Rohrbombe

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Verschiedene Rohrbomben
Explodierte schwarzpulvergefüllte Rohrbombe aus einem FBI-Versuchsaufbau
Gesicht (a) und linke Hand (b) eines 19-Jährigen nach der unbeabsichtigten Explosion einer selbstgebauten Rohrbombe.[1]

Rohrbombe ist die allgemeine Bezeichnung für einen Sprengkörper mit einer länglichen Metallhülle, die während der Reaktion der Inhaltsstoffe so stark unter Druck gesetzt wird, dass sie zerbirst wodurch sich die Explosionsgase in die Umgebung ausdehnen.

Rohrbomben können verschiedene Sprengsubstanzen enthalten z. B. TNT, Schwarzpulver oder Ekrasit. Rohrbomben werden auf Grund der relativ einfachen Herstellung meist von Terroristen oder einfachen Kriminellen verwendet. Um eine verheerende Wirkung zu erreichen, werden metallische Hüllen (Rohrstücke) verwendet oder um eine weiche Hülle herum Projektile, z. B. Schrauben, Nägel, Bleistücke befestigt, die bei der Detonation wie bei einem Schrapnell bis zu einige hundert Meter weit geschleudert werden und schwere Verletzungen verursachen können.

Rohrbomben wurden in der Vergangenheit mehrfach bei terroristischen Anschlägen verwendet, so unter anderem beim Schulmassaker von Littleton und beim Anschlag auf die Olympischen Spiele in Atlanta. Auch die rechtsextremen Terroristen Gundolf Köhler (beim Oktoberfestattentat).[2] und Franz Fuchs[3] setzten Rohrbomben ein. Der Kriminelle Arno Funke („Dagobert“) setzte bei seinen Kaufhaus-Erpressungen Rohrbomben ein.[4] Auch beim Sprengsatzfund am Bonner Hauptbahnhof 2012 handelte es sich um eine Rohrbombe.[5]

Aufbau[Bearbeiten]

Bei Rohrbomben kann man prinzipiell zwischen zwei Arten unterscheiden:

  • Solche, die durch zu hohen Druck zum Explodieren gebracht werden. Dies kann geschehen, indem man im Inneren des verschlossenen Rohres eine chemische Reaktion ablaufen lässt, bei der ein Gas freigesetzt wird. Dies kann durch Verbrennung sein, oder es entsteht ein Gas aus einer Suspension heraus. Bei dieser Kategorie handelt es sich nicht um Sprengstoffe im engeren Sinne, da die Stoffe für sich nicht detonieren.
  • Solche, bei denen das Metallrohr hauptsächlich zur „Aufbewahrung“ eines Sprengstoffes dient. Wenn die Explosion des Sprengstoffes stark genug ist, wird das Rohr vollständig zerstört.

Die Bombe selbst besteht in der Regel aus einem Metallrohr, einem sogenannten „Rohrnippel“, der an beiden Enden mit Stahl- oder Blechkappen verschlossen wurde und den Füllstoff enthält. Der Zünder wird meist durch ein Loch in das Rohr eingeführt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. E. M. Kasper, M. M. Luedi u. a.: Retained transorbital foreign body with intracranial extension after pipe bomb explosion. In: Surgical neurology international. Band 1, 2010, S. 94, ISSN 2152-7806. doi:10.4103/2152-7806.74241. PMID 21246061. PMC 3019363 (freier Volltext).
  2. mak: Oktoberfest-Attentat – Nach 30 Jahren neue Ermittlungen gefordert. In: Spiegel Online vom 12. September 2010.
  3. Briefbombenattentäter Franz Fuchs ist tot. In: Spiegel Online vom 26. Februar 2000.
  4. J. Jüttner: Der Fall Dagobert – „Wir waren wie zwei Boxer“. In: Spiegel Online vom 12. März 2012.
  5. (aar/ulz/dpa/Reuters): Bombenalarm. Tasche im Bonner Hauptbahnhof gesprengt. Auf: Spiegel Online vom 10. Dezember 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rohrbombe – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Rohrbombe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen