Technische Universität Ostrava

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Technische Universität Ostrava
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Gründung 1716
Trägerschaft staatlich
Ort Ostrava,
Tschechien
Rektor Ivo Vondrák CSc.
Studenten 23.558 (2011)
Mitarbeiter 1.087
(davon wissenschaftliche Mitarbeiter: ca. 670) (2011)
davon Professoren 137 (31. Dez. 2006)
Website http://www.vsb.cz/

Die Technische Universität Ostrava (voller deutscher Name: VŠB – Technische Universität Ostrava, tschechisch Vysoká škola báňská – Technická univerzita Ostrava, kurz: VŠB – TU Ostrava oder VŠB-TUO), wurde im Jahre 1716 als Montanschule gegründet, im Jahre 1849 als Universität anerkannt und ist heute eine bedeutende ingenieurwissenschaftliche Universität Tschechiens, insbesondere im modernen Bergbau-, Hütten- und Ingenieurwesen sowie in der Umwelt- und Nanotechnik.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der heutigen Technischen Universität Ostrava begann mit der Entwicklung des Bergbaus, die die älteste Industrie in Österreich-Ungarn war.

1716–1772[Bearbeiten]

Silberbergwerke in der Bergstadt St. Joachimsthal erhoben die Stadt zu einem Wohlstand. Die Hochkonjunktur verblasste aber zusehends, weil es nach dem Dreißigjährigen Krieg einen erheblichen Mangel an qualifizierten Arbeitern gab. Diese unbefriedigende Situation veranlasste Kaiser Karl VI. zur Initiative der Gründung und Finanzierung einer Bergschule. Die Bergbauschule wurde 1716 gegründet. Die weitere Entwicklung des Bergbaus und der Metallurgie, zusammen mit der Verbesserung der Staatsverwaltung innerhalb der österreichischen Monarchie, festigte diese Entscheidung und brachte nunmehr gut qualifiziertes Personal hervor. Diese Erfolge führten schließlich zu einem wissenschaftlichen Lehrkörper, der an der Karls-Universität Prag 1763 geöffnet wurde. Dadurch wurde auch die Grundlage für den ersten Universitätskurses in Montanwissenschaften in Böhmen geschaffen.

Die Trennung der theoretischen, wissenschaftlichen Studien einer Hochschule von der Minenindustrie, die bisher eng verknüpft waren, stellte sich als nachteilig heraus. Daher wurde der Universitätskurs durch seinen Direktor Johann Thaddäus Anton Peithner von Lichtenfels im Jahre 1772 eingestellt und nach Schemnitz im damaligen Ungarn verlegt, an die 1770 gegründete Bergakademie. Dieses war zunächst das Ende des wissenschaftlichen Unterrichts im Bergbauwesen in Böhmen für vorerst 77 Jahre.

1849–1939[Bearbeiten]

Mit dem Beginn der industriellen Revolution und der folgenden Entwicklung der Bergbau- und Metallurgieindustrien, wurde eine neue Akademie in Příbram ins Auge gefasst. Von der Tatsache, dass die Beschlussfassung über ihre Einrichtung 19 Jahre dauerte, kann man ermessen, wie wichtig die Universitätsgrundlage war, besonders wenn man die Schwierigkeiten bedenkt, die mit dem Erhalt der notwendigen technischen Ausrüstung und des Personals mit passenden Qualifikationen und Erfahrung gewesen ist. Am Ende wurde der Entscheidungsprozess durch die politischen Ereignisse von 1848 beschleunigt, da die die Akademie in Schemnitz führte, für böhmische Studenten und andere nichtungarischer Nationalität unzugänglich wurde. Darum hat Kaiser Franz Josef I. im Jahre 1849 verordnet, dass eine berufliche Schule des Bergbaus in Příbram für die nördlichen Länder aufgestellt wird, und eine weitere in Leoben für die südlichen Länder des Reiches.

