Selbstkonzept

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Das Selbstkonzept umfasst die Wahrnehmung und das Wissen um die eigene Person. Dazu gehört das Wissen über persönliche Eigenschaften, Fähigkeiten, Vorlieben, Gefühle und Verhalten.

George Herbert Mead hat in Anlehnung an William James eine Einteilung des Selbsts in (engl.) I und Me vorgenommen. I ist the knower – der wissende, handelnde, aktive Teil des Selbst. Me ist the known – das Gewusste, das Fundament der Persönlichkeit. Das Selbstkonzept stellt dabei den dispositionalen, also zeitlich überdauernden Teil des Me dar.

In der aktuellen pädagogisch-psychologischen Forschung sind Herbert Marsh und Richard J. Shavelson wichtige Vertreter der Selbstkonzept-Forschung. Sie haben wesentlich an der Erforschung schulischer Selbstkonzepte gearbeitet, worunter man Personenmerkmale versteht, die Lernen und schulisches Wahlverhalten beeinflussen (vgl. Köller, Trautwein, Lüdtke & Baumert, 2006).

Entstehung und sozialer Einfluss[Bearbeiten]

Bei der Entstehung des Selbstkonzepts interagieren genetische (dispositionale) und umweltbedingte, soziale Faktoren miteinander. Zu den vererbten Faktoren gehören Temperament, gewisse Persönlichkeitsdispositionen usw. (der Anteil des genetischen Einflusses ist in der Forschung umstritten).

Zu den sozialen Faktoren, die bestimmend für das Selbstkonzept sind, gehören u. a. folgende:

  • Soziale Identität: Die soziale Identität ist dadurch gekennzeichnet, dass man sich bestimmten sozialen Gruppen zugehörig fühlt, beispielsweise der Gruppe ,Deutsche‘, ,Studenten‘, ,Vegetarier‘ usw. Insbesondere wenn die Gruppe eine Minderheit darstellt, sind sich Personen ihrer sozialen Identität stärker bewusst.
  • Soziale Rolle: Die Rollen, die Menschen im täglichen Leben mehr oder weniger freiwillig übernehmen, bestimmen auch deren Selbstbild. An bestimmte Rollen sind bestimmte soziale Anforderungen geknüpft, nach denen man sich meistens unbewusst verhält und sich so der Rolle anpasst. Z. B. verhalten sich Lehrer gegenüber ihren Schülern anders als gegenüber dem Ehepartner. Oder wenn Personen Kinder bekommen und nun die Elternrolle übernehmen, ändern sich oft ihre Verhaltensweisen hin zu einer stärkeren „Vorbildfunktion“.
Ein berühmtes Experiment, das die Übernahme rollenspezifischen Verhaltens auch entgegen der ursprünglichen Einstellung zeigte, ist das Stanford-Prison-Experiment von Philip Zimbardo. Versuchspersonen sollten zwei Wochen in einem improvisierten „Gefängnis“ (im Institutskeller) verbringen und waren zufällig entweder der Wärter- oder der Gefangenenrolle zugewiesen worden. Obwohl die Personen vor dem Experiment meinten, sie würden nur in geringem Ausmaß auf diese Rollenverteilung Rücksicht nehmen und niemals Gewalt oder andere harte Maßnahmen einsetzen, identifizierten sich beide Gruppen dermaßen stark mit ihren Rollen, dass die Situation eskalierte und das Experiment abgebrochen wurde.
  • Sozialer Vergleich: Nach der Theorie des sozialen Vergleichs von Leon Festinger beurteilt man seine eigenen Fähigkeiten und Eigenschaften, falls keine objektiven Maßstäbe vorhanden sind, durch den Vergleich mit anderen. So fand man z. B. heraus, dass Schüler, in deren Klasse nur wenig gute Mitschüler waren, ihre Leistung als besser einschätzten als Schüler mit vielen guten anderen in ihrer Klasse. Der soziale Vergleich wirkt auf das akademische Selbstkonzept (siehe hierzu auch: Big-Fish-Little-Pond-Effekt.)
  • Erfolge und Misserfolge: Die Konsequenzen des Verhaltens von Personen und ihre Äußerungen beeinflussen ebenfalls die Bildung ihres Selbstbildes. Erfährt man viele Misserfolge, schätzt man die eigenen Fähigkeiten eher als gering und weniger wertvoll ein.
  • Kultur: Kollektivistische Kulturen (v. a. im asiatischen Bereich) legen mehr Wert auf Gruppenzugehörigkeit, auf die Meinung und die Ansichten anderer und das Wohl der Gemeinschaft. Hier entsteht ein eher interdependentes Selbstkonzept. Dieses schließt andere Personen und Gruppen in das eigene Selbstkonzept mit ein. Sagt sich z. B. eine Gruppe, der sich eine Person zugehörig fühlt, von dieser los, so geht auch ein wichtiger Bestandteil des Selbstkonzeptes der Person verloren.
Individualistische Kulturen legen mehr Wert auf Leistung und Persönlichkeitsmerkmale des Einzelnen. Hier entsteht ein eher independentes Selbstkonzept. Dieses umfasst kaum andere Personen und gründet sich mehr auf eigenen Persönlichkeitseigenschaften, Einstellungen und Fertigkeiten.

