Wladimir Afanassjewitsch Obrutschew

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Briefmarkenausgabe zum 100. Geburtstag W. A. Obrutschews (Sowjetunion 1963)

Wladimir Afanassjewitsch Obrutschew (russisch Владимир Афанасьевич Обручев, wiss. Transliteration Vladimir Afanas'evič Obručev; * 28. Septemberjul./ 10. Oktober 1863greg. in Klepenino, Gouvernement Twer; † 19. Juni 1956 in Moskau) war ein sowjetischer Geologe, Geograph und Schriftsteller. Er ist vor allem als geologischer Erforscher Sibiriens und von Zentralasien bekannt.

Leben[Bearbeiten]

Obrutschew studierte nach Besuch des Realgymnasiums in Wilna am Berginstitut in Sankt Petersburg mit dem Abschluss 1886. Danach unternahm er Forschungsreisen nach Mittelasien, die Mongolei und bis Nordchina. 1889 bis 1892 war er Geologe am Bergamt in Irkutsk. Ab 1901 lehrte er an der Bergbauabteilung des Sibirischen Technologischen Instituts in Tomsk. Aufgrund der politischen Wirren gab er das 1912 auf. 1919 bis 1921 war er Professor und Dekan der Universität Simferopol und 1921 bis 1929 Professor für Angewandte Geologie und Lagerstättenkunde an der Bergakademie in Moskau. Ab 1928 war er wirkliches Mitglied der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften, deren Geologisches Institut und Komitee zum Permafrost er bis zu seinem Rücktritt 1936 leitete. 1937 leitete er die russische Delegation auf dem 17. Internationalen Geologenkongress in Moskau.

Er veröffentlichte über die Geologie von Sibirien (auch eine deutschsprachige Monographie), Zentralasien, Erz- und Goldlagerstätten und das Lößproblem. Außerdem schrieb er eine vierbändige Geschichte der geologischen Erforschung von Sibirien.

Obrutschew galt als einer der bedeutendsten Wissenschaftler der ehemaligen Sowjetunion. Er war Held der sozialistischen Arbeit, Stalin- sowie Leninpreisträger, Ehrenpräsident der Geographischen Gesellschaft der UdSSR und Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten. Daneben schrieb er noch eine Reihe vorwiegend phantastischer Romane für die Jugend, in denen er sein Wissen über Geographie, Geologie und Erdgeschichte einfließen ließ. Damit gilt er als einer der bedeutendsten Vertreter der frühen phantastischen Literatur der Sowjetunion.

Literarisches Schaffen[Bearbeiten]

1924 schrieb er seinen wohl populärsten Roman Plutonien, den man auf eine Stufe mit Die Reise zum Mittelpunkt der Erde von Jules Verne und „Die vergessene Welt“ von Arthur Conan Doyle stellen kann. Anhand einer abenteuerlichen Handlung greift er die Hohlwelttheorie auf und nutzt sie zu einem spannenden Roman über die Erdgeschichte. Zusätzlich lässt er sein Wissen über urzeitliche Tiere einfließen.

1926 folgte der Roman „Das Sannikowland, der nicht weniger erfolgreich werden sollte und 1972 verfilmt wurde. Diesmal griff er die Hypothese eines durch Vulkanismus eisfrei gehaltenen Landes innerhalb des Polarkreises auf, dessen Existenz von ihm und einigen anderen russischen Forschern immer wieder für nicht unmöglich gehalten worden war.

1928 schilderte er in „Goldsucher in der Wüste“ das Leben chinesischer Bergleute in der Dsungarei während der Dunganenaufstände. Der Erzählungsband „In der Felsenwildnis Innerasiens“ (1951) bildet zeitlich gesehen eine Fortsetzung dieses Bandes. Die locker aneinandergereihten Geschichten schildern die Abenteuer eines russischen Kaufmanns und Schatzgräbers, der Ende des 19. Jahrhunderts auf der Suche nach Goldbergwerken, Ruinenstädten und Klöstern die Dsungarei, das Tarimbecken und Tibet durchstreift.

Ehrungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • N. Polutoff: Pioniere geologischer Forschung in Russland, Geologische Rundschau, Band 31, 1940, S. 457-487

Schriften[Bearbeiten]

  • Geologie von Sibirien. Fortschritte Geologie und Paläontologie, Heft 15, Berlin 1926 (573 Seiten)
  • Geschichte der geologischen Erforschung von Sibirien (Russisch), 4 Teile, Moskau 1931, 1933, 1934, 1937
  • Geologie von Sibirien, Teil 1: Präkambrium und Altpaläozoikum (Russisch), Leningrad 1935, Band 2: Mittel- und Oberpaläozoikum, Leningrad 1936, Band 3: Meso- und Känozoikum, Leningrad 1938
  • Feldgeologie (Russisch), 2 Bände, Leningrad, Moskau 1927, 1929, 4. Auflage 1932
  • Geologische Skizze des Baikallandes und des Lena-Golddistrikts (Russisch), Leningrad 1932
  • Die Verbreitung der Eiszeitsspuren in Nord- und Zentralasien, Geologische Rundschau 21, 1930, 243
  • Goldführende Gebiete von Jakutien (Russisch), Leningrad 1932
  • Erzlagerstätten (Russisch), 2 Bände, Moskau 1928, 1934

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wladimir Obrutschew – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johannes Walther (Hrsg.): Leopoldina. Berichte der Kaiserlich Deutschen Akademie der Naturforscher zu Halle. Quelle und Meyer, Leipzig 1926, S. 264