Sonnentanz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Dieser Artikel behandelt den Sonnentanz verschiedener Indianerstämme, zu dem gleichnamigen Instrumentalstück siehe Klangkarussell.
Sonnentanz

Der Sonnentanz ist eine Zeremonie verschiedener Indianerstämme der amerikanischen Prärie und Plains.

Beschreibung[Bearbeiten]

Einige der Sonnentänzer durchstechen sich die Haut an Brust oder Rücken und führen mit Schnüren verbundene Holzpflöcke hindurch. Die Schnüre werden an einen Baum gebunden, um den die Tänzer vier Tage lang von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ohne Schatten, Nahrung und Wasser tanzen. Dies findet in einzelnen Runden mit Pausen statt. Schließlich lassen sie sich mit dem ganzen Gewicht gegen die Seile hängen, bis die Pflöcke aus der Haut reißen. Aufgrund unterschiedlicher Visionen der Tänzer gibt es auch andere Arten zu „brechen“. So werden auf verschiedenen Sonnentänzen die Pflöcke durch Pferde herausgezogen, der Tänzer zieht Büffelschädel hinter sich her bis die Haut reißt, oder er wird für eine bestimmte Zeit am Baum aufgehängt. Das Durchstechen der Haut an Brust oder Rücken wird „Piercing“ genannt und wird nicht bei allen Indianerstämmen durchgeführt.

Sonnentanzversammlung von Cheyenne, ca. 1900.

Ziel des Sonnentanzes ist, durch die Torturen einen „todesähnlichen“ Zustand zu erreichen. Während dieses anderen Bewusstseinszustands können die Tänzer Visionen bekommen, die Antworten auf wichtige Lebensfragen beinhalten oder auch neue Fragen aufwerfen können.

Während des Sonnentanzes werden Heilungszeremonien durchgeführt, bei der auch die Zuschauer die Möglichkeit haben, um Heilung zu bitten. Es wurde schon von recht ungewöhnlichen Heilungserfolgen berichtet.

Durch Teilnahme an einem Sonnentanz geht der Tänzer das Versprechen ein, mindestens vier Sonnentänze im Leben zu absolvieren.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Sonnentanz war im 19. Jahrhundert bei den nordamerikanischen Indianerstämmen weit verbreitet. Die Legende erzählt, dass der Sonnentanz einem Medizinmann der Lakota-Indianer von der Weißen Büffelkalbfrau selbst überbracht worden war.

Missionare und weiße Beobachter entsetzten sich über die „Selbstquälereien“, und 1881 wurde das Durchstechen der Haut verboten. In den folgenden Jahren wurden bei den Darbietungen für die Weißen Pferdegeschirre anstatt der Holzpflöcke benutzt. Die traditionellen Praktiken wurden aber im Verborgenen weiter angewendet. 1904 verbot die US-Regierung die Ausübung des Sonnentanzes gänzlich. Während der Verbotszeit wurde der Tanz jedoch weiter aufgeführt, offiziell als Regentanz. Im Zuge des Indian Reorganization Act 1934 wurde das Piercing-Verbot wieder aufgehoben. Seit den 1960er Jahren erfährt der Sonnentanz als ein wichtiges Element des wieder erstarkenden Selbstbewusstseins der Indianer eine starke Wiederbelebung.

Bei einigen Indianergruppen (zum Beispiel den Diné in den White Mountains von Arizona) wird der Sonnentanz heutzutage als Initiationsritus von jungen Frauen gesehen. Hierbei kommt es nicht zu Selbstverletzungen. Junge Mädchen (meist im Alter von 14-16 Jahren) schlafen drei Tage lang nicht. Außerdem müssen sie streng fasten. Zu jedem Sonnenaufgang tanzen sie, bis die Sonne einen bestimmten Punkt am Horizont erreicht hat. Dies ist eine Belastungsprüfung. Die Familie versammelt sich am dritten Tag, um die Mädchen nach der überstandenen Prüfung zu segnen. Dabei wird das Mädchen mit weißem Lehm bemalt, um seine spirituelle Verbindung zur Changing Woman zu symbolisieren und sie fruchtbar zu machen. Mit einem gemeinsamen Tanz und einem Festessen wird dann ihre Aufnahme in die Welt der Erwachsenen gefeiert.