Interaktion mit der sozialen Umwelt[Bearbeiten]

Ein Selbstkonzept interagiert durch seine Äußerung, seine Erscheinung in der jeweiligen Person mit der sozialen Umwelt. Dafür seien einige Phänomene als Beispiel angeführt: der Spotlight-Effekt, der Self-Reference-Effekt.

Gefühle vorhersagen[Bearbeiten]

Die Fähigkeit von Personen, ihre eigenen Gefühle in bestimmen Situationen vorherzusagen, schwankt stark zwischen Menschen und Situationen. Einige Beispiele für Fehlvorhersagen der eigenen Gefühle seien im Folgenden dargestellt:

  • In einer Untersuchung befragte man Frauen, wie sie sich fühlen würden, wenn sie bei einem Bewerbungsgespräch sexuell belästigt würden. Die Frauen gaben an, sie wären wütend und würden sich dagegen wehren. Als man sie anschließend jedoch einer solchen Situation aussetzte, fühlten die meisten Frauen Angst und Bedrohung statt Zorn.
  • Vor einem HIV-Test wurden Personen befragt, wie sie sich nach dem Ergebnis fühlen würden. Tatsächlich fühlten sich Personen mit einem positiven (also die Person als HIV-infiziert identifizierenden) Testergebnis eine Woche danach weniger elend und Personen mit einem negativen Ergebnis weniger glücklich, als sie es vorhergesagt hatten.
  • Mehrere Untersuchungen zeigten, dass Personen ihre positiven bzw. negativen Emotionen nach Lebensereignissen wie einem Lottogewinn oder einer schweren Krankheit überschätzen.

Verhalten vorhersagen[Bearbeiten]

Auch die Fähigkeit von Personen, das eigene Verhalten in bestimmten Situationen vorherzusagen, schwankt stark.

  • Man befragte Personen, ob sie einem Unfall- oder Überfallopfer helfen würden. Der Großteil gab an, in einer solchen Situation Hilfe zu leisten. Als man diese Personen jedoch nachher einer solchen Situation scheinbar zufällig aussetzte, half nur ein kleiner Teil von ihnen.
  • Personen wurden vor einem Experiment, in dem sie einer anderen Person für falsche Antworten auf Wissensfragen Elektroschocks geben sollten, befragt, welche Schockstärke sie maximal verabreichen würden. Als die Personen das Schockexperiment später durchführten, verabreichte die Mehrheit jedoch deutlich stärkere Schocks, als sie vorher angegeben hatte (siehe Milgram-Experiment).

Verhalten erklären[Bearbeiten]

Menschen versuchen oft, ihr Verhalten hinterher „schönzureden“. Nach der Dissonanztheorie von Leon Festinger versuchen Menschen, ihre kognitive Dissonanz zwischen persönlichen Überzeugungen, Einstellungen und Normen und ihrem Verhalten zu reduzieren. Dafür gibt es verschiedene Wege, z. B. Rationalisierung („Ich rauche eigentlich nur, um meinen niedrigen Blutdruck zu erhöhen!“), sozialer Vergleich („Andere rauchen doch viel mehr als ich!“), Herabsetzen von anderen Optionen („Meine Kaufentscheidung ist die beste – die anderen Autos waren doch total hässlich und viel zu teuer!“).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Annemarie Laskowski (2000): Was den Menschen antreibt, Entstehung und Beeinflussung des Selbstkonzepts'', Campus, ISBN 3-593-36478-6
  • Bettina Hannover (2002): Das dynamische Selbst. Die Kontextabhängigkeit selbstbezogenen Wissens, Bern: Huber, ISBN 3456827989
  • Ghin, M. (2005): What a Self Could Be. In: Psyche, (11)5, 1-10.
  • Helga Schachinger, Das Selbst, die Selbsterkenntnis und das Gefühl für den eigenen Wert. 2005, ISBN 3-456-84188-4
  • Hans D. Mummendey (1995): Kapitel 4: Selbst, Selbstkonzept und Selbstkonzeptforschung in Psychologie der Selbstdarstellung, Göttingen: Hogrefe-Verlag ISBN 3-8017-0709-1
  • Köller, O., Trautwein, U., Lüdtke O. & Baumert, J. (2006). Zum Zusammenspiel von schulischer Leistung, Selbstkonzept und Interesse in der gymnasialen Oberstufe. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 20, 27-39.