Saruchaniden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Territorium der Saruchaniden (Saruhanoğulları) und anderer kleinasiatischer Lokaldynastien des 14. Jahrhunderts
Silberne Gigliato mit dem Bildnis Saruchan Begs (reg. ca. 1313–48)
Die 1374 erbaute große Moschee in Manisa

Die Saruchaniden (türkisch: Saruchan-Qghullari (DMG Ṣaruḫān-Oġullarï) bzw. Saruhanoğulları – „die Söhne des Saruchan“) waren eine türkische Lokaldynastie, die von ca. 1313 bis 1410 über ein westanatolisches Fürstentum (Beylik) mit der Hauptstadt Manisa herrschte. Ihr im alten Lydien liegendes Herrschaftsgebiet gehörte zu den bekanntesten Grenzfürstentümern (Uc) der oghusischen Stämme nach dem Fall des Sultanats der Rumseldschuken.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Herrscher der Saruchaniden waren Mitglieder des Oghusenstammes Afşar. Der Gründer und Namensgeber der Dynastie, Saruchan Beg ibn Alpagi, war der Enkel eines oghusischen Kommandeurs im Dienste der Seldschuken und begann seine militärische Karriere als Emir bei den Germiyan. Anfang des 14. Jahrhunderts eroberte er byzantinisches Gebiet in der Region des Gediz und nahm um 1313 schließlich auch die Stadt Manisa ein, welche zur Residenz der Saruchaniden wurde. Von hier aus beherrschte Saruchan das fruchtbare Küstengebiet der antiken Region Lydien mit Städten wie Menemen, Gördes, Demirci, Nif und Turgutlu.

Die Stellung des Beyliks als regionale Macht, die vor allem auch in der Ägäis aktiv war, hing eng mit dessen Herrscher Saruchan Beg zusammen. Er paktierte mit dem Nachbarherrscher Umur Beg aus der Dynastie der Aydiniden und unternahm mit ihm Raubzüge gegen Byzanz und die Genuesen. Saruchan Beg starb nach 1348; seine Nachfolger Ilyas und Ishaq traten dann mit baulichen Leistungen in den Vordergrund. So ließ Ishaq 1374 die Große Moschee (tr: Ulu Camii) von Manisa erbauen, deren Gebetshalle von einer 14 Meter breiten Kuppel gekrönt wird. Das Bauwerk diente als Vorbild für die Üç-Şerefeli-Moschee, die 60 Jahre später vom osmanischen Sultan Murad II. in Manisa errichtet wurde.[1] 1390 wurde das Beylik von den Osmanen unter Bayezid I. erobert und ins expandierende Osmanische Reich eingegliedert. Doch mit der Niederlage Sultan Bayezids gegen Tamerlan 1402 bei Ankara erlangte es unter Orchan seine Selbstständigkeit wie die anderen Beyliks zurück. Nachdem sich die Osmanen wieder gesammelt hatten, unterwarf Beyazids Sohn Mehmed I. 1410 das Beylik erneut und tötete dessen letzten Herrscher Chidr-Schah. Seitdem war es als Sandschak osmanisch. Außerdem wurden viele osmanische Prinzen wie der spätere Sultan Mehmed II. als Statthalter in Manisa eingesetzt, sodass die Stadt auch weiterhin ausgebaut wurde.

In den ersten Jahren der Republik Türkei – des Nachfolgestaats des Osmanischen Reiches – war der Name Saruhan als Bezeichnung für die heutige Provinz Manisa gängig.

Herrscherliste[Bearbeiten]

  • Saruchan-Beg ibn Alpagi (Ṣaruḫān-Beg b. Alpagï), reg. ca. 1313–1348
  • Fachr ad-Din Ilyas ibn Saruchan (Faḫr ad-Dīn Ilyās b. Ṣaruḫān), reg. ca. 1348–1357
  • Muzaffar ad-Din Ishaq Tschelebi ibn Ilyas (Muẓaffar ad-Dīn Isḥāq Čelebi b. Ilyās), reg. ca. 1357–1388
  • Chidr-Schah ibn Ishaq (Ḫiḍr-Šāh b. Isḥāq), reg. ca. 1388–1390 und 1404–1410
  • Orchan ibn Ishaq (Orḫan b. Isḥāq), reg. ca. 1402–1404

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Godfrey Goodwin: A History of Ottoman Architecture. Thames and Hudson, London 1971, ISBN 0500340404, S. 25–7.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stanford Shaw: History of the Ottoman Empire and Modern Turkey, 1. Cambridge University Press, 1976, ISBN 978-0521291637, S. 10.
  • Speros Vryonis: The Decline of Medieval Hellenism in Asia Minor and the Process of Islamization from the Eleventh through the Fifteenth Century, 4. University of California Press, Los Angeles 1971, ISBN 0520015975, S. 138–39.