Kiowa

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Dieser Artikel behandelt den Indianerstamm Kiowa. Für weitere Erklärungen, siehe Kiowa (Begriffsklärung).
Kiowa
Kicking Bird, ein Häuptling der Kiowa, 1870
Häuptling White Horse mit Kriegsschild, 1891

Die Kiowa oder Ka'igwu (Principal People - Hauptleute) sind ein Indianerstamm der Südlichen Plains, deren Sprache, das Kiowa, zu den Kiowa-Tano-Sprachen gehört, die vermutlich eine Untergruppe der Uto-aztekischen Sprachfamilie bildet.

Herkunft und Migration auf die Plains[Bearbeiten]

Gemäß den Überlieferungen der Kiowa lebten sie zunächst im Quellgebiet des Yellowstone Rivers, bevor sie später in die tiefer gelegenen Ebenen zwischen dem Missouri River in Nord-Montana und dem Arrow River im südlichen Kanada zogen. Dort lebten sie in enger Beziehung zu den athapaskischen Sarcee, einem der ersten Prärie-Indianer-Stämme, die bereits in Tipis lagerten und von der Büffeljagd lebten. Die Kiowa übernahmen rasch deren Lebensweise und wandelten sich ebenfalls von Jägern und Sammlern zu einem Volk von nomadischen Prärieindianern. Es wird vermutet, dass sich den Kiowa zu dieser Zeit eine andere Athapasken-Gruppe anschloss, die später als Kiowa-Apache bekannt wurde. Die Kiowa-Apache unterschieden sich von den Kiowa nur in der Sprache.

Mit Perlen besetztes Wiegenbrett zum Tragen von Kleinkindern, Sammlung des Children's Museum of Indianapolis

Erstmals erscheinen die Kiowa 1682 in einer Quelle. René Robert Cavelier hörte von einem gefangenen Pawnee-Sklavenjungen in Fort St. Louis von den Kiowa und nannte sie „Manrhouts“, die Kiowa-Apache „Gattacka“.

Vermutlich um 1700 migrierten die Kiowa, die vermutlich nie mehr als 4.000 Personen zählten, zusammen mit den Kiowa-Apache (höchstens 600 Personen) in die Black Hills. Dort verbündeten sich die Kiowa mit den Absarokee, von denen sie nun vollends den Lebensstil der Plains-Indianer übernahmen. Durch die Crows (Absarokee) kamen die Kiowa auch in den Besitz ihrer ersten Pferde, die sie bald zur Jagd nutzten. Auch die Zeremonie des Sonnentanzes, die sich bald in den Great Plains ausbreiten sollte, übernahmen sie von den Crows. Als Nomaden der Prärie lebten die Kiowa nun von der Büffeljagd.

In den Black Hills spaltete sich, laut Erzählungen der Kiowa, wegen Streitigkeiten zweier Häuptlinge eine Gruppe, die Kuáto („Pulling Out“), vom größeren Stammesverband ab. Als die Lakota (Sioux), Arapaho und Cheyenne von Osten in die Black Hills drängten, mussten die Kiowa nach Süden ausweichen. Die zurückgebliebenen Kuáto wurden laut den Legenden der Lakota gegen 1780 in schweren Kämpfen ausgelöscht.

Anfang des 18. Jahrhunderts streiften die Kiowa zwischen dem Platte und Kansas River im Süden von Nebraska und im Norden von Kansas. Von hier aus zogen sie langsam weiter südwärts, so dass sie gegen 1750 auf den Central Plains zwischen dem Republican und dem Smoky Hill River lebten; zu dieser Zeit war der Smoky Hill River jedoch als River of the Padoucas bekannt, wobei mit Padouca damals die Comanche sowie deren Machtbereich, der damals noch bis zum Platte River reichte bezeichnet wurden. Die mächtigen Yaparuhka und Jupe Bands streiften bis 1775 weiterhin nördlich des Arkansas River, obwohl der Rest der Comanche nun südlich des Flusses lebte.