Der Standort Příbram wurde ausgewählt, weil die hohe Konzentration der Gruben und des guten technischen Niveaus des Bergbaus, die Eisenerzbetriebsmittel und die nahe gelegenen Eisenarbeiten gute Bedingungen für praktischen Unterricht und Ausbildung zur Verfügung stellte. Weiter waren die Gelegenheiten auf Anstellungen für die Absolventen günstig. Die Schule in Příbram entwickelte sich unter schwierigen Bedingungen. Sie musste ihre Existenzberechtigung verteidigen, weil sie nicht soviel wie die Schule in Leoben unterstützt wurde, obwohl im späten 19. Jahrhundert der produktive Gewinn in Böhmen viermal so hoch war wie in Leoben.

Der Mangel an gut ausgebildeten Fachleuten und Grubenarbeitern ergab eine wachsende Anzahl von tragischen Grubenunfällen. 1892 verloren 320 Bergleute ihre Leben. Durch diese Häufung der Grubenunfälle und durch die Bergwerksbesitzer gezwungen, mussten die zuständigen Behörden die Bergakademie in Příbram verstärkt fördern. Auch wegen der sich stabilisierenden Studentenzahl an der Akademie wurde der Akademie im Jahre 1904 der Status einer Bergakademie zuerteilt.

In den nachfolgenden Jahren bis zu den ersten Konflikten wurde öfters eine Verlegung der Schule nach Prag (wie von tschechischen Professoren verlangt) oder nach Wien (wie von deutschen Professoren verlangt) diskutiert. Erst im Jahre 1918 mit Gründung der unabhängigen Tschechoslowakei endete diese Ungewissheit vorerst. Dennoch stoppte der Druck, gegen den Widerstand der Professoren, der Bergbauindustrie sowie der Bergbauingenieure, nicht, die Schule nach Prag zu verlegen. Die Argumente für eine Verlegung waren der höhere Wohlstand und die besseren Bedingungen für eine Entwicklung der Schule sowie die derzeit begrenzte Technische Ausrüstung und die Voraussetzungen für internationale Kontakte. Diese seien gegenüber den technischen Schulen in Prag und Brünn sehr begrenzt, so die Meinung der Umzugsbefürworter.

Trotz dieser Querelen war die Anzahl der Studenten in Příbram inzwischen auf fünfhundert gestiegen. Die Schule und ihre Professoren erwarben sich durch ihre Arbeit eine zunehmende europäische Anerkennung. Viele dieser Professoren waren an der Gründung der Schule in Ostrava beteiligt und legten die Grundlagen für die Vysoká škola báňská. Die Wirren des Zweiten Weltkrieges sind nicht spurlos an der Schule vorbeigegangen. Die Feier des 19. Gründungstages der Schule fand nie statt; die Schule wurde schließlich im November 1939 geschlossen.

Kommunistische Zeit[Bearbeiten]

Audimax der TUO

Der Präsident der tschechoslowakischen Republik, Edvard Beneš, veröffentlichte am 8. September 1945 das Dekret Nr. 69, mit dem die Entwicklung am Standort Příbram beendet und die Schule nach Ostrava verlegt wurde. Diese Verordnung beendete jahrelange Bemühungen durch die Repräsentanten in der Minenindustrie, eine Hochschule in der Mitte einer weitverbreiteten Region des Bergbaus, der Chemie und der Schwerindustrie zu lokalisieren. Gleichzeitig wurde eine neue Ära in der Geschichte der Hochschule eingeleitet.

