Salzbergwerk Altaussee

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Salzbergwerk Altaussee
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
Abbautechnik Sinkwerke
Förderung/Jahr 450.000[1] t
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Betreibende Gesellschaft Salinen Austria AG
Beschäftigte 57[2]
Betriebsbeginn 1147
Geförderte Rohstoffe
Abbau von Salz
Geographische Lage
Koordinaten 47° 39′ 5″ N, 13° 44′ 21″ O47.65138888888913.739166666667Koordinaten: 47° 39′ 5″ N, 13° 44′ 21″ O
Salzbergwerk Altaussee (Steiermark)
Salzbergwerk Altaussee
Lage Salzbergwerk Altaussee
Standort Berg Sandling
Gemeinde Altaussee
Bezirk (NUTS3) Liezen
Bundesland Steiermark
Staat Österreich

p0p2

Das Salzbergwerk Altaussee [ˈaltˌaʊseː] ist ein österreichisches Salzbergwerk im Sandling bei Altaussee im Salzkammergut. Es ist die größte Salzgewinnungsstätte Österreichs und im Besitz der Salinen Austria AG.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte des bis heute andauernden Salzabbaus in Altaussee reicht mindestens bis in das Mittelalter zurück. In den 1990er Jahren wurde am Südhang des Sandlings eine römerzeitliche Siedlung (Michlhallberg) aus dem 2. bis 4. Jahrhundert n. Chr. entdeckt. Es wird vermutet, dass dort bereits Salzabbau betrieben wurde.[3] Der Salzbergbau am Sandling-Massiv im Gemeindegebiet des heutigen Altaussees wurde erstmals 1147 in einer Schenkungsurkunde Markgraf Ottokars III. urkundlich erwähnt. In der Anfangszeit stellte man das Salz direkt am Fuße des Berges her, ab dem 13. Jahrhundert wurde es schließlich über Soleleitungen in die Saline Bad Aussee geleitet. 1906 erfolgte der Bau einer Soleleitung von Altaussee über Bad Ischl zur Saline in Ebensee. Seit der Stilllegung der Saline in Bad Aussee 1983 fließt die gewonnene Sole ausschließlich nach Ebensee, wo heute die Salzverhüttung der Abbaugebiete Altaussee, Hallstatt und Bad Ischl vorgenomment wird.[4]

Das Schaubergwerk[Bearbeiten]

Auf dem heutigen, im Rahmen von Besichtigungen öffentlich zugänglichem Solenhorizont, wurde 1319 mit der Solegewinnung begonnen. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg konnte das „Eustach-Harrischwehr“ besichtigt werden. 1929 folgte die Errichtung eines Schaubergwerks mit zwei Museumsräumen und 1935 die Erweiterung der Besucherstrecke um die aus rohem, durchscheinenden Steinsalz gebildete „Barbarakapelle“. In der Kapelle befindet sich eine gotische Barbara-Figur. Nach dem Krieg wurde das Schaubergwerk 1946 wiedereröffnet. Die Inbetriebnahme der heutigen Besuchsstrecke erfolgte 1952. 2005 wurde das Museum umstrukturiert und es wird seitdem als „Salzwelten Altaussee“ vermarktet. Das Schaubergwerk ist jeweils von Ende April bis Ende Oktober geöffnet, Abendführungen finden ganzjährig jeweils am Mittwoch statt.[5]

Einlagerung von Kunstgütern im Zweiten Weltkrieg (1943-1949)[Bearbeiten]

In den stillgelegten Werksanlagen (Werker genannt) des Salzbergwerkes wurde ab 1943 ein großes Depot für Kulturgüter eingerichtet. Nach den notwendigen Verschalungs- und Verzimmerungsarbeiten gelangten ab August 1943 vorerst Kunstschätze aus österreichischen Kirchen, Klöstern und Museen zur Einlagerung. Ab Januar 1944 wurde auch der Bestand von etwa 4.700 Kunstwerken eingelagert, der unter dem Decknamen Sonderauftrag Linz von Adolf Hitler angesammelt wurde und für das geplante Führermuseum in Linz bestimmt war. Ein großer Teil des damals eingelagerten Bestandes gilt als NS-Raubkunst.[6]

