Stadtarchiv München

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Stadtarchiv München, Westtrakt

Das Stadtarchiv München (StdA München) ist das Archiv für das anfallende Material aus allen städtischen Ämtern, Betrieben und Gesellschaften Münchens; darüber hinaus werden auch Privatbestände archiviert. Das Stadtarchiv steht im Stadtteil Schwabing-West. Der ältere Teil des Bauwerkes diente früher als städtisches Wehramt.

Geschichte[Bearbeiten]

Seit dem Mittelalter werden in München Unterlagen aus dem Stadtleben archiviert. In der Regel war für diese Aufgabe der Stadtkämmerer zuständig. Im Jahr 1771 wurde ein hauptamtlich zuständiger Archivar bestellt, dem ab 1845 oblag, über die an jedem Tag wichtigen Ereignisse Buch zu führen. Seit 1893 besteht ein eigenes städtisches Amt. Es befand sich zunächst in einem von Hans Grässel umgestalteten Gebäude am Marienplatz; 1920 zog es an seinen jetzigen Standort.[1]

Gebäude und Lage[Bearbeiten]

Stadtarchiv München, Osttrakt mit Säule von Anne und Patrick Poirier

Das Stadtarchiv befindet sich im ehemaligen städtischen Wehramt; das Gebäude wurde 1912–1914 errichtet, ebenfalls von Hans Grässel; es steht unter Denkmalschutz.[2] Ein großer Erweiterungsbau nach Plänen von Hans-Busso von Busse wurde 1990 errichtet.[3] Heute belegt das Stadtarchiv den gesamten Block zwischen Winzerer-, Elisabeth-, Schleißheimer und Hohenzollernstraße.

Das goldene Medaillon über dem Eingang an der Schleißheimerstraße und die silberne Säule davor sind Teil des Ensembles Oculus historiae, oculus memoriae, oculus oblivionis von Anne und Patrick Poirier.

Bestände[Bearbeiten]

Viele die Stadt München betreffende Dokumente finden sich im Staatsarchiv München; das liegt an den in früheren Zeiten unterschiedlich verteilten Kompetenzen von Stadt und Staat, etwa im Bereich Polizei. Die meisten Dokumente im Stadtarchiv entstammen naturgemäß dem 19. und 20. Jahrhundert, der Zeit nach Einsetzen des stärksten Wachstums Münchens.

Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 1265. Aus der Zeit vor 1500 besitzt das Stadtarchiv 2381 Urkunden, aus den folgenden drei Jahrhunderten weitere 6922. Große Teile dieser Dokumente sind Ratsprotokolle, Steuerbücher und Kammerrechnungen.

Die Bestände des Stadtarchivs umfasst die folgenden Teile: Im Bestand Bürgermeister und Rat finden sich Dokumente aus der obersten Stadtverwaltung zu allen kommunalen Aufgabenbereichen. Der Bestand Gewerbeamt enthält Unterlagen aus dem Bereich Wirtschaft und Gewerbe, unter anderem auch das Archiv der Spaten-Brauerei. Im Bestand Lokalbaukommission ist baugeschichtliches Material gesammelt, unter anderem Baugenehmigungsakten und Baupläne privater Gebäude; städtische Bauten betreffendes enthält der Bestand Bauamt. Dokumente zu städtischen und privaten Schulen finden sich im Bestand Schulamt, solche zur städtischen Kulturpolitik und -entwicklung im Bestand Kulturamt - unter anderem Akten des Stadtmuseums und der Münchner Philharmoniker. Zu diesen Beständen kommen Meldeunterlagen ab dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, die bis 1818 zurückreichende Münchner Stadtchronik, zahlreiche Nachlässe und eine Fotosammlung, die auch von Karl Valentin zusammengetragenes enthält.

Seit September 2009 lagert das Stadtarchiv alle Münchner Geburts-, Heirats-, und Sterbeurkunden, für die die gesetzliche Aufbewahrungsfrist nach dem Personenstandsrechtsreformgesetz abgelaufen ist; vorher war dafür allein das Standesamt zuständig.[4]

Besonderheiten[Bearbeiten]

Die Stadt München hat aus dem Nachlass von Schalom Ben-Chorin die gesamte Einrichtung des Arbeitszimmers des 1999 verstorbenen Religionsphilosophen erhalten; Möbel, Bücher und die übrigen Gegenstände wurden von Jerusalem nach München gebracht und das Arbeitszimmer 2009 im Stadtarchiv mit der Originaleinrichtung rekonstruiert.[5] Den literarischen Nachlass, d. h. etwa Manuskripte und Briefe, erhielt das Literaturarchiv Marbach.

Leiter[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stadtarchiv München (Hrsg.): Archive in München, Verlag des Historischen Vereins von Oberbayern, München 1996

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard J. Bellinger und Brigitte Regler-Bellinger: Schwabings Ainmillerstraße und ihre bedeutendsten Anwohner. BoD, Norderstedt 2003, ISBN 9783833007477, S.83
  2. Stadtarchiv München. Bayerische Architektenkammer, abgerufen am 4. April 2009
  3. Stadtarchiv München. In: archINFORM. Abgerufen am 4. April 2009
  4. K. Oessoinig: Wie in Jerusalem. Spannende Entdeckungen beim Tag der Archive in München. In: Schwabinger Seiten, Jahrgang 30, Nr. 9 vom 3. März 2010, S. 1
  5. Arbeitszimmer und Bibliothek von Schalom Ben-Chorin (München 1913 – Jerusalem 1999). Landeshauptstadt München, abgerufen am 6. März 2010

48.16055555555611.561944444444Koordinaten: 48° 9′ 38″ N, 11° 33′ 43″ O