Russische Geographische Gesellschaft

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Bibliothek der Russischen Geographischen Gesellschaft, 1916

Die Russische Geographische Gesellschaft ist eine am 6. August 1845 in St. Petersburg gegründete Gelehrtengesellschaft.

Bis zur russischen Revolution 1917 war sie als Kaiserliche Russische Geographische Gesellschaft bekannt, zu den Gründungsmitgliedern zählten unter anderem Fjodor Petrowitsch Lütke, Ferdinand von Wrangel, Wladimir Iwanowitsch Dal, Wladimir Fjodorowitsch Odojewski, Friedrich Georg Wilhelm Struve und Karl Ernst von Baer. Erster Präsident von 1845–1892 war Großfürst Konstantin Nikolajewitsch von Russland, der Sohn von Zar Nikolaus I., doch tatsächlich geführt wurde die Gesellschaft von den jeweiligen Vizepräsidenten Fjodor Petrowitsch Lütke (1845–1850 und 1855–1857), Graf Michail Nikolajewitsch Murawjow-Wilenski (1850–1855), Pjotr Petrowitsch Semjonow-Tjan-Schanski (1873–1914) und Juli Michailowitsch Schokalski (1914–1931).

Die Gesellschaft war in vier Abteilungen, namentlich die physische Geographie, die mathematische Geographie, die Ethnographie und die Statistik unterteilt.

Unter anderem organisierte und finanzierte die Gesellschaft die Expeditionen und Forschungen von Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Nikolai Michailowitsch Prschewalski, Nicolai Miklouho-Maclay, Pjotr Kusmitsch Koslow, Wladimir Afanassjewitsch Obrutschew und Lew Semjonowitsch Berg. Durch finanzielle Unterstützung der Gesellschaft konnten die ersten Polarstationen in Russland aufgebaut werden. Außerdem erforschte man russische und ukrainische Folklore.

1847–1850 trieb die Gesellschaft die systematische Erforschung des nördlichen Urals und später ganz Sibiriens und der Mongolei voran.

Sitz der Russischen Geographischen Gesellschaft in St. Petersburg

1926 wurde der Name in Staatliche Geographische Gesellschaft, 1938 in Geographische Gesellschaft der UdSSR umbenannt. Während der Sowjetunion wurde die Gesellschaft von Juli Michailowitsch Schokalski (1914–1931), Nikolai Iwanowitsch Wawilow (1931–1940), Lew Semjonowitsch Berg (1940–1950), Jewgeni Pawlowski (1952–1954), Stanislaw Kaleschnik (1964–1977) und Alexei Fjodorowitsch Trjoschnikow (1977–1991) geleitet.

Die Gesellschaft vergibt vier verschiedenen Ehrenmedaillen, welche nach Lütke, Semjonow, Prschewalski und Deschnjow benannt sind. Bis 1970 hatte die Gesellschaft mehr als 2.000 Bände geographischer Literatur herausgegeben, darunter die jährlich erscheinenden Ausgaben Zapiski (seit 1846) und Izvestiya (seit 1865).

Nach der Auflösung der Sowjetunion nahm man wieder den ursprünglichen Namen an, der Hauptsitz befindet sich in St. Petersburg.

Literatur[Bearbeiten]

  • Claudia Weiss: Wie Sibirien „unser“ wurde. Die Russische Geographische Gesellschaft und ihr Einfluss auf die Bilder und Vorstellungen von Sibirien im 19. Jahrhundert. V & R Unipress, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89971-375-6.

Weblinks[Bearbeiten]