Zum Kriegsende umfasste das gesamte Depot in elf stillgelegten Werkern etwa 6.500 Gemälde, sowie zahlreiche wertvolle Statuen, Möbel, Waffen, Münzen und Bibliotheken. Der Wert dieser Kulturgüter wurde nach dem Krieg auf ungefähr 3,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Im April 1945 kam es zu einer Folge dramatischer Abläufe, als der damalige Gauleiter von Oberdonau, August Eigruber, eigenmächtig den Entschluss fasste, die Kulturgüter zu vernichten. Zu diesem Zweck hatte er acht Fliegerbomben von je 500 kg in die Stollen des Salzbergwerkes transportieren lassen. Nach hektischen Bemühungen und einem ausgeklügelten Plan konnten letztendlich die Salinenleitung, unter dem damaligen Generaldirektor Emmerich Pöchmüller, die Bergungsbeauftragten und Bergmänner die Vernichtung der Kunstschätze und die Zerstörung des Bergwerkes vereiteln. In der Nacht vom 3. auf den 4. Mai 1945 war ihnen gelungen, die bereits im Berg deponierten Bomben wieder zu entfernen. Um weitere Zugriffe auf die Kunstschätze zu vermeiden, wurden anschließend noch die maßgeblichen Stolleneingänge (Stollenmundlöcher) zugesprengt. Nach der Besetzung Altaussees am 8. Mai 1945 durch eine amerikanische Infanterieeinheit, wurde in den darauffolgenden Tagen mit der Öffnung der Stolleneingänge begonnen und die Sicherstellung der Kunstschätze eingeleitet. In der amerikanischen Armee gab es einen Stab von Beauftragten für den Schutz von Baudenkmälern, Kunst und Archiven (Monuments, Fine Arts, and Archives Section), der in München einen Central Collecting Point für geborgene Kulturgüter eingerichtet hat. In diesen CCP gelangte auch der Großteil der im Salzbergwerk Altaussee gelagerten Kunstgüter. Diese wurden, soweit möglich, nachfolgend an die Staaten, aus denen sie stammten, zurückgegeben. Die Klärung der Eigentumsverhältnisse war allerdings in vielen Fällen schwierig, sodass die endgültige Räumung der Kulturgüter aus dem Salzbergwerk Altaussee erst 1948 abgeschlossen werden konnte.

Salzabbau heute[Bearbeiten]

Die Salzgewinnung erfolgt heute ausschließlich über Sinkwerke im nassen Abbau. Mit einer Produktion von 450.000 Tonnen Salz (Stand 2008)[1] ist das Salzbergwerk Altausse heute die größte Salzgewinnungsstätte Österreichs und gehört wie das Schaubergwerk zur Salinen Austria AG.

Technische Daten[2][Bearbeiten]

  • Streckenkilometer gesamt: 66,99 km
  • Horizonte (Stockwerke) gesamt: 18
  • Werksanlagen in Betrieb: 30
  • Salzgehalt: 60 %
  • Soleproduktion/Jahr: 1,7 Mio. m³

Sonstiges[Bearbeiten]

Wissenschaftler entdeckten in permischen Steinsalzproben extremophile, halophile Mikroorganismen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • 800 Jahre Salzbergwerk Altaussee. Österreichische Staatsdruckerei, Wien 1949.
  • Rainer Hilbrand: Die Kunstgüter im Altausseer Salzberg 1943 - 1945. Burgverein Pflindsberg, Altaussee ca. 1985, (Schriftenreihe des Literatur- und Heimatmuseums Altaussee 2, ZDB-ID 1196123-5).
  • Katharina Hammer: Glanz im Dunkel. Die Bergung von Kunstschätzen im Salzkammergut am Ende des 2. Weltkrieges, Österreichischer Bundesverlag 1987
  • Veronika Hofer (Hrsg.): Berg der Schätze. Die dramatische Rettung europäischer Kunst im Altausseer Salzbergwerk. Prospera-Verlag, Scharnstein 2006, ISBN 3-9501600-1-9.
  • Eva Frodl-Kraft: Gefährdetes Erbe, Böhlau Verlag 1997
  • Ernst Kubin: Sonderauftrag Linz. Die Kunstsammlung Adolf Hitler. Aufbau, Vernichtungsplan, Rettung. Ein Thriller der Kulturgeschichte. ORAC Buch- und Zeitschriftenverlag, Wien 1989, ISBN 3-7015-0168-8
  •  Walter Medwenitstii: Die Geologie der Salzlagerstätten Bad Ischl und Alt-Aussee (Salzkammergut). mit 4 Tafeln : Geol. Karte, Faziesdiagramm, Tektonogramm, Lageskizzen und Profilen. In: Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien. 50. Bd., Wien 1957, S. 133—200 (pdf, uibk.ac.at).
  • Wolfgang Weiß : ′′Vorsicht, Marmor - nicht stürzen!′′.Die wahre Geschichte über die Rettung der Kunstschätze in den Salinen von Altaussee 1945.′′ARES Verlag 2009, ISBN 978-3-902475-77-0.
  • Emmerich Pöchmüller : ′′Weltkunstschätze in Gefahr′′, Pallas Verlag Salzburg 1948

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. a b Salzwelten Altaussee, Bergwerk: Geschichte. Abgerufen am 22. Juli 2012.
  2. a b Salzwelten Altaussee: Bergwerk: Technische Infos. Abgerufen am 23. Juli 2012.
  3.  Gerald Grabherr u.a.: Michlhallberg. Die Ausgrabungen in der römischen Siedlung 1997-1999 und die Untersuchung an der zugehörigen Straßentrasse (= Schriftenreihe des Kammerhofmuseums Bad Aussee. 22). Verein der Freunde des Kammerhofmuseums, Bad Aussee 2001, S. 103.
  4. aeiou, Österreich Lexikon: Salz. Abgerufen am 17. Juli 2012.
  5. Webauftritt auf salzwelten.at abgerufen am 16. April 2012
  6. Deutsches Historisches Museum: Linzer Sammlung, Datenbank, abgerufen am 11. August 2011