Sampo (Schiff)

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Sampo
Die Sampo im Hafen von Kemi im Juni 2010

Die Sampo im Hafen von Kemi im Juni 2010

p1
Schiffsdaten
Flagge FinnlandFinnland Finnland
Schiffstyp Eisbrecher
Heimathafen Kemi
Eigner Sampo Tours, Kemi
Bauwerft Wärtsilä, Helsinki
Indienststellung 1961
Verbleib In Fahrt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
75,0 m (Lüa)
Breite 17,4 m
Tiefgang max. 7,0 m
Verdrängung 3.540 t
 
Besatzung 16
Maschine
Maschine 4 × Sulzer-Dieselmotoren
Maschinen-
leistung
8.800 PS (6.472 kW)
Geschwindigkeit max. 16,0 kn (30 km/h)
Sonstiges
Registrier-
nummern

IMO 5308938

Die Sampo ist ein finnischer Eisbrecher. Sie wurde 1960 bei der Wärtsilä-Werft in Hietalahti gebaut und versah bis Anfang der 1990er Jahre in behördlichem Auftrag ihren Dienst in der nördlichen Ostsee.

Nachdem sie außer Dienst gestellt wurde und in private Hände kam, erhielt sie einen Ausbau mit verschiedenen Einrichtungen für Passagiere und bietet seither Raum für bis zu 150 Personen. Weiterhin unter finnischer Flagge unternimmt sie ausgehend vom Hafen Kemi meist kurze Eisfahrten vor der lappländischen Küste. Die Sampo ist weltweit einer der wenigen Eisbrecher, die Passagiere aufnehmen.

Schiff[Bearbeiten]

Ein Stück der Außenwandung der Sampo im Vergleich zu der eines Standard-Schiffes vergleichbarer Größe
Die Sampo im Eis

Die Sampo ist einer von vier Eisbrechern der Karhu-Klasse, ihre Schwesterschiffe waren die Karhu, Murtaja und Hanse.[1]

Angetrieben wird die Sampo von vier Wärtsilä-Sulzer Zweitakt-Dieselmotoren. Weitere fünf wesentlich kleinere Hilfsdiesel treiben verschiedene Aggregate an. Zusammen erbringen diese neun Motoren eine maximale Leistung von 8800 PS. Obwohl mit passenden Langsamläufern für Direktantrieb ausgerüstet, erfolgt der Antrieb der Propeller elektrisch. Das hat den Vorteil, dass beim Rammeisbrechen wesentlich kürzere Schaltzeiten von Vorwärts- zu Rückwärtsfahrt zu realisieren sind als mit direktem Antrieb. Die Brechleistung liegt bei maximalen Festeisstärken zwischen 70 und 120 cm, wobei 50 cm starkes Festeis mit einer Geschwindigkeit von rund 8 Knoten gebrochen werden kann. Die Plattendicke der Außenhaut beträgt im Eisbereich 5 cm.

Einsätze[Bearbeiten]

Die Sampo war zu ihrer aktiven Zeit seit 1961[2] als Eisbrecher im Hafen Ajos, 11 Kilometer südlich von Kemi stationiert. Sie war von November bis Mai im Einsatz. Ihr Einsatzgebiet reichte dabei vom nördlichen bottnischen Meerbusen und dem Hafen von Kemi bis in den Süden nach Bornholm. Bei einer Rettungsmission 1963 fuhr sie bis in das Kattegat. Bereits Ende der 1970er Jahre wurde offensichtlich, dass eine neue Generation der Frachtschiffe größere Fahrrinnen benötigte, als die Schiffe der Karhu-Klasse sie erzeugen konnte. Trotzdem blieb die Sampo noch zehn Jahre im aktiven Einsatz. 1987 wurde sie außer Dienst gestellt,[1] da die zu dieser Zeit fahrenden Frachtschiffe breitere eisfreie Bereichen benötigten, als die Sampo sie schaffen konnte.[3]

Von Mitte Dezember bis Ende April werden mittags[4] zwei- bis sechsstündige Fahrten auf dem vereisten nördlichen Bottnischen Meerbusen angeboten. Die Sampo kann bis zu 150 Passagiere transportieren.[5] Das Eis ist dabei bis zu einem Meter dick, wobei das dickste Eis normalerweise im Februar und März vorkommt.

