Siedlung am Perlacher Forst

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Siedlung am Perlacher Forst im Jahr 2012

Die Siedlung am Perlacher Forst, auch „Amerikanersiedlung“ oder kurz „Ami-Siedlung“ genannt, ist eine Siedlung in München. Die typisch amerikanische Siedlung entstand ab 1953 auf einer eigens dafür abgeholzten Waldfläche des Perlacher Forstes um den Wohnraumbedarf der amerikanischen Besatzungssoldaten zu decken. Das Staatliche Bauamt München beschreibt die Siedlung aufgrund der parkähnlichen Gestaltung und der Integration von Wohn- und Nutzbauten mit dem ursprünglichen Baumbestand des Forstes als „außergewöhnliches städtebauliches Bild“. Nach dem Abzug der Amerikaner hat die (heutige) Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) das gesamte Areal übernommen und teilweise an private Eigentümer verkauft. So sind heute einige Mehrfamilienhäuser über Wohnungsbauträger saniert und als Eigentumswohnungen verkauft worden. Der Abverkauf der Ein- und Doppelhäuser, insbesondere an Familien, wird stetig weiter verfolgt.

Lage[Bearbeiten]

Die Siedlung am Perlacher Forst liegt im Münchner Stadtteil Fasangarten im Süden des Stadtbezirks 17 Obergiesing-Fasangarten am südlichen Stadtrand von München und wird von der Fasangartenstraße, der Lincolnstraße, der Bahnstrecke München Ost–Deisenhofen und der Bundesautobahn 995 begrenzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits im 18. und 19. Jahrhundert erstreckte sich südlich von München der Perlacher Forst mit zahlreichen Ausflugszielen, wie das Schloss Harlaching, Gutshof Menterschwaige und das Forsthaus Fasangarten. Dieses verdankte seinen Namen der angrenzenden Fasanenzucht und war später namensgebend für das nahe Umfeld (Fasangarten).

1953 ließ die Bundesrepublik Deutschland rund einen Quadratkilometer Wald abholzen um für die, in der Mc Graw Kaserne stationierten, Mitglieder der US-Army ausreichend Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig wurden die besetzten und mit Stacheldraht umzäunten Häuser in Harlaching aufgegeben.

Es entstand eine typische amerikanische Siedlung mit breiten Straßen und typischer Bebauung, wie sie in der gesamten Bundesrepublik an nahezu allen Standorten der US-Army errichtet wurden, wie zum Beispiel in Stuttgart oder Garmisch. Auch im Norden von München, in der Mortonstraße gibt es baugleiche Häuser, aber in einer viel kleineren Dimension. 2007 und 2008 wurden die ursprünglich sehr breiten Straßen, die der Siedlung den amerikanischen Charakter verliehen, verschmälert und dem Münchner Standard angepasst. Die eigentlich gewünschte, entschleunigende Wirkung konnte durch die Baumaßnahme nicht erreicht werden. Insbesondere durch Parkbuchten und hindernisfreie, gerade Straßenführung entsteht beim Autofahrer nicht der Eindruck der im gesamten Siedlungsbereich geltenden 30er-Zone.

Besondere Bedeutung[Bearbeiten]

