Wilhelm II. (Deutsches Reich)

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Kaiser Wilhelm II. ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Kaiser Wilhelm II. (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wilhelm II.
Unterschrift Wilhelms II.

Wilhelm II., mit vollem Namen Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen (* 27. Januar 1859 in Berlin; † 4. Juni 1941 in Haus Doorn, Niederlande), entstammte der Dynastie der Hohenzollern und war von 1888 bis 1918 letzter deutscher Kaiser und König von Preußen.

Wilhelm war der Enkel des ersten Kaisers Wilhelm I. und der Sohn von Friedrich III.; dieser starb 1888 nach nur 99 Tagen Thronzeit, so dass Wilhelm mit 29 Jahren bereits Kaiser wurde. Durch seine Mutter Victoria von Großbritannien und Irland war er außerdem Enkel der britischen Königin Victoria.

Mit seiner traditionellen Auffassung vom Kaisertum zeigte Wilhelm – nach Deutung heutiger Historiker – zu wenig Verständnis für die Anforderungen einer modernen konstitutionellen Monarchie. Erst im Oktober 1918, unter dem Druck des Ersten Weltkrieges, stimmte Wilhelm Verfassungsreformen zu, denen zufolge der Reichskanzler das Vertrauen des Reichstags benötigte. Am 9. November 1918 verkündete Reichskanzler Max von Baden die Abdankung Wilhelms und dessen Sohnes, des Kronprinzen. Wilhelm hatte sich seit dem 29. Oktober im deutschen Hauptquartier im belgischen Spa aufgehalten. Da die Entente-Mächte seine Auslieferung als „Kriegsverbrecher“ verlangten, ging er von dort direkt in die nahen Niederlande. Königin Wilhelmina gewährte ihm (nach zweitägigem Zögern) Asyl und verweigerte seine Auslieferung. Wilhelm blieb bis zu seinem Tode in Doorn.

Wilhelminische Epoche[Bearbeiten]

Die Eröffnung des deutschen Reichstages im Weißen Saal des Berliner Schlosses am 25. Juni 1888, Ölgemälde von Anton von Werner (1893, Ausschnitt).
Das Ereignis war anstelle einer Krönung der erste zeremonielle Auftritt Wilhelms als Kaiser.

Die dreißigjährige Regentschaft Wilhelms II. im Deutschen Reich (von 1888 bis 1918) wird als die wilhelminische Epoche bezeichnet. Wesentliches Merkmal war das Streben des Kaisers, das Reich als wichtige politische Größe unter den bestehenden Weltmächten zu etablieren. Als Deutscher Kaiser sah er seine Aufgabe darin, „allzeit Mehrer des Deutschen Reichs zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung“, wie sein Großvater Wilhelm I. formuliert hatte. Wilhelm II. legte viel Wert auf internationales Prestige. Eng verbunden mit diesem Anspruch war die militärische Aufrüstung des Kaiserreichs sowie die Forcierung der Kolonialpolitik in Afrika und der Südsee. Dies und die Verwicklung des Deutschen Reichs in verschiedene internationale Krisen (zum Beispiel Krüger-Depesche 1896, Doggerbank-Zwischenfall 1904, Marokkokrisen 1905/06 und 1911, Daily-Telegraph-Affäre 1908) führten zu einer Destabilisierung der Außenpolitik.

Die Vorliebe Wilhelms für militärischen Prunk, die sich beispielsweise in zahlreichen Paraden zu den unterschiedlichsten Anlässen ausdrückte, führte auch gesellschaftlich zu einer Überbetonung des Militärs und der militärischen Hierarchie bis hinein ins zivile Leben der deutschen Gesellschaft, in der für eine berufliche Laufbahn – nicht nur im Verwaltungsapparat – die Ableistung des Militärdienstes und der militärische Rang eines Menschen von entscheidender Bedeutung war (Militarismus). Einen Rang als Reserveoffizier innezuhaben galt im wilhelminischen Bürgertum als Eintrittskarte in die „bessere Gesellschaft“; ebenso war das Fehlen eines militärischen Ranges ein Karrierehindernis.

Der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands während Wilhelms Regentschaft, verbunden mit technologischem, naturwissenschaftlichem und industriellem Fortschritt, begünstigte eine auch vom Kaiser mitgetragene, allgemein verbreitete Technik- und Fortschrittsgläubigkeit. Innenpolitisch setzte er die für ihre Zeit als modern und fortschrittlich geltende Sozialpolitik Bismarcks fort und erweiterte sie. Er setzte sich für die Abschaffung des Sozialistengesetzes ein und suchte, teilweise erfolglos, den Ausgleich zwischen ethnischen und politischen Minderheiten.

Wilhelm II. wollte sowohl die Innen- als auch Außenpolitik des Reiches wesentlich stärker beeinflussen als sein Großvater Wilhelm I. Das „persönliche Regiment“ des Kaisers war jedoch oft eine von häufig wechselnden Beratern gesteuerte Politik, die die Entscheidungen Wilhelms – auch im Urteil der meisten Historiker – oft widersprüchlich und letztlich unberechenbar erscheinen ließen. Die Marokkokrisen und die Erklärung des unbeschränkten U-Boot-Krieges sind nur zwei Beispiele für Entscheidungen, die den Ruf des Kaisers heute nachhaltig belasten.

Auch war seine Amtszeit von politischen Machtkämpfen zwischen den einzelnen Parteien geprägt, die es den amtierenden Kanzlern schwer machten, längerfristig im Amt zu bleiben. So wurden im Kampf zwischen dem sogenannten nationalliberal-konservativen Kartell (beziehungsweise dem Bülow-Block) und den Sozialdemokraten fünf von sieben Kanzlern unter kritischem Mitwirken des Reichstags vom Kaiser entlassen.

Während des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918 wurde Wilhelms strategische und taktische Unfähigkeit offenbar. Ab 1916 enthielt er sich zunehmend relevanter politischer Entscheidungen und gab die Führung des Reiches faktisch in die Hände der Obersten Heeresleitung, namentlich in die der Generale von Hindenburg und Ludendorff, die die konstitutionelle Monarchie während der letzten Kriegsjahre mit starken Zügen einer Militärdiktatur versahen. Als sich Wilhelm II. infolge der Novemberrevolution, die zum Ende der Monarchie und zur Ausrufung der Weimarer Republik führte, zur Abdankung bewegen ließ und in die Niederlande ins Exil ging, hatte das Deutsche Kaiserreich den „Großen Krieg“ bereits verloren. Etwa 10 Millionen Menschen waren auf den Schlachtfeldern gefallen.

Leben bis zum Herrschaftsantritt[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Wilhelm II. als Kind mit Spielzeugschiff
Wilhelm II. mit seinem Vater Friedrich Wilhelm auf Schloss Balmoral, Schottland (1863)

Wilhelm II. wurde als ältester Sohn des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen (1831–1888, vom 9. März bis 15. Juni 1888 Deutscher Kaiser Friedrich III.) und dessen Frau Victoria (1840–1901) geboren und war somit Enkel Kaiser Wilhelms I. (1797–1888) und der britischen Königin Victoria (1819–1901), als angeheirateter Cousin ersten Grades aber auch mit Zar Nikolaus II. von Russland verschwägert.

Bei der Geburt des Prinzen im Berliner Kronprinzenpalais waren, wie bei Thronfolgergeburten üblich, hohe Beamte anwesend, um die Geburt zu bezeugen. Doch es gab Komplikationen: Er kam als Steißgeburt zur Welt und überlebte nur durch den als Ultima Ratio hinzugezogenen Direktor der Entbindungsanstalt im Charité-Krankenhaus Berlin, Prof. Eduard Arnold Martin, und durch das couragierte Eingreifen einer Hebamme, die das scheinbar leblose Baby ganz gegen das Protokoll mit einem nassen Handtuch schlug. Professor Martin musste die seit Stunden verschleppte Geburt voranbringen und wendete dafür das in dieser Anwendung neuartige Narkosemittel Chloroform an. Er drehte den Thronfolger intrauterin und schaffte es, die Beine voranzubringen, so dass das Gesäß und der Unterleib hervortraten. Der Nabelschnurpuls war fast nicht mehr fühlbar, und so musste die Geburt schnell weiter entwickelt werden. Es gelang Martin noch, den linken Arm zu wenden und parallel zum Torso zu legen, um dann mit kräftigem Zug den Kopf mit dem noch hochgeschlagenen rechten Arm zu entbinden. Infolge der stundenlangen fruchtlosen Wehen und der dann zügig zu bewerkstelligenden Notentbindung (ein Kaiserschnitt hatte damals häufig den Tod der Mutter zur Folge, was in diesem Falle völlig indiskutabel war) überlebte der Säugling zwar, aber es kam infolgedessen zu einer linksseitigen Armplexus-Lähmung. Einige Tage danach bemerkte man, dass das Kind diesen Arm nicht bewegen konnte. Der Arm blieb fortan in seiner Entwicklung deutlich zurück und war im Erwachsenenalter deutlich kürzer als der rechte und nur eingeschränkt beweglich. Es bleibt bis heute umstritten, ob Prof. Martin dem Kind das Leben rettete oder die Behinderung zu verantworten hatte. Die Gründe für die Zeitverschleppung sind wohl darin zu suchen, dass die Gebärende oder die anwesenden Personen auf einen englischen Hofarzt als Geburtshelfer zu lange insistiert und die Schwere der Komplikation unterschätzt hatten.[1]

Keinen gesunden Thronfolger geboren zu haben, empfand Kronprinzessin Victoria als persönliches Versagen, und sie war nur schwer bereit, die Behinderung des Sohnes zu akzeptieren. Kaum etwas blieb unversucht, seine Behinderung zu beheben. Legendär sind Kuren wie das Einnähen des kranken Armes in ein frisch geschlachtetes Kaninchen oder Metallgerüste, die Wilhelm umgeschnallt wurden, um seine Haltung zu verbessern. Auf Fotografien versuchte man, die körperliche Behinderung dadurch zu kaschieren, dass der linke Arm auf dem Säbelkorb ruhte oder in einem Uniformärmel versteckt wurde. Wilhelm, von Geburt derart behindert, verbrachte laut eigenen Aussagen „eine recht unglückliche Kindheit“.

Wie im Hochadel üblich, traten seine Eltern als unmittelbare Erzieher ganz hinter seinem calvinistischen Lehrer Georg Ernst Hinzpeter zurück. Als Siebenjähriger erlebte er den Sieg über Österreich 1866 mit der daraus resultierenden Vorherrschaft Preußens in Deutschland. Mit zehn Jahren, im damals üblichen Kadettenalter, trat er beim 1. Garde-Regiment zu Fuß formell als Leutnant in die preußische Armee ein. Als Zwölfjähriger wurde er mit der Gründung des Deutschen Kaiserreiches nach dem Sieg über Frankreich 1871 auch zweiter Anwärter auf den deutschen Kaiserthron und erhielt mit der Atlantic ein eigenes Bereisungsschiff.

Militärdienst und Ausbildung[Bearbeiten]

Wilhelm II. als Student in Bonn

Nach dem Abitur am Friedrichsgymnasium in Kassel trat er am 9. Februar 1877 seinen wirklichen Militärdienst bei seinem Regiment, der 6. Kompanie unter Hauptmann von Petersdorff, an. 1880 wurde er am 22. März, dem Geburtstag seines Großvaters Kaiser Wilhelm I., zum Hauptmann befördert. Bereits in diesen Jahren bildete sich bei ihm ein Verständnis seiner monarchischen Rolle, das den liberal-konstitutionellen Vorstellungen seiner Eltern zuwiderlief.

Seine folgenden Lebensstationen sind unter dem Aspekt einer Erziehung zum Monarchen zu sehen: Er sollte möglichst vielerlei Erfahrungen sammeln, erhielt aber in keinem Feld, nicht einmal im militärischen, die Chance, sich beruflich solide einzuarbeiten.

Zum Studium von vier Semestern von Oktober 1877 bis 1879 bezog er die von seinem Urgroßvater gegründete Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. 1878 wurde er Corpsschleifenträger der Borussia Bonn.[2]

1881 heiratete er Prinzessin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1858–1921), auch als ein dynastischer Versöhnungsakt gegenüber dem von Preußen um seine Herrschaft über Schleswig-Holstein gebrachten Herzogshaus.

Bis 1888 war er dann wechselnden Regimentern zugeordnet, dem 1. Garde-Regiment zu Fuß, dann dem Garde-Husaren-Regiment und dem 1. Garde-Feldartillerie-Regiment, wurde schnell bis zum untersten Generalsrang (Generalmajor) befördert und zuletzt Kommandeur der 2. Garde-Infanterie-Brigade. Der Militärdienst wurde immer wieder durch Beurlaubungen unterbrochen, damit er sich auch soweit möglich mit der zivilen Verwaltung vertraut machen konnte. Sehr gründlich konnte dies nicht geschehen, denn immer mehr Eile war geboten: Sein Großvater stand im höchsten Alter, und sein Vater war mittlerweile todkrank.

