Der Standard

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Der Standard
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Beschreibung Österreichische Tageszeitung
Verlag Standard Verlagsgesellschaft m. b. H.
Erstausgabe 1988
Erscheinungsweise täglich, außer an Sonn- und Feiertagen
Verkaufte Auflage
(ÖAK, Jahresschnitt 2013[1])
67.604 Exemplare
Reichweite (Media‑Analyse 2013[2]) 0,399 Mio. Leser
Chefredakteur Alexandra Föderl-Schmid, Rainer Schüller (Stv.)
Herausgeber Oscar Bronner, Alexandra Föderl‑Schmid
Weblink derstandarddigital.at
derstandard.at
ZDB 915914-9
Vordere Zollamtsstraße in Wien, seit 2013 Redaktionssitz von DER STANDARD und derStandard.at (ehemaliges Gebäude der Bank Austria)
Palais Orsini-Rosenberg (Teil des Palais Batthyány) in der Herrengasse in Wien, bis Ende 2012 Redaktionssitz

Der Standard (Eigenschreibweise: DER STANDARD) ist eine österreichische Tageszeitung. Die 1988 von Oscar Bronner nach dem Vorbild der New York Times gegründete Zeitung wurde 2013 mit der Online-Schwester derStandard.at verschmolzen.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name des Standard wurde erst nach den ersten Ausgaben festgelegt. Probeausgaben, sogenannte „Nullnummern“, erschienen unter dem Titel „Wirtschaftsblatt“. Man einigte sich schließlich auf Der Standard nach Vorbildern aus dem englischsprachigen Raum, wo Zeitungen wie The Standard oder Evening Standard existieren. Die erste Ausgabe des Standard erschien am 19. Oktober 1988. Gegründet wurde die Zeitung von Oscar Bronner, der zur Finanzierung der Neugründung den Axel Springer Verlag mit 50 % beteiligen ließ. Im Jahre 1995 wurde derStandard.at als erster Webauftritt einer deutschsprachigen Zeitung errichtet.[4] Dieser verfügte zunächst über eine eigene Redaktion – obgleich die Inhalte der Printausgaben ebenfalls online veröffentlicht werden.

2006 folgte der Standard dem Beispiel der Süddeutschen Zeitung, und begann die Herausgabe einer Cinemathek, mit der inzwischen 220-teiligen DVD-Serie Der österreichische Film. Die Standard-Redaktion wählte dafür „sehenswerte“ und „beliebte“ österreichische Filme aus.[5]

Am 1. Juli 2007 wurde Alexandra Föderl-Schmid zweite Chefredakteurin neben Oscar Bronner, diese Position hatte zuvor Gerfried Sperl bekleidet.

Mit 1. Oktober 2012 wurde Föderl-Schmid zusätzlich Co-Herausgeberin von Standard und derStandard.at, Anita Zielina übernahm die neu geschaffene Funktion der stellvertretenden Chefredakteurin beider Medien.

Mit Ende 2012 ist die Standard-Mediengruppe in das green building in der Vorderen Zollamtsstraße 13 im 3. Wiener Gemeindebezirk übersiedelt.[6]

Am 19. Juni 2013 wurden Print und Online schließlich nicht nur räumlich sondern auch organisatorisch zusammengelegt: Die beiden Unternehmen "DER STANDARD" und "derStandard.at" wurden fusioniert; eine Zusammenlegung von Redaktion, Anzeigen und Marketing bringt ein Arbeiten für beide Produkte.[7]

Verlagsangaben[Bearbeiten]

Verlegt wird die Zeitung von der eigenen Standard Verlagsgesellschaft m.b.H. Verlagsort ist Wien, Erscheinungsort war bis Ende 2009 das niederösterreichische Tulln, wo die Zeitung von Goldmann Druck gedruckt wurde. Seit 2010 wird Der Standard in der Mediaprint-Druckerei produziert, wodurch sich das Berliner Format von 315 × 470 auf 300 × 450 mm verkleinert hat und nun der Größe des Kuriers entspricht.

