Richard Erdoes

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Richard Erdoes (auch: Erdős und Erdös, * 7. Juli 1912 in Wien[1] oder Frankfurt am Main[2]; † 16. Juli 2008 in Santa Fe, New Mexico, USA) war ein ungarisch-österreichisch-amerikanischer Künstler, Publizist und Kämpfer für die Rechte der amerikanischen Indianer. Dabei sparte er die indianische Frauenbewegung nicht aus. In den Vereinigten Staaten erreichte er als Experte für die Kultur der nordamerikanischen Indianer, insbesondere der Sioux, einen großen Bekanntheitsgrad, der in der Veröffentlichung zahlreicher Bücher und Fotobände, von denen die meisten in sechs Sprachen übersetzt wurden und laufend neu aufgelegt werden, begründet ist.

Leben[Bearbeiten]

Erdoes war der Sohn eines ungarischen jüdischen Opernsängers (Richárd Erdős (en) 1881–1912) und einer österreichischen katholischen Bäckerstochter. Sein Vater verstarb noch vor seiner Geburt, weshalb seine Mutter bei ihrer Schwester, der Schauspielerin Leopoldine Schrom, in Deutschland eine neue Bleibe suchte.[3] Er wuchs in Berlin und Wien auf. Er studierte in diesen Städten sowie in Paris Ethnologie, Archäologie, Anthropologie und Kunst – letzteres in Berlin an der Akademie der Künste bei Käthe Kollwitz. Er schrieb Kurzgeschichten und war als Karikaturist für die Zeitungen Der Tag und Die Stunde tätig. Nach dem Anschluss Österreichs hielt er sich versteckt und floh 1939 über Berlin nach Belgien und Frankreich. 1940 ging er von Großbritannien in die Vereinigten Staaten, wo er bis 1970 hauptsächlich als Fotograf, Illustrator, unter anderem für Time Inc., Life, National Geographic, Vogue, Harpers Baazar, Fortune und New York Times, tätig war. Für Erika Mann illustrierte er 1942 A Gang of Ten. Er illustrierte auch das Buch Come over to My House des bekannten Kinderbuchautors Theodor Seuss Geisel (Dr. Seuss). 1958 wurde Erdoes US-amerikanischer Staatsbürger. Nach 1970 setzte er sich verstärkt mit den amerikanischen Indianerkulturen auseinander, was bald zu seinem neuen Haupttätigkeitsfeld wurde. Er initiierte zudem Veröffentlichungen, die erstmals Einblick in die indianische Frauenbewegung gaben und die Rolle der Frauen im Aufstand der amerikanischen indianischen Bewegung gegen Menschenrechtsverletzungen in den USA 1973 am Wounded Knee herausarbeiteten (mit Mary Crow Dog).

Sein publizistisches Schaffen hat im Laufe seines Lebens ein umfangreiches Archiv aus über 60.000 Fotos sowie zahlreichen Manuskripten, Film- und Tonbandaufnahmen entstehen lassen. Diese reichen vom österreichischen Theaterleben ab etwa 1860 über das Wien der Zwischenkriegszeit und die New Yorker Kunstszene der 1950er-Jahre bis zu den Indianerreservaten.[4]

Richard Erdoes lebte in Santa Fe (New Mexico) und war bis zu seinem Tod als Autor und Bürgerrechtsaktivist tätig.

Werke[Bearbeiten]

  • Richard Erdoes, John Fire Lame Deer: Lame Deer – Seeker of Visions.
  • Richard Erdoes, Alfonso Ortiz: American Indian Myths and Legends
  • Mary Crow Dog, Richard Erdoes: Ohitika Woman
  • Mary Crow Dog, Richard Erdoes: Lakota Woman
  • Richard Erdoes: Saloons of the Old West
  • Richard Erdoes, Crying for a Dream: The World through Native American Eyes
  • Richard Erdoes, Chief Archie Fire Lame Deer: Gift of Power: The Life and Teachings of a Lakota Medicine Man
  • Richard Erdoes, Leonard Crow Dog: Crow Dog - Four Generations Of Sioux Medicine Men
  • Richard Erdoes: Der Donnerträumer – Erinnerungen. Picus Verlag, Wien 1999
  • Dennis Banks, Richard Erdoes: Ojibwa Warrior: Dennis Banks and the Rise of the American Indian Movement. Norman, Oklahoma, University of Oklahoma Press, 2004, ISBN 0-8061-3580-8

Film[Bearbeiten]

Der 1999 fertiggestellte Dokumentarfilm Stein Weißer Mann von Martina Theininger und Georg Schrom widmet sich der Arbeit und den Recherchen Richard Erdoes' als Kämpfer für die Bürgerrechte der amerikanischen Indianer. Das Buch „Lakota Woman“ wurde ebenfalls verfilmt und errang dadurch noch breitere Aufmerksamkeit, auch auf dem europäischen Kontinent.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ursula Seeber [Hrsg.]: Kleine Verbündete : vertriebene österreichische Kinder- und Jugendliteratur, Österreichische Exilbibliothek. Picus, Wien 1998 ISBN 3-85452-276-2. Kurzbio auf S. 118f
  • Astrid Fernengel: Kinderliteratur im Exil, Tectum, Marburg, 2008, ISBN 978-3-8288-9592-8. Diss. TU Berlin 2006. Kurzbio auf S. 227

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Angabe bei Astrid Fernengel: Kinderliteratur im Exil, S. 227; auch: Richard Erdoes Papers – Biographical Sketch, Biographical Source: Something About the Author. vol. 33, p. 63-67
  2. Angabe bei Ursula Seeber, Kleine Verbündete, S. 118; auch: Richard Erdoes 96-jährig gestorben, in: Der Standard
  3. Das Leben, das ist komisch – Und der Donnerträumer weiss das, Esther F. Corinth, Universität Karlsruhe, 1999
  4. Über Richard Erdoes, Peter Schwarzbauer, Gesellschaft für gefährdete Völker, 1998