Für die Regierungsgeschäfte war dies weniger problematisch, da bereits seit 1862 Otto von Bismarck, zunächst als preußischer Ministerpräsident, ab 1871 als Reichskanzler, die politische Macht fest in seiner Hand konzentriert hatte. Bismarck war nach drei siegreichen Kriegen (1864, 1866, 1870/71) und als Vereiniger Deutschlands zur stärksten kontinentaleuropäischen Macht ein weltweit respektierter Staatsmann. Wilhelm I. und Friedrich III. hatten ihm gelegentlich widersprochen, aber am Ende stets vertraut. Von diesem Vertrauen hing nach der Reichsverfassung der Reichskanzler auch ab, nicht vom Vertrauen des Reichstags. Bismarck baute selbstbewusst darauf, auch den dritten Kaiser lenken zu können.

Das Jahr 1888 ging als Dreikaiserjahr in die Geschichte ein. Nach dem Tod Wilhelms I. am 9. März 1888 regierte Friedrich III. auf Grund seines bereits fortgeschrittenen Kehlkopfkrebses nur für 99 Tage (der „99-Tage-Kaiser“) und starb am 15. Juni in Potsdam.

Wirken als Kaiser[Bearbeiten]

Soziale Reformen[Bearbeiten]

„Die Unternehmer und Aktionäre müßten nachgeben, die Arbeiter seien seine Untertanen, für die er zu sorgen habe; wollten die industriellen Millionäre ihm nicht zu Willen sein, so würde er seine Truppen zurückziehen; wenn dann die Villen der reichen Besitzer und Direktoren in Brand gesteckt, ihre Gärten zertreten würden, so würden sie schon klein werden“

– Wilhelm II. laut Otto von Bismarck, als er sich weigerte, Soldaten zur Niederschlagung eines Streiks im Ruhrgebiet zu schicken[3]

Aussagen wie dieses Zitat und die Februarerlasse (1890) Wilhelms weckten in den ersten Jahren seiner Regentschaft in der Arbeiterschaft zeitweilig Hoffnungen auf einen sozialen Wandel im Reich. Die Sozialpolitik lag Wilhelm II. durchaus am Herzen. Allerdings folgten seinen sozialen Reformen keine strukturellen Veränderungen im Reich. Im Gegenteil, er baute seinen politischen Einfluss noch aus und lehnte eine Demokratisierung der Verfassung ab. Preußen behielt das seit Anfang der 1850er Jahre bestehende undemokratische Dreiklassenwahlrecht, das eine repräsentative Landtagsvertretung verhinderte. Nach wie vor wurde die Regierung nicht vom Reichstag gewählt, sondern vom Kaiser ohne Berücksichtigung der parlamentarischen Verhältnisse bestimmt oder entlassen. Es war dem Kanzler aber auch nicht möglich, ohne Mehrheit im Parlament Gesetze zu erlassen oder den Haushalt zu beschließen.

Noch während Bismarcks Kanzlerschaft, am 178. Geburtstag Friedrichs des Großen, verkündete Kaiser Wilhelm II. in einer Proklamation an sein Volk die Devise « Je veux être un roi des gueux » (frz.; „Ich will ein König der Bettler sein“) und forderte das Verbot der Sonntagsarbeit, der Nachtarbeit für Frauen und Kinder, der Frauenarbeit während der letzten Schwangerschaftsmonate sowie die Einschränkung der Arbeit von Kindern unter vierzehn Jahren. Außerdem forderte er bei dem zur Erneuerung anstehenden „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ („Sozialistengesetz“) die Streichung des Paragraphen, der es der Landespolizeibehörde erlaubte, „Verurteilten“ den „Aufenthalt in bestimmten Bezirken und Ortschaften“ zu versagen. Bismarck kommentierte dies als „Humanitätsduselei“ und verweigerte sich dem (in seinen Forderungen durch den Reichstag unterstützten) Kaiser. Seine Forderungen konnte der junge Kaiser erst mit Leo von Caprivi, dem Nachfolger Bismarcks, verwirklichen. Allerdings war Wilhelm II. bei allen sozialen Ambitionen so wenig ein Freund der Sozialdemokratie, wie Bismarck es gewesen war. er hoffte, durch seine Reformen die Sympathien für die trotz der Sozialistengesetze erstarkte Sozialdemokratie zu schwächen und durch die Aufhebung des repressiven Sozialistengesetzes der 1890 von SAP in SPD umbenannten Partei ihren Märtyrerbonus zu nehmen.

Die Sozialdemokraten ihrerseits ließen sich nicht von den Reformen Wilhelms II. beeindrucken und setzten unter August Bebel aus ihrem antimonarchistischen Selbstverständnis heraus weiter auf Fundamentalopposition. Obwohl sie den Fortschritt der im Arbeitsschutzgesetz zusammengefassten Reformen sahen, stimmten sie im Reichstag dagegen. Sie forderten grundlegende strukturelle Veränderungen, wie zum Beispiel eine Verfassungsänderung, Demokratisierung, ein ausgeweitetes Wahlrecht, Vorrang des Parlaments bei politischen Entscheidungen, eine Umstrukturierung des Haushalts, deutliche Senkung der Rüstungsausgaben, Freiheit für die Kolonien und anderes mehr – für den Kaiser unerfüllbare Anliegen, die seine Abneigung gegen die Sozialdemokratie stärkten.

Der Wohlstand der deutschen Arbeiterschaft stieg von Jahr zu Jahr, doch gelang es Wilhelm II. nicht, den Arbeitern in den Städten das Gefühl zu geben, anerkannte Mitglieder der Gesellschaft zu sein. Bei vielen Reichstagswahlen und Landtagen wuchs der Stimmenanteil der SPD.

Diese Vorgänge ließen in Wilhelm II., der immer noch „ein König der Armen“ sein wollte, die These reifen, dass eine Versöhnung mit den Sozialdemokraten nicht möglich sei. Er rief schließlich in Königsberg „zum Kampf für Religion, Sitte und Ordnung, gegen die Parteien des Umsturzes!“ auf. Schon 1887 hatte er, noch als Prinz, mit seiner Gemahlin den Evangelischen Kirchlichen Hilfsverein für Berlin gegründet, weil er glaubte, durch Förderung der Kirchen die „soziale Frage“ lösen zu können; dem folgte 1890 der Evangelische Kirchenbau-Verein, Berlin, mit dessen Hilfe er auch außerhalb Berlins auf Kirchneubauten im Reich Einfluss nahm (z.B. auf die Erlöserkirche in Bad Homburg). Zugleich manifestierte er damit seine Vorstellung einer neuen Verbindung von „Thron und Altar“ in Fortführung einer Linie von Konstantin dem Großen über Otto den Großen zu ihm selbst.

Entlassung Bismarcks und Antritt Caprivis[Bearbeiten]

Die Punch-Karikatur Dropping the Pilot (im Deutschen meist übersetzt mit „Der Lotse geht von Bord“) von Sir John Tenniel zur Entlassung Bismarcks 1890

In der letzten Periode der Regierungszeit Bismarcks hatte das Deutsche Reich einer „Kanzlerdiktatur“ geglichen, deren politische Ziele nicht die des jungen Kaisers waren. Bismarck wollte Russland als einen starken Verbündeten, Wilhelm II. vertraute hingegen nur auf Österreich-Ungarn. Bismarck wollte den „Kulturkampf“ gegen den politischen Katholizismus fortsetzen, der Kaiser war strikt dagegen. Bismarck wollte das Sozialistengesetz verschärfen, Wilhelm II. es abschaffen: „Ich will meine ersten Regierungsjahre nicht mit dem Blut meiner Untertanen färben!“ Als der Reichskanzler hartnäckig blieb, schickte der Kaiser am Morgen des 17. März 1890 den Chef seines Militärkabinetts, General v. Hahnke, in die Reichskanzlei: Der Kanzler solle am Nachmittag ins Schloss kommen und sein Abschiedsgesuch mitbringen. Dieses wurde ihm am nächsten Morgen aber nur durch einen Boten gebracht. Bismarcks – immer auch als Rechtfertigung und Gegenangriff zu lesende – Darstellung betont das Entwürdigende der Maßnahme. Bismarck schreibt in seinen Memoiren, dass er sich im Kabinett schon vor der Entlassung sehr isoliert oder verraten gesehen habe und dass sein Stellvertreter Karl Heinrich von Boetticher bereits in seiner Abwesenheit und ohne seine Billigung mit dem Kaiser in dessen Sinne verhandelt habe, so dass er genötigt gewesen sei, eine 38 Jahre alte Kabinettsorder Wilhelms I. heranzuziehen, die es preußischen Ministern untersagte, ohne Billigung des Ministerpräsidenten mit dem Souverän zu sprechen.

Am 20. März 1890 entließ Wilhelm II. seinen „Eisernen Kanzler“. Bismarck akzeptierte dies nie und sorgte indirekt durch vielfach lancierte Kritik an den „Hintermännern“ der wilhelminischen Politik und durch sein Memoirenwerk Gedanken und Erinnerungen für nachhaltige Kritik an Wilhelm II. Deren dritter Teil, in dem Bismarck seine Entlassung darstellte, wurde wegen politischer Brisanz erst 1919 veröffentlicht.

Der Rücktritt Bismarcks war somit zwar primär innenpolitisch begründet, aber langfristig gesehen vor allem außenpolitisch fatal. Aus Wien erinnerte Kaiser Franz Joseph I. eingedenk des 1866er Friedens von Wien in einem Brief sofort und explizit an Bismarcks Verdienste.

Als Bismarcks Nachfolger ernannte Wilhelm II. General Leo von Caprivi, der vom Kaiser als „Mann der rettenden Tat“ gefeiert und ob seiner Leistungen in den Grafenstand erhoben wurde. Mit Caprivi glaubte Wilhelm II. eine anerkannte Persönlichkeit gefunden zu haben, mit der er seine geplante Politik der inneren Versöhnung sowie das Arbeitsschutzgesetz durchzusetzen hoffte.

Ein wichtiges außenpolitisches Ereignis fiel (gleichsam „genau passend“) in das Jahr des Kanzlerwechsels. Der Rückversicherungsvertrag mit Russland widersprach teilweise den Bedingungen des Dreibundpaktes mit Italien und Österreich-Ungarn. Der Kaiser war gegen ein Verletzen des letztgenannten Paktes, während Bismarck den Rückversicherungsvertrag seinerzeit für unbedingt notwendig gehalten hatte. Jetzt ging es um seine Verlängerung. Von der Öffentlichkeit unbemerkt (es handelte sich um einen Geheimvertrag) und von Caprivi hingenommen, wurde der 1890 auslaufende Rückversicherungsvertrag vom Deutschen Reich bewusst nicht erneuert. In Russland nahm man realistischerweise einen deutschen Kurswechsel an und begann sich Frankreich anzunähern.

Caprivis Kanzlerzeit war durch entschiedene Englandfreundlichkeit geprägt. Innenpolitisch war er einer der Hauptverantwortlichen für den Wandel des Deutschen Reiches von der Agrarwirtschaft zur industriellen Exportwirtschaft. Die Reformen in diesem Zeitraum trugen dazu bei, dass Deutschland wenig später Großbritannien überholen und zur Weltwirtschaftsmacht Nr. 1 aufsteigen konnte. Der Begriff „Made in Germany“ wurde zu dieser Zeit ein Synonym für höchste Qualität.

Integrationspolitik[Bearbeiten]

Die turbulente Ersetzung des alten Deutschen Bundes durch das neu geschaffene Deutsche Reich ohne die deutschen Österreicher – die Kleindeutsche Lösung – brachte einige Probleme mit sich. Die rheinländische, süddeutsche und polnische Opposition gegen die preußische Vorherrschaft stützte sich auf das sich politisierende katholische Bürger-, Arbeiter- und Bauerntum. Als Partei des politischen Katholizismus formierte sich das „Zentrum“. Die Versuche Bismarcks, die katholischen Parteien in ihrer Arbeit zu behindern, führten zu Eingriffen in das Leben der Katholiken. Auch die Judenintegration, die es vorher außer in Preußen nur in wenigen anderen Staaten gab, war jung, und der merkliche soziale Aufstieg der jüdischen Bevölkerung nährte Neid und Antisemitismus in der Bevölkerung. In den östlichen Gebieten Preußens, vor allem in der Provinz Posen, gab es eine starke Unterdrückung der polnischen Minderheit, die zu Unruhen und Gefühlen der Ungerechtigkeit führte. Der Kaiser erkannte die Ernsthaftigkeit dieser Probleme und bezeichnete sie als eine seiner Hauptaufgaben.