Nach 1945 stand die Ostrauer Montanregion für die Schlüsselrohstoffe Eisen, Stahl- und chemische Produkte aus Kohle und Koks für die Verarbeitungsindustrie. Vor dem Krieg wurde 88 % des Kohlebedarfs in Ostrava produziert. Die Eisenhütten produzierten mehr als 50 % des Roheisens, 40 % vom Rohstahl, 40 % des gerollten Vorrates und beschäftigten 38 % der Arbeiter auf diesem Gebiet aus den tschechischen Ländern. Die notwendigen Qualifikationen für das Personal wurden von den Industrien auf einem hohen Niveau gehalten, wobei landesweite Kampagnen zur Anwerbung von qualifizierten Arbeitern durchgeführt wurden. Eine umfangreiche Entwicklung der Produktionstechniken mit einem hohen technischen Standard und Wettbewerbsfähigkeit sicherte eine gute wirtschaftliche Entwicklung. Mit der Umsetzung des Dekrets zur Verstaatlichung vom 20. Oktober 1945 wurden alle Industrieunternehmen mit mehr als 500 Angestellten verstaatlicht. Dieses war der Auslöser für sehr große Sozialänderungen bis hinein in die Unternehmensführungen. Ein neuer Grundsatz war die Sicherstellung der personellen Entwicklung in quantitativer und qualitativer Hinsicht durch die Unternehmen selbst. Dadurch sollte die Entwicklung der Schlüsselindustrien nachhaltig sichergestellt werden. Damit wurde auch die Nachkriegsentwicklung der Hochschule in Ostrava eingeleitet. Es wurde eine Diskussion in Ostrava angestoßen, die sich mit den Voraussetzungen für den Betrieb der Schule befassten bis hin zur Einrichtung eines großen Universitätscampus.

Im Februar 1948 wurden von dem kommunistischen Regime, das in der Region Ostrava besonders orthodox-proletarisch orientiert war, wichtige Entscheidungen über das Schicksal der Einwohner, der Stadt und seiner Entwicklung getroffen. Das Konzept für die Entwicklung der Region Ostrava als „der Schmiede von Europa“ bedeutete, dass neue Gelegenheiten für die metallurgische Produktion und infolgedessen für die Produktion von Kohle, Koks und Energie gesehen wurden.

Diese Entscheidungen zogen einen erhöhten Zuzug von Arbeitern in die Region Ostrava nach sich. Die Ansiedlung wurde zudem durch die staatliche Zuzugspropaganda mit der Versprechung von höheren Löhnen noch gefördert. Mit den Jahren entwickelte sich die Einwohnerzahl in Ostrava von 180.000 EW im Jahre 1947, über 216.000 EW 1950, 252.000 EW 1960 bis hin zu circa 330.000 Einwohnern (2004). Dadurch wurde Ostrava die Mitte einer industriellen Städteballung mit 1,3 Million Einwohnern. Fast 60 % der arbeitsfähigen Einwohner begannen in der Industrie zu arbeiten. Die Geschichte der Universität ist also zugleich die Geschichte der Stadt und der Region.

Im Jahre 1964 hatte die Regierung den Beschluss gefasst, den seit langem diskutierten Universitätscampus in Ostrava-Poruba zu errichten. Im August 1968 wurde die stufenweise Liberalisierung der Universität eingeleitet. Jedoch wurden die neuen Entwicklungen 1969 durch die Normalisierungbewegung beeinflusst, die den Einfluss der kommunistischen Partei so verstärkte, dass viele Professoren, Lehrer und Forscher sowie Studenten die Schule verlassen mussten. Anderen wurde verboten zu unterrichten und auch Ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu veröffentlichen. Trotz allem versuchte eine Anzahl von Professoren die Störungen durch die politischen Behörden zu vermindern. Man schaffte dies in einem gewissen Rahmen und soweit, dass im Jahre 1973 ein normaler akademischer Unterricht möglich war. Die Entwicklungen in der Elektrotechnik wurde Rechnung getragen und 1977 die Fakultät für Maschinenbau um den Bereich Elektrotechnik erweitert. Im selben Jahr wurde die Ökonomische Fakultät ausgebaut und zusätzliche Professoren berufen. Die Schule wuchs und man konnte 1980 feststellen, dass 10 mal mehr Studenten eingeschrieben waren als 1945 und zwar in 23 verschiedenen Fachrichtungen. Insbesondere wurde eine enge Verzahnung mit der Industrie hergestellt, die Wissenschaft und Industrie zum beiderseitigen Vorteil verknüpfte. Die internationalen Kontakte beschränkten sich jedoch nur auf die Länder des RGW. Auf dem Campus wurden neue Institute der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften aufgebaut und neue Gebäude für andere Fachbereiche erstellt.

