Tierpfleger

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Zoowärter ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zur US-amerikanischen Filmkomödie aus dem Jahr 2011 siehe Der Zoowärter.

Tierpfleger ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Berufsbezeichnung und die Bezeichnung für den dazugehörigen Ausbildungsberuf. Ihr Aufgabengebiet umfasst die fach- und artgerechte Pflege, Betreuung und Zucht von Tieren in Tierheimen, Zoos, Forschungseinrichtungen oder Zuchtbetrieben.

Berufsbild[Bearbeiten]

Das Berufsbild differenziert sich in drei Tätigkeitsfelder:

  • Forschung und Klinik: Hier liegen die Tätigkeitsschwerpunkte auf der Zucht und Haltung von Versuchstieren, vor allem von genetisch veränderten Mäusen. Außerdem unterstützen die Tierpfleger die Wissenschaftler bei Experimenten und Dokumentationsarbeiten sowie bei kleineren Operationen. Hauptsächliches Arbeitsgebiet sind Forschungslabore der Universitätskliniken und Pharmakonzernen. Aktuell vollzieht sich ein Wandel von der reinen Tierpflege hin zu komplexen und differenzierten Tätigkeitsfeldern.

Hierbei ist vor allem die Generierung von genetisch veränderten Tieren zu nennen, oder die Arbeit im klassischen Labor. Der Tierpfleger hat hier die wichtige Aufgabe, den Versuchstieren das Leben so angenehm wie möglich zu machen und im Rahmen seiner Tätigkeit den Tierschutz zu gewährleisten.

  • Zootierpflege: Tätigkeit in zoologischen Gärten und ähnlichen Einrichtungen. Wichtig sind die Errichtung und Wartung (Reinigung) artgerechter Gehege und die Fütterung und Pflege der Tiere selbst. Gegebenenfalls ist die Aneignung umfangreicher Kenntnisse über seltene oder exotische Tierarten nötig. Im Rahmen der Erhaltung bedrohter Tierarten kommt auch hier eine Tätigkeit im Bereich Zucht/Aufzucht in Frage. Die Unterstützung tierärztlicher