Eigentümerstruktur[Bearbeiten]

Bei der Gründung der Zeitung im Jahr 1988 hielten Gründer Oscar Bronner sowie der Axel Springer Verlag je 50 % am Zeitungsverlag. 1995 kaufte Bronner diese Anteile zurück, gab jedoch im April 1998 erneut 49 % der Zeitungsanteile ab – diesmal an den Süddeutschen Verlag. Weitere 41 % wurden in die Bronner Familien-Privatstiftung überführt, zehn Prozent der Anteile behielt Oscar Bronner direkt. Am 13. August 2008 kaufte die Bronner Online AG die Anteile der Süddeutschen Zeitung, womit der Standard zu 100 % im Besitz Bronners oder seiner Stiftung ist.[8] Nach der letzten Reorganisation ist die Eigentümerstruktur der STANDARD Medien AG nun folgendermaßen:[9]

  • Bronner Familien-Privatstiftung: 85,64 %
  • Oscar Bronner: 12,55 %
  • Rest: Aktionäre

Die STANDARD Medien AG ist 100% Eigentümer von STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. und derStandard.at GmbH.

Der Standard ist - wie die meisten österreichischen Tageszeitungen - Genossenschafter der Austria Presse Agentur.

Reichweite und Marktanteil[Bearbeiten]

Reichweite laut ÖMA[2]
Jahr Reichweite Leser gesamt
2001 6,0 % 401.000
2002 5,7 % 383.000
2003 5,8 % 390.000
2004 5,4 % 366.000
2005 5,9 % 404.000
2006 4,9 % 341.000
2007 5,0 % 352.000
2008 5,5 % 383.000
08/09 6,0 % 421.000
2009 5,6 % 394.000
09/10 5,6 % 397.000
2010 5,3 % 374.000
10/11 5,1 % 367.000
2011 5,0 % 359.000
11/12 4,8 % 341.000
2012 5,0 % 358.000
12/13 5,3 % 382.000
2013 5,5 % 399.000

Der Standard ist überregional ausgerichtet und unterhält eigene Redaktionen in den Bundesländern Steiermark, Oberösterreich und Kärnten. Dennoch war in der Vergangenheit eine stärkere Fokussierung auf Wien zu bemerken, die sich bis heute in der höheren Reichweite in Wien (MA 2013: 11,7 % gegenüber 5,5 Prozent österreichweit[2]) bemerkbar macht. Die verkaufte Auflage laut Österreichischer Auflagenkontrolle betrug pro Erscheinungstag im Jahr 2013 im Schnitt 67.604 (2011: 69.068) Exemplare.[1] Der Standard hat somit zumindest bei der Reichweite seinen unmittelbaren Konkurrenten, Die Presse (die eine höhere verkaufte Auflage hat), deutlich überholt und ist somit die viertgrößte kostenpflichtige Tageszeitung Österreichs.

Inhaltliche Angaben[Bearbeiten]

Inhalt und Blattlinie[Bearbeiten]

Die Zeitung ist dem Ehrenkodex der österreichischen Presse verpflichtet und bezeichnet ihre Blattlinie als liberal und unabhängig. Von Wissenschaftlern wird der Standard als linksliberal wahrgenommen.[10][11] Als Teilnehmer des Project Syndicate veröffentlicht der Standard auch regelmäßig Kommentare von international bekannten Persönlichkeiten, die im Rahmen dieses Projekts weltweit verteilt werden. Freitags liegt dem Standard die selbstproduzierte Hochglanzbeilage Rondo bei, in welcher über Mode, Kosmetik, Reisen, Design, technische Neuheiten, Essen, Musik und Film berichtet wird. Jeden Montag liegt der Zeitung außerdem eine meist achtseitige, englischsprachige Beilage mit Auszügen aus der New York Times bei.

Die Zeitung organisiert und sponsert unter anderem seit 1998 jährlich den Publikumspreis des Vienna International Film Festivals (Viennale).

