Technische Spezifikationen für die Interoperabilität

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Die Technischen Spezifikationen für die Interoperabilität (TSI) sind technische Vorschriften, die von der Europäischen Kommission für den europaweit interoperablen Eisenbahnverkehr festgelegt werden. Mit ihnen werden die Eigenschaften festgelegt, die die Teilsysteme der Eisenbahnen aufweisen müssen, um ein durchgängig zu betreibendes Eisenbahnsystem zu erhalten. Diese Teilsysteme umfassen:

Für diese Teilsysteme werden jeweils TSI für den Hochgeschwindigkeitsverkehr und für den konventionellen Verkehr erlassen. Ergänzend werden Querschnittsthemen (Brandsicherheit, Fahrgäste eingeschränkter Mobilität, Schall) in übergreifenden TSI behandelt.

Die Spezifikationen hinterlegen technische Anforderungen und ihre Nachweisführung um die Durchführung der allgemeinen EG-Richtlinien 96/48/EG zur Interoperabilität des transeuropäischen Hochgeschwindigkeitsbahnsystems und 2001/16/EG für konventionellen Eisenbahnsysteme zu regeln, welche zuletzt durch die Richtlinie 2004/50/EG geändert und inzwischen in der Richtlinie 2008/57/EG über die Interoperabilität des Eisenbahnsystems in der Gemeinschaft zusammengefasst wurden. TSI müssen von den einzelnen Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. Dies geschieht in Deutschland durch die Transeuropäische-Eisenbahn-Interoperabilitätsverordnung (TEIV).

Derzeit sind die folgenden TSIs gültig:

Hochgeschwindigkeitsverkehr[Bearbeiten]

Für den Hochgeschwindigkeitsverkehr (HGV) mit Fahrgeschwindigkeiten ab 190 km/h gelten die einzelnen Verordnungen gemäß der folgenden Tabelle[1]:

Teilsystem Abkürzung
(engl.)
Entscheidung Gültigkeit
Infrastruktur INS 2002/732/EG bis 30.06.2008
Infrastruktur INS Rev 2008/217/EG seit 01.07.2008
Energie ENE 2002/733/EG bis 30.09.2008
Energie ENE Rev 2008/284/EG seit 01.10.2008
Zugsteuerung, Zugsicherung
und Signalgebung
CCS 2002/731/EG bis 06.11.2006
Zugsteuerung, Zugsicherung
und Signalgebung
CCS Rev 2006/860/EG seit 07.11.2006
Zugsteuerung, Zugsicherung
und Signalgebung
CCS Änd 2008/386/EG seit 07.11.2006
Fahrzeuge RST 2002/735/EG bis 31.08.2008
Fahrzeuge RST Rev 2008/232/EG seit 01.09.2008
Betrieb OPE 2002/734/EG bis 31.08.2008
Betrieb OPE Rev 2008/231/EG seit 01.09.2008
Instandhaltung MAI 2002/730/EG

Erwähnenswert ist insbesondere die Einteilung in zwei Hochgeschwindigkeitsklassen:

Klasse 1: Züge mit einer Höchstgeschwindigkeit von größer oder gleich 250 km/h

Klasse 2: Züge mit einer Höchstgeschwindigkeit von mindestens 190 km/h, jedoch unter 250 km/h.

Darüber hinaus gibt es auch noch eine Spezifikation der geschwindigkeitsabhängigen dynamischen Radlast, wo die Grenze bei 250 km/h jedoch anderes inkludiert wird:

V (km/h) dynamische Radlast (kN)
190<V<=250 180
250<V<=300 170
V > 300 160

Konventioneller Eisenbahnverkehr[Bearbeiten]

Der konventionelle Eisenbahnverkehr mit einer Geschwindigkeit unter 190 km/h wird durch folgende Verordnungen geregelt[2]:

Teilsystem Abkürzung
(engl.)
Entscheidung Gültigkeit
Zugsteuerung, Zugsicherung
und Signalgebung
CCS 2006/679/EG ab 28. September 2006
Fahrzeuge - Lärm NOI 2011/229/EU seit 4. April 2011
Fahrzeuge - Güterwagen WAG 2006/861/EG seit 31. Januar 2007
Verkehrsbetrieb und Verkehrssteuerung OPE 2006/920/EG seit 11. Februar 2007
Telematikanwendungen
für den Güterverkehr
TAF 62/2006/EG seit 19. Januar 2006

HGV und konventioneller Eisenbahnverkehr[Bearbeiten]

Teilsystem Abkürzung
(engl.)
Entscheidung Gültigkeit
Mobilitätsbehinderte Personen PRM 2008/164/EG seit 1. Juli 2008
Tunnelsicherheit SRT 2008/163/EG seit 1. Juli 2008
Telematikanwendungen
für den Personenverkehr
TAP EC 454/2011 12. Mai 2011[3]

TSI und unionsrechtliche Vorgaben zur Interoperabilität des Eisenbahnsystems[Bearbeiten]

Für neue, umgerüstete oder erneuerte Teilsysteme ist gem Kapitel IV IOP-RL 2008/57/EG nach dem in der jeweiligen TSI geforderten und beschriebenen EG-Konformitätsbewertungsverfahren durch eine Benannte Stelle eine EG-Prüfbescheinigung ausgestellt, welche die Grundlage der Prüferklärung und der Inbetriebnahmegenehmigung ist (vgl Art 20 der IOP-RL).

Für das Inverkehrbringen von Interoperabilitätskomponenten, also „Bauteilen, Bauteilgruppen, Unterbaugruppen oder kompletten Materialbaugruppen, die in ein Teilsystem eingebaut sind oder eingebaut werden“ (Art 1 lit f IOP-RL 2008/57/EG), ist analog ein Verfahren zur Erstellung einer EG-Konformitäts- und Gebrauchstauglichkeitserklärung (Kapitel III, Art 10 ff IOP-RL) vorgeschrieben.

Die in Kapitel V IOP-RL geregelte EG-Prüfbescheinigung berechtigt ihren Inhaber, für jedes einzelne Fahrzeug der betreffenden Fahrzeugserie die Konformität mit den Anforderungen der TSI zu erklären. Ohne diese Erklärung kann ein Fahrzeug nicht in Betrieb genommen werden.

Für Teilsysteme, für die noch keine TSI existiert, sind weiterhin die nationalen Zulassungsverfahren anzuwenden.

In Deutschland gibt es nur eine benannte Stelle mit dem Namen Eisenbahn Cert. In anderen Staaten der EU sind weitere benannte Stellen registriert. Die bei einer benannten Stelle erworbenen Zertifikate sind europaweit gültig.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Internetseite der Europäischen Union zum Thema TSI im Bereich Hochgeschwindigkeitsverkehr
  2. Internetseite der Europäischen Union zum Thema TSI im Bereich konventioneller Eisenbahnverkehr
  3. technical specification for interoperability relating to the subsystem 'telematics applications for passenger services' of the trans-European rail system. EU, 5. Mai 2011, abgerufen am 31. Dezember 2011 (PDF, 358 KB, englisch).

Weblinks[Bearbeiten]