer alter Mann erscheint, der den Erdgott der Fruchtbarkeit verkörpert. Im Westen der Mongolei hat sich ein Tanz namens Bielgee überliefert, der zur Musik von traditionellen Instrumenten wie der Pferdekopfgeige aufgeführt wird. Beim Bielgee bewegt sich fast ausschließlich der Oberkörper, dargestellt werden Szenen aus dem Alltag der Nomaden.

In der Zeit des Sozialismus wurden westliche Tänze in der Mongolei eingeführt. Im Jahre 1931 wurde das Staatliche Zentraltheater eröffnet, im Jahre 1963 das Staatliche Theater für Oper und Ballett. Professionelle Tänzer wurden in der Sowjetunion ausgebildet, wobei der Tänzer Baldschinnjam Dschamjandagwa besonders herausstach und mithin als Vater des mongolischen Ballett gilt. Aufgeführt wurden Klassiker wie Schwanensee oder Der Nussknacker. Seit der Demokratisierung hat die Bedeutung des Ballett nachgelassen, vor allem aufgrund fehlender finanzieller Mittel.[76]

Neben den traditionalen Klassikern 'Urtien duu' und 'Hoomoi' sind moderne Musikrichtungen POP, Hip Hop, Folk rock, Volkslieder weit verbreitet. Deren bekannteste Vertreter sind: Rockit bay Hip Hop -> 'https://www.youtube.com/watch?v=XDG147Qwhes', Davalgaa Folk Rock-> 'https://www.youtube.com/watchv=r9CA4qnbNu4&list=RDr9CA4qnbNu4#t=73' Bold Pop -> https://www.youtube.com/watch?v=tDkvK6USGXw , https://www.youtube.com/watch?v=HLP-QR-zdmU Javhlan Volkslied -> https://www.youtube.com/watch?v=4Td19yDBul4 Kiwi Pop Group-> https://www.youtube.com/watch?v=zCFhBL31PGc

Kleidung[Bearbeiten]

Ein seit Jahrhunderten traditionell getragenes Kleidungsstück ist der Deel, ein spezieller Mantel. Der typische mongolische Stiefel ist der Gutul.

Kino und Film[Bearbeiten]

Das Kino wurde in der Mongolei durch die Sowjets eingeführt. Bereits nach der Machtübernahme im Jahr 1920 begannen mobile Kinos im Land umherzuziehen, um Propagandafilme zu zeigen und die Bevölkerung zu bilden. Das erste Kino wurde 1934 in Ulaanbaatar gebaut und die Produktionsfirma Mongol Kino gegründet. Die mongolischen Filmemacher studierten in der Regel in der Sowjetunion und produzierten Streifen, die dem sozialistischen Realismus zuzuordnen sind. Nennenswerte Filme aus der Zeit des Kommunismus sind Erwachen, der die Geschichte eines sowjetischen Arztes in der Mongolei erzählt, Süchbaatar, die Biographie des Revolutionshelden, und Tsogtu Taidschi. Die Demokratisierung in den frühen 1990er Jahren und die Einstellung sowjetischer Hilfe führte fast zur Auslöschung des mongolischen Kinos aufgrund fehlender finanzieller Mittel. In Zusammenarbeit mit neuen ausländischen Partnern entstanden seitdem Filme wie Dschinggis Khan sowie Die Geschichte vom weinenden Kamel und Die Höhle des gelben Hundes von Byambasuren Davaa.[77] Es gibt zahlreiche Filme seit 90'er Jahre teilweise beeinflusst von amerikanischen Filmen, zeigen das moderne Leben der Mongolen. Bsp. 'Tatar ajillagaa' https://www.youtube.com/watch?v=tA0nOlLrClQ.

Küche[Bearbeiten]

Trocknung von Aruul auf dem Jurtendach
Hauptartikel: Mongolische Küche

Die traditionelle mongolische Küche besteht in erster Linie aus Milchprodukten und Fleisch. Da in weiten Teilen des Landes kein Ackerbau möglich ist, müssen die Produkte der Weidetiere verwertet werden.

Stutenmilch wird zum Nationalgetränk Airag vergoren. Daneben wird Milch vielfältig verarbeitet, von Rahm, Kefir, Käse, getrocknetem Quark (Aruul) bis zu Milchschnaps. Tee wird mit Milch und Salz zubereitet und je nach Bedarf mit festen Zutaten in eine Suppe verwandelt. Fleisch (in erster Linie Lammfleisch) wird normalerweise gekocht oder mit Nudelteig zu verschiedenen Gerichten wie z. B. Teigtaschen kombiniert. Als Vorrat und Reiseproviant wird Fleisch auch getrocknet und gemahlen (Borts). Dieses „Pulverfleisch“ lässt sich dann mit heißem Wasser aufkochen.