Mitarbeiter[Bearbeiten]

Mitarbeiter in leitenden journalistischen Funktionen:[9]

  • Chefredakteurin: Alexandra Föderl-Schmid
    • Stellvertretung: Rainer Schüller
  • Chefs vom Dienst: Eric Frey, Günther Oswald, Otto Ranftl († 2014), Olivera Stajić, Petra Stuiber, Sebastian Pumberger
  • Leitende Redakteure: Gudrun Harrer, Thomas Mayer, Christoph Prantner
  • Ressortleiter
    • Außenpolitik: Manuela Honsig-Erlenburg
    • Innenpolitik: Michael Völker
    • Wirtschaft: Andreas Schnauder
    • Kultur: Andrea Schurian
    • Chronik: Rosa Winkler-Hermaden
    • Sport: Philip Bauer

Für die Glosse im „Einserkastl“ – einer Textbox auf der Titelseite – wechselten sich bald nach der Gründung der Zeitung Hans Rauscher („rau“) und Daniel Glattauer („dag“) ab, wobei „rau“ zumeist innenpolitische Themen kommentierte, während „dag“ zumeist humorvoll von alltäglichen, häufig kuriosen, Wahrnehmungen, häufig österreichische Eigenheiten, erzählte. Mit dem Jahreswechsel 2008/2009 trat Glattauer eine halbjährige Pause an, von der er allerdings nicht zur Zeitung zurückkehrte. Etabliert als Autoren des Einserkastls sind inzwischen Montags Severin Corti sowie unter der Woche Renate Graber und Gudrun Harrer.[12] Ein bis mehrmals wöchentlich finden sich auf der stets als letzte Seite der aktuellen Zeitung platzierten Kommentarseite Kommentare von unter anderen Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid, Chef vom Dienst Eric Frey sowie von den Kommentatoren und Redakteuren Gudrun Harrer, Thomas Mayer, Christoph Prantner, Conrad Seidl, Petra Stuiber, Andreas Schnauder sowie Michael Völker im Kommentarteil der Zeitung.

Für die teils unregelmäßig erscheinenden Kolumnen zeichnen unter anderem Antonio Fian, Barbara Coudenhove-Kalergi, Paul Lendvai, Florian Scheuba, Otto Ranftl († 2014), Julya Rabinowich, Hans Rauscher, Gerfried Sperl und Günter Traxler verantwortlich. Der Schachteil, in dem sich Spiele samt Rätsel sowie Spielkommentare finden, wird seit 1990 von „ruf & ehn“ (Michael Ehn) betreut. Als fester Bestandteil der Zeitung hat sich auch der „Kommentar der Anderen“ etabliert, eine bis zwei Seiten des Kommentarteiles, auf denen täglich Experten, Wissenschaftler oder Politiker zu aktuellen Themen Standpunkte oder Forderungen vertreten, wobei häufig an aufeinanderfolgenden Tagen dem Standpunkt der jeweiligen „Gegenseite“ ebenso viel Platz geboten wird.

Karikaturen werden unter anderem von Oliver Schopf sowie von zahlreichen weiteren, unregelmäßig im Standard erscheinenden Karikaturisten beigesteuert.

Online-Aktivitäten[Bearbeiten]

Screenshot der ersten Onlineausgabe aus dem Jahr 1995

Mit derStandard.at startete die Zeitung 1995 als erste deutschsprachige Tageszeitung im Internet. Die Internet-Ausgabe der Zeitung erhielt bald eine eigene Redaktion, die zusätzlich zu den gedruckten Berichten auch eigene Berichte online stellte, wurde als eigenes Unternehmen ausgelagert bevor es mit der Print-Ausgabe fusioniert wurde.

derstandarddigital.at[Bearbeiten]

derstandarddigital.at ist die Bezeichnung und Webadresse der Online-Version der Zeitung, die als vollständiges e-paper veröffentlicht wird. Printinhalte werden auch auf derStandard.at/Zeitung veröffentlicht.

dieStandard.at[Bearbeiten]

Am 8. März 2000 ging dieStandard.at online, das auf Frauenpolitik, Geschlechterthemen und Feminismus konzentrierte Portal. Entstanden ist es aus einer Initiative von Print- und Online-Redakteurinnen der Tageszeitung. Artikel werden zum Teil auch von derstandard.at verlinkt oder aus der Print-Ausgabe übernommen.[13] Ressortleiterin ist Ina Freudenschuß, die 2010 vom österreichischen FrauenNetzwerk Medien mit dem Journalistinnen-Preises Die Spitze Feder ausgezeichnet wurde, weil sie es in ihrer Berichterstattung über bzw. mit Frauen in sehr umfassender und nachhaltiger Weise schaffe, die Emanzipationsfahne hoch zu halten.[14]