Am besten gelang die Integrationspolitik gegenüber den Katholiken. Sie waren durch den Bismarckschen Kulturkampf benachteiligt und an der Teilnahme am politischen Leben sowie an der freien Ausübung ihrer Religion gehindert worden. Schon zu seiner Prinzenzeit war Wilhelm gegen diese Praktiken und befürwortete die Beendigung des Kulturkampfes. Um die Einigkeit zwischen Protestanten und Katholiken im Reich zu verbessern, zahlte das Reich die den Opfern vorenthaltenen Gelder zurück, hob allerdings nicht alle gefassten Beschlüsse und Gesetze dieser Zeit wieder auf.

Die östlichen Provinzen Preußens (Ostpreußen, Westpreußen und Schlesien) waren damals mehrheitlich von Deutschen bewohnt, minderheitlich von Polen, dazu regional von Kaschuben und Masuren. In der Provinz Posen stellten die Polen die Mehrheit. Seit der Bismarckzeit versuchte der Staat, die hier lebenden Polen zu germanisieren, was allerdings misslang und in offenen Protest mündete. Kaiser Wilhelm II. hob viele dieser Repressionen auf, die vor allem die Unterrichtssprache und später auch die des Gottesdienstes regelten, und erkannte die Polen als eigenes Volk und Minderheit im Deutschen Reich an.

Eine der umstrittensten Bereiche in der Einordnung der politischen Meinung des Kaisers ist seine Beziehung zum Judentum und zum Antisemitismus. Wilhelm II. pflegte engen und freundschaftlichen Kontakt zu vielen prominenten Juden. Zu den später von Chaim Weizmann teils anerkennend, teils verächtlich „Kaiserjuden“ genannten Politikern, Industriellen, Bankiers und Intellektuellen gehörten Albert Ballin, James Simon, Emil und Walther Rathenau, Eduard Arnhold sowie Carl Fürstenberg. Die Einschätzung der Historiker gehen hier weit auseinander:

„Aber selbst hochangesehene deutsche Historiker scheinen das Ausmaß des Antisemitismus' Kaiser Wilhelms II. schwer einschätzen zu können. Sie weisen darauf hin, daß Wilhelm mit Männern wie Albert Ballin und Walter Rathenau – den sogenannten „Kaiserjuden“ – befreundet war und zahlreiche jüdische Wissenschaftler zum Professor ernannt hat, und folgern daraus, daß er deshalb kein Antisemit gewesen sein kann. Sie übersehen dabei, daß der Kaiser mehrmals erklärt hat, er sehe Ballin nicht als Juden an, daß er Rathenau als „gemeinen, hinterlistigen, niederträchtigen Verräter“ beschimpfte, der zu dem „inneren Ring“ der zweihundert Juden gehört habe, die die Welt regierten, und der mit Recht ermordet worden sei […]“

Wolfgang Benz, Werner Bergmann: Vorurteil und Völkermord. Entwicklungslinien des Antisemitismus.[4]

Infolge der Reichstagswahl 1893 zogen zum ersten Mal Vertreter antisemitischer Parteien in den Reichstag ein. Mit 16 Abgeordneten bildeten sie eine antisemitische Fraktion. Grund für den gestärkten Antisemitismus waren wohl die „Gründerkrise“ und die als relativ stark empfundenen wirtschaftlichen Erfolge jüdischer Unternehmer. Die Juden waren im 1871 gegründeten Deutschen Reich zum ersten Mal freie und gleiche Bürger. Die Einschränkungen waren aufgehoben, die sie, von Land zu Land unterschiedlich, teils zu Schutzbefohlenen eines Herrschers machten und ihnen wirtschaftliche Beschränkungen auferlegten oder ihnen bestimmte Berufsverbote erteilten. Auch der Dienst bei Militär, in Schulen oder der Justiz stand ihnen jetzt offen. Bei seiner Integrationspolitik kam Kaiser Wilhelm II. der Parlamentarismus im Reich entgegen. Die Wahl wurde in Einmannwahlkreisen mit absolutem Mehrheitswahlrecht durchgeführt. So hatten Dänen (ein bis zwei Abgeordnete), Elsass-Lothringer (acht bis 15 Abgeordnete) und Polen (13 bis 20 Abgeordnete) von 1871 bis zur letzten Wahl 1912 stets ihre Fraktion im Reichstag. Juden organisierten sich nicht in einer eigenen Partei. Dies widersprach ihrem Selbstverständnis, deutsche Staatsbürger zu sein, welches durch lange Tradition besonders in Preußen sehr stark ausgeprägt war. Das Wahlsystem grenzte aber auch politische Minderheiten nicht aus. Dies sorgte dafür, dass sich auch die preußenfeindlichen Welfen, aber vor allem die Antisemiten aus der Christlichsozialen Partei und der Deutschen Reformpartei organisieren konnten. Die Zahl ihrer Abgeordneten überschritt aber nie die Zahl der Abgeordneten aus den Parteien der ethnischen Minderheiten.

Trotz dieser Unterstützung gibt es von Wilhelm II. mehrere Zitate, die einen antisemitischen Ton haben: „Ich denke gar nicht daran, den Thron zu verlassen wegen ein paar hundert Juden, den paar tausend Arbeitern!“[5] (Während der Novemberrevolution.) Ob er allerdings auf die Juden als Kollektiv schimpfte oder einzelne meinte, wie die ihn oft kritisch betrachtenden jüdisch geleiteten Zeitungskonzerne, ist unklar. In einem Brief an seinen amerikanischen Freund Poultney Bigelow schrieb Wilhelm II. am 15. August 1927: „Die Presse, die Juden und Mücken sind eine Pest, von der sich die Menschheit so oder so befreien muß – I believe the best would be gas.“[6]

Wirtschaftspolitik und rüstungspolitische Prioritäten[Bearbeiten]

Caprivi setzte einen weiteren von Bismarck verwehrten Wunsch Wilhelms durch, die progressive Einkommensteuer, die höhere Einkommen stärker belastete: die Miquelsche Einkommensteuerreform von 1891. Durch die industriefreundliche und exportorientierte Eindämmung des Protektionismus zog sich Caprivi die Feindschaft der im Bund der Landwirte organisierten Grundbesitzer („Ostelbier“, „Junker“) zu, die sehr eng mit der Konservativen Partei verbunden waren. Die nach Abschaffung der Schutzzölle wachsenden Agrarexporte der USA bewirkten für sie einen Preisverfall. Durch die Förderung des Einsatzes von Landmaschinen konnte man die Verluste zwar teils auffangen, erhöhte aber die agrarprotektionistischen Ansprüche der ohnehin unterkapitalisierten und zu Investitionen genötigten Großgrundbesitzer.

Wilhelm II. (Mitte) mit Kommandant und Erstem Offizier an Bord der Geier, 1894

1893 löste Wilhelm II. den 1890er Reichstag auf, weil der die auch von ihm gewünschte Aufrüstung des Heeres abgelehnt hatte. Im darauf folgenden Wahlkampf siegten die Befürworter der wilhelminischen Politik aus der Konservativen und Nationalliberalen Partei. Auch die gegen Caprivis Widerstand von Alfred von Tirpitz propagierte Aufrüstung der Kaiserlichen Marine, im Volk durchaus populär,[7] wurde in der Folgezeit von Wilhelm gefördert.

Im Januar 1894 kam es zu einem Aussöhnungstreffen mit Otto von Bismarck. Als Bismarck 1896 den geheimen Rückversicherungsvertrag mit Russland in der Presse veröffentlichte, wollte Wilhelm diesen aber in der ersten Erregung wegen Landesverrats verhaften und in die Zitadelle Spandau verbringen lassen.[8]

Wende in den Reichskanzlerberufungen und außenpolitische Dauerprobleme (Einkreisungspolitik)[Bearbeiten]

Am 26. Oktober 1894 wurde Caprivi entlassen. Wilhelm berief erstmals einen Nichtpreußen, den bayerischen Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst. Er sollte anders als seine beiden Vorgänger keinen Führungsehrgeiz entwickeln.

1895 wurden der Kaiser-Wilhelm-Kanal, der heutige Nord-Ostsee-Kanal, fertiggestellt und die Marinehäfen Kiel und Wilhelmshaven in großem Maßstab ausgebaut. In diesem Zusammenhang besetzte und pachtete das Deutsche Reich die chinesische Hafenstadt Tsingtao auf 99 Jahre. Wilhelm erkannte trotz seiner Englandfreundlichkeit nicht, dass damit die weltweite Hegemonialmacht Großbritannien aufs Äußerste beunruhigt wurde. Der anhaltende deutsche Kolonialismus – gegen den Bismarck und Caprivi sich noch gewehrt hatten – wurde von ihm nicht als riskant gegenüber den Großmächten England, Frankreich und Japan erkannt und gebilligt: 1899 erwarb das Reich die Karolinen, Marianen, Palau und 1900 Westsamoa. 1896 versäumte Hohenlohe-Schillingsfürst es, Wilhelm von der „Krüger-Depesche“ abzuhalten, einem Glückwunschtelegramm an die Buren zur Abwehr des britischen Jameson Raid, die in Großbritannien mit Empörung aufgenommen und nachhaltig als Abkehr von der englandfreundlichen Politik Caprivis gedeutet wurde.

Feier von Kaiser Wilhelms Geburtstag in der deutschen Kolonie Kamerun 1901

1900 ersetzte Wilhelm Hohenlohe durch Graf Bernhard von Bülow, der als Reichskanzler weder die anstehenden innenpolitischen Reformen betrieb noch die sich neu gruppierenden außenpolitischen Konstellationen, in Deutschland als Einkreisungspolitik empfunden, zu meistern vermochte. Das Verhältnis zu Frankreich wurde jedenfalls nicht verbessert, England nun auch durch die Flottenpolitik herausgefordert und Russland auf dem Balkan nicht gegen die Österreichisch-Ungarische Monarchie unterstützt. Wilhelm vertraute Bülow, der ihm nachhaltig zu schmeicheln wusste, lange, bis zur Daily-Telegraph-Affäre 1908 und den Eulenburg-Prozessen.

Wilhelm II. in russischer und Nikolaus II. in preußischer Uniform, 1905 in Björkö

Mit Ausbruch des russisch-japanischen Kriegs im Februar 1904 und dem Abschluss der Entente Cordiale zwischen Frankreich und Großbritannien am 8. April 1904 veränderte sich das europäische Machtgefüge fundamental. Mit dem englisch-französischen Kolonialausgleich war die Freihandelspolitik offenbar gescheitert. In der Wilhelmstraße wurde überlegt, wie man auf die französisch-britische Annäherung reagieren sollte, ohne selbst an politischem Handlungsspielraum zu verlieren und außenpolitisch isoliert zu werden. Nach den schweren Niederlagen Russlands im Sommer 1904 und den scharfen Spannungen zwischen London und St. Petersburg nach dem Doggerbank-Zwischenfall (21./22. Oktober 1904) wurde Russland als ein möglicher Partner weiter interessant.[9]

Im November 1904 unterbreitete Wilhelm Nikolaus II. dem Zaren ein Defensivbündnis. Russland solle erst nach Abschluss des Vertrages von dem Bündnis in Kenntnis gesetzt werden. Die russische Regierung widersetzte sich einem solchen Bündnis;[10] Bald darauf standen wieder die Spannungen zwischen Frankreich und Deutschland im Fokus (siehe Erste Marokkokrise). Friedenspolitisch ergriff Wilhelm II. im Juli 1905 eine Initiative: Im Sinne einer Wiederannäherung an Russland, das gerade seinen Krieg gegen Japan zu verlieren drohte, schloss er mit Nikolaus II. den Freundschaftsvertrag von Björkö. Frankreich sollte einbezogen werden.

Der Vertrag von Björko wurde allerdings schon 1907 von Russland für gegenstandslos erklärt, weil er mit der französisch-russischen Annäherung, die inzwischen stattgefunden hatte, nicht vereinbar war.[11] Diese Annäherung hatte sich ergeben, nachdem Wilhelm II. im März 1905 in der Ersten Marokkokrise Tanger besucht hatte (Näheres hier). Resultat war überdies eine Verschlechterung der Beziehungen zu Japan, das bisher Preußen/Deutschland als wissenschaftlichen und militärischen Lehrmeister angesehen hatte.