Sport[Bearbeiten]

Ein Ringkampf auf dem Lande

Die Mongolen lieben die drei Sportarten Ringen, Bogenschießen und Pferderennen. Bogenschießen und Pferderennen haben ihren Ursprung in den militärischen Anforderungen der mongolischen Geschichte und finden ihren jährlichen Höhepunkt jeweils im Naadam-Fest.

Bei den Pferderennen treten Kinder auf ein- bis fünfjährigen oder ausgewachsenen Pferden gegeneinander an. Je nach Altersklasse werden verschiedene Distanzen geritten, beim großen Rennen am Naadam-Fest in Ulaanbaatar über volle 30 Kilometer.

Beim mongolischen Bogenschießen werden traditionelle Reflexbogen verwendet, um Pfeile mit stumpfer Spitze auf spezielle, aus Leder geflochtene Ziele abzuschießen. Obwohl der Ursprung in den berittenen Bogenschützen des Mittelalters liegt, werden die Wettbewerbe heute überwiegend zu Fuß durchgeführt. Jedoch findet durch Unterstützung von japanischen Bogenschützen das berittene Bogenschießen immer mehr Anhänger.[78]

Mongolische Athleten sind aber auch im modernen Schießsport vertreten. Am bekanntesten ist die deutsch-mongolische Pistolenschützin Dordschsürengiin Mönchbajar, welche eine ganze Reihe von Weltcupsiegen und Weltmeistertiteln errungen hat und an mehreren Olympischen Spielen teilgenommen hat. 1992 gewann sie in Barcelona die Bronzemedaille mit der Sportpistole.

Der Ringkampf ist die einzige der drei Sportarten, welche bis heute den Männern vorbehalten ist. Überall im Land messen die jungen Männer bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre Kräfte gegeneinander. Der eher gedrungene und kräftige Körperbau der meisten Mongolen kommt ihnen dabei sehr entgegen. Der Verlierer eines Kampfes bückt sich traditionell unter dem ausgestreckten Arm des Siegers hindurch. Der Sieger darf den Adlertanz ausführen, bei dem er mit ausgestreckten Armen hüpfend das Turnierbanner umkreist.

Seit etwa 1992 haben mehrere mongolische Ringkämpfer zum japanischen Sumōsport gewechselt und dort beachtliche Erfolge errungen. Die Athleten nehmen dafür japanische Namen an. Die bisher größten Erfolge erzielte Asashōryū Akinori (Dolgorsürengiin Dagwadordsch), welcher 2003 den Titel eines Großmeisters (Yokozuna) errang und 2005 als erster Ringer alle sechs Turniere des Jahres hintereinander gewann. Hakuhō Shō (Mönchbatyn Dawaadschargal) wurde am 30. Mai 2007 zum Yokozuna ernannt, Harumafuji Kōhei am 26. September 2012 und Kakuryū Rikisaburō am 26 März 2014. Damit sind alle 3 momentan amtierenden Yokozuna Mongolen.

Das National Olympic Committee of Mongolia wurde 1956 gegründet und 1962 vom Internationalen Olympischen Komitee aufgenommen. Seither haben mongolische Athleten insgesamt mehr als ein Dutzend Medaillen gewonnen.

Medien[Bearbeiten]

Vor 1989 wurden die staatlichen Zeitungen landesweit bis in die kleinste Verwaltungseinheit verteilt. Dieses System brach in den frühen 1990ern zusammen; die staatlichen Zeitungen wurden 1999 privatisiert. Die seit den frühen 1990ern gegründeten unabhängigen Zeitungen leiden unter Finanz- und Arbeitsmittelknappheit, ihre Verbreitung reicht kaum über die großen Städte hinaus. Die Leserschaft ist aufgrund des in Relation zum Einkommen hohen Preises der Printmedien ebenfalls gering. Zeitschriften kommt nur eine geringe Bedeutung zu. Die größte Zeitung ist Udriin Sonin, die im Jahr 2000 eine tägliche Verbreitung von 17.700 Exemplaren hatte.

Die erste mongolische Radiostation wurde 1934 gegründet. Seit den 1960ern deckte diese Station das gesamte Staatsgebiet ab und erst 1994 entstand eine zweite Radiostation für Ulaanbaatar. Seitdem sind in den Städten mehrere private Sender entstanden, während die lokalen Stationen, die vor 1989 Sendezeiten in der landesweiten Station zugeteilt bekommen hatten, verschwunden sind. Mehrere Aimags verfügen deshalb nur unregelmäßig über lokalen Rundfunk.