Über den North (bis 1805 war er als Padouca/Comanche Fork bekannt) und den South Platte River gelangten die Kiowa zwischen 1780 und 1790 in den nördlichen Teil des von den Comanche militärisch, politisch sowie ökonomisch kontrollierten Gebiets und versuchten sich zusammen mit den Kiowa Apache dort anzusiedeln. Dies führte zuerst zu heftigen Kämpfen zwischen den Völkern; um 1790 traf zufällig ein Trupp Kiowa unter Kriegshäuptling Guikate beim heutigen Las Vegas im Nordosten New Mexicos eine Gruppe feindlicher Comanche, hierbei unterbreiteten die Kiowa ein Friedensangebot, das eine militärisch-politische Allianz zwischen den drei Stämmen zum gegenseitigen Schutz vorsah. Daraufhin trafen sich später Guikate und der Oberhäuptling der mächtigen Nokoninuu (Nokoni) Band der Comanche und vereinbarten, dass die drei Stämme nunmehr zusammen die gleichen Gebiete durchstreifen und nutzen durften und sich gegenseitig gegen Feinde beistehen würden.

Die Kiowa sowie ihre engen Verbündeten, die Kiowa Apache (Plains Apache), die bei Stammeszusammenkünften als eine Band der Kiowa galten, streiften jedoch meist nördlich des Canadian River und Red River nordwärts bis zum Arkansas River im Texas und Oklahoma Panhandle sowie angrenzenden Gebieten; später zogen manche Gruppen auf den Llano Estacado sowie südwärts bis zum Brazos River in Texas.

Fortan kontrollierten diese drei Stämme zusammen ein riesige Stammesgebiet auf den Südlichen Plains, das den Osten des heutigen Colorado, den Westen von Kansas, große Teile Oklahomas, Nordosten von New Mexico und Nord-, West- sowie Zentral-Texas umfasste. Das Gebiet wurde auf Grund seiner fast nahtlosen Kontrolle durch den bevölkerungsstärksten und mächtigsten Stamm in dieser Allianz daher von Spaniern und Mexikanern sowie später Amerikanern meist einfach als Comancheria bezeichnet.

Sozio-Politische Organisation[Bearbeiten]

Die Kiowa organisierten sich in matrilokalen (Männer ziehen zur Familie ihrer Frau) Großfamilien, die sich zu einer Bande (topadoga) zusammenschlossen. Diese Banden wurden von einem Häuptling, dem Topadok`i, angeführt.

Die Kiowa hatten zwei politische Unterteilungen (besonders hinsichtlich ihrer Beziehung zu den Comanche):

  • To-kinah-yup ("Männer aus der Kälte", d.h. "nördliche Kiowa", wanderten entlang des Arkansas River und der Kansas-Grenze)
  • Gwa-kelega ("südliche Kiowa", lebten auf dem Llano Estacado (Staked Plains), im Texas Panhandle und waren mit den Comanche verbündet)

Banden der Kiowa während des Tipi-Rings beim jährlichen Sun Dance (Sonnentanz)

  • Kâtá ("Biters", größte Gruppe der Kiowa)
  • Kogui ("Elks Band")
  • Kaigwa ("Kiowa Proper")
  • Kinep ("Big Shields")/Khe-ate ("Big Shields")
  • Semat ("Stealers", Bezeichnung der Kiowa für die Kiowa-Apache)
  • Soy-hay-talpupé ("Blue Boys")/Pahy-dome-gaw ("Under-the-Sun-Men")

Während des Sun Dance hatte jede Bande der Kiowa eine spezielle Pflicht und Aufgabe zu erledigen, die traditionell festgelegt war.

Die Kâtá besaßen das traditionelle Recht (Pflicht/Aufgabe) für genügend Bisonfleisch sowie für die Versorgung beim Sun Dance zu sorgen. Diese Bande war besonders wohlhabend an Pferden, Tipis und anderen Gütern.

Die Kogui war für die Durchführung der Kriegszeremonien während des Sun Dance verantwortlich. Viele für ihre Kriegstaten und ihre Tapferkeit berühmte Familien sowie Führer, wie Ad-da-te ("Islandman"), Satanta, Big Bow und andere, gehörten dieser Bande an.

Die Kaigwu waren die Hüter des heiligen Bündels (Tai-mé, Taimay) und der heiligen Lanze. Deshalb wurden sie von den anderen Gruppen besonders respektiert und genossen besonderes Prestige.

Die Kinep oder Khe-ate wurden oft auch "Sun Dance Shields" genannt, da sie währenddessen polizeiliche Aufgaben wahrnahmen und für Sicherheit sorgten.

Die Semat durften zwar gleichberechtigt teilnehmen, hatten aber keine speziellen Aufgaben und Pflichten während des Sun Dance.