Ausgehend von vor allem der Modern-Primitive-Bewegung wurde das Sonnentanz-Ritual später unter der Bezeichnung Body-Suspension in der westlichen Kultur adaptiert.

Arvol Looking Horse, ein Totemträger der heiligen White Buffalo Woman Friedenspfeifentradion in der 19. Generation war 1997 der erste, der die Teilnahme am Sonnentanz für Nichtindianer untersagte. Dies betraf die Wi-wanyang-wa-c'i-pi der Lakota. 2003 kamen auch Medizinleute der Arapaho, Cheyenne, Cree, Sioux, Lakota und Nakota zum Beschluss, Nichtindianer vom Heiligen Altar und den Sieben Riten, einschließlich des Sonnentanzes auszuschließen. Dieser wurde am 9. März 2003 gültig.[1]

Bedeutung[Bearbeiten]

Vielfach ist der Sonnentanz als eine Form der Sonnenanbetung, der Reinigung oder Visionssuche oder als Büffeltanz interpretiert worden. Nach den Lehren von Archie Fire Lame Deer, eines Häuptlings der Lakota, besitzt der Sonnentanz aber der Überlieferung entsprechend eine andere, eine spirituelle und soziale Bedeutung. Die Teilnehmer am Sonnentanz sind traditionell Männer; Frauen beteiligen sich nur in Ausnahmefällen und durchstechen dann auch nur die Haut der Arme. Die Piercings haben den Zweck, Männern eine Erfahrung des Leides zu vermitteln, welches Frauen während der Phase der Fruchtbarkeit erleben. Ein Sonnentänzer lernt, den Schmerz einer Frau bei der Geburt eines Kindes zu verstehen, gewissermaßen das Geheimnis des Blutes und des Schmerzes zu ergründen, ohne Krieg führen zu müssen, wie Scout Cloud Lee es in einem anderen Zusammenhang formuliert. Die Frauen und die restlichen Stammesmitglieder unterstützen die Sonnentänzer vom „Schattenkreis“ aus. Es ist auch möglich, dass ein Sonnentänzer mit dieser Zeremonie um die Heilung eines Familienmitgliedes bittet.

Oft nahmen junge Männer an Sonnentänzen teil. Für sie war er ein Initiationsritus. Nach bestandener Zeremonie wurden sie als Krieger akzeptiert.

Der Sonnentanz ist Teil der Sieben Riten, die mit der Schwitzhüttenzeremonie und der Visionssuche eigene Riten zur Reinigung und Visionsfindung enthalten.

Sonnentanz in der Kunst[Bearbeiten]

Der Sonnentanz wird eindrucksvoll in den Filmen »Ein Mann, den sie Pferd nannten« und »Der Mann, den sie Pferd nannten – 2. Teil« in Darstellung von Richard Harris gezeigt. Literarisch wird der Sonnentanz in Band 4 des Romanzyklus Die Söhne der Großen Bärin von Liselotte Welskopf-Henrich beschrieben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Baumann: Reise zum Sonnentanz. Indianer zwischen gestern und morgen. Fischer, Frankfurt/M. 1978, ISBN 3-596-23504-9.
  • Clyde Holler: Black Elk's religion. The sundance and LAkota Catholicism. University PRess, Syracuse 2000, ISBN 0-8156-0364-9.
  • Thomas E. Mails: Oyate wica'ni ktelo. Der Sonnentanz der Sioux. Arun Edition, Engerda 1999, ISBN 3-927940-57-7.
  • Leslie Spier: Notes on a Kiowa sun dance. In: Anthropological Papers of the American Museum of Natural History, Bd. 16 (1921), Heft 6, S. 433–450.
  • Leslie Spier: The sun dance of the Plain Indians. The development and diffusion. In: Anthropological Papers of the American Museum of Natural History, Bd. 16 (1907), Heft 7, S. 453–527.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sonnentanz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. "Looking Horse Proclamation on the Protection of Ceremonies." Indian Country Today. 25. April 2003