Fernsehen gibt es in der Mongolei erst seit der Gründung von MNB im Jahre 1967. Bis zum Ende der sozialistischen Zeit wurden nur wenige Stunden Programm pro Woche gesendet, weiters wurde das Programm der sowjetischen Station Orbit übernommen. Im Jahre 1990 hatten nur 41 % der Haushalte einen Fernseher. Seit 1990 sind in Ulaanbaatar mehrere kommerzielle und christliche Stationen entstanden, weiters sind in den Kabelfernsehnetzen der größeren Städte zahlreiche ausländische Sender zu empfangen. Satellitenfernsehen auf dem Land ist nicht verbreitet.[79]

Das Internet hat nur eine sehr begrenzte Bedeutung. Zwar ist die Anzahl der Menschen mit Internet-Zugang zwischen 2003 und 2010 von 40.000 auf 330.000 gestiegen, aber nach wie vor haben nur elf Prozent der Leute Zugang zu diesem Medium.[80]

Nationalfeiertage[Bearbeiten]

Anreisende Besucher zum Naadam-Fest

Das mongolische Nationalfest dauert vom 11. bis zum 13. Juli und heißt Naadam (Наадам, vollständig Eriin Gurwan Naadam = „die drei männlichen Spiele“). Das Fest ist religiösen Ursprungs und dürfte mehrere Jahrhunderte alt sein. Es wird auch in der Inneren Mongolei in China gefeiert. In der Mongolei gilt der 11. Juli heute als Revolutionstag, zu Ehren der Ereignisse von 1921. Den wichtigsten Teil des Festes nehmen die drei namensgebenden Spiele ein (siehe auch unter Sport), mongolische Ringkämpfe, Wettbewerbe im Bogenschießen und Pferderennen auf ein- bis fünfjährigen und ausgewachsenen Pferden. Wettbewerbe werden fast überall in der Mongolei durchgeführt, mit der größten Teilnehmerzahl in der Hauptstadt Ulaanbaatar.

Der zweite große Feiertag ist das buddhistische Neujahr, welches in der Mongolei Tsagaan Sar heißt (Цагаан Сар = Weißer Mond). Der Termin ist normalerweise Anfang Februar, kann aber um einige Wochen zwischen Ende Januar und Anfang März schwanken und fällt meist nicht mit dem chinesischen Neujahrsfest zusammen. An diesem Tag besuchen die Mongolen ihre Freunde und Verwandten und überbringen Geschenke. Auf der Festtafel finden sich Spezialitäten wie geschmorter Schafsrücken und ein Turm aus „Sohlenkuchen“ und anderen Süßigkeiten.

Öffentliche Feiertage sind weiterhin:

Bildung[Bearbeiten]

Vor dem Umsturz des Jahres 1921 war Bildung in der Mongolei fast ausschließlich eine Domäne der buddhistischen Klöster. Nur ein geringer Anteil der Bevölkerung hatte Zugang zu Bildung, weshalb nur Mönche und Beamte der Regierung des Schreibens und Lesens kundig waren. Die sozialistische Regierung führte in der Folge ein allgemeines und kostenloses Bildungssystem ein, wofür sie etwa ein Fünftel des Budgets ausgab. In den dreißiger Jahren wurden in allen größeren festen Ansiedlungen des Landes Schulen gebaut, denen in der Regel ein Wohnheim für Kinder von Nomadenfamilien angeschlossen war. In den 1940er Jahren wurde die traditionelle mongolische Schrift abgeschafft und ein neues kyrillisches Alphabet eingeführt, was zur Folge hatte, dass Erwachsene noch einmal lesen und schreiben lernen mussten. Die Erfolge der sozialistischen Bildungspolitik wirken bis heute, die Mongolei hat heute eine der höchsten Alphabetisierungsraten der Welt: 97,8 % der Einwohner können lesen und schreiben.[81] In der Mongolei gehen Kinder heute mit sieben Jahren zur Schule. Es besteht eine achtjährige Schulpflicht, jährlich beginnen etwa 120.000 Schüler eine höhere Ausbildung.

Nach dem Sturz der kommunistischen Herrschaft verlangten ausländische Geldgeber von der neuen Regierung, die Ausgaben im Bildungsbereich zu kürzen und Schulgebühren einzuführen. Dies führte zu einer Verschlechterung der Zustände an den Schulen, Lehrer erhielten ihre Gehälter nicht mehr und der Anteil der Schulabbrecher stieg. Speziell Jungen verlassen heute die Schule wieder früher, um arbeiten zu gehen.

