Seilschaft
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Eine Seilschaft ist eine Gruppe von Bergsteigern, die ein Seil miteinander verbindet. Im allgemeineren Sinn wird eine Bergsteigergruppe, die gemeinsam unterwegs ist, immer als Seilschaft bezeichnet.
Bei Gletscherbegehungen und in leichterem Gelände erfolgt die Sicherung über weite Strecken lediglich durch die anderen Mitglieder der Seilschaft, ohne dass ein Fixpunkt verwendet wird. Ein Sturz einer Person – beispielsweise in eine Gletscherspalte – muss durch die Seilschaftsmitglieder gehalten werden. Deshalb besteht hier die Gefahr, dass ein Sturz die gesamte Seilschaft mitreißen kann.
Beim Klettern oder in steilerem, absturzgefährdetem Gelände wird zusätzlich über Fixpunkte im Fels oder Eis gesichert. Dabei kann gleichzeitig gegangen werden – am „gleitenden Seil“ – oder über einen Standplatz gesichert werden.
[Bearbeiten] Übertragene Bedeutung
Im übertragenen Sinn wird eine mehr oder weniger große Gruppe von einander „verbundenen“ Personen eine „Seilschaft“ genannt, meist mit abwertendem Beiklang. Sie fördern sich gegenseitig und häufig unabhängig von Leistung z. B. in ihrer Karriere (in Politik – wie z. B. der sog. Andenpakt in der CDU – und Wirtschaft). Auch die Begriffe Vitamin P (= Protektion) und Vitamin B (= Beziehung) stehen für vorteilhafte und informelle Verbindungen. Der Begriff Seilschaft ist negativ besetzt; als solche werden vorzugsweise die Beziehungsgeflechte der anderen, beispielsweise des politischen Gegners, bezeichnet. Die eigenen Verbindungen zwecks Erlangung persönlicher Vorteile werden gerne Netzwerk genannt. Andererseits gibt es die Unterscheidung: nur Seilschaft stehe für gegenseitige Unterstützung unabhängig von einer bestmöglichen Eignung für eine Aufgabe; während Netzwerk auf letztere abziele.
Vor allem nach dem Zusammenbruch politischer Systeme (wie der Monarchie 1918, dem Nationalsozialismus 1945, dem Faschismus in Italien, Spanien und Portugal, dem Kommunismus in Osteuropa oder den zahllosen Diktaturen überall in der Welt) sorgen Seilschaften immer wieder für das Wohlergehen ehemaliger Aktivisten unter den veränderten Bedingungen. Im Extremfall werden sie dabei von ausländischen Regierungen bzw. Geheimdiensten unterstützt (Beispielfall: die sogenannten Rattenlinien nach dem Zweiten Weltkrieg).
- Siehe auch: Ämterpatronage, Karrierenetzwerk, Nepotismus

