Riesenhamsterratten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Riesenhamsterratten
Emin-Riesenhamsterratte (Cricetomys emini)

Emin-Riesenhamsterratte (Cricetomys emini)

Systematik
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Nesomyidae
Unterfamilie: Hamsterratten (Cricetomyinae)
Tribus: Cricetomyini
Gattung: Riesenhamsterratten
Wissenschaftlicher Name
Cricetomys
Waterhouse, 1840

Die Riesenhamsterratten (Cricetomys) sind eine Gattung sehr großer afrikanischer Nagetiere, die in Regenwäldern und Buschland leben.

Beschreibung[Bearbeiten]

Mit einer Kopfrumpflänge von bis zu 45 cm und einem ebenso langen Schwanz sind sie doppelt bis dreimal so groß wie andere Vertreter der Hamsterratten. Männchen erreichen ein Gewicht von 2,5 kg, Weibchen werden 1,4 kg schwer. Das Fell ist oberseits graubraun oder rotbraun und unterseits weiß gefärbt. Die großen Ohren und der Schwanz sind nackt.

Ursprünglich wurden sechs Arten dieser Gattung beschrieben, jedoch fasste der Nagetierspezialist John Ellerman diese 1941 zu einer einzigen Art zusammen, deren Spielarten höchstens den Status von Unterarten hätten. 1967 wurde diese eine Art von Huguette Genest-Villard wiederum in zwei Arten unterteilt:

Riesenhamsterratten sind Allesfresser. Sie ernähren sich von pflanzlichen Materialien aller Art, Insekten, Schnecken und selbst Kot. Viel Nahrung wird in den Backentaschen verstaut und dann in den Bauten gelagert.

Als Einzelgänger sind Riesenhamsterratten gegenüber Geschlechtsgenossen äußerst aggressiv. Sperrt man zwei Männchen zusammen, kämpfen sie bis zum Tode eines der Kontrahenten. Mehrmals im Jahr pflanzen sich diese Tiere fort; manche Individuen dürften zehnmal im Jahr Nachwuchs haben. Ein Wurf umfasst ein bis fünf, meistens vier Junge. Die Lebensdauer kann in Gefangenschaft über sieben Jahre betragen, ist in der Wildnis aber wohl sehr viel niedriger.

Vorkommen und Nutzen[Bearbeiten]

Die Gambia-Riesenhamsterratte bewohnt Savannen in ganz Afrika südlich der Sahara. Die Emin-Riesenhamsterratte bewohnt die Regenwälder West- und Zentralafrikas. Beide Arten sind nachtaktiv und verbergen sich meistens in Dickicht und Unterholz. Sie können selbst Baue anlegen, bevorzugen aber natürliche Öffnungen wie Astlöcher oder Termitenbaue. Riesenhamsterratten können gut klettern und schwimmen.

In manchen Städten Westafrikas bewohnen Riesenhamsterratten inzwischen die Kanalisation und gelten als ebensolche Schädlinge wie Wanderratten. Allerdings ist dies nicht in ganz Afrika so; in Südafrika meiden die Tiere menschliche Nähe und gelten als Seltenheiten.

Die Tiere pflanzen sich auch in Gefangenschaft fort, sind kostengünstig zu ernähren und werden daher in ländlichen Regionen in lokalem Maßstab als Nahrungsmittel für den Eigenbedarf oder zum Verkauf auf Märkten gezüchtet. Zu ihrer Unterbringung werden teilweise senkrecht aufgestellte Ölfässer verwendet, in deren Deckel in der Mitte ein rundes Loch geschnitten wurde.[1]

Auch für Entomologen sind Riesenhamsterratten von Interesse, da sie die Wirte der parasitischen Insektengruppe der Hemimerina sind, die auf der Haut der Tiere Schuppen und Pilzbeläge fressen. Diese Insekten werden in die Nähe der Ohrwürmer gestellt und finden sich auf keinem anderen Säugetier.

Riesenhamsterratten werden in Subsahara-Afrika darauf trainiert, Tuberkulose bei Menschen aufzuspüren. Vorversuche legen nahe, dass die Ratten 150 Speichelproben in 30 Minuten auf Tuberkulose testen könnten. Mit dem Mikroskop können derzeit 20 Proben pro Tag untersucht werden. Im Jahr 2003 stellte die Weltbank 165.000 Dollar für die weitere Erforschung zur Verfügung.[2]

Sie werden auch zum Aufspüren von Landminen ausgebildet. Sie sind im Vergleich zu Minensuchhunden leichter zu züchten, zu ernähren und zu transportieren und lösen durch ihr geringes Körpergewicht keine Minen aus. Die Ausbildungsdauer beträgt sechs bis zwölf Monate. Die Tiere werden von Apopo für die Minenräumung in Mosambik eingesetzt.[3][4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Afrikanische Trypanosomiasis#Epidemiologie

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alessandro Finzi: Integrated Backyard Systems. A Contribution to the Special Programme for Food Security. Animal Production Department, University of Tuscia, Viterbo (Italien). FAO 2000. Kapitel 7: Backyard small species.
  2. Innovations Report: Riesenhamsterratten werten Tuberkuloseproben aus
  3. Ronaldinho frisst sich durchs Minenfeld, FAZ.NET, 2. September 2009
  4. Räumkomando Riesenratte, Phoenix.de,26.August 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cricetomys – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. 2 Bände. 6. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD u. a. 1999, ISBN 0-8018-5789-9.
  • H. Genest-Villard: Révision du genre Cricetomys (Rongeurs, Cricetidae). In: Mammalia. Bd. 31, Heft 3, 1967, ISSN 0025-1461, S. 390–455, doi:10.1515/mamm.1967.31.3.390.