Stoßtheorie

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Die Stoßtheorie, oder auch Kollisionstheorie genannt, ist eine einfache mechanische Theorie für den Ablauf chemischer Reaktionen. Man geht davon aus, dass für eine Reaktion ein Stoß zwischen den beiden Reaktionspartnern stattfinden muss, bei dem entlang der Kern-Kern-Verbindungsachse eine bestimmte sogenannte Schwellenenergie überschritten werden muss. Für eine einfache bimolekulare Reaktion des Types A + B → P lässt sich folgendes Geschwindigkeitsgesetz erstellen:

 \frac{d[A]}{dt} = - \mathit k [A][B]

Die Eckigen Klammern deuten an, dass man die Konzentrationen der reagierenden Stoffe betrachten muss.
Die Stoßtheorie beschäftigt sich nun mit der Berechnung des Faktors k (Stoßfaktor).

Dazu benötigt man die Stoßdichte, also die Zahl von Stößen zwischen A und B pro Zeit- und Volumeneinheit.

 Z_{AB} =  \sigma \left ( \frac{8\mathit{k_B}T} {\pi\mu} \right )^\frac{1}{2} N^2_A [A][B]

Hierbei ist σ der Stoßquerschnitt aus dem Durchmesser der beiden Teilchen, µ die reduzierte Masse der Teilchen A und B sowie NA die Avogadro-Konstante, die die Zahl der Teilchen in einem Mol angibt. Die Stoßtheorie setzt nun die Änderung der Konzentration von A mit einem Faktor  f = e^{-\frac{E_A}{RT}} für die Wahrscheinlichkeit einer gelungenen Reaktion zusammen. In dem Faktor ist EA die Aktivierungsenergie, R die Gaskonstante und T die Temperatur in Kelvin.

 \frac{d[A]}{dt} = - \frac{Z_{AB} \mathit{f}}{N_A}

Bringt man nun beide Gleichungen zusammen, erhält man folgende Gleichung:

 \frac{d[A]}{dt} = - \sigma \left ( \frac{8\mathit{k_B}T} {\pi\mu} \right )^\frac{1}{2} N_A e^{-\frac{E_A}{RT}} [A][B]

Vereinfacht lässt sich dies nun in Form einer Arrhenius-Gleichung bringen:

 k = \sigma \left ( \frac{8\mathit{k_B}T} {\pi\mu} \right )^\frac{1}{2} N_A e^{-\frac{E_A}{RT}} = A e^{-\frac{E_A}{RT}}

Die Stoßtheorie liefert für einfache Gasphasenreaktionen zwischen kugelförmigen Ionen brauchbare Werte, für topologisch kompliziertere Systeme ist sie unbrauchbar. Die Werte werden umso schlechter, je weiter die Form der Reaktanten von der idealen Kugelgestalt abweicht. Empirisch kann man dies dadurch berücksichtigen, dass man die Gleichung um einen sogenannten sterischen Faktor P erweitert:

 k = \sigma P \left ( \frac{8\mathit{k_B}T} {\pi\mu} \right )^\frac{1}{2} N_A e^{-\frac{E_A}{RT}} = A e^{-\frac{E_A}{RT}}

P ist bei den meisten Molekülen mehrere Größenordnungen kleiner als 1. Um sinnvolle Werte für P theoretisch zu berechnen, muss auf kompliziertere Theorien wie z. B. die Theorie des Übergangszustands zurückgegriffen werden.

Die Stoßtheorie wurde 1916 von Max Trautz bzw. 1918 durch den britischen Chemiker William Lewis entwickelt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]