Auf Grund fortgesetzter Flame-Wars und oft misogyner Postings wurde dort ab Oktober 2008 ein postingfreier Dienstag eingerichtet, um die Aufmerksamkeit der Leser wieder verstärkt auf die eigentlichen Inhalte zu lenken.[15][16]

dieStandard vergibt seit 2010 regelmäßig den Negativpreis „Zitrone“ für sexistische Werbe- und Medieninhalte.[17]

daStandard.at[Bearbeiten]

Anfang 2010 kam mit daStandard.at ein Portal für Migranten zum Onlineangebot hinzu, das im April 2011 mit dem Civis – Europas Medienpreis für Integration ausgezeichnet wurde.[18]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b oeak.at – Auflagenliste Jahresschnitt 2013 (PDF; 337 kB) Österreichische Auflagenkontrolle (abgerufen 31. Jänner 2014)
  2. a b c www.media-analyse.at (abgerufen am 31. Jänner 2014)
  3. Journalistische Macht hat nur, wer sie missbraucht. derStandard.at, 18. Oktober 2013, abgerufen am 31. Januar 2014.
  4. Oscar Bronner. Ein Stück österreichische Mediengeschichte im Schnelldurchlauf. Der Österreichische Journalist, Nr. 8+9 2008, S. 46
  5. Von Komödienturbulenz bis Zeitdokument 19.Oktober 2012 abgerufen am 28. Jänner 2013
  6. Das Standard-Haus als Zukunftsprojekt in Der Standard vom 29. Dezember 2012 abgerufen am 31. Jänner 2013
  7. Journalismus kennt keine Print- und Online-Grenzen. derStandard.at, 19. Juni 2013, abgerufen am 31. Januar 2014.
  8. http://www.horizont.at/newsdetail/news/standard-will-oesterreich-klagen.html
  9. a b Der Standard – Impressum und Offenlegung. Abgerufen am 31. Januar 2014.
  10. Peter Berger: Kurze Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert. 2. Aufl. facultas-wuv, Wien 2008 ISBN 978-3-7089-0354-5 S. 383
  11. Günther Lengauer/Hannes Vorhofer: Wahlkampf am und abseits des journalistischen Boulevards. Redaktionelle Politikvermittlung im Nationalratswahlkampf 2008. in: Fritz Plasser (Hg.): Politik in der Medienarena. Praxis politischer Kommunikation in Österreich. facultas-wuv. Wien 2010 ISBN 978-3-7089-0501-3 S. 145-184, hier S. 166.
  12. Der Standard: DerStandard-Glosse: Neue Autoren für Titelseite. 3./4. Jänner 2009, S. 38
  13. Johanna Dorer, Brigitte Geiger, Regina Köpl (Hrsg.): Medien - Politik - Geschlecht, VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008, ISBN 978-3-531-91096-3; S. 133f.
  14. frauennetzwerk.at
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBirgit Tombor: Rotes Tuch Gleichberechtigung. dieStandard.at, 14. Oktober 2008, abgerufen am 15. September 2011: „Warum wir am Dienstag die Foren abdrehen: Misogyne Stereotypisierungen sind bei einigen wenigen Tastaturvirtuos(inn)en nicht die Ausnahme“
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBeat Weber: Halt’s Maul, User! Malmoe (Verein zur Förderung medialer Vielfalt und Qualität), März 2009, abgerufen am 15. September 2011 (PDF; 392 kB): „Mitte Oktober 2008 hat dieStandard.at zu einer originellen Maßnahme gegriffen: Einmal pro Woche wird ein „Forum-freier Tag“ eingeführt, an dem keine Möglichkeit für LeserInnen besteht, unter Artikel zu posten.“
  17. Zitronen seit 2010, Artikelübersicht, diestandard.at
  18. Der Standard: daStandard.at erhält den Europäischen Civis-Online-Medienpreis 2011, 13. April 2011