Das Staatliche Bauamt München 1 beschreibt den Charakter der Siedlung wie folgt: "Locker und in Zeilenbauweise sind Wohngebäude in parkartige Grünflächen und Restbestände des Perlacher Forstes eingefügt. Die weitläufigen offenen Freiflächen sollen ein gesundes Wohnen im Grünen, hohe Erholung und Aufenthaltsqualität für alle Altersstufen gewähren." Dieses Bild wird insbesondere durch den großen Abstand von hohen Gebäuden zur Straße verstärkt, während niedrigere Gebäude näher am Straßenrand stehen. Eine direkte Bebauung des Straßenrandes ist in der gesamten Siedlung nirgends gegeben, was für München einen weiteren Alleinstellungs-Charakter aufweist. In vielen öffentlichen Veranstaltungen wurde der besondere Wert der Siedlung für München und insbesondere der einmalige parkähnliche Charakter hervorgehoben. Dem gegenüber steht das Interesse der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Restflächen möglichst gewinnbringend zu verwerten. Vor Allem Pläne über die Nachverdichtung der Siedlung und Erweiterung des Gewerbeanteils stoßen immer wieder auf heftige Proteste der Bürger.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Insbesondere das große Schulzentrum mit Grund-, Haupt- und Berufsschule in der Cincinnatistraße kann als profilbildend für die heutige Siedlung bezeichnet werden. Das ehemalige Krankenhaus beherbergt inzwischen das Bundespatentgericht und eine Außenstelle des Deutschen Patent- und Markenamtes. Ein HIT-Markt mit angesiedeltem Kleingewerbe deckt heute nicht nur den Bedarf der in der Siedlung lebenden Menschen, sondern auch angrenzende Wohnsiedlungen. Durch die angespannte Wirtschaftslage des Einzelhandels in der TELA (Tegernseer Landstraße) und dem nahe gelegenen Isarzentrum wird der geplante Ausbau des Nahversorgers mit Sorge von den lokalen Anbietern verfolgt, insbesondere da damit nationale und globale Ketten mit Franchaisekonzepten die Existenz von alteingesessenen Unternehmern bedrohen. Ein Ärztezentrum mit Apotheke und Poststelle decken alle lokalen Bedürfnisse ab. Die Siedlung am Perlacher Forst ist durch die nahen Bundesautobahnen A995 und A8, sowie den nahen Mittleren Ring/McGraw-Graben sehr gut für den Individualverkehr angebunden. Durch fehlende entschleunigende Maßnahmen müssen Fahrradfahrer oftmals aus Sicherheitsgründen auf den Gehsteig ausweichen, da PKWs, Busse und LKWs nicht die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 30 km/h einhalten. Die S-Bahn-Station „Fasangarten“ und öffentliche Buslinien vervollständigen den Bedarf an öffentlichem Nahverkehr für die Erschließung der Siedlung.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch das große Schulzentrum dienen verschiedene Straßen Kindern ab dem Grundschulalter als Schulweg. Zum Schutz der Kinder wurde die Marklandstraße zunächst gesperrt und dann Anfang der 90er Jahre auf der Zufahrtsseite Fasangartenstraße wieder geöffnet. Auf Druck lokaler Lobbyisten wurde die Straße für den Verkehr geöffnet, um den Zuweg zum Supermarkt (Marklandstraße/Cincinnatistraße) um ca. 400m zu verkürzen. Seitdem nutzen viele Fahrradfahrer die vorhandenen Gehsteige um dem Verkehr auszuweichen. Der Versuch die Marklandstraße wieder zu sperren ist 2011 gescheitert. Insgesamt ist die Verkehrsbelastung in den letzten Jahren durch die Ausweitung der Nach-Nutzung von ehemaligen US-Anlagen gestiegen, aber im Vergleich mit anderen Bezirken sicherlich im unteren Bereich. Lediglich die Geschwindigkeit der Fahrzeuge bildet regelmäßig bei Bezirksversammlungen Grund für Diskussionen. Die Amerikaner nutzten die Cincinnati- und die Minnewittstraße zur Erschließung des gesamten Areals. Alle anderen Straßen wurden nur für die Versorgung der angrenzenden Wohnhäuser verwendet. Leider hat die Stadt München dieses Verkehrskonzept nicht übernommen, auch wenn die gesamte Bebauung der Siedlung auf dieses ursprüngliche Verkehrskonzept ausgelegt war.

Geplante städtebauliche Entwicklung[Bearbeiten]

Das Schulzentrum in der Siedlung am Perlacher Forst soll erweitert werden. Die Europäische Schule München plant einen Erweiterungsbau. In diesem Zusammenhang sollen zunächst 1.300 Schüler und weitere Kinder in einer neuen Kindertagesstätte untergebracht werden. Die Zahl der neuen Schüler soll im Zuge weiterer Ausbaumaßnahmen auf insgesamt 1.800 ansteigen. Um den Charakter der Siedlung zu erhalten, wurde ein Wettbewerb für Architekturbüros ausgeschrieben, bei dem auch der Neubau des Nahversorgers und der Neubau weiterer Wohneinheiten konzipiert werden sollte. Der Wettbewerb ist abgeschlossen, die Baumaßnahmen sollen bis 2015 abgeschlossen sein.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]