Tagelmust

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Einen Tagelmust tragender Tuareg-Mann

Ein Tagelmust (Tamascheq, Volk der Schleier, auch bekannt als Cheich oder berberisch: Cheche beziehungsweise éghéwed) ist ein indigogefärbtes Baumwoll-oder Leinen-Kleidungsstück, das neben einem Turban einen Schleier aufweist. Das blaue oder in abfärbendem Schwarz (eshesh) gehaltene Kleidungsstück besteht aus vielen per Hand zusammengenähten Stoffstücken, die eine lange Stoffbahn bilden, die sogenannten aleshu oder alasho. Er wird von Tuareg-Männern in verschiedenen Staaten Westafrikas getragen und kann bis zu 15 m lang sein.

Der Tagelmust wird turbanartig um den Kopf gewickelt. Je länger, desto festlicher ist er. Aber auch das soziale Ansehen lässt sich an der Länge ablesen; je respektabler eine Persönlichkeit, desto länger die Stoffbahn. Kulturell taucht der Tagelmust gelegentlich auch bei anderen Volksgruppen, wie den Hausa oder den Songhai auf. In heutiger Zeit kommen immer wieder andere Farben als Indigo ins Spiel. Junge Tuareg der neuen Ishumar-Generation tragen auch grelle Farben wie Gelb, Rot, Türkis, Rosa, Orange und Grün.

Den Tagelmust erhält, wer im Alter von 15 bis 20 Jahren in die Erwachsenenwelt eintritt. Im engsten Familienkreis wird er abgelegt, zum Essen lediglich von unten angehoben. Man wäscht ihn nicht und trägt ihn so lange, bis er auseinanderfällt.

Der Tagelmust findet praktische Verwendung in der Sahara, weil er nicht nur einen Kopfschutz gegen Sonne und Sand bietet, sondern aufgrund seines Schleiers das Einatmen von Sand (insbesondere bei Sandstürmen) verhindert.[1] Man glaubt, dass Indigo seinen Träger gesundheitlich unterstützt und als Schönheitsideal gilt; Haut und Wohlstand werden angeblich gefördert.[2] Der Tagelmust wird zumeist (ohne Wasser) mittels zerstoßenem Indigo eingefärbt, weil regelmäßig Wassernotstand vorherrscht. Durch mehrfaches Färben und die anschließende Behandlung mit einem Baumharz erhält er seine tiefblaue Farbe. Letztlich wird er mit einem Schlegel so lange geschlagen, bis sich auf der Oberfläche eine lackartige, glänzende Konsistenz gebildet hat. Typisch für indigogefärbte Stoffe ist das Abfärben des blauen Pigments auf die Haut. Das hatte dazu geführt, dass die Tuareg gemeinhin als die „blauen Männer der Wüste“ bezeichnet werden.[3] Die Wickeltechnik, die Verwendung eines Turbanbands und die Form der manchmal an diesem befestigten Amulettbehälter ist regional unterschiedlich.

Unter den Tuareg werden Männer, die den Tagelmust tragen als Kel Tagelmust oder People of the Veil bezeichnet. Der Tagelmust wird ausschließlich von erwachsenen Männern getragen. Oft zeigen Tuareg-Männer Scham, wenn sie ihren Mund oder die Nase fremden Menschen zeigen müssen. Ist ein Tagelmust nicht verfügbar, verstecken sie sich hinter ihren Händen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chris Scott, The Sahara: Dry but never boring (2007)
  2. Jenny Balfour-Paul, Indigo in the Arab World
  3. Tuareg by Dimitris Katakalaios (Archived in Culture section | Latest Approved Revision on: Thu. 07/03/2003)

Literatur[Bearbeiten]

 Commons: Cheche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Ines Kohl, Going “Off road”: With Toyota, Chech and E-Guitar through a Saharian Borderland. in: Hans Peter Hahn, Georg Klute (Hrsg.): Cultures of Migration. African Perspectives aus der Reihe Beiträge zur Afrikaforschung,Bd. 32, LIT-Verlag 2007, ISBN 978-3-8258-0668-2