Ab 1989[Bearbeiten]

Die Samtene Revolution 1989 und das Ende des „realen Sozialismus“ brachte der Universität einen Schub. Es wurden Konzepte umgesetzt, die die zukünftige Entwicklung der Universität sichern sollten. Aufbauend auf die historischen Wurzeln „Kohle und Eisen“ wurde eine moderne technische Universität erstellt. Seit 1996 ist der FC VSK VŠB TU Ostrava als Futsal-Verein der Universität aktiv. Die Universität hat zufolge der Bologna-Erklärung im Jahre 2001 moderne Abschlüsse eingeführt sowie ein ECTS-System umgesetzt. Es gibt sowohl Präsenzstudienrichtungen als auch eine steigende Anzahl von Angeboten eines Fernstudiums. Es wird in der Regel in tschechischer Sprache gelehrt. Zunehmend werden aber auch Programme in Englisch angeboten.

2008 wurde ein Business-Inkubator für ca. 35 Start-Ups gegründet. Außerdem existiert ein Technologiezentrum. Als Forschungsschwerpunkt hat sich ein IT-Excellenzcenter (IT4Innovations) für Supercomputer-Anwendungen, Parallelverarbeitung und dynamische Simulation von Materialverhalten und Umweltprozessen entwickelt, das ehrgeizige Ausbaupläne verfolgt.

Fakultäten[Bearbeiten]

  • Fakultät für Bergbauwesen und Geologie
  • Fakultät für Metallurgie und Materialingenieurwesen
  • Fakultät für Maschinenwesen
  • Fakultät für Elektrotechnik und Informatik
  • Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
  • Fakultät für Bauingenieurwesen
  • Fakultät für Sicherheitsingenieurwesen

Fakultätsübergreifende Studienprogramme: Nanotechnologie, Mechatronik.

Partnerhochschulen[Bearbeiten]

Nachdem sich 1989 die Tür in die Welt öffnete, wurde die technische Universität neuer Partner in vielen Ländern. Darunter befinden sich bekannte Universitäten wie beispielsweise die Technische Universität Wien, Technische Universität Delft, Carnegie Mellon University und National Chiao Tung University.

Ein wissenschaftlicher Austausch findet u.a. mit folgenden deutschen Universitäten und Hochschulen statt:

Bekannte Professoren und Absolventen[Bearbeiten]

  • Karel Heyrowský (1802–1863), Professor für Bergbau, Bergbauausrüstung, Bergbaustandards von 1849 bis 1863
  • Josef Theurer (1862–1928), Professor für Mathematik und Physik von 1895 bis 1926, Erster Kanzler der Vysoká škola báňská in Příbram (1904) und Rektor von 1903 bis 1927
  • František Čechura (1887–1974), Professor für Bergbaustandards, Rektor der TUO von 1945 bis 1950
  • František Mařík (1884–1966), Professor für Förderanlagen
  • Alois Řiman (1896–1966), Begründer der Minenplanung
  • Richard Doležal (1921–2005), Professor für Verfahrenstechnik und Dampfkesselwesen an der Bergbauakademie Ostrava, TH Prag, TU Braunschweig, Universität Stuttgart
  • Petr Šnapka (* 1943), Professor für Ökonomie und Management, Dean IDMS
  • Tomáš Čermák (* 1943), Ingenieurwissenschaftler und Rektor der TUO (1990 bis 1997, 2003 bis 2010)
  • Václav Roubíček (1944-2010)[1], Professor für Brandsicherheit an der TUO, Rektor 1997 bis 2003; Mitglied des Senats des Parlaments der Tschechischen Republik 2003-2008

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Professor Vaclav Roubicek, 1944-2010: O„ur hearts are open for you“ (PDF; 145 kB), abgerufen am 20. Februar 2011

Weblinks[Bearbeiten]