1908 wurde Wilhelms Hilflosigkeit durch die Daily-Telegraph-Affäre deutlich: Er beschwerte sich in einem Interview mit der Zeitung über seine eigene Regierung – sie sei nicht englandfreundlich genug. Bismarck war ein Meister darin gewesen, seine Politik medial zu flankieren. Bei Wilhelm II. dagegen sollten das Interview und markige Reden die Politik ersetzen. Ein besonders eklatantes Beispiel hatte der Kaiser mit der bereits am 27. Juli 1900 in Bremerhaven gehaltenen Hunnenrede gegeben. Mit dem Interview im Daily Telegraph fiel er nunmehr der Reichspolitik in den Rücken, indem er darin erklärte, er sei ein guter „Beschützer Englands“, hielte er doch die anderen europäischen Mächte immer davor zurück, England zu provozieren. Dies wurde in England als Ärgernis empfunden: Es lasse sich von niemandem beschützen und empfand das Interview als Anmaßung. Wilhelm knickte angesichts des deutschen Pressesturms ein und versprach, sich künftig außen- wie auch innenpolitisch zurückzuhalten.

Inzwischen hatte die öffentliche Meinung begonnen, den Kaiser grundsätzlich kritisch zu sehen, und eine Kampagne schadete ihm konkret: Schon 1906 hatte der Journalist Maximilian Harden in seiner Zeitschrift Die Zukunft die Kamarilla um den Kaiser und damit das „persönliche Regiment“ des Kaisers angegriffen. Zu besonders harten Auseinandersetzungen führte seine Enthüllung, dass Philipp zu Eulenburg, ein enger Freund und Berater des Kaisers, homosexuell sei (was damals noch strafbar war) und einen Meineid geleistet habe, als er dies leugnete. Es folgten drei Sensationsprozesse gegen Eulenburg, die trotz Freisprüchen das Ansehen des Kaisers beschädigten.[12]

Bernhard von Bülow, Kaiser Wilhelm II. und Rudolf von Valentini (von links nach rechts) an Bord der Hohenzollern in Kiel, 1908

1909 zerbrach der sogenannte Bülow-Block, in dem sich die regierungsunterstützenden linksliberalen Parteien sowie die Nationalliberale und die Konservative Partei zusammengeschlossen hatten. Auslöser war der Versuch Bülows, das preußische Wahlrecht zu reformieren, worauf ihm die im preußischen Landtag dominierenden Konservativen die Gefolgschaft verweigerten. Sozialdemokraten und Zentrumspartei, die diesen Versuch in seinen Grundsätzen unterstützen, verweigerten trotzdem die Zusammenarbeit mit Bülow. Sie warfen ihm Prinzipienlosigkeit vor, da er erst kurz zuvor in Zusammenarbeit mit den Konservativen neue Repressalien gegen die polnische Minderheit durchgesetzt hatte. Die Germanisierungspolitik wurde auf Betreiben Kaiser Wilhelms eingeschränkt. Dass Bülow nun aber, um sich die Loyalität der Konservativen Partei zu sichern, die Enteignung von polnischen Gütern erleichterte, ignorierte der Kaiser zunächst, um die stabile Parlamentsmehrheit nicht zu gefährden.

Kaiserparade anlässlich des Herbstmanövers in Süddeutschland 1909

Doch entließ er Bülow und ernannte Theobald von Bethmann Hollweg zum Reichskanzler. Er überließ ihm die Außenpolitik, die aber ihre Ziele – Wiederannäherung an England und Distanzierung von der antirussischen Balkanpolitik Österreich-Ungarns – nicht erreichte. Die antifranzösische Politik wurde 1911 in der zweiten Marokkokrise durch deutschen Interventionismus im „Panthersprung nach Agadir“ verschärft. Heer und Flotte wurden weiter verstärkt. Markante Eingriffe Wilhelms unterblieben. Der Kaiser war zwar Militarist, aber kein Bellizist, er wollte trotz seiner kriegerischen Reden im Grunde keinen Angriffs- oder Präventivkrieg. Er tat aber auch wenig, um dies deutlich zu machen.

Wilhelm mit seinen Söhnen auf der Schlossbrücke am 1. Januar 1913

Insgesamt ist Wilhelms II. Anteil an der deutschen Außenpolitik umstritten. Während John C. G. Röhl in ihm eine wirkungsmächtige Instanz hervorhebt, die in die Politik des Reiches eigenständig eingriff, sieht die Mehrzahl der Historiker wie Wolfgang J. Mommsen die zivile Reichsleitung im Zentrum der Verantwortung. Unbestreitbar ist, dass der Kaiser nicht als Koordinator zwischen Außen-, Heeres- und Flottenpolitik wirkte. So kam es, dass Reichskanzler, Heeres- und Marineleitung jeweils unterschiedliche Ziele verfolgten, die miteinander nicht vereinbar waren. Vor allem der Aufbau der Flotte schuf ein außenpolitisches Problem.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Wilhelm II. im Kreise der deutschen Generale
Wilhelm in Armeeuniform
Wilhelm in der Paradeuniform des Regiments der Gardes du Corps – „mythisierende Selbstdarstellung des Kaisers“[13]

Julikrise[Bearbeiten]

In der Julikrise 1914 spielte Wilhelm II. eine ambivalente Rolle. Er versuchte einerseits, den Frieden zu retten – durch einen fieberhaften Briefwechsel mit dem russischen Kaiser („Lieber Nicky!“ – „Lieber Willy!“), der bei der nunmehr objektiven Kriegsentschlossenheit sämtlicher Kontinental-Großmächte gar nichts bewirkte. Andererseits drängte er zum Losschlagen. Faktisch steigerte der Kaiser letztlich die Kriegsgefahr, denn er ermächtigte Bethmann Hollweg nach dem Attentat von Sarajewo am 28. Juni 1914, Österreich-Ungarn eine Blankovollmacht für dessen aggressive Politik gegen Serbien zu erteilen.

Obwohl die Stärke Deutschlands immer mehr zugenommen hatte, hielt Wilhelm, mit seinen Ängsten vor „Sozialismus“, „Gelber Gefahr“, „slawischer Flut“ und seiner Idee vom „unvermeidlichen Gegensatz von Slawen und Germanen“, die Zeit für die letzte Abrechnung gekommen. Dabei unterschätzte er den serbienfreundlichen Panslawismus, mit dem seit 1905 die russische Politik die Unruhen im eigenen Reich zu bändigen fest entschlossen war.[14] Der deutsche Botschafter in Wien Heinrich von Tschirschky drängte auf Wilhelms Anweisung zu einer Aktion gegen Serbien: Er solle „mit allem Nachdruck erklären, daß man in Berlin eine Aktion gegen Serbien erwarte und daß es in Deutschland nicht verstanden würde, wenn wir die gegebene Gelegenheit vorübergehen ließen, ohne einen Schlag zu führen“.[15]

Faktisch wurde nach der österreichisch-ungarischen Kriegserklärung an Serbien die Außenpolitik von Kaiser und Kanzler dem deutschen Generalstab überlassen: Die entschlossene Mobilmachung im Russischen Reich erlaubte es nach dem Urteil der Generalität dem Deutschen Reich nicht, mit der Kriegserklärung an Russland und Frankreich länger zu warten, da sonst der deutsche Schlieffen-Plan, bei einem Zweifrontenkrieg erst schnell Frankreich, dann Russland zu schlagen, undurchführbar zu werden drohte.

Wilhelm mischte sich in der Folge nicht in militärische Zielsetzungen ein, überließ diese aber nicht verfassungsgemäß dem Reichskabinett, sondern der Obersten Heeresleitung (OHL).

Zunehmender Machtverlust[Bearbeiten]

Wilhelm II. (Mitte), Generalfeldmarschall von Hindenburg (links) und Erster Generalquartiermeister Ludendorff (rechts)

Im Verlauf des Ersten Weltkrieges 1914–1918 wurde die Bedeutung des Kaisers immer geringer. Besonders mit der Dritten Obersten Heeresleitung unter Hindenburg und dem dominierenden Ludendorff wurde er 1916–1918 zunehmend von den politisch-militärischen Entscheidungen ausgeschlossen. Jedoch schob die Heeresleitung ihm 1917 die auch im Reich umstrittene Entscheidung über die Wiederaufnahme des nach dem „Lusitania-Zwischenfall“ 1915 eingestellten „uneingeschränkten“ U-Boot-Kriegs zu. Er schloss sich – gegen den Rat seines Reichskanzlers – der Meinung der Militärs an, was im April 1917 zur Kriegserklärung der USA führen sollte. Diese machten später die Abdankung des Kaisers zur Bedingung für die Eröffnung von Friedensverhandlungen. Ab 1917 hatte Ludendorff eine faktisch diktatorische Position. Auf weitere Reichskanzlerwechsel nahm Wilhelm II. keinen Einfluss, die 1918er Reform der Reichsverfassung in Richtung auf eine parlamentarische Monarchie wurde ohne ihn versucht. Die „stille Diktatur der OHL“ war auch durch die Schwäche Kaiser Wilhelms bedingt, der in den beiden letzten Kriegsjahren immer hilfloser agierte, was die Position der OHL stärkte.[16]

Kriegsziele[Bearbeiten]

Am 13. Mai 1917 präsentierte Wilhelm II. seinem Staatssekretär für Äußeres ein Kriegszielprogramm, das die Bestrafung aller Gegner, sogar der USA (in Form von Reparationen) vorsah. Neben ausgedehnter kolonialer Expansion – Malta, Zypern, Ägypten, Mesopotamien an die Türkei, Madeira, Kapverden, den Azoren und der Kongo an Deutschland – erwartete er die Anbindung der autonomen Länder Polen, Kurland, Litauen, Ukraine, Livland und Estland an sein Reich. Außerdem forderte er unrealistische Kriegsentschädigungen von allen Kriegsgegnern. Allerdings stand Wilhelm II. gerade in dieser Zeit eher im Hintergrund, er hatte selten ein entscheidendes Wort mitzureden, so dass sein Programm in Kreuznach nicht sehr ernst genommen wurde und nur, was den kolonialen Bereich betraf, in der politischen Planung berücksichtigt wurde.[17]

In Rahmen einer Balkanreise begeisterte sich der Kaiser über die reichen Gebiete Rumäniens. Das eroberte Land hatte ihm „außerordentlich gefallen“, „bei guter Verwaltung würde das Land zu einer Quelle größten Reichtums werden“.[18]

1918 autorisierte er den Plan, Russland nach Abtretung Polens, des Baltikums und des Kaukasus in vier unabhängige „Zarentümer“ zu teilen: die Ukraine, den Südostbund als antibolschewistisches Gebiet zwischen der Ukraine und dem Kaspischen Meer sowie in Zentralrussland und Sibirien. Diese Form der Beherrschung ergäbe eine „Brücke nach Zentralasien zur Bedrohung der britischen Stellung in Indien“. Der Plan eines „Südostbundes“ stand dabei in Konkurrenz zu osmanischen Absichten.[19] Kanzler Hertling, der Livland und Estland „in gewisser Ferne als freundschaftlich uns angeschlossene Staaten“ bezeichnete, wurde von Wilhelm zurückgewiesen: „Unsinn! Das Baltikum ist eins, und ich werde sein Herr und dulde keinen Widerspruch, Ich habe es erobert und kein Jurist kann es mir nehmen!“[20]

Wilhelm sah sein protestantisches Kaisertum, vor allem im Gegensatz zum Haus „Habsburg-Parma“, zunehmend als seine Sendung an:[21]

„Das ultrabigotte Haus Parma erstrebt eine konfessionelle Einkreisung des vom verhaßten Hohenzollernhaus regierten Deutschlands. Unter Wiens Führung, sollen im Bündnis mit ihm, Italien – durch Rückgabe von Trentino und Tirol gewonnen – Frankreich, Polen und Litauen bis ans Meer vereinigt werden! Daher Polens Selbständigkeit und die Wiederaufnahme der in Homburg beseitigten austropolnischen Lösung. Daher ein selbständiges Litauen unter katholischen Fürsten; daher der Widerstand gegen unsere Angliederung des Baltikums inklusive Liv- und Estland, die Litauen angeschlossen und katholisiert werden sollten, um uns vom Meer abzuschneiden.“

Matthias Erzberger, der diesen Interessen diene, sei „ein schurkenhafter Verräter, der unschädlich gemacht werden muß.“[21]

Sturz und Abdankung[Bearbeiten]

Nach der gescheiterten Frühjahrsoffensive im Westen 1918, den Erfolgen der Westalliierten an der Westfront und dem drohenden Zusammenbruch des verbündeten Österreich-Ungarn verlangte die Oberste Heeresleitung am 28. September 1918, ein Waffenstillstandsgesuch an die Kriegsgegner zu richten und zugleich die Regierung des Deutschen Reichs auf eine breitere Grundlage zu stellen.[22][23]

In mehreren diplomatischen Noten machte US-Präsident Woodrow Wilson die Gewährung des Waffenstillstands indirekt von einer Abdankung des Kaisers abhängig. Die USA weigerten sich, vorher Friedensverhandlungen aufzunehmen. Da sie infolge von Wilsons 14-Punkte-Programm als die gemäßigtste der kommenden Siegermächte galten, fand seine Forderung Widerhall in Deutschland.