Die erste Universität der Mongolei wurde im Jahre 1942 gegründet. Diese Einrichtung ist heute unter dem Namen Mongolische Staatsuniversität die führende akademische Bildungseinrichtung des Landes. Durch Abspaltung von der Staatsuniversität entstanden im Laufe der Zeit weitere spezialisierte Universitäten und Institute. Seit der Demokratisierung sind auch zahlreiche Privatuniversitäten und Berufsschulen entstanden. Sie wurden von der Bevölkerung zwar nur zögerlich angenommen, bieten heute aber eine Alternative zu staatlichen Einrichtungen. Ende 2008 gab es schließlich 31 staatliche Universitäten und 55 offiziell zugelassene private akademische Bildungseinrichtungen. Bis in die 1980er Jahre studierten zahlreiche Mongolen in der Sowjetunion oder in anderen Staaten des Ostblocks; heute orientiert man sich nach Ostasien, Europa und Nordamerika.[82][83]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christopher P. Atwood: Encyclopedia of Mongolia and the Mongolian empire. Facts On File, New York (NY) 2004, ISBN 0-8160-4671-9.
  • Timothy Michael May: Culture and customs of Mongolia. Greenwood Press, Westport, CN 2009, ISBN 978-0-313-33983-7.
  • Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. Facts On File, New York, NY 2004, ISBN 0-8160-5221-2.
  • Susanne Schmidt: Mongolia in Transition. The Impact of Privatization on Rural life. Verlag für Entwicklungspolitik Saarbrücken, Saarbrücken 1995, ISBN 3-88156-674-0.
  • Olaf Schubert: Mongolei, Kahl, Dresden 2005, 2011, ISBN 978-3-938916-00-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Mongolei – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Mongolei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Mongolei – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/mg.html
  2. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2012
  3. Human Development Report Office: Mongolia – Country Profile: Human Development Indicators, abgerufen am 24. Oktober 2014
  4. Staatliches Statistikamt der Mongolei: Yearbook 2007, S. 72
  5. a b Timothy Michael May: Culture and Customs of Mongolia. Westport 2009, S. 1–3
  6. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 68
  7. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 67 f., S. 75
  8. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 71 f.
  9. Die schleichende Katastrophe, Das Parlament, Ausgabe 32–33 2010
  10. W. Hilbig: The vegetation of Mongolia. 1995
  11. V. I. Grubov: Opredelitel sosudistyx rastenij Mongolii. Nauka, Leningrad 1982.
  12. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 68–73
  13. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 73
  14. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 65
  15. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 92 ff.
  16. Volkszählung 2000, Mongolian National Statistical Office
  17. Altankhuyag Gereltuya: Dramatic Fertility Transition in Mongolia and Its Determinants: the Demise of the Pronatalist State, in: Asia-Pacific Population Journal, August 2008, S. 81 ff.
  18. http://www.unicef.org/infobycountry/mongolia.html
  19. http://hdrstats.undp.org/en/countries/data_sheets/cty_ds_MNG.html
  20. Timothy Michael May: Culture and Customs of Mongolia. Westport 2009, S. 43 ff.
  21. Timothy Michael May: Culture and Customs of Mongolia. Westport 2009, S. 46-55
  22. Timothy Michael May: Culture and Customs of Mongolia. Westport 2009, S. 55–56
  23. Timothy Michael May: Culture and Customs of Mongolia. Westport 2009, S. 56–61
  24. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 1–6
  25. Timothy Michael May: Culture and Customs of Mongolia. Westport 2009, S. 3–6
  26. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 7
  27. Timothy Michael May: Culture and Customs of Mongolia. Westport 2009, S. 6
  28. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 8
  29. a b Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 10
  30. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 11
  31. Timothy Michael May: Culture and Customs of Mongolia. Westport 2009, S. 9
  32. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 12
  33. David Morgan: The Mongols. Second Edition, Wiley-Blackwell, Oxford 2007, ISBN 1405135395, S. 117.
  34. Michal Biran: Qaidu and the Rise of the Independent Mongol State in Central Asia, Jerusalem, 1997, S. 51 ff.
  35. Denis C. Twitchett, Herbert Franke: The Cambridge History of China, Vol. 6: Alien Regimes and Border States, S. 550
  36. Henri Cordier, Henry Yule, Marco Polo, Amy Frances Yule: The book of Ser Marco Polo the Venetian, concerning the kingdoms and marvels of the East, S. 130
  37. Jack Weatherford: Genghis Khan and the Making of the Modern World, Minnesota, 2004, S. 241-265
  38. David Morgan: The Mongols. Second Edition, Wiley-Blackwell, Oxford 2007, ISBN 1405135395, S. 74-98.
  39. Timothy Michael May: Culture and Customs of Mongolia. Westport 2009, S. 12
  40. Timothy Michael May: Culture and Customs of Mongolia. Westport 2009, S. 18
  41. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 14–16
  42. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 16–19
  43. Timothy Michael May: Culture and Customs of Mongolia. Westport 2009, S. 20–25
  44. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 21–23
  45. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 23
  46. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 25–27
  47. Timothy Michael May: Culture and Customs of Mongolia. Westport 2009, S. 25–27
  48. Jennifer L. Hanson: Nations in transition – Mongolia. S. 27–31
  49. Timothy Michael May: Culture and Customs of Mongolia. Westport 2009, S. 28–32
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47.338822694722104.2822265625Koordinaten: 47° N, 104° O