Piefke

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Dieser Artikel beschreibt das Schmähwort. Für den Marschkomponisten siehe Johann Gottfried Piefke.

Das Wort Piefke ist in Österreich eine umgangssprachlich verwendete, meist abwertend gemeinte Bezeichnung für Deutsche außerhalb des süddeutschen Sprachraums mit entsprechender Sprachfärbung. In Deutschland ist es zumeist ein Synonym für einen Prahler oder einen Wichtigtuer.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Verwendung

Die Bezeichnung Piefke oder Pief befindet sich in Österreich im umgangs- und vulgärsprachlichen Bereich und ist hier (eigentlich) öffentlich verpönt; in Deutschland zumeist eher scherzhafte Verwendung.

Verwendung und Bedeutung von Piefke in Österreich sind dem im bayrischen Sprachraum verbreiteten Preiß für Landsleute nördlich des Weißwurstäquators vergleichbar. Diese Bezeichnungen gehören zur Gruppe der Ethnophaulismen („abwertenden Fremdbezeichnungen für Volksgruppen“). Die in Deutschland für Österreicher verwendete Bezeichnung Ösi ist ein direktes Äquivalent, da es in gleichem Maße teilweise abwertend, oft aber auch wertfrei verwendet wird.

[Bearbeiten] Wortursprung

Der Familienname Piefke stammt aus dem deutschen Osten bzw. aus dem slawischen Raum.[1] Der mit piwo ('Bier') zusammenhängende altpolnische Familienname Piwka ist in einem lateinischen Krakauer Dokument von 1390 mit Pifka und in einem deutschen Lemberger Dokument von 1445 mit Piwke wiedergegeben. Daraus wird geschlossen, dass Piwka von deutschen Ostsiedlern eingedeutscht wurde und die Urform von Piefke ist.[2][3]

Piefke wurde in den 1840er Jahren auch als Name einer Witzfigur verwendet[4]. 1882 greift Wilhelm Busch die Bezeichnung in diesem Sinn für seine Geschichte Plisch und Plum auf. Mister Pief nennt Busch den ebenso steifen wie dummen Engländer, der die beiden Hunde erwirbt.

Seine Funktion als Symbol für den typischen korrekten Preußen dürfte der Name aber vor allem seit der Niederlage des Deutschen Bundes mit Österreich gegen Preußen im Deutschen Krieg 1866 innehaben. Das verdankt er wohl nicht zuletzt dem bekannten preußischen Militärmusiker Johann Gottfried Piefke, der den Königgrätzer Marsch zur Feier des preußischen Sieges in der Entscheidungsschlacht komponierte und auch bei der Siegesparade anwesend war und dirigierte. In dieser Zeit fixiert sich auch die despektierliche Nuance in Preuße, vergleichbar dem zweihundert Jahre älteren Schimpfwort Schwede aus dem Dreißigjährigen Krieg.

Über die Begriffsprägung im heutigen Sinn gibt es wenigstens zwei Theorien, die jedoch in den Bereich der Volkslegenden einzuordnen sind und sich historisch nicht belegen lassen:

[Bearbeiten] Theorie von Joachim Schneider

Am 31. Juli 1866 fand nach Ende des preußisch-österreichischen Krieges auf dem Marchfeld bei Gänserndorf ca. 20 km vor Wien eine große Parade mit dem 3., 4. und Teilen des 2. Armeekorps vor König Wilhelm I. von Preußen statt. Neben Johann Gottfried Piefke – genannt „August“ – dirigierte auch sein Bruder Rudolf (1835–1900) ein Musikkorps. Unter den herbeigeeilten Wienern soll sich der Ruf „Die Piefkes kommen“ verbreitet haben und zum Sinnbild für 50.000 marschierende Preußen geworden sein.

[Bearbeiten] Theorie von Peter Wehle

Peter Wehle[5] führt die Bezeichnung „Piefke“ auf die Erstürmung der Düppeler Schanzen im Deutsch-Dänischen Krieg zurück. Dort waren Preußen und Österreicher Waffenbrüder. Der Preuße Piefke sei ein sehr „preußischer“ Preuße gewesen, der auf seine österreichischen Mitstreiter einen derart nachhaltigen Eindruck hinterlassen habe, dass sein Name zum Sinnbild des zackigen und ruppigen Preußen geworden sei.

[Bearbeiten] Aktuelle Entwicklungen

In den frühen 1990er Jahren erregte Felix Mitterers Piefke-Saga, die zuerst im österreichischen, später auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, auf beiden Seiten der Staatsgrenze erhebliches Aufsehen und sorgte für teils heftige Diskussionen über das Verhältnis zwischen Deutschen und Österreichern. Die Idee zur Serie ging auf einen nicht weniger kontrovers diskutierten Artikel „Wer braucht die Piefkes?“ einer österreichischen Wochenzeitschrift zurück.

[Bearbeiten] Medien

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Referenzen

  1. Wie Pifky oder Pifkowski; Hans Bahlow: Deutsches Namenslexikon.
  2. Anton Karl Mally: Piefke. Nachträge. In: Muttersprache. Zeitschrift zur Pflege und Erforschung der deutschen Sprache. Bd. 94, Jg. 1983/84, 3−4, Wiesbaden, April 1984, S. 313–327, hier 314f
  3. Konrad Kunze: dtv-Atlas Namenkunde. 1998, S. 170: Mit Bier wird der Name auch hier in Zusammenhang gebracht.
  4. Kunze: dtv-Atlas Namenkunde. 1998, S. 181
  5. Peter Wehle: Die Wiener Gaunersprache, 1977, S. 79; Peter Wehle: Sprechen Sie Wienerisch?, 1980, S. 27).
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