Am 16. Oktober 1918 empfahl die Fortschrittliche Volkspartei Wilhelm II. die freiwillige Abdankung. Reichskanzler Prinz Max von Baden betrieb diese seit dem 28. Oktober; am Tag darauf reiste Wilhelm auf Anraten insbesondere Friedrich von Bergs von Berlin nach Spa (Belgien). Er residierte dort im La Fraineuse und versuchte eine Pendeldiplomatie zwischen sich und der OHL (deren Sitz im Hotel Britannique war). In Anbetracht der Stimmung im Volk und der Meinung des Kabinetts hielt Wilhelm die Armee noch am ehesten für loyal. Diese Hoffnungen zerschlugen sich im Laufe des Kieler Matrosenaufstands und der Novemberrevolution. Um radikaleren Forderungen der Revolutionäre die Spitze zu nehmen, verlangten auch die Mehrheitssozialdemokraten ab dem 7. November den Rücktritt von Kaiser und Kronprinz. Am Tag darauf sprach sich auch die Zentrumspartei für die Abdankung aus.[24]

Der zu diesem Zeitpunkt politisch paralysierte Monarch sah sich nun mit drei Optionen konfrontiert. General Groener vertrat, auch gestützt auf das Ergebnis einer Befragung von 39 Generälen und Regimentskommandeuren, die Auffassung, dass das Heer nicht mehr in der Hand der Befehlshaber sei; ein militärisches Vorgehen gegen die Revolution sei zwar wünschenswert, aber vorerst unmöglich, insbesondere mit dem Kaiser an der Spitze. Groeners Analyse, die implizit nahelegte, dass der Kaiser verschwinden müsse, wurde – nach dem Krieg eine ständige Quelle der Verlegenheit – de facto von Hindenburg gedeckt und fand in Paul von Hintze und Werner Freiherr von Grünau zwei energische Fürsprecher, die auch die „Holland-Lösung“ ins Gespräch brachten. Eine andere Gruppe um General Friedrich Graf von der Schulenburg, Stabschef der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz, hielt dagegen einen „Marsch auf Berlin“, also die militärische Zerschlagung der Revolution, für durchführbar. Dieser Position neigte zunächst auch Wilhelm zu. Die dritte Möglichkeit wurde von der militärischen Entourage des Kaisers nur in Andeutungen ausgesprochen: Der Monarch solle sich „nach vorn“, also zur Front begeben, um dort den Tod zu suchen. Eine solche Geste würde, so die Spekulation vor allem jüngerer Generalstabsoffiziere, einen völligen Meinungsumschwung zugunsten der Dynastie bzw. der Monarchie als Institution herbeiführen. Vorbereitungen für ein derartiges Unternehmen hatten Groener und Major Joachim von Stülpnagel, der Chef der Operationsabteilung der OHL, bereits getroffen.[25]

Die letzte, von den Ereignissen bereits überholte Initiative Wilhelms war der am späten Vormittag des 9. November gefasste Entschluss, zwar als Kaiser, nicht aber als preußischer König abzudanken.[26] Die Revolution hatte mittlerweile Berlin erfasst. Während in Spa an einer entsprechenden Abdankungsurkunde gearbeitet wurde, traf die Nachricht ein, dass Max von Baden seinerseits die Abdankung Wilhelms als Kaiser und König bekanntgegeben und Friedrich Ebert das Amt des Reichskanzlers übertragen hatte. Durch dieses Manöver versuchte der badische Prinz in letzter Minute, den revolutionären Druck zu kanalisieren und die faktisch schon nicht mehr bestehende Monarchie als solche zu retten. Am selben Tag riefen Philipp Scheidemann von der SPD und Karl Liebknecht vom Spartakusbund die Republik aus.

Flucht Wilhelms II. am 10. November 1918: Der Kaiser (Bildmitte, 4. von links) auf dem Bahnsteig des belgisch-niederländischen Grenzübergangs Eijsden kurz vor seiner Abreise ins niederländische Exil

Da Gerüchte umliefen, dass die Mannschaften in der Umgebung des Hauptquartiers nicht mehr zuverlässig seien, übersiedelte der Kaiser am Abend des 9. November in den Hofzug und fuhr am frühen Morgen des nächsten Tages ab, nachdem von „anmarschierenden Aufständischen“ berichtet worden war. In der Nähe des niederländischen Ortes Eijsden (südlich von Maastricht) bat er die Niederlande um Internierung. Durch Vermittlung der niederländischen Regierung fand Wilhelm II. anschließend mit seinem Gefolge Unterkunft bei Graf Bentinck in Amerongen.[27]

Der im konservativen Milieu weithin als „Fahnenflucht“ empfundene, kampflose Abgang des Kaisers war noch bis in die 40er Jahre Gegenstand einer Debatte, in der phasenweise erbittert über die Deutung des Ereignisses und die Frage der Verantwortung gestritten wurde.[28] Die neuere Forschung führt die auffällige strukturelle Schwäche der explizit monarchistisch-restaurativen Strömung der deutschen Rechten, die schon in der ersten Hälfte der 20er Jahre unübersehbar zutage trat[29], zu einem erheblichen Teil auf den verheerenden Eindruck der „Kaiserflucht“ zurück. Hier liege die entscheidende Wegmarke einer „Ablösungsbewegung vom Kaiser, die sich selbst für den innersten Kern des preußischen Adels nachweisen lässt“[30] und als Grundlage der – verglichen etwa mit der Langlebigkeit des französischen Legitimismus – überraschend schnellen und dauerhaften „Auflösung des Monarchismus“[31] in Deutschland betrachtet werden müsse.

Wilhelm II. dankte offiziell am 28. November 1918 ab, 19 Tage nach Ausrufung der Republik, nach eigener Aussage in der Hoffnung, die Situation im Reich zu stabilisieren. Er gab jedoch nie den Wunsch auf, wieder auf den Thron zurückzukehren.

Text der Abdankungsurkunde:[32]

„Ich verzichte hierdurch für alle Zukunft auf die Rechte an der Krone Preussens und die damit verbundenen Rechte an der deutschen Kaiserkrone. Zugleich entbinde Ich alle Beamten des Deutschen Reiches und Preussens sowie alle Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Marine, des Preussischen Heeres und der Truppen der Bundeskontingente des Treueides, den sie Mir als ihrem Kaiser, König und Obersten Befehlshaber geleistet haben. Ich erwarte von ihnen, dass sie bis zur Neuordnung des Deutschen Reichs den Inhabern der tatsächlichen Gewalt in Deutschland helfen, das Deutsche Volk gegen die drohenden Gefahren der Anarchie, der Hungersnot und der Fremdherrschaft zu schützen.
Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Kaiserlichen Insiegel.
Gegeben Amerongen, den 28. November 1918.
Wilhelm“

Zeit nach der Abdankung[Bearbeiten]

Exil[Bearbeiten]

Wilhelm II. in Zivil mit Zigarette, 1933
Wilhelm II. mit Gattin Hermine, 1933
Büste Wilhelms II. vor Haus Doorn

Ein alliiertes Gesuch, den früheren Regenten an die Siegermächte auszuliefern, lehnte die niederländische Regierung am 22. Januar 1920 ab.[33] Bis 1920 lebte Wilhelm II. auf Schloss Amerongen (Niederlande), danach bis zu seinem Tod in dem von ihm erworbenen Haus Doorn, etwa 15 Kilometern entfernt von Utrecht, in den Niederlanden im Exil. 1921 starb seine Frau, Kaiserin Auguste Viktoria.

Am 5. November 1922 heiratete er die verwitwete Prinzessin Hermine von Schönaich-Carolath, geborene Prinzessin Reuß älterer Linie (1887–1947) („Kaiserin“ in seiner Titulatur, amtlich „Prinzessin von Preußen“). Er versammelte Gelehrte zu kulturhistorischen Studien um sich („Doorner Arbeitskreis“), verfasste seine Memoiren und weitere Bücher und hielt sich für die Wiederherstellung der Monarchie bereit. Unter anderem durch den Hitlerputsch 1923 sah er sich darin bestätigt, dass nur ein Monarch Ruhe und Ordnung garantieren könne. Gleichwohl wurden Hoffnungen auf eine kurzfristige und übergangslose Restauration der Monarchie schon bald auch im engsten Kreis um Wilhelm als – so Magnus von Levetzow 1927 – Ausdruck „vollkommener Hirnverbranntheit“[34] betrachtet. Diese nachhaltige Ernüchterung wurde nicht zuletzt durch die Tatsache gefördert, dass maßgebliche Monarchisten in Deutschland nach 1925 offen aussprachen, dass weder Wilhelm noch einer seiner Söhne ernsthaft als Thronprätendent in Betracht komme.[35] Der wegen der Flucht und der Gerüchte über seinen Lebenswandel seit 1919 geradezu als „unmöglich“[36] geltende Kronprinz vertrat im Einvernehmen mit seinem Vater bereits im Mai 1924 die Auffassung, dass zunächst „ein Diktator den Karren aus dem Dreck ziehen“[37] müsse.

Obwohl die Hohenzollern vom republikanischen Deutschland großzügig abgefunden wurden, machte Wilhelm aus seinem Hass auf die „Saurepublik“ keinen Hehl. Während der Endphase der Weimarer Republik machte sich Wilhelm, bestärkt durch seine Frau, die im Reich umherreiste, und zwei Besuche Görings 1931 und 1932, Hoffnungen auf eine Wiederherstellung der Monarchie durch die Nationalsozialisten. Dies erschien damals insofern nicht ganz unrealistisch, als die (in vieler Hinsicht für die Nationalsozialisten vorbildhaften) italienischen Faschisten den König von Italien auch während Mussolinis Diktatur im Amt beließen. Allerdings unterschätzte Wilhelm dabei die sozialreformerischen Ansätze des Nationalsozialismus, der die Klassengesellschaft durch das Konzept der „Volksgemeinschaft“ abzulösen versprach. Die Hoffnungen auf eine Wiedereinsetzung des Kaisers erwiesen sich nach der Machtergreifung der NSDAP Anfang 1933 als Illusion und Wilhelm entwickelte eine zunehmend distanzierte Haltung zur politischen Entwicklung in Deutschland.

„Alles wird von den Leuten ja beseitigt: die Fürsten, der Adel, die Offiziere, die Stände usw.; aber das wird sich rächen, man wird die einzige Fahne, die sie noch übriggelassen haben, die mit dem Hakenkreuz, noch einmal verfluchen, und die Deutschen selber werden sie eines Tages verbrennen“, urteilte er am 7. September 1933.[38]

Als Wilhelm II. im November 1938 von dem antijüdischen Pogrom, der „Kristallnacht“, erfuhr, äußerte er sich entsetzt, bezeichnete es als Schande und forderte jeden Deutschen auf, dagegen zu protestieren.

In einem viel später bekannt gewordenen Brief an den Journalisten Otto Mossdorf schwärmte 1939 Kaiserin Hermine, die zweite Ehefrau:

„Den Kaiser in Gegensatz zur deutschen Regierung bringen zu wollen, ist eine Infamie. Man sollte ihn hören, wie er über all das Große, was der Führer geschaffen hat, spricht, und wie er alles anerkennt und sich darüber freut ... Immer war es sein Wunsch, Versailles zu zerschlagen. Der Führer hat schon so viel davon erreicht, möge ihm auch das Letzte gelingen.“[39]

Die niederländische Königin Wilhelmina, die während seines gesamten Exils jeden direkten Kontakt zu Wilhelm vermieden hatte[40], ließ ihm angesichts eines bevorstehenden deutschen Angriffs auf die Niederlande im April 1940 eröffnen, dass er sich nicht mehr als Internierter zu betrachten habe und darum ausreisen könne, wann und wohin er wolle. Die niederländische Regierung legte ihm mehrfach nahe, einen Ort aufzusuchen, der nicht unmittelbar in der Kampfzone lag. Selbst das britische Königshaus unter der Regentschaft von König Georg VI. bot Wilhelm Asyl an. Aber der Kaiser lehnte alle Angebote dankend mit der Erklärung ab, dass er wegen seines hohen Alters in Doorn bleiben und seinem Schicksal dort entgegensehen wolle.[41] Bei der Besetzung der Niederlande im Mai 1940 ließ Hitler das Anwesen durch die Geheime Feldpolizei abriegeln. Der Kaiser durfte es nach wie vor nur zu kurzen Ausflügen und in Begleitung verlassen.

