Richard Teschner

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Richard Teschner (* 21. März oder 22. März 1879 in Karlsbad, Österreich-Ungarn; † 4. Juli 1948 in Wien) war ein Künstler des Wiener Jugendstils und Puppenspieler, der die Kunst des javanischen Mythentheaters auf die europäische Welt übertrug.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn eines Druckers wuchs in Leitmeritz auf und studierte von 1896 bis 1899 an der Kunstakademie Prag und 1900 an der Wiener Kunstgewerbeschule, ehe er 1909 endgültig nach Wien übersiedelte. 1908 nahm er an der Kunstschau in Wien teil und wurde von 1909 bis 1912 Mitarbeiter der Wiener Werkstätte. 1911 heiratete er Emma Bacher-Paulik. Ein Jahr später arbeitete er erstmals mit Stabpuppen in seinem Figurentheater Der Goldene Schrein, das der Künstler Max Domenig samt verschiedenen Figuren geschnitzt hatte.

1919/20 fand im Museum für Kunst und Industrie in Wien eine Ausstellung unter dem Titel „Richard Teschner“ statt. 1925 gab es erste öffentliche Aufführungen in Teschners Atelier.

Als Maler, Grafiker, Bildhauer und Puppenspieler schuf er in den Dreißiger Jahren den Figurenspiegel, der seit dem Tod seiner Witwe 1953 im Österreichischen Theatermuseum im Palais Lobkowitz bewahrt wird. Die herkömmliche Guckkastenbühne wurde hier zugunsten eines runden, glasgeschützten Panoramas, einer Art Hohlspiegel mit Lichteffekten, aufgegeben. Teschner, der sich nach wie vor von den javanischen Stabfiguren (Wayang-Golek-Figuren) inspirieren ließ, schuf nicht nur die Puppen und die Bühnentechnik für seine pantomimischen Stücke selbst, sondern komponierte auch die Begleitmusik – meist, aber nicht ausschließlich unter Verwendung eines Polyphons – und arbeitete die Handlung der Stücke aus. So übernahm er die Führungstechnik des asiatischen Stabfigurenspiels für Inszenierungen europäischen Inhaltes, wobei seine Sammlung alter javanischer Figuren hier und dort durchaus noch Einsatz fand.

Die Spieltradition wurde nach Teschners Tod und trotz der Übernahme des Figurenspiegels durch das Museum durch seine Mitarbeiterinnen bis 1965 aufrechterhalten und später im Rahmen eines Museumsprojekts wiederbelebt. Im Frühjahr 2006 standen die Stücke „Karneval“ aus dem Jahr 1930 und „Der Basilisk“ von 1937 auf dem Spielplan.

Teschner schuf über den Figurenspiegel hinaus auch Gemälde, Plastiken, Exlibris, kunstgewerbliche Gegenstände etc. Ein Bronzeentwurf zu „Groteske auf Skiern“ aus der Zeit um 1920 stand März 2006 im Dorotheum zur Versteigerung; ein Wasserkrug mit Bechergläsern nach Teschners Entwurf ist im Österreichischen Theatermuseum zu sehen. Auch Buchillustrationen schuf Teschner, so z. B. zu den 1921 herausgegebenen „Visionen aus dem Osten“/ Villiers de l’Isle-Adam in der Übertragung von Erwin Rieger oder, in Zusammenarbeit mit Oswald Thomas, für den unmittelbar nach dem Krieg 1945 erschienenen „Atlas der Sternbilder“. 1927 entstand in Zusammenarbeit mit Carl Hoffmann der Film Der geheimnisvolle Spiegel. [1]

Im Jahr 1956 wurde in Wien Währing (18. Bezirk) die Teschnergasse nach ihm benannt.

Stücke[Bearbeiten]

  • Nachtstück, 1913
  • Weihnachtsspiel, 1916
  • Der Drachentöter, 1928/29
  • Karneval, 1930
  • Die Lebensuhr, 1935
  • Der Basilisk, 1937

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Effenberger: Richard Teschners indisches Theater. In: Deutsche Kunst und Dekoration, Band XVI, Heft 9. Juni 1913. S.217-222.[2]
  • Arthur Roessler: „Richard Teschner“, Wien, Gerlach & Wiedling, 1947.. S.217-222.
  • Franz Hadamowsky (Hrsg.): „Richard Teschner und sein Figurenspiegel“, Wien, 1956.
  • Renate Vergeiner: „Im Spiegel – Richard Teschners Figurinen und sein Figurenspiegel. Richard Teschner, Kurzbiographie, Leben und Werk“, St. Pölten, NÖP, 1988.
  • Jarmila Weißenböck (Hrsg.): „Der Figurenspiegel. Richard Teschner“, Wien, 1991.
  • Jarmila Weißenböck : „Viennensia: die Taenze des Magiers“, Tanz Affiche. Jahrg. 11, Nr. 82 (Aug./Sept. 1998), p. 36-37.
  • Kurt Ifkovits (Hg.): „Mit diesen meinen zwei Händen...“ Die Bühnen des Richard Teschner (Ausst. Kat. Österreichisches Theatermuseum, Wien 25. April 2013-10. Februar 2014), Wien 2013, ISBN 978-3-902781-29-1.
  • Arthur Roeßler: Meister Richard Teschner. In: Velhagen & Klasings Monatshefte 1924/25 Bd. 1 S. 385-396 (17 Werkwiedergaben und Portraitfoto)

Filmaufnahmen[Bearbeiten]

  • Pioneers of Puppetry
  • The Night before Christmas
  • Der Drachenprinz (Österreich 1931, Max Goldschmidt-Film, Wien)
  • Traum im Karneval. Ein Figurenspiel(Österreich 1931, Max Goldschmidt-Film, Wien)
  • Anna Pawlowa tanzt (Österreich 1947, Kulturfilm-Produktion Dr. Max Zehenthofer)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadt Wien Währing: Ausstellung Richard Teschner – Der Magier. Bezirksmuseum Währing, Rathauskorrespondenz 31. August 2009
  2. Hans Effenberger: Richard Teschners indisches Theater

Weblinks[Bearbeiten]