Thomas Ebendorfer
Thomas Ebendorfer, genannt Thomas von Haselbach (* 10. August 1388 in Haselbach bei Stockerau, Herzogtum Österreich; † 12. Januar 1464 in Wien) war ein österreichischer Theologe, Universitätsprofessor und Geschichtsschreiber.
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Leben [Bearbeiten]
Ebendorfer war Mitglied der Wiener Schule der Pastoraltheologie. Er studierte an der theologischen Fakultät der Universität Wien, wo er ein Schüler Nikolaus von Dinkelsbühl war und die heute noch erhaltenen Leichenrede für seinen Lehrer hielt. Ebendorfer wurde vermutlich um 1421 zum Priester geweiht.
Ebendorfer nahm als Gesandter der Universität von Wien am Konzil von Basel teil und wurde zum führenden Theologen des Konziliarismus. 1435 musste er das Konzil jedoch verlassen, da die Finanzierung des Aufenthaltes nicht mehr garantiert war. Danach war Ebendorfer als Gesandter Friedrichs III. tätig (bis 1458). Er hat sich danach mehr von der Konzilspartei entfernt.
Ebendorfer war mehrmals Dekan und Rektor an der Wiener Universität. Er galt als Experte in der Hussitenfrage und war an verschiedenen Verhandlungen in dieser Frage beteiligt. Er soll auch an mehreren Reichstagen teilgenommen haben.
Seine Chroniken, etwa die Cronica Austriae von 1463, sind wichtige Quellen für die Geschichtsschreibung. So ist sie unter anderem die einzige christliche Quelle, die ausführlich über die Ereignisse der Wiener Gesera (Judenvertreibung und -verbrennung) berichtet.
1464 starb Thomas Ebendorfer im Alter von 75 Jahren in Wien. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Kirche von Perchtoldsdorf.
Nach ihm wurde 1873 die Ebendorferstraße in Wien-Innere Stadt benannt.
Werke [Bearbeiten]
- Alphons Lhotsky (Hrsg.): Scriptores rerum Germanicarum, Nova series 13: Thomas Ebendorfer, Chronica Austriae. Berlin /Zürich 1967 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
- Harald Zimmermann (Hrsg.): Scriptores rerum Germanicarum, Nova series 16: Thomas Ebendorfer, Chronica pontificum Romanorum. München 1994 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
- Harald Zimmermann (Hrsg.): Scriptores rerum Germanicarum, Nova series 18,1: Thomas Ebendorfer, Chronica regum Romanorum. Teil 1. Hannover 2003 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
- Harald Zimmermann (Hrsg.): Scriptores rerum Germanicarum, Nova series 18,2: Thomas Ebendorfer, Chronica regum Romanorum. Teil 1. Hannover 2003 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
- Diarium sive Tractatus cum Boemis (1433–1436), ed. Harald Zimmermann. Hahn, Hannover 2010, ISBN 978-3-7752-0225-1.
Literatur [Bearbeiten]
- Johannes Seidl (Hrsg.): Thomas Ebendorfer von Haselbach (1388-1464). Gelehrter, Diplomat, Pfarrer von Perchtoldsdorf. Perchtoldsdorf: s.n., 1988.
- Franz von Krones: Ebendorfer, Thomas. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 5, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 526–528.
- Alphons Lhotsky: Ebendorfer, Thomas. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 223 f. (Digitalisat).
- Harald Zimmermann: Ebendorfer, Thomas. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 14, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5, Sp. 945–946.
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Thomas Ebendorfer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Thomas Ebendorfer im Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“
- Eintrag zu Thomas Ebendorfer in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online (auf AEIOU)
- Eintrag über Thomas Ebendorfer in der Datenbank „Gedächtnis des Landes“ zur Geschichte des Landes Niederösterreich (Landesmuseum Niederösterreich)
- Der Buchschmuck von drei Handschriften Ebendorfers im Kurzinventar der illuminierten Handschriften des Stiftes Herzogenburg
- Thomas Ebendorfer in der Stadtgeschichte von Passau
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ebendorfer, Thomas |
| ALTERNATIVNAMEN | Haselbach, Thomas von |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Theologe, Universitätsprofessor und Geschichtsschreiber |
| GEBURTSDATUM | 10. August 1388 |
| GEBURTSORT | Haselbach |
| STERBEDATUM | 12. Januar 1464 |
| STERBEORT | Wien |