Zum deutschen Sieg über Frankreich im Mai erhielt Adolf Hitler von Wilhelm II. am 17. Juni 1940 folgendes Glückwunschtelegramm:

„Unter dem tiefergreifenden Eindruck der Waffenstreckung Frankreichs beglückwünsche ich Sie und die gesamte deutsche Wehrmacht zu dem von Gott geschenkten gewaltigen Sieg mit den Worten Kaiser Wilhelms des Großen vom Jahre 1870: ‚Welche Wendung durch Gottes Fügung‘. In allen deutschen Herzen erklingt der Choral von Leuthen, den die Sieger von Leuthen, des Großen Königs Soldaten, anstimmten: ‚Nun danket alle Gott‘“

Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik 1918–1945. Serie D, Band 9: Die Kriegsjahre. 18. März bis 22. Juni 1940.[42]

Eine persönliche Antwort Hitlers an „Seine Majestät Kaiser Wilhelm II, Doorn, Holland“ folgte am 24. Juni 1940.

Tod und Beisetzung[Bearbeiten]

Wilhelm II. starb am Morgen des 4. Juni 1941 im Haus Doorn nach einer Lungenembolie.

Trauerfeiern im Reich wurden verboten. Die NS-Machthaber erlaubten nur einer kleinen Zahl von Personen (dem engeren Familienkreis, einigen ehemaligen Offizieren, darunter Generalfeldmarschall August von Mackensen) die Fahrt in die besetzten Niederlande zur Teilnahme an der Beisetzung. Der Kaiser hatte seine Beisetzung im engsten Kreis verfügt und Trauerreden, Kränze, Fahnen (um Hakenkreuzfahnen zu vermeiden) untersagt.[43] An der Trauerfeier nahmen Abordnungen der alten Armee und der neuen Wehrmacht teil, die Bestattung endete auf Wunsch des Kaisers mit dem von der Wehrmachtskapelle gespielten Choral und Gebetslied des Großen ZapfenstreichsIch bete an die Macht der Liebe“. Wilhelm wurde zunächst in einer Kapelle nahe dem Doorner Torhaus beigesetzt, wobei drei Hände Potsdamer Erde aus der Gegend des Antikentempels – dem Bestattungsort der Kaiserin Auguste Viktoria, später auch von Hermine von Schönaich-Carolath – auf seinen Sarg gestreut wurden.[44] Später wurde sein Sarg in das nach seinen Zeichnungen postum erbaute Mausoleum im Park von Haus Doorn überführt. Sein von ihm selbst ausgewählter Grabspruch lautet:

„Lobet mich nicht, denn ich bedarf keines Lobes;
Rühmet mich nicht, denn ich bedarf keines Ruhmes;
Richtet mich nicht, denn ich werde gerichtet werden.“[45]

Er selbst hat verfügt, dass eine „Umbettung seiner Gebeine in deutsche Erde“ erst nach der Wiedererrichtung der Monarchie in Deutschland durchzuführen sei.

Persönlichkeit[Bearbeiten]

Max Koner (1890): Kaiser Wilhelm II.
Ein französischer General kommentierte diese Pose mit: „Das ist kein Porträt, sondern eine Kriegserklärung!“[46]
Wilhelm II. und Auguste Viktoria in der unter ihm errichteten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Innenarchitekt: Hermann Schaper

Eine besondere Zuwendung von seinen Eltern erfuhr Wilhelm II. nicht, was zu einem bleibenden Ressentiment besonders gegen seine Mutter führte, die ihn ihrerseits, folgt man ihren familiären Briefen, auch politisch sehr kritisch sah. Schmerzvoll waren die Versuche der Familie, seiner Behinderung entgegenzuwirken. Sein verkümmerter linker Arm führte zu Gleichgewichtsstörungen und Haltungsschäden sowie häufigen Schmerzen im linken Ohr. Doch der zukünftige König von Preußen sollte ein „ganzer Mann“ und kein Krüppel sein. So wurden dem Kind verschiedene schmerzhafte Therapien zugemutet. Das oft erforderliche Reiten fiel ihm lebenslang schwer.

Die Behinderung verminderte vermutlich sein Selbstwertgefühl und steigerte seine Egozentrik, leichte Kränkbarkeit und Sprunghaftigkeit. Das Tragen von Uniformen und das Abstützen der linken Hand auf der Waffe waren da hilfreiche Angewohnheiten. Ob von einer ernsthaften seelischen Erkrankung oder von einer Anlage zu einer Geisteskrankheit gesprochen werden kann, ist strittig. Ein schwermütiger Zug wird ihm mitunter attestiert. Der noch heute berühmte Psychiater Emil Kraepelin bezeichnete sogar – auf Grund ferndiagnostisch zugänglicher öffentlicher Quellen – Wilhelms Gemüt als einen „typischen Fall periodischen Gestörtseins“, ein freilich bestrittenes Urteil in Richtung auf eine manisch-depressive Disposition.[47]

Der US-amerikanische Historiker Robert K. Massie beschreibt ihn zum Zeitpunkt des Regierungsantritts:

„Wer den neuen deutschen Kaiser betrachtete, sah einen knapp mittelgroßen Mann mit rastlosen, strahlend blauen Augen und lockigem hellbraunen Haar. Sein auffallendstes Merkmal war ein buschiger Schnurrbart mit aufgebogenen Spitzen, die Kreation eines geschickten Barbiers, der jeden Morgen mit einer Dose Wachs im Schloss erschien. … Wilhelm II. wünschte die Zustimmung und Zuneigung seines Volkes, sehnte sich sogar danach, aber die höchste Macht lag für ihn nicht beim Volk oder seinen Vertretern im Reichstag, sondern beim Monarchen, der loyal von seiner Armee unterstützt wurde.[48]

„Er war unsicher und arrogant, intelligent und impulsiv, vernarrt in die moderne Technik und zugleich verliebt in Pomp und Theatralik.“[49] Anhaltende Schwierigkeiten waren Wilhelm II. verhasst. Das begünstigte wohl auch seine sprichwörtliche Reiselust. Vor allem aber ließ er deswegen auch bewährte Freunde und Parteigänger schnell im Stich, so dass zunehmend Höflinge mit diplomatisierendem Charakter seinen Umgang ausmachten und seine Personalauswahl bestimmten (so wohl auch die Wahl Bülows). Offiziere, unter denen er sich wohl fühlte, erweiterten sein Urteil wenig, denn sie hatten im Zweifel die politischen Vorurteile ihrer kastenartig abgeschlossenen Berufsgruppe, und auch ihr Stil des Schwadronierens färbte auf ihn ab.

Von seiner Persönlichkeit her gesehen behinderten narzisstische Züge seine Einfühlungsgabe und sein Urteil über Andere, wie etwa über Nikolaus II. von Russland. Er selbst sah sich als geradezu und offen, doch seine Taktlosigkeiten waren bekannt. Sie fielen seiner Mitwelt besonders bei seinem Regierungsantritt und bei Bismarcks Entlassung ins Auge, die dieser in seinen Gedanken und Erinnerungen eifrig ausbreitete. Eine diese Nachteile ausbalancierende Welt- und Menschenkenntnis zu erwerben, hatte sein Werdegang ihm nicht erlaubt.

Trotz der Wesensunterschiede zu seinem altpreußisch-schlichten und im Persönlichen loyalen Großvater Wilhelm I. versuchte Wilhelm II. immer, dessen Regierungsmuster zu folgen. Man kann sein anfängliches Verhältnis zu Caprivi dergestalt deuten, dass er hier „seinen eigenen Bismarck“ gefunden zu haben hoffte. Zum militärischen Oberbefehlshaber ernannte er den Neffen des berühmten Generalfeldmarschalls Helmuth von Moltke („Ich will auch einen Moltke“), der dann aber aus dem Schatten Alfred von Schlieffens nicht herauszutreten vermochte. Allerdings wurde die Zurückhaltung seines Großvaters bei direkten politischen Eingriffen keineswegs bleibendes Merkmal des Enkels. Wiederholt griff Wilhelm II. durch Personalentscheidungen und Befehle für Gesetzesvorlagen direkt in die Politik ein.

Achilleion: Sommerresidenz Wilhelms II. auf Korfu
Wilhelm II. bei der Jagd mit Kronprinz Wilhelm und dessen Gattin Cecilie (1908)

Gar nicht folgte er der öffentlichen Zurückhaltung des alten Kaisers. Mit Selbstdarstellungseifer drängte Wilhelm II. oft ostentativ in die Öffentlichkeit, wobei seine nicht unbeachtliche Rednergabe ihm Echo einbrachte, ihn aber auch zu politisch bedenklichen Formulierungen hinriss. Auch begünstigte dieser Übereifer sein Verhältnis zu den Massenmedien. Man kann ihn als ersten Medienmonarchen des 20. Jahrhunderts ansehen.[50]

Sein Faible für Uniformen und Orden trug zum Klischee-Bild des nach ihm benannten Wilhelminismus bei. Ein Höhepunkt dieses Stils war die pompöse und von der Berliner Bevölkerung als „Puppenallee“ belächelte Siegesallee im Tiergarten mit 32 Statuen der Brandenburger und Preußischen Markgrafen, Kurfürsten und Könige und weiteren 64 Nebenfiguren. Für das Standbild des Askaniers Albrecht der Bär fertigte Wilhelm Kostümskizzen an.[51] In der sogenannten „Rinnsteinrede“ zur Eröffnung des Prachtboulevards am 18. Dezember 1901 verordnete Wilhelm den Stil der Bildenden Künste von oben („keine Rinnsteinkunst!“).

Eigene Interessen entwickelte er ferner für die Archäologie, seine Korfu-Aufenthalte waren davon bestimmt. Außerdem oblag er, wie in Adelskreisen nicht unüblich, begeistert der Jagd, seine Trophäenzahl erfreute ihn (er erlegte rund 46.000 Tiere), im Exil fällte er gerne Bäume. Bei der Jagd hatte Wilhelm auch seinen später engen Freund Philipp Graf zu Eulenburg kennengelernt, der besonders in den Jahren 1890 bis 1898 zu seinen wichtigsten Beratern zählte.

Wilhelm liebte wie sein Bruder Heinrich das Segeln. Er segelte vor der Küste Südenglands mit seiner Yacht „Meteor“ in prestigeträchtigen Regatten und war Stammgast bei der Kieler Woche, die er 1894 zum ersten Mal besucht hatte. Auch Automobile machten ihm Freude. Er fuhr gerne mit den neuesten Wagen und war Protektor des Kaiserlichen Automobilclubs.

Desengagement, wenn die Dinge anders liefen, als er wollte, blieb sein Wesenszug. 1918, angesichts der Novemberrevolution, entwich er ins neutrale Ausland. Seine in Holland verfasste Autobiografie gibt sprechende Zeugnisse aus seiner Kindheit, bezeugt aber mit ihren Rechtfertigungen oder Themenvermeidungen seine Urteilsschwächen.

Bild in der Öffentlichkeit[Bearbeiten]

Wilhelm II. in der Tradition des Hauses Hohenzollern. Postkarte von 1901 zur Erinnerung an das 200-jährige Bestehen des Königreichs Preußen

Wilhelm II. war zunächst recht populär. Die weniger geschätzten Züge einer Reichseinigung „von oben“ mit Bewahrung alter Machtstrukturen fand in der Kaiserverehrung einen willkommenen Ausgleich. Die weithin monarchistisch gesinnte Presse nahm dies auf, man fand für ihn die Bezeichnungen „Arbeiterkaiser“ und „Friedenskaiser“ (dies geht u. a. auf den Vorschlag von Emanuel Nobel von 1912 zurück, Kaiser Wilhelm II. den von Alfred Nobel gestifteten Friedensnobelpreis zuzusprechen, damals hatte das Deutsche Reich unter seinem Kaisertum 24 Jahre Frieden gehalten.[52]). Doch wurde er andererseits auch als bedrohlich empfunden (vgl. Ludwig Quiddes als Kritik an Wilhelm II. aufgefasste und vielrezipierte 1894er Studie Caligula zum „Cäsarenwahnsinn“) oder aber verspottet: „Der erste war der greise Kaiser, der zweite war der weise Kaiser, der dritte ist der Reisekaiser.“ Auch in der Bezeichnung „Redekaiser“ steckte Kritik. Über seine vielen verschiedenen Uniformen – Graf Philipp zu Eulenburg sprach von „Alle Tage Maskenball!“ – wurden Witze gemacht:

„Serenissimus, im Badezimmer ist ein Rohr geplatzt. – Bringen Sie die Admiralsuniform.“

Simplicissimus

Von den ihn kritisierenden Demokraten, Sozialisten, Katholiken, auch den kritischen Minderheiten (die Polen, seit 1864 die Dänen, seit 1866 die Welfen/Hannoveraner, seit 1871 die Elsass-Lothringer) wurde ihm zunächst das die öffentliche Meinung beherrschende Bürgertum am gefährlichsten. Bei vielen Schriftstellern war er nicht angesehen, der ironische Thomas Mann war in seinem Roman Königliche Hoheit noch am mildesten mit einem behinderten und etwas einfältigen Dynasten umgegangen. Direkte Kritik verbot der Paragraph zur „Majestätsbeleidigung“ im Strafgesetzbuch, aber die Witze über ihn wurden immer beißender. Man vergleiche nur das viel positivere Kaiserbild des alten Kaisers Franz Joseph in Österreich-Ungarn.

