Rinderbandwurm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rinderbandwurm
Rinderbandwurm (Taenia saginata)

Rinderbandwurm (Taenia saginata)

Systematik
Klasse: Cestoda (Bandwurmartige)
Unterklasse: Eucestoda (Echte Bandwürmer)
Ordnung: Cyclophyllidea
Familie: Taeniidae
Gattung: Taenia
Art: Rinderbandwurm
Wissenschaftlicher Name
Taenia saginata
Goeze, 1782

Der Rinderbandwurm Taenia saginata, auch als Rinderfinnenbandwurm bezeichnet, ist ein parasitisch lebender Bandwurm im Darm vom Menschen. Als Zwischenwirt dienen Rinder.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Rinderbandwurm wurde weltweit mit der Rinderzucht verbreitet, kommt heute allerdings meist in den Ländern südlich der Sahara und jenen des Nahen Ostens vor. Eine besonders starke Prävalenz herrscht in Kenia, wo in einer Studie von 1996 eine regional stark schwankende Zystizerkose bei 15–80 % der Rinder festgestellt wurde.

Der Mensch ist der einzige Endwirt.

Merkmale[Bearbeiten]

Der Körper des Rinderbandwurms trägt alle typischen Merkmale der Bandwürmer, er erreicht eine Länge bis zu 10 Meter und eine Breite bis zu 7 Millimeter. Eine Besonderheit des Rinderbandwurmes ist das Fehlen der Hakenkränze als Haftorgan am Scolex (Kopf).

Lebenszyklus[Bearbeiten]

Der Lebenszyklus des Rinderbandwurmes umfasst wie bei allen Bandwürmern ein Finnenstadium (Cysticercus bovis oder Cysticercus inermis), das hier im Rind zu finden ist (Zystizerkose). Der menschliche Endwirt scheidet pro Tag bis zu neun Proglottiden aus, diese verstreuen durch aktive Kriechbewegungen die Eier über weite Strecken. Die Eier werden von Rindern aufgenommen, wo sie sich vor allem in der Muskulatur von Zwerchfell, Zunge und Herz ansiedeln. Die Finnen verbleiben nun im Rind und werden, falls sie bei einer in den meisten Ländern gesetzlich vorgeschriebenen Fleischbeschau durch den Veterinärmediziner nicht entdeckt werden, vom Menschen aufgenommen. Eine Wurminfektion tritt allerdings nur dann auf, wenn das Fleisch ungenügend gekocht oder roh gegessen wird.

Erkrankung[Bearbeiten]

Die Infektion bleibt oft ohne Symptome, selten treten Kopfschmerzen, leichte Bauchschmerzen, Hungergefühl oder wechselnder Appetit und Unwohlsein auf. Das einzige Symptom kann auch eine Gewichtsabnahme sein. Im menschlichen Stuhl können die etwa 1 cm langen und 0,7 cm breiten weißlichen Proglottiden gefunden werden. Im Rind selbst rufen die Finnen keine Symptome hervor.

Vorbeugung[Bearbeiten]

Durch Kochen oder Braten des Rindfleisches vor dem Verzehr kann eine Infektion vermieden werden. Um die Zystizerken (Finnen) abzutöten, muss im Fleisch für mindestens fünf Minuten eine Temperatur von 65 Grad Celsius erreicht werden. Auch ein Einfrieren für neun Tage bei minus zehn Grad Celsius bewirkt ein Abtöten der Zystizerken. In Europa sind bis zu 1,5 Prozent der Rinder befallen. Ungeklärte Abwässer, die in Flüsse gelangen, "wilde Toiletten" in der Nähe von Weideplätzen und die direkte Übertragung der Eier von Mensch zu Rind in Betrieben sind Quellen von Infektionen.

Therapie[Bearbeiten]

Bei Befall des menschlichen Darms durch den Rinderbandwurm ist eine Einzeldosis von Praziquantel (10 mg/kg Körpergewicht) wirksam. Vor Einführung des Präparates in den 1980er Jahren wurden Zinnpräparate verabreicht[1]. In hartnäckigen Fällen wurde mittels einer über Mund und Magen eingeführten Sonde eine konzentrierte Salzlösung angewendet[2].

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Taenia saginata – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  • Johannes Dönges: Parasitologie. Mit besonderer Berücksichtigung humanpathogener Formen. 2. Auflage, Thieme, Stuttgart / New York, NY 1988, ISBN 3-13-579902-6.
  • Heinz Mehlhorn, Gerhard Piekarski: Grundriss der Parasitenkunde. Parasiten des Menschen und der Nutztiere 6. Auflage, Spektrum, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-1158-0.
  • A. White, Clinton und Weller, F. Peter in: Harrisons Innere Medizin. 16. Auflage; McGraw-Hill, London 2006, ISBN 3-936072-29-9.
  • Fritz H. Kayser: Medizinische Mikrobiologie, 8. Auflage; Thieme, Stuttgart / New York, NY 1993, ISBN 3-13-444808-4.
  • Julia Walochnik (Autor), Guido Walochnik (Illustrator): Hotel Mensch: Parasiten - unerwünschte Gäste unseres Körpers. Ueberreuter, Wien 2011, ISBN 978-3-8000-7492-1.
  1. Meyer, C. J.: Handbuch der Pharmakologie als Erläuterung aller in der österr. Pharmakopöe vom J. 1834 enthaltenen Arzneymittel; C. Reichard, 1835; 414 Seiten; Seite 195
  2. eigene Kinderklinik-Erinnerung benutzer:ulfbastel
Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!