Die Soy-hay-talpupé wurden auch oft als Montalyui ("Black Boys") bezeichnet. Besondere Aufgaben hatten sie nicht.

Allianzen und Rivalitäten[Bearbeiten]

Die Kiowa lebten oft in nächster Nachbarschaft zu den Comanche, beide Stämme bewahrten jedoch ihre kulturellen Unterschiede. Bei den Kiowa lebten, wie bereits erwähnt, die sog. Plains-Apache, die kulturell den Kiowa, sprachlich jedoch den Apache im Südwesten der USA angehören und daher früher meist als Kiowa-Apache bezeichnet wurden. Sie haben aber keinerlei Verbindung zu den verschiedenen Apache-Gruppen in Arizona und New Mexico sowie Südwest-Texas und Nord-Mexiko, sprechen allerdings eine Variante der Apache-Sprachen. Diese eigentümliche Verbindung bewirkte, dass die Kiowa gegenüber der Feindschaft zwischen den Comanche und den Apache Neutralität bewahren konnten. So gelang es ihnen durch Vermittlung ihrer Apache-Verbündeten, Ende des 18. Jahrhunderts mit den Mescalero-Apache einen dauerhaften Frieden zu schließen, der ihnen einen einfacheren Zugang zu den Märkten der Tewa Pueblos ermöglichte, um dort ihre Waren (Felle, Fleisch, Pemmikan) im Tausch (Mais, Zucker, Kleidung) handeln zu können. In den Jahren von 1800 bis 1850 bekämpften sich die Kiowa vor allem mit anderen Indianer-Stämmen, die versuchten in die Comancheria einzudringen. So gab es Auseinandersetzungen mit den Lipan, Cheyenne, Arapaho, Osage, Ute, Diné und Pawnee, alles alte Feinde der Kiowa und der Comanche. Sogar Raubzüge bis zu den Lakota, Nakota und Dakota im Norden und entlang des Mississippi/Missouri gegen die Sauk und Fox, die Kansa und die Oto sind bekannt. 1840 wurde das Bündnis der Kiowa und der Comanche um die nach Süden drängenden Southern Arapaho und Southern Cheyenne erweitert, mit denen nach jahrelangen Kämpfen ein Friedensvertrag geschlossen werden konnte.

Genauso wie die Comanche wurden sie hervorragende Pferdediebe und waren bald für ihre großen Pferdeherden bekannt. Bald begleiteten sie die Comanche auf deren Raubüberfällen und waren dafür berüchtigt, besonders weite Distanzen zurückzulegen. Diese Überfälle und Kriegszüge führten sie bis nach Kanada oder tief in den Süden von Mexiko - nach Zacatecas in der Provinz Guadalajara. Tatsächlich wurden die Kiowa im 19. Jahrhundert als „notorische Räuber“ bekannt, vor deren Überfällen weder die Amerikaner, noch die Mexikaner oder feindliche Stämme sicher waren. Allerdings reagierten die Kiowa dabei oft nur auf Überfälle anderer, denn die Kiowa waren, ihrer großen Pferdeherden wegen, ein Ziel etlicher anderer Indianerstämme.

Letzte Kämpfe gegen die Amerikaner[Bearbeiten]

Ab 1850 nahmen die Kämpfe mit der US-Armee zu, die einen 1837 mit den Kiowa vereinbarten Vertrag brach. Kurzzeitig mussten einige Landstriche in Texas von den Amerikanern aufgrund der Überfälle durch Kiowa und Comanche wieder geräumt werden, aber um 1855 gelang es der US-Armee, das Gebiet wieder zu befrieden. Erst um 1865, nach Beendigung des amerikanischen Bürgerkriegs, nahm der Druck der US-Armee auf die Kiowa erneut zu. 1867 waren die Kiowa zusammen mit ihren Verbündeten, den Comanche und Southern Cheyenne deshalb bereit, den Vertrag von Medicine Lodge zu unterschreiben. Der Vertrag sah die Umsiedlung der Plains-Indianer in ein Reservat bei Fort Sill vor. Nachdem zunächst der größte Teil der Kiowa in das Reservat gegangen war, riefen einige Kiowa-Häuptlinge den Stamm nach dem Washita-Massaker an den Cheyennes im Winter 1868 auf, das Reservat wieder zu verlassen. So kam es von 1869 bis 1871 erneut zu Kämpfen und Überfällen in Texas, bevor sich die Kiowa nach der Festnahme der Häuptlinge Satanta, Satank und Big Tree in das Reservat zurückbegaben.

