St. Peter und Paul (Hemer)

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St. Peter und Paul

St. Peter und Paul ist eine von fünf römisch-katholischen Pfarrkirchen im Stadtgebiet von Hemer. Dabei handelt es sich um einen barocken Bau von 1700, der seit 1982 unter Denkmalschutz steht.[1]

Bekannt ist die Pfarrkirche durch ihre im Jahre 1702 von Johann Jacob John erbaute Orgel, welche bis heute zur musikalischen Gestaltung der Gottesdienste dient.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche wurde in den Jahren 1697 bis 1700 unter Fürstbischof Jobst Edmund von Brabeck in den Anlagen dessen Herrenhauses Haus Hemer errichtet. Zu dieser Zeit stand bereits eine andere Kirche, geweiht auf den heiligen Vitus, in den Parkanlagen von Haus Hemer, welche vor der Reformation als Pfarrkirche diente. Grund dieser Kirchenerrichtung war der große Zuwachs der katholischen Gemeinde, die nach der Reformation ihre Gottesdienste in einer Kapelle im Haus Hemer feierten.

St. Peter und Paul und Haus Hemer mit Nebengebäuden

Einem Stiftungsbrief aus dem Jahre 1700 zur Folge hatte der Stifter Fürstbischof von Brabeck die Kirche zunächst unter dem Patroziniums Mariens erbauen lassen. Der Grund zur Umbenennung des Patroziniums nach den Aposteln Petrus und Paulus ist bislang unbekannt.[2] Weiterhin spendete von Brabeck einige Teile der Innenausstattung wie die historische Orgel und den Hochaltar, von welchem nur noch einzelne Teile vorhanden sind. Beichtstühle, zwei Glocken und der Taufstein wurden durch den Erben Johann Arnold von Brabeck gestiftet.

Auf Grund des stetigen Zuwachs der Gemeinde in dem folgenden Jahrhundert wurde im Jahre 1898 der Anbau eines Querhauses und ein rechteckiger Chorraum errichtet, Turm und Hauptschiff blieben erhalten, wurden aber 1913 erhöht und erneuert. Weiterhin erfolgte 1906 eine Ausmalung der Kirche im neugotischen Stil, die in den Jahre 1957/58 wieder entfernt wurde, so dass die ursprüngliche barocke Bemalung freigelegt und im Querhaus angepasst werden konnte. Im Jahre 1981 erfolgte eine weitere Renovierung, die unter anderen die Konzilsbeschlüsse berücksichtigte. So wurde der Hochaltar erniedrigt, ein Zelebrationsaltar sowie ein Ambo wurden neu gestaltet und aufgestellt.

Im Jahr 2006 wurde die gesamte Fassade erneuert, da das Natursteinmauerwerk erhebliche Beschädigungen aufwies. Die Bruchsteinfassade wurde dabei komplett verputzt und damit das vermutete ursprüngliche Aussehen der Kirche aus dem 18. Jahrhundert wiederhergestellt. Zugleich wurde die Pfarrgemeinde Sitz des neu geschaffenen Dekanats Märkisches Sauerland.

Ausstattung[Bearbeiten]

Orgel[Bearbeiten]

Der Fürstbischof von Hildesheim, Jobst Edmund von Brabeck, stiftete nicht nur die Kirche, sondern auch die Orgel. Er beauftragte den Orgelbauer Andreas Schweimb, der in Einbeck mit seinem Meistergesellen Johann Jacob John eine Werkstatt für Orgelbau unterhielt, mit dem Bau zwei großer Werke für seine Heimatstadt Letmathe (1698) und für die neuerbaute Pfarrkirche in Hemer. Während der Bauzeit starb Andreas Schweimb. Das Werk wurde von seinem Meistergesellen Johann Jacob John vollendet. Die älteste bekannte Disposition stammt aus dem Jahr 1770:[3]

