Szwab

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur polnischen Skispringerin siehe Joanna Szwab.

Szwab (Aussprache wie „Schwab“) oder Szkop (Aussprache wie „Schkopp“) ist eine in Polen verwendete, abwertende Bezeichnung für die Deutschen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Als stereotype Eigenschaften wird ihnen in Polen vieles zugeschrieben, was auch Österreicher den Piefkes unterstellen, also lautes, arrogantes, ungehobeltes Auftreten, mangelnde Sensibilität und Flexibilität. Des Weiteren stellt man sich Szwaby oder Szkopy (Mehrzahl) im Allgemeinen dort als schwer, stumpfsinnig, mit einem bestimmten typischen Aussehen vor. Die ihnen zugeschriebenen Eigenschaften bilden kein einheitliches stereotypes Bild, denn nicht immer ist eine Eigenschaft als eindeutig positiv zu beurteilen. Beispiel: ihre typische Arbeitsamkeit muss nicht immer als positiv gelten, sondern auch Zeichen der Gier oder Unterwürfigkeit sein. Weitere Eigenschaften wären: Sparsamkeit (= Geiz), Phantasie-, Geschmack- und Toleranzlosigkeit, Ungastlichkeit, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit, Obrigkeitshörigkeit und Unfähigkeit zur Auflehnung, wodurch Szwaby psychisch gelähmt seien, so dass ihnen vielfach die Fähigkeit zum unbeschwerten Leben abgesprochen wird.

Man sagt oft: „Typowy szwab“, „Typowy szkop“, was so viel heißt wie „Typisch Deutscher“ und negative Einstellung (oft Vorurteile) des Sprechers gegenüber der bezeichneten Person zum Ausdruck bringt, wobei Szkop deutlich negativer beladen ist als Szwab. Szkop(y) wurde insbesondere im Zweiten Weltkrieg als Bezeichnung für deutsche Besatzungssoldaten verwendet. Diese wurden in polnischen Nachkriegsfilmen und Comics oft als Unmenschen karikiert, deren einzige, für die Zuschauer leicht wiedererkennbare Artikulation darin bestand, mit lautem „Raus! Schnell, schnell, raus!“ um sich zu werfen.

Herkunft des Wortes[Bearbeiten]

Das Wort Szwab leitet sich von der polnischen Bezeichnung für Schwaben her. Als Verb entwickelte sich das polnische Wort oszwabić, was so viel bedeutet wie „betrügen“. Die Herkunft des Wortes Szkop ist schwer nachzuweisen. Man vermutet die Herkunft aus dem Tschechischen "Skopčák", was so viel bedeutet, wie derjenige, der aus den Bergen kommt. Für die Tschechen kamen deutsche Händler zu ihnen aus den Bergen (tschechisch: s kopců).[1]

Linguistische Untersuchung vor dem geschichtlichen und politischen Hintergrund[Bearbeiten]

In der polnischen Sprache gibt es außer den beiden erwähnten noch eine Vielzahl von mehr oder weniger aggressiven Bezeichnungen für die Deutschen. Beispiele (Plural): Fryce, Prusaki, Adolfki, Helmuty, Hitlerowcy, Gestapowcy, Pierdoły saskie und viele mehr. Die Reichhaltigkeit und emotionale Intensität der polnischsprachigen Bezeichnungen für die Deutschen ist nur mit denjenigen für die Einwohner Russlands (insbesondere die der ehemaligen Sowjetunion) vergleichbar. Im Falle anderer Nationalitäten lässt sich im Polnischen keine so lange Liste von Ethnophaulismen aufstellen. Psychologische Überkompensation, als pauschale Erklärung hierfür, hält einer wissenschaftlichen Untersuchung nicht stand: die Ethnologin Maria Peisert von der Universität Breslau erklärt dieses Phänomen in ihrer Arbeit Nazwy narodowości i ras we współczesnej polszczyźnie potocznej (Bezeichnungen von Nationalitäten und Ethnien in der polnischen Umgangssprache der Gegenwart) stattdessen mit der Wirkung der historischen Erfahrung in Polen. Seit Anbeginn der polnischen Staatlichkeit haben demnach beidseitige Aggressionen, Hass, Reibereien und oft blutige Konflikte, die bis in die Gegenwart fortdauerten, das stereotype Bild der westlichen und östlichen Nachbarn in Polen geformt und verfestigt. Die tausendjährige Geschichte Polens präsentiere sich als fast ununterbrochener Streifen von Auseinandersetzungen mit den oft waffentechnisch oder zahlenmäßig überlegenen Nachbarn. Das negative Bild der Deutschen (und allgemein auch der Russen) sei nicht nur Wirkung von vergangenen Konflikten, sondern auch von immer noch nicht ausgelöschten Ansprüchen, Vorbehalten, Misstrauen oder sogar Feindlichkeiten, die durch weitere - tatsächliche oder vermeintliche - schmerzhafte Erfahrungen in den Massenmedien geschürt werden (siehe zum Beispiel die äußerst kontroverse Diskussion um Erika Steinbach). Tiefgreifende Stereotype und Ressentiments entstehen in problematischen Berührungs- und Beobachtungssituationen innerhalb der Gesellschaft, vor allem wenn dies (z. B. aus Gründen der Machtpolitik) noch geschürt und ausgenutzt wird (das kann dann tatsächlich oder vermeintlich z. B. zu Neid/Missgunst, Unverständnis, Unterlegenheitsgefühl, Überheblichkeit usw. führen).

Als erstaunlich gilt die in Polen jüngst einsetzende positivere Bewertung der traditionellen Stereotype von Deutschen und Russen (vor allem das Bild der Russen erfuhr in neuester Zeit eine enorme Aufwertung). Zu erklären ist dies wiederum mit den gegenwärtigen politischen Veränderungen in Europa, die das historisch-kulturelle Bewusstsein der Polen zu beeinflussen beginnen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Seit dem Zusammenbruch des Kommunismus 1989 in Mittel- und Osteuropa, insbesondere seit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union, den vermehrten gegenseitigen Begegnungen und dem ansteigenden Tourismusverkehr der Deutschen (Heimwehtouristen) nach Polen, ist eine Änderung in der Wahrnehmung bezüglich des Auslebens der (angeblichen) stereotypen Eigenschaften eines Szwab zu beobachten. Nicht unerheblich ist auch die Erfahrung der polnischsprachigen Bevölkerung Deutschlands (je nach Quelle bis ca. zwei Mio.), die diese in den Urlaub mit nach Polen bringen. Man begegnet sich im Allgemeinen deutlich respektvoller als je zuvor.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bohemistyka, von Elżbieta Szczepańska (polnisch)