Letztmals versuchten die Kiowa zwischen 1874 und 1875 gemeinsam mit den Comanche sich der amerikanischen Übermacht zu erwehren, auch in der Hoffnung, so die letzten in der Gegend vorkommenden Bisonherden vor der Vernichtung durch die Weißen bewahren zu können. Aber Satanta musste sich nach einer verheerenden Niederlage im Palo Duro Canyon im November 1874 ergeben. Kurz danach gab auch Lone Wolf mit den letzten 252 freien Kiowa im Mai 1875 den Widerstand auf, so dass es der US-Regierung bis zum Sommer 1875 gelang, die Kiowa wieder sämtlich in das Reservat bei Fort Sill in Oklahoma zurückzudrängen.

Leben in der Reservation[Bearbeiten]

1878 lebten dort etwa 1.200 Kiowa. Am 6. August 1901 wurde das Land der Kiowa zur Besiedlung durch die Weißen freigegeben, de facto wurde damit das Reservat aufgelöst. Jedes Familienoberhaupt erhielt damals 80 acres. Bis 1990 stieg die Zahl der Kiowa, die im Gebiet des ehemaligen Reservates leben, wieder auf rund 5.500 an.

Heutige Situation[Bearbeiten]

Die Kiowa sind heute im Kiowa Tribe of Oklahoma organisiert. Das Stammeszentrum liegt in Carnegie, Oklahoma. Der Stamm hat etwa 11.000 bis 14.000 Mitglieder. Nur noch wenige Kiowa (wohl weniger als 1.000, genaue Angaben sind schwierig) sprechen ihre eigene Sprache.

Berühmte Häuptlinge und Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Dohäsan (Dohosan, Tauhawsin oder Tohausen - ‘Little Mountain’, ‘Little Bluff’) (ca. *1795 - †1866), Häuptling der Kâtá und letzter gewählter Oberhäuptling der Kiowa, Mitglied der Elite-Kriegergesellschaft Koitsenko
  • Guipago (besser bekannt als Lone Wolf - ‘Einsamer Wolf’, auch Elder Lone Wolf) (ca. *1820 - †1879), Häuptling, Anführer der Kriegsfraktion, Mitglied der Elite-Kriegergesellschaft Koitsenko sowie der Tsetanma
  • Tene-angop'te (Kicking Bird - ‘Strampelnder Vogel’, auch Watohkonk - ‘Schwarzer Adler’) (ca. *1835 - †1875), Häuptling, Anführer der Friedensfraktion
  • Tsen-tainte (White Horse - ‘Weißes Pferd’) (*? - †1892), Häuptling
  • Ado-Eete (Addo-etta, besser bekannt als Big Tree - ‘Großer, starker Baum’) (ca. *1850 - †1929), Unterhäuptling
  • Satank (Set-Tank, Set-Angia - ‘Sitzender Bär’) (ca. *1800 - †1871), Häuptling, Schamane und Mitglied der Elite-Kriegergesellschaft Koitsenko
  • Satanta (Set'tainte - ‘Weißer Bär’) (ca. *1820 - †1878), Häuptling
  • Maman-Ti (Sky Walker, Walking Above) (ca. *1835 - †1875), spiritueller Anführer und Schamane
  • Big Bow (Zepko-ette oder Za-ko-yea - ‘Großer Bogen’) (*1833 - ?†), Kriegshäuptling
  • Mamadayte (Neffe und Adoptivsohn von Elder Lone Wolf, danach Guopahko - Lone Wolf the Younger genannt) (*? - †1923), Oberhäuptling bis 1896
  • N. Scott Momaday (*1934 - ), Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Maler

Siehe auch[Bearbeiten]

Liste nordamerikanischer Indianerstämme

Literatur[Bearbeiten]

  • John R. Swanton: The Indian Tribes of North America. Smithsonian Institution, Bureau of American Ethnology, Bulletin 145, Smithsonian Press, Washington D.C., 1969.
  • W. W. Newcomb, Jr.: The Indians of Texas. University of Texas Press, Austin, Tx, 1961.
  • M. P. Mayhall: The Kiowas, Norman, Oklahoma 1987.
  • L. E. Lassiter: The power of Kiowa song. A collaborative ethnography, Tucson, Arizona 1998.
  • James Mooney: The Ghost Dance Religion and the Sioux Outbreak of 1890, 1897.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kiowa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]