Neben dem obligatorischen Lunch (Rentierfleisch mit Kartoffelbrei) und der Schiffsführung bietet die Sampo auch einen ungewöhnlichen Zwischenstopp[5]: Im Zuge dieser Fahrt gibt es die Möglichkeit, bei einem eigens dafür eingelegten Halt in einem frei gebrochenen Bereich in Neopren-Anzügen im Eismeer zu schwimmen,[6] was der Lonely Planet als surreales Erlebnis beschreibt.[4] Kombiniert werden diese Ausflüge oft mit Ski- und Motorschlitten- oder Hunde- und Rentiersafaris.

Diese Fahrt wird oft als die einzige Möglichkeit weltweit angepriesen, sich touristisch auf einem Eisbrecher zu bewegen.[7] Es gibt aber auch andere Eisbrecher wie die russische Kapitan Chlebnikow, die Ähnliches bieten.[8] Die Eisbrecherfahrt ist ein wichtiger Faktor für den Tourismus in Kemi, bringt er doch Touristen aus aller Welt in diese Stadt.[3] Insgesamt kommen in der Saison etwa 10.000 bis 12.000 Touristen, von denen der größte Teil aus dem Ausland anreist.[5]

Obwohl offiziell nicht mehr zu der finnischen Eisbrecherflotte gehörig, kommt es doch jeden Winter vor, dass die Sampo zu Hilfsdiensten eingesetzt wird und eine Fahrrinne für Frachtschiffe im nördlichsten Teil des Bottnischen Meerbusen frei brechen muss. Ebenso dient das Schiff immer wieder Polarforschern und Ozeanographen, die auf der Sampo Daten sammeln und Modelle testen[9]

Im Sommer kann man das Schiff besichtigen und im Bordrestaurant speisen. Außerdem kann die Sampo ganzjährig für spezielle Anlässe gechartert werden.

Namensvettern[Bearbeiten]

Bereits vor der heutigen Sampo gab es einen finnischen Eisbrecher gleichen Namens. Ein 1896 gebauter deutscher Lotsenkutter trägt ebenfalls den Namen Sampo und dient als Museumsschiff. Ein 1925 bei Enso-Gutzeit Oy gebauter Holzbündel-Dampfer wurde als Sampo getauft.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sampo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Ole Vistrup: Intelligent re-use of the icebreaker Sampo in: European Maritime Heritage Newsletter No. 26, März 2010, S. 6 als pdf S.7
  2. Amit Dixit: Breaking the Ice in: Outlook Traveller, April 2008 Vol. 8 No. 4 S. 104-107
  3. a b Roger Norum: The Rough Guide to Finland Rough Guides, 2010 ISBN 1848369670 S. 265
  4. a b Paul Harding, Mark Elliott: Scandinavian Europe Lonely Planet, 2007 ISBN 1741045533 S. 200
  5. a b c Ole Vistrup: Intelligent re-use of the icebreaker Sampo in: European Maritime Heritage Newsletter No. 26, März 2010 S. 6 als pdf
  6. World Book (Hg:): Christmas in Finland
  7. siehe Christmas in Finland S. 53, Scandinavian Europe S. 200, Outlook Traveller S. 106
  8. Cory Kulczycki: Icebreaker in: Michael Lück (Hg.): The encyclopedia of tourism and recreation in marine environments CABI, 2008 ISBN 1845933508 S.224
  9. Als eines von vielen Beispielen: Pentti Kujala: Modelling of Nonsimultaneous Ice Crushing as a Poisson Random Process International Journal of Offshore and Polar Engineering Vol. 6, No.2, June 1996 (ISSN 1053-5381)