Sein eigener Onkel, der britische König Eduard VII. beschrieb ihn einmal als den „brillantesten Versager der Geschichte“. [53]

Nach seinem lange hinausgezögerten Entschluss, 1918 nicht an der Spitze seiner Truppe zu fallen, sondern ins Exil zu gehen, wurde ihm auch Feigheit vorgeworfen. Bei vielen verschob sich die Meinung hin zu Verachtung. Dennoch blieb durch die Jahre der Weimarer Republik hindurch der monarchistische Flügel stark. Doch Wilhelms Hoffnungen auf eine Rückkehr als Monarch zerschlugen sich nach der Präsidentenwahl Hindenburgs 1925 und noch einmal nach Hitlers Machtantritt 1933. Hindenburg nahm seinen Eid auf die Republik ernst, Hitler seine „Führer“-Diktatur. Volker Ullrich urteilte auf Grund der nunmehr vollständig vorliegenden Studie Röhls über Wilhelm II. 2008:

„Mit seiner Geringschätzung alles Zivilen, seiner Verachtung der Slawen, seinem Hass auf die Juden, seinen ausufernden Weltmachtfantasien vertrat er Haltungen und Ideen, die von den Nationalsozialisten aufgegriffen, radikalisiert und in die Tat umgesetzt wurden. Insofern ist es durchaus berechtigt, ihn als einen Vorboten Hitlers zu bezeichnen.[54]

Der Historiker Christopher Clark kommt in seinem Werk Wilhelm II. Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers jedoch zu einem anderen Urteil. Clark plädiert dafür, die in seinen Augen veraltete Theorie des deutschen Sonderweges zu überdenken und das Deutsche Kaiserreich und seinen letzten Kaiser nicht als Vorläufer der nationalsozialistischen Diktatur zu sehen.

„Der spöttische, verunglimpfende, ja sogar verteufelnde Tonfall vieler historiographischer Kommentare zu Wilhelm zählt zu den prägnantesten und auffälligsten Merkmalen auf diesem Gebiet. Man braucht kein Fürsprecher einer Rehabilitierung zu sein, um zu spüren, dass diese Sprache ein wenig überzogen und fehl am Platze ist. Das ist so, als würde Wilhelm zur Symbolfigur für etwas gemacht, das über seine Person hinausreicht und größer ist als er selbst.“[55]

Familie[Bearbeiten]

Wilhelm heiratete 1881 Prinzessin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1858-1921). Sie hatten sieben Kinder.

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1922 die verwitwete Prinzessin Hermine von Schönaich-Carolath, geborene Prinzessin Reuß ä. L. (1887–1947) („Kaiserin“ in seiner Titulatur, amtlich „Prinzessin von Preußen“).

Der britische König Georg V. war sein Cousin 1. Grades.

Sein Bruder Prinz Albert Wilhelm Heinrich von Preußen war Großadmiral der Kaiserlichen Marine

Vorfahren[Bearbeiten]

Ahnentafel Wilhelm II. (Deutsches Reich)
Ururgroßeltern

König
Friedrich Wilhelm II. von Preußen (1744–1797)
∞ 1769
Friederike von Hessen-Darmstadt (1751–1805)

Großherzog
Karl II. von Mecklenburg-Strelitz (1741–1816)
∞ 1768
Friederike Caroline Luise von Hessen-Darmstadt (1752–1782)

Großherzog
Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757–1828)
∞ 1775
Luise von Hessen-Darmstadt (1757–1830)

Zar
Paul I. von Russland (1754–1801)
∞ 1776
Sophie Dorothee von Württemberg (1759–1828)

Herzog
Franz von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1750–1806)
∞ 1777
Gräfin Auguste Reuß zu Ebersdorf (1757–1831)

Herzog
August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772–1822)
∞ 1797
Luise Charlotte von Mecklenburg-Schwerin (1779–1801)

König
Georg III. von Großbritannien und Irland (1738–1820)
∞ 1761
Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz (1744–1818)

Herzog
Franz von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1750–1806)
∞ 1777
Gräfin Auguste Reuß zu Ebersdorf (1757–1831)

Urgroßeltern

König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770–1840)
∞ 1793
Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776–1810)

Großherzog Karl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach (1783–1853)
∞ 1804
Großfürstin Maria Pawlowna Romanowa (1786–1859)

Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha (1784–1844)
∞ 1817
Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg (1800–1831)

Edward Augustus, Duke of Kent and Strathearn (1767–1820)
∞ 1818 Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1786–1861)

Großeltern

Kaiser Wilhelm I. (1797–1888)
∞ 1829
Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach (1811–1890)

Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819–1861)
∞ 1840
Königin Victoria von Großbritannien und Irland (1819–1901)

Eltern

Kaiser Friedrich III. (1831–1888)
∞ 1858
Victoria von Großbritannien und Irland (1840–1901)

Kaiser Wilhelm II. (1859–1941)

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Wilhelm II. mit seiner Familie, 1896

Titel und Ränge[Bearbeiten]

Kaiserstandarte Wilhelms II., darauf der preußische Wahlspruch Gott mit uns

Ehrungen[Bearbeiten]

Denkmäler[Bearbeiten]

Namensgeber[Bearbeiten]

Nach Wilhelm II. wurden benannt:

Werke[Bearbeiten]

Memoiren

Historische Werke

  • Vergleichende Geschichtstabellen von 1878 bis zum Kriegsausbruch 1914, K. F. Koehler, Leipzig 1921.
  • Meine Vorfahren, Verlag für Kulturpolitik, Berlin 1929.

Kulturgeschichtliche Werke

  • Das Wesen der Kultur. Vortrag Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm II. nach einer von Leo Frobenius für Seine Majestät verfassten vorläufigen Skizze, Privatdruck, Berlin 1931.
  • Die chinesische Monade, ihre Geschichte und ihre Deutung, K. F. Koehler, Leipzig 1934.
  • Studien zur Gorgo, Walter de Gruyter, Berlin 1936. [Anlass war der Fund eines antiken Gorgo-Bildwerks auf seinem Grundstück auf Korfu]
  • Das Königtum im alten Mesopotamien, Walter de Gruyter, Berlin 1938.
  • Ursprung und Anwendung des Baldachins, A. de Lange, Amsterdam 1939.

Quellen[Bearbeiten]

Quelleneditionen

  • Holger Afflerbach (Hrsg.): Kaiser Wilhelm II. als Oberster Kriegsherr im Ersten Weltkrieg. Quellen aus der militärischen Umgebung des Kaisers 1914–1918. Verlag Oldenbourg, München 2005, ISBN 3-486-57581-3.
  • Hellmuth von Gerlach (Hrsg.): Briefe und Telegramme Wilhelms II. an Nikolaus II. (1894–1914). Meyer & Jessen, Wien 1920.
  • Walter Goetz (Hrsg.): Briefe Wilhelms II. an den Zaren 1894–1914. Ullstein, Berlin 1920.
  • Ernst Johann (Hrsg.): Reden des Kaisers. Ansprachen, Predigten und Trinksprüche. Deutscher Taschenbuch Verl., München 1966.
  • Axel Matthes (Bearb.): Reden Kaiser Wilhelms II. Rogner und Bernhard, München 1976, ISBN 3-8077-0065-X.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christopher Clark: Kaiser Wilhelm II. Longman, Harlow u.a. 2000, ISBN 0-582-24559-1. Dt. Ausgabe: Wilhelm II. Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers. Aus dem Engl. von Norbert Juraschitz und Thomas Pfeiffer. DVA, München 2008, ISBN 978-3-421-04358-0. (Rezension)
  • Virginia Cowles: Wilhelm der Kaiser. Scheffler, Frankfurt / Main 1965.
  • Benjamin Hasselhorn: Politische Theologie Wilhelms II. (Quellen und Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte Band 44), Duncker & Humblot, Berlin 2012, ISBN 978-3-428-13865-4.
  • Wolfgang König: Wilhelm II. und die Moderne. Der Kaiser und die technisch-industrielle Welt. Schöningh, Paderborn u.a. 2007, ISBN 978-3-506-75738-8.
  • Martin Kohlrausch (Hrsg.): Samt und Stahl. Kaiser Wilhelm II. im Urteil seiner Zeitgenossen. Mit Fotografien aus dem Archiv des Hauses Hohenzollern. Landtverl., Berlin 2006, ISBN 3-938844-05-1. (Mit Beiträgen von Otto von Bismarck, Hans Blüher, Rudolf Borchardt, Paul Busching, Winston Churchill, Egon Friedell, Walter Goetz, Georg Hinzpeter, Ernst Horneffer, Karl Lamprecht, Friedrich Naumann, Walther Rathenau, Jean-Paul Sartre, Reinhold Schneider, Percy Ernst Schramm, August Stein, Ludwig Thoma und Theodor Wolff.)
  • Christian Graf von Krockow: Unser Kaiser. Glanz und Untergang der Monarchie. Westermann, Braunschweig 1993, ISBN 3-07-509507-9.
  • Uta Lehnert: Der Kaiser und die Siegesallee. Réclame Royale. Reimer, Berlin 1998, ISBN 3-496-01189-0.
  • Louis Ferdinand Prinz von Preußen: Im Strom der Geschichte. 4., erw. Aufl. Langen Müller, München 1989, ISBN 3-7844-1991-7.
  • Golo Mann: Wilhelm II. Scherz, München u.a. 1964.
  • Wolfgang J. Mommsen: War der Kaiser an allem schuld? Wilhelm II. und die preußisch-deutschen Machteliten. Propyläen, Berlin 2002, ISBN 3-549-07169-8.
  • John C. G. Röhl:
    • Kaiser, Hof und Staat. Wilhelm II. und die deutsche Politik. C. H. Beck, München ³1988 (TB 2002), ISBN 978-3-406-49405-5.
    • The Kaiser and his court. Wilhelm II and the government of Germany. Cambridge University Press, Cambridge 1994.
    • Wilhelm II., C. H. Beck, München 1993–2008:
      • Band 1: Die Jugend des Kaisers, 1859–1888. München 1993, ²2001, ISBN 3-406-37668-1.
      • Young Wilhelm. The Kaiser's early life, 1859–1888. Cambridge University Press, Cambridge 1998.
      • Band 2: Der Aufbau der Persönlichen Monarchie, 1888–1900. München 2001, ISBN 3-406-48229-5.
      • Band 3: Der Weg in den Abgrund, 1900–1941. München 2008, ISBN 978-3-406-57779-6. (Rezension)
  • Stefan Samerski (Hrsg.): Wilhelm II. und die Religion. Facetten einer Persönlichkeit und ihres Umfelds. Duncker und Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-10406-4 (=Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte. Beiheft Nr.5).
  • Jürgen W. Schmidt: Ein Attentat auf Kaiser Wilhelm II. in Breslau. In: Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau Band 45/46 (2004/2005) S. 597–602.
  • Joachim Schröder: Die U-Boote des Kaisers. Die Geschichte des deutschen U-Boot-Krieges gegen Großbritannien im Ersten Weltkrieg. Bernard und Graefe, Bonn 2003, ISBN 3-7637-6235-3. (Erstmals wird hier die entscheidende Rolle des Kaisers im U-Boot-Krieg beleuchtet.)
  • Nicolaus Sombart: Wilhelm II. Sündenbock und Herr der Mitte. Volk & Welt, Berlin 1996, ISBN 3-353-01066-1. (Betrachtungen zur Person des Kaisers und dessen Umfeld aus kultursoziologischer Sicht.)
  • Eberhard Straub: Kaiser Wilhelm II. Die Erfindung des Reiches aus dem Geist der Moderne. Landt Verl., Berlin 2008, ISBN 978-3-938844-10-6.
  • Friedhild den Toom: Wilhelm II. in Doorn. Selbstverlag, Hilversum 2002. (Die nl. Autorin arbeitet für die Stichting Huis Doorn.)
  • Volker Ullrich: Als der Thron ins Wanken kam. Das Ende des Hohenzollernreiches 1890–1918. Donat Verlag, Bremen 1993, ISBN 3-924444-75-7.
  • Klaus-Gunther Wesseling: Wilhelm II. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 13, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7, Sp. 1178–1217.
  • Tyler Whittle: The Last Kaiser. A biography of William II, German Emperor and King of Prussia. Heimemann, London 1977. Dt. Ausgabe: Kaiser Wilhelm II. Biographie. Aus dem Engl. von Christoph Burgauner. List, München 1979, ISBN 3-471-79126-4.
  • Hans Wilderotter, Klaus D. Pohl (Hrsg.): Der letzte Kaiser. Wilhelm II. im Exil. Bertelsmann-Lexikon-Verl., Gütersloh 1991, ISBN 3-570-6589-8 (formal falsche ISBN).
  • Andreas Felmeden: Ein Augenzeugenbericht über die Beerdigung des früheren Kaisers und Königs Wilhelm II in Haus Doorn am 9. Juni 1941., in: Orden und Ehrenzeichen Nr. 82, Dezember 2012, Seiten 335-340, Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Ordenskunde e.V. (DGO e.V.).