Manual
Prinzipal 8′
Violdigamba 8′
Gedact 8′
Quintadena 8′
Octav 4′
Fleute Duxe 4′
Quinta 3′
Sexquialter III 3′
Octav 2′
Quintfleut 11/2
Sexta III 11/2
Mixtur IV 2′
Trompett 8′
Zincke 8′
Pedal
Prinzipal 8′
Subbaß 16′
Gedact 8′
Octav 4′
Mixtur III 1′
Posaun 16′
Trompett 8′
Cornett 2′

Das barocke Prospekt ist symmetrisch aufgebaut. In der Mitte liegt ein großer Rundturm, am linken und rechten Rand jeweils ein kleinerer. Zwischen den Rundtürmen gibt es auf beiden Seiten jeweils ein Flachfeld und zwei übereinander angeordnete Spitzfelder. Verziert ist die Orgel mit dem Wappen der Stifterfamilie von Brabeck und vier musizierenden Engeln.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden erstmals größere Reparaturen an der Orgel nötig, die dem Kirchenpatron Rudolf Löbbecke allerdings lange zu teuer waren. Am 14. Oktober 1849 wurde schließlich ein Vertrag zum Umbau der Orgel geschlossen, nachdem ein Gericht Löbbecke zur Finanzierung verpflichtet hatte. Bei diesem Umbau erhielt die Orgel neue Windladen, das Pfeifenmaterial wurde größtenteils erhalten. Für die Zeit um 1900 war ein weiterer Umbau vorgesehen, wurde zugunsten eines Aus- und Umbaus des Kirchraums allerdings nicht durchgeführt.

Glocken[Bearbeiten]

Das Geläut der Pfarrkirche besteht aus drei Glocken, die um den 19. Dezember 1699 vom Arnsberger Bernhard Wilhelm Stuhle gegossen wurden. Am 30. Dezember wurden sie nach Hemer transportiert.[4] Im Ersten Weltkrieg wurde die größte Glocke aus dem Turm geholt, um für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen zu werden, was durch das Kriegsende jedoch verhindert werden konnte. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Erhaltung der Glocken als wünschenswert eingestuft, weshalb sie weiterhin erhalten blieben. 2000 wurden die ausgedünnten Schlagringe der drei Glocken erneuert.

Die größte Glocke (Durchmesser: 938 Millimeter, Gewicht: 456 Kilogramm, Schlagton fis′) wurde von Jobst Edmund von Brabeck gestiftet. Auf ihr ist von Brabeck selbst mit seinem Wappen, eingerahmt von den Kirchenpatronen Petrus und Paulus, abgebildet. Die Inschrift „Epis Hildesiensis Iodocus Edmundus“ („Der Bischof von Hildesheim Jobst Edmund“) ergänzt diese Darstellung. Eine weitere Inschrift im unteren Teil der Glocke lautet:

„HIC PETRO ET PAVLO SACRA TECTA PERENNIA STRVXIT HILDESII PRINCEPS BRABECK DE SANGUINE LUXIT“

Hier hat dem Petrus und dem Paulus ein dauerndes Heiligtum erbaut der Fürstbischof von Hildesheim, der aus dem Geschlecht Brabeck hervorgegangen ist.

Eine Inschrift im oberen Teil verweist auf Maria, weshalb die Glocke in der Literatur als Marienglocke bezeichnet wird:

„NOS AVDI AVRE PIA VITAE SPES VIRGO MARIA
PORTA SALUTIS AUA CHRISTIGENISQVE FAVE“

Hör uns mit gnädigem Ohr, du unsere Lebenshoffnung, Jungfrau Maria!
Pforte des Heiles, sei gegrüßt, behüte die Christuskinder!

