Siegfried Kalischer

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Von links nach rechts: Siegfried Kalischer, Edward Flatau, Louis Jacobsohn-Lask, Bernhard Pollack; Berlin, um 1900

Siegfried Kalischer (ps. Leitfried[1], * 7. Mai 1862 in Thorn; † 31. März 1954 in Kopenhagen)[2] war ein deutscher Neurologe. Er beschrieb 1897 die klinischen Zeichen des Sturge-Weber-Syndroms[3], das auch als Sturge-Kalischer-Weber-Syndrom bekannt ist.[4]

Siegfried Kalischer wurde als Sohn von Jacob Loebel Kalischer (?1833–1913) 1862 in Thorn geboren. Ihr Großvater Loebel Kalischer (* 1799 in Lyssa, † 1891 in Berlin) kam aus Thorn nach Berlin und war der Bruder des Zwi Hirsch Kalischer (1795–1874). Er hatte zwei Brüder, Albert (1867–1913) und Leopold (1858–?), sowie mindestens vier Schwestern. Sein Cousin Otto Kalischer (* 1873, † nach 1938) war auch Nervenarzt.[5].

Er studierte Medizin an der Universität Würzburg und an der Universität Berlin und promovierte 1885. Von 1886 bis 1890 war er Assistent an der Nervenklinik Berlin-Pankow bei Emanuel Mendel. Danach arbeitete er ein Jahr als Schiffsarzt in Ost- und Westindien.[6]

Er führte seit 1891 eine Privatpraxis und war ab 1898 Leitender Arzt im Kurhaus Hubertus in Berlin-Schlachtensee. Seine bekannteste Patientin war Martha Fontane[7]. Er war Mitglied der Berliner Medicinischen Gesellschaft[8], der Berliner Gesellschaft für Psychiatrie und Neurologie und des Psychiatrischen Vereins zu Berlin. 1912 wurde er Sanitätsrat[9]. Er war Mitarbeiter von Max Lewandowsky.

Nach 1937 fehlt sein Name in Berliner Adressbuch. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.[7]

Er hatte mindestens eine Tochter, Ärztin Irmgard Kalischer (* 1898, †?)[10]. Sie heiratete Georg Rohde (1899–1960).

Schriften[Bearbeiten]

  • Zur Frage über den Einfluss der erblichen Belastung auf Entwicklung, Verlauf und Prognose der Geistesstörungen. Berlin: Jacoby, 1885
  • Ein Fall von subacuter nuclearer Ophthalmoplegie und Extremitätenlähmung mit Obductionsbefund. (Polio-Mesencephalo-Myelitis subacuta). Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde 6, 3-4, S. 252-312 (1895) doi:10.1007/BF01673516
  • Ein Fall von (Influenza-) Psychose im frühesten Kindesalter. Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten 29, 1, S. 231-248 (1896) doi:10.1007/BF02961679
  • Ueber angeborene Muskeldefecte. Neurologisches Centralblatt (1896)
  • Zur Casuistik der asthenischen (Bulbär-) Paralyse oder Myasthenia pseudoparalytica. Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde 10, 3-4, S. 321-334 (1897) doi:10.1007/BF01668175
  • Demonstration des Gehirns eines Kindes mit Teleangiektasie der linksseitigen Gesichts-Kopfhaut und Hirnoberflache. Berliner klinische Wochenschrift 34, S. 1059–1067 (1897)
  • Was können wir für den Unterricht und die Erziehung unserer schwachbegabten und schwachsinnigen Kinder thun? Berlin, Oehmigke 1897
  • Ein Fall von Teleangiectasie (Angiom) des Gesichts und der weichen Hirnhaut. Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten 34, 1, S. 171-180 (1901) doi:10.1007/BF01960295
  • Clinical Notes of a New Bromine Preparation. Clinical Excerpts 15, S. 85-87 (1909) link
  • Über die Grenzen der Psychotherapie. Jahresbericht über die Leistungen und Fortschritte auf dem Gebiete der Neurologie und Psychiatrie 20, S. 71-76 (1916)
  • Angioma cerebri. Deutsche Medizinische Wochenschrift 48
  • Ein neues Krankheitsbild (Radio-Manie). Radio-Umschau S. 326 (1925)
  • Die Beziehungen der Tetanie zur Epilepsie. Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten 78, 1, S. 168-182 (1926) doi:10.1007/BF01996617
  • Über die Neuralgie des N. phrenicus. Neuralgia phrenica oder diaphragmatica Klinische Wochenschrift 7, 7, S. 314-315 (1928) doi:10.1007/BF01850039
  • Über ein Myelom des Schädeldaches und die Beziehungen der Myelome zu den Nervensystem. Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie 117, S. 424 (1928)
  • Über Myelome. [in:] Księga jubileuszowa Edwarda Flataua. Gebethner i Wolff, Warszawa 1929 S. 232-242
  • Encephalitis Lethargica und Arteriosklerose. Klinische Wochenschrift 8, 17, S. 790-791 (1929) doi:10.1007/BF01737700

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Salomon Wininger: Grosse jüdische Nationalbiographie: Mit mehr als 8000 Lebensbeschreibungen namhafter jüdischer Männer und Frauen aller Zeiten und Länder V. 3 Druck „Orient“, 1936 S. 379
  2. Hubertus Averbeck: Von der Kaltwasserkur bis zur physikalischen Therapie: Betrachtungen zu Personen und zur Zeit der wichtigsten Entwicklungen im 19. Jahrhundert. Europäischer Hochschulverlag, Bremen 2012 ISBN 978-3867417822, S. 79, Anm. 145.
  3. Kalischer S.: Demonstration des Gehirns eines Kindes mit Teleangiektasie der linksseitigen Gesichts-Kopfhaut und Hirnoberflache. Berl Klin Wochenschr 34 (1897), 1059–1067
  4. Noel H. M. Burke. Sturge-Kalischer-Weber Syndrome. Br Med J. 1948 2(4575): 531. PMCID PMC2091531
  5. Kalisch P. Zur Geschichte der familie Kremnitzer-Kalischer-Kalisch. [in:] Arthur Czellitzer (Hrsg.) Jüdische Familien-forschung. 1934 No 35-37 (Band 4) S. 713-740
  6. Jürgen Peiffer: Hirnforschung in Deutschland 1849 bis 1974: Briefe zur Entwicklung von Psychiatrie und Neurowissenschaften sowie zum Einfluss des politischen Umfeldes auf Wissenschaftler. Springer, 2004, S. 1086 ISBN 3-540-40690-5.
  7. a b Regina Diterle: Die Tochter. Hanser, Carl GmbH + Co. 2006 ISBN 3-446-20774-0 s. 317-318, 375
  8. Gurlt E: Verhandlungen der Berliner Medicinischen Gesellschaft. Band XXIX L. Schumacher, Berlin 1899 S. xxvi PDF
  9. Ulrike Eisenberg, Vom „Nervenplexus“ zur „Seelenkraft“: Werk und Schicksal des Berliner Neurologen Louis Jacobsohn-Lask (1863–1940), Berliner Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte, Vol. 10, Wolfgang Höppner (Hg.), Frankfurt a. Main, Peter Lang – Europäischer Verlag der Wissenschaften, 2005, S. 409-410, ISBN 978-3-631-54147-0.
  10. Bernhard Koerner: Deutsches Geschlechterbuch: genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien: Quellen- und Sammelwerk mit Stammfolgen deutscher bürgerlicher Geschlechter. Görlitz Starke 1934 S. 723