Tartus

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arabisch ‏طرطوس‎, DMG Ṭarṭūs
Tartus
Tartus (Syrien)
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Koordinaten 34° 53′ N, 35° 53′ O34.88333333333335.883333333333Koordinaten: 34° 53′ N, 35° 53′ O
Basisdaten
Staat Syrien

Gouvernement

Tartus
Höhe 20 m
Einwohner 97.557 (2010)
Die Hamrat-Straße in Tartus
Die Hamrat-Straße in Tartus
Die Kathedrale Notre-Dame de Tortosa
Boote im Hafen von Tartus

Tartus (arabisch ‏طرطوس‎, DMG Ṭarṭūs), in römischer Zeit Antaradus, zur Zeit der Kreuzfahrer Tartosa oder Tortosa; ist eine Stadt an der Mittelmeer-Küste in Syrien und Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements.

Die Einwohnerzahl wurde für 2010 mit 97.557 berechnet.[1]

Lage[Bearbeiten]

Tartus ist nach Latakia die zweitgrößte Hafenstadt des Landes. Sie liegt gegenüber der Insel Arwad, etwa 90 Kilometer südlich von Latakia und 65 Kilometer nördlich von Tripoli. Der kleine Fischerhafen liegt im Stadtgebiet, der größere Haupthafen einen Kilometer nördlich in El Mina.

Die russische Kriegsmarine unterhält ihren einzigen Stützpunkt im Mittelmeer in der Marinebasis Tartus.[2] Im August 2012 wurde bekannt, dass Russland den Stützpunkt – vermutlich vorübergehend – räumt. 350 Kilometer von Tartus entfernt fanden zu dieser Zeit im Rahmen des Bürgerkrieg in Syrien schwere Gefechte statt.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Auf der der Stadt vorgelagerten Insel Arwad und in der Umgebung der Stadt existieren Siedlungsspuren der Phönizier, die mindestens bis in das 1. Jahrtausend v. Chr. zurückreichen. Die Gründung der Stadt selbst wird den Kreuzfahrern zugeschrieben. 1102 bemächtigte sich Raimond de Saint Gilles, Graf von Toulouse, des Territoriums der Stadt. Um seine Eroberungen zu sichern, errichtete er eine Zitadelle. Die Stadt wurde eine eigenständige Lehensherrschaft innerhalb des vierten Kreuzfahrerstaates, der Grafschaft Tripolis.

Im Jahr 1152 wurde die Stadt von Emir Nur ad-Din erobert. Er verlor sie bereits 1155 an die Kreuzfahrer unter dem König von Jerusalem Balduin III. Dieser übergab die Stadt im Jahr 1157 an den Templerorden.

Der Templerorden baute die Stadt zu einer für damalige Verhältnisse gewaltigen Festung aus, die Sultan Saladin 1188 erfolglos belagerte. In der Folgezeit gewann Tartus für die Templer immer mehr an Bedeutung und war gegen Ende der Kreuzzugsära eine der wichtigsten Befestigungen des Ordens. Im August 1291 mussten die Templer die Festung als ihren letzten Stützpunkt in Syrien aufgeben.

Ein im Jahr 1300 begonnener Versuch des Templerordens, den Stützpunkt wiederherzustellen, scheiterte mangels weiterer Unterstützung im Jahr 1302 durch einen Gegenangriff der Mamelucken.

In den auf die Kreuzzüge folgenden Jahrhunderten hatte Tartus keine besondere geschichtliche Bedeutung mehr.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Kathedrale Notre-Dame de Tortosa ist eine der schönsten Kirchen aus der Kreuzfahrerzeit und teilweise im romanischen, teilweise im gotischen Stil erbaut. Heute dient sie als Museum.
  • Die Zitadelle von Tartus, die im späten 12. und frühen 13. Jahrhundert von Templern erbaut wurde, ist heute ein Wohnviertel. Zu erkennen sind noch Teile der Befestigung sowie die Turmbauten der Mauern.
  • Die Insel Aruad ist etwa 3 Kilometer entfernt und ein beliebtes Ausflugsziel.

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank Rainer Scheck, Johannes Odenthal: Syrien. Hochkulturen zwischen Mittelmeer und Arabischer Wüste. 5. Auflage. DuMont, Ostfildern 2011, ISBN 978-3-7701-3978-1, S. 221–224.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tartus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.de[3]
  2. Syria, Russian naval cooperation grows. gulfnews.com, 12. September 2008
  3. Russland plant keine Marine-Hilfe für Assad im Mittelmeer