Richard Schirrmann

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Richard Schirrmann (* 15. Mai 1874 in Grunenfeld, Kreis Heiligenbeil, Ostpreußen, heute Teil der polnischen Gmina Braniewo, Powiat Braniewski, Woiwodschaft Ermland-Masuren; † 14. Dezember 1961 in Grävenwiesbach, Taunus) war der Gründer des Deutschen Jugendherbergswerkes.

Leben[Bearbeiten]

Richard-Schirrmann-Denkmal in Altena

Richard Schirrmann wurde als Sohn eines Lehrers geboren. 1895 bestand er sein Staatsexamen und wurde selbst Lehrer. Zunächst unterrichtete er an einer Volksschule in Gelsenkirchen. Wegen des schlechten Wohnumfeldes der Schüler in dieser Industriestadt unternahm er häufig Wanderungen mit seinen Schülern. Dies führte zu Problemen mit der Schulaufsicht. Man warf ihm vor, den normalen Unterricht zu Gunsten der Wandertage zu vernachlässigen. Deshalb wurde er 1903 nach Altena im Sauerland versetzt, wo er Mitglied des Sauerländischen Gebirgsvereins wurde.

Jugendherbergsinitiative[Bearbeiten]

Gedenktafel an der Richard-Schirrmann-Realschule in Altena

1907 richtete Schirrmann die erste Jugendherberge der Welt – probeweise – in der alten Netter Schule in der Nettestraße in Altena ein. Bei einer mehrtägigen Wanderung mit seinen Schülern, bei der die Gruppe während eines Unwetters mangels Alternativen spontan ein Behelfsquartier in der Dorfschule in Bröl (Hennef) einrichten musste, entwickelte Schirrmann am 26. August 1909 die Idee eines flächendeckenden Netzwerkes derartiger Jugendherbergen.

1910 verfasste er einen Beitrag für die Kölnische Zeitung, in dem er seine Ziele darlegte. Bald darauf erfuhr er mannigfache Unterstützung, unter anderem in Form von Spenden.

1912 zog die erste Jugendherberge dann in die Burg Altena um. Zur Gewährleistung eines dauerhaften Betriebes wurde Schirrmann dort auch der erste Herbergsvater.[1]

Nach der Gründung des Reichsjugendherbergsverbandes 1919 ließ er sich 1922 vom Schuldienst beurlauben, um sich ganz auf seine Aufgabe konzentrieren zu können. 1933–1936 war er Vorsitzender des internationalen Jugendherbergsverbands (HI). 1948 machte er sich an den Wiederaufbau des Jugendherbergswerks in Deutschland wie auch auf internationaler Ebene.

Schirrmann gelang es, die Städte und Gemeinden in den Aufbau und die Finanzierung der von ihm geplanten Herbergen einzubinden und so der Organisation Kontinuität zu sichern. Generationen von Schülern und Lehrern verbinden das Erlebnis Klassenfahrt mit dem Aufenthalt in einer Jugendherberge.

Das Bildarchiv Westfalen bewahrt den fotografischen Nachlass Richard Schirrmanns.

Auszeichnungen/Ehrungen[Bearbeiten]

Seine Arbeit wurde 1952 mit der Verleihung des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt. Außerdem ernannte ihn die Stadt Altena zum Ehrenbürger.

Der Sauerländische Gebirgsverein benannte einen seiner Hauptwanderwege Richard-Schirrmann-Weg. Im Jahr 1971 wurde in Wien Donaustadt (22. Bezirk) die Schirrmanngasse und im Jahr 2008 in Stuttgart eine Staffel Richard-Schirrmann-Staffel nach ihm benannt. Die Benennung der Staffel in Stuttgart wurde jedoch wegen der Rolle von Richard Schirrmann im Dritten Reich[2] im Jahr 2010 rückgängig gemacht. Die Staffel zwischen Kerner- und Schützenstraße wurde in Paul-Löbe-Staffel umbenannt. Weitere Straßen (z. B. in Titisee-Neustadt, Mainz, Montabaur, Gießen, Lünen Landshut, Wetzlar, Münster, Bischofsheim) sowie Schulen (z. B. in Hennef, Siegburg, Berlin, Altena, Hoisten, Essen) wurden ebenfalls zu seinen Ehren nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Richard Schirrmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite der Deutschen Welle, 2012, abgerufen am 28. Juli 2012
  2. Angaben auf der Seite des Deutschen Jugendherbergswerkes, abgerufen am 17. Februar 2012