Filmmaterialien[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wilhelm II. (Deutsches Reich) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Wilhelm II. (Deutsches Reich) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John C. G. Röhl: Wilhelm II. Band 1: Die Jugend des Kaisers, 1859–1888. München 1993, S. 25.
  2. Kösener Corpslisten 1930, 11, 613.
  3. Otto von Bismarck: Gedanken und Erinnerungen. Reden und Briefe. Herbig, München 1982, ISBN 3-7766-1207-X, S. 543.
  4. Wolfgang Benz: Vorurteil und Völkermord. Entwicklungslinien des Antisemitismus. Freiburg u.a. 1997, S. 255.
  5. Holger Afflerbach (Hrsg.): Kaiser Wilhelm II. als Oberster Kriegsherr im Ersten Weltkrieg. Quellen aus der militärischen Umgebung des Kaisers 1914–1918. Verlag Oldenbourg, München 2005, ISBN 3-486-57581-3, S. 57.
  6. Zu Deutsch: „[…] ich denke, das Beste wäre Gas.“ Vgl. Cornelius Pollmer & Oliver Das Gupta: „Blut muss fließen, viel Blut“ – Die bizarrsten Zitate von Kaiser Wilhelm II. In: Süddeutsche Zeitung. 27. Januar 2009
  7. Vgl. den allgegenwärtigen Matrosenanzug für Knaben.
  8. Volker Ullrich: Otto von Bismarck. Rowohlt, Reinbek 1998, ISBN 3-499-50602-5, S. 125.
  9. [Dülffer, Kröger, Wippich]: Vermiedene Kriege, 1997, S. 559
  10. Stefan Gammelien: Wilhelm II. und Schweden-Norwegen 1888-1905: Spielräume und Grenzen eines persönlichen Regiments (Fußnote 369); Berliner Wissenschafts-Verlag 2012 (978-3830531227), Dissertation (2008)
  11. Klaus Hildebrand: Deutsche Außenpolitik 1871–1918. Verlag Oldenbourg, München 1994, S. 35; und Friedrich Kracke: Prinz und Kaiser. Wilhelm II. Im Urteil seiner Zeit. Verlag Olzog, München 1960, S. 202.
  12. Martin Kohlrausch: Der Monarch im Skandal. Die Logik der Massenmedien und die Transformation der wilhelminischen Monarchie. Akademie-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-05-004020-3, S. 158ff.
  13. Thomas Hartmut Benner: Die Strahlen der Krone. Die religiöse Dimension des Kaisertums unter Wilhelm II. vor dem Hintergrund der Orientreise 1898. Tectum Verlag, Marburg 2001, ISBN 3-8288-8227-7, S. 94; vgl. auch Martin Kohlrausch: Der Mann mit dem Adlerhelm. Wilhelm II. Medienstar um 1900. In: Gerhard Paul (Hrsg.): Das Jahrhundert der Bilder. 1900 bis 1949. Göttingen 2009, ISBN 978-3-89331-949-7, S. 68–75.
  14. William Jannen, Jr: The Austro-Hungarian Decision For War in July 1914. In: Samuel R. Williamson, Jr, Peter Pastor (Hrsg.): Essays On World War I: Origins and Prisoners of War. New York 1983, S. 55–81, hier: S. 73; und Fritz Fischer: Weltpolitik, Weltmachtstreben und deutsche Kriegsziele. In: Historische Zeitschrift 199 (1964), S. 265–346; hier S. 271.
  15. Imanuel Geiss (Hrsg.): Julikrise und Kriegsausbruch. Eine Dokumentensammlung. Hannover 1963, Band 1: S. 128 (Nr.50); und Ludwig Bittner, Hans Uebersberger (Hrsg.): Österreich-Ungarns Außenpolitik von der bosnischen Krise 1908 bis zum Kriegsausbruch 1914. Diplomatische Aktenstücke des österreichisch-ungarischen Ministeriums des Äußeren. Wien/Leipzig 1930, Band 8: S. 370f. (Nr.10145).
  16. Martin Kitchen: The Silent Dictatorship. The politics of the German High Command under Hindenburg and Ludendorff, 1916–1918. Verlag Croom Helm, London 1976, ISBN 0-85664-301-7, S. 272f.
  17. André Scherer, Jacques Grunewald: L’Allemagne et les problèmes de la paix pendant la première guerre mondiale. Documents extraits des archives de l'Office allemand des Affaires étrangères. 4 Bände (deutsche Originaldokumente), Paris 1962/1978, ISBN 2-85944-010-0, Band 2, S. 194f. (Nr. 115); und Oleh S. Fedyshyn: Germany’s Drive to the East and the Ukrainian Revolution 1917–1918. New Brunswick/New Jersey 1971, S. 52f. Und Frank G. Weber: Eagles on the Crescent. Germany, Austria, and the Diplomacy of the Turkish Alliance 1914–1918. Ithaca/London 1970, S. 221.
  18. André Scherer, Jacques Grunewald: L’Allemagne et les problèmes de la paix pendant la première guerre mondiale. Documents extraits des archives de l'Office allemand des Affaires étrangères. 4 Bände (deutsche Originaldokumente), Paris 1962/1978, ISBN 2-85944-010-0, Band 2, S. 452f. (Nr. 266); und Ingeborg Meckling: Die Außenpolitik des Grafen Czernin. Wien 1969, S. 103f.
  19. Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. Düsseldorf 1964, S. 674; und Gerhard Ritter: Staatskunst und Kriegshandwerk. Das Problem des „Militarismus“ in Deutschland. Band 4: Die Herrschaft des deutschen Militarismus und die Katastrophe von 1918. München 1968, ISBN 3-486-47041-8, S. 359.
  20. Winfried Baumgart: Deutsche Ostpolitik 1918. Von Brest-Litowsk bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Wien/München 1966, S. 68.
  21. a b Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18. Düsseldorf 1964, S. 568.
  22. Georg von Hertling: Ein Jahr in der Reichskanzlei, Erinnerungen an die Kanzlerschaft meines Vaters (1919), Seite 176
  23. siehe auch Michael Kotulla, Deutsches Verfassungsrecht 1806 - 1918, Eine Dokumentensammlung nebst Einführungen, 1. Band, Springer 2006, S. 308.
  24. Manfred Rauh: Die Parlamentarisierung des Deutschen Reiches. Droste, Düsseldorf 1977, S. 465–467.
  25. Siehe Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Deutscher Adel und Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 2004, S. 235f.
  26. Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866–1918. Bd. 2: Machtstaat vor der Demokratie. 2. Auflage. Beck: München 1993, S. 873/874.
  27. Joachim von Kürenberg: War alles falsch? Athenäum Verlag, Bonn, 1951, S. 381f.
  28. Als (Stand 2010) noch immer gründlichste Rekonstruktion der Abläufe und Positionen gilt Westarp, Kuno Graf von (Hrsg.: Werner Conze), Das Ende der Monarchie am 9. November 1918. Abschließender Bericht nach den Aussagen der Beteiligten, Stollhamm-Berlin 1952.
  29. Siehe dazu Schreyer, Hermann, Monarchismus und monarchistische Restaurationsbestrebungen in der Weimarer Republik, in: Jahrbuch für Geschichte, Bd. 29 (Studien zur Politik und Ideologie im Imperialismus), Berlin 1984, S. 291-320.
  30. Malinowski, König, S. 249.
  31. Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Deutscher Adel und Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 2004, S. 247.
  32. Rudolf Weber-Fas: Epochen deutscher Staatlichkeit. Vom Reich der Franken bis zur Bundesrepublik. Stuttgart 2006, S. 163.
  33. Deutsches Historisches Museum: Chronik 1920, abgefragt am 22. Januar 2012
  34. Zitiert nach Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Deutscher Adel und Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 2004, S. 246.
  35. Siehe Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Deutscher Adel und Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 2004, S. 249.
  36. Zitiert nach Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Deutscher Adel und Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 2004, S. 245.
  37. Zitiert nach Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Deutscher Adel und Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 2004, S. 244.
  38. Wilhelm II. Traum vom Thron Der Spiegel 37 (1968); sowie Harald von Koenigswald (Hrsg.): Der Kaiser in Holland. Aufzeichnungen des letzten Flügeladjutanten Kaiser Wilhelms II, Sigurd von Ilsemann. Band 2: Monarchie und Nationalsozialismus 1924–1941. Verlag Biederstein, München 1968, S. 230; Wilhelm II. und der Nationalsozialismus
  39. http://www.zdf.de/die-deutschen/gott-mit-uns-5248346.html
  40. Christoph Driessen: Geschichte der Niederlande, Von der Seemacht zum Trendland, Regensburg 2009, S.177
  41. Knut Wissenbach: Aus den Manuskripten des Hofpredigers Friedrich August Henn
  42. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1962, S. 494.
  43. Wilhelm Treue (Hrsg.): Drei deutsche Kaiser. Wilhelm I., Friedrich III., Wilhelm II. Ihr Leben und ihre Zeit, 1858–1918. Ploetz, Freiburg 1987, ISBN 3-87640-192-5, S. 173.
  44. Wilhelm Schüssler: Kaiser Wilhelm II. Schicksal und Schuld. Musterschmidt, Göttingen 1970, S. 130f.
  45. Friedrich Hartau: Wilhelm II. rororo, 9. Auflage. 2007, ISBN 978-3-499-50264-4, S. 130.
  46. Friedrich Hartau: Wilhelm II. rororo, 9. Auflage, 2007, ISBN 978-3-499-50264-4, S. 42.
  47. John C. G. Röhl: Kaiser, Hof und Staat. Wilhelm II. und die deutsche Politik. Verlag Beck, München 2002, ISBN 3-406-49405-6, S. 32f.
  48. Robert K. Massie: Die Schalen des Zorns. Großbritannien, Deutschland und das Heraufziehen des Ersten Weltkriegs. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-596-13497-8, S. 134.
  49. Volker Ullrich: Die nervöse Großmacht. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs 1871–1918. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-11694-5, S. 144.
  50. Martin Kohlrausch: Der Monarch im Skandal. Die Logik der Massenmedien und die Transformation der wilhelminischen Monarchie. Akademie-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-05-004020-3, S. 19.
  51. Abbildung bei: Uta Lehnert: Der Kaiser und die Siegesallee. Réclame Royale. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-496-01189-0, S. 101.
  52. Er wurde insgesamt dreimal für den Friedensnobelpreis nominiert. (The Nomination Database for the Nobel Peace Prize, 1901–1956)
  53. „the most brilliant failure in history“; zitiert nach:Richard F. Hamilton, Holger H. Herwig: Decisions for War, 1914-1917. Cambridge University Press, 2004. S. 72
  54. Volker Ullrich: Er ist durch und durch falsch. Rezension des dritten und letzten Bandes von John C. G. Röhls Biografie des Kaisers. In: Die Zeit, Hamburg, Nr. 41, 1. Oktober 2008.
  55. Christopher Clark: Wilhelm II. Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers. München 2008, S. 334.
Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich III. Deutscher Kaiser
König von Preußen

1888–1918
Monarchie abgeschafft
Novemberrevolution
Friedrich III.
als Deutscher Kaiser
Deutsches Staatsoberhaupt
als Deutscher Kaiser

1888–1918
Friedrich Ebert
als Reichspräsident
Friedrich III. Oberhaupt des Hauses Hohenzollern
1888–1941
Wilhelm von Preußen