Die mittlere Glocke (Durchmesser: 845 Millimeter, Gewicht: 346 Kilogramm, Schlagton a′) wurde von einem Neffen des Fürstbischofs gestiftet, der auch Jobst Edmund von Brabeck hieß. Auf ihr befindet sich ein Relief, das den Heiligen Josef zeigt. Maria wird wie schon auf der ersten Glocke ebenso wie Rankenornamente und das Wappen der Familie von Brabeck erneut dargestellt. Darüber hinaus finden sich auf dieser Glocke, die als Josefs-und-Jodokus-Glocke bezeichnet wird, zwei Inschriften:

„VOS DIVI ELECTI IOSEPH ATQVE IVDOCE IVVATE CRESCAT VT ILLVSTRIS STIRPS BRABECKANA“

Ihr seligen Auserwählten Joseph und Jodokus, helft, dass das erlauchte Geschlecht Brabeck gedeihe.

„IODOCVS EDMVNDVS DE BRABECK ECCLES CATH HILD ET MONAST SPECT SCHOLAST ET DNVS IN HEMMEREN LETMEDE SODER NIENHAGEN ET KLUSENSTEIN“

Jobst Edmund von Brabeck, achtbarer Scholast der Kathedralkirchen Hildesheim und Münster und Herr zu Hemer, Letmathe, Soder, Nienhagen und Klusenstein.

Bei der ersten Inschrift handelt es sich um ein Gebet, in dem Josef und Jodokus angesprochen werden. Jodokus ist der Schutz- und Namenspatron des Fürstbischofs und wurde vermutlich auf seinen Wunsch hin mit in die Inschrift aufgenommen.[5]

Die dritte Glocke (Durchmesser: 759 Millimeter, Gewicht: 268 Kilogramm, Schlagton h′) wird nach ihren Patronen Peter-und-Paul-Glocke bezeichnet. Neben Darstellungen dieser beiden Heiligen gibt es auf dieser Glocke ein Relief des Heiligen Georg. Johannes Arnold von Brabeck, ein weiterer Neffe des Kirchengründers, stiftete diese Glocke ebenso wie die Kanzel, die Beichtstühle und den Taufstein. Die Inschriften der kleinsten Glocke:

„VERAX CRED ENZIS STET IESV ECCLESIA GENTIS HANC PAVLE ENSE TEGAS DVX PETRE CLAVE REGAS“

Erhalte, Jesus, die Kirche der rechtgläubigen Gemeinde! Schütze du sie mit deinem Schwerte, Paulus, und du, Petrus, führe und leite sie mit deinem Schlüssel!

„IOES ARNOLDVS DE BRABECK PRINCIP HILDESIENS SVPR STAB PRAEFECT DNVS IN HEMEREN LETMATE SODER ET NIENHAGEN“

Johannes Arnold von Brabeck Fürstlich-Hildesheimer Oberstallmeister Herr zu Hemer, Letmathe, Soder und Nienhagen

Alle Inschriften enthalten Chronogramme, aus denen jeweils das Gussjahr 1699 hervor geht, das damit als erwiesen gilt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Hoffmann: Die Orgel der Pfarrkirche St. Peter und Paul zu Hemer. in: Bürger- und Heimatverein Hemer e.V. (Hrsg.): Der Schlüssel. Hemer 1972.
  • Werner Hoffmann: St. Peter und Paul. in: Die Fibel. Band 6: Kirchen, Glocken, Orgeln im Stadtgebiet Hemer. Zimmermann-Verlag, Balve 2001.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Hemer
  2. Kath. Kirchengemeinde St. Peter und Paul, Hemer: Kirchenführer- Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Hemer. Dezember 1999.
  3. Werner Hoffmann: Die Orgel von St. Peter und Paul. Ein wertvolles Instrument der Barockzeit. in: Bürger- und Heimatverein Hemer e.V. (Hrsg.): Der Schlüssel. Hemer 1980
  4. Josef Boßmann: Die Glocken der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Niederhemer (Nachtrag). in: Bürger- und Heimatverein Hemer e.V. (Hrsg.): Der Schlüssel. Hemer 1983
  5. Josef Boßmann: Die Glocken der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Niederhemer (3). in: Bürger- und Heimatverein Hemer e.V. (Hrsg.): Der Schlüssel. Hemer 1983

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Peter und Paul (Hemer) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.3957787.760612Koordinaten: 51° 23′ 45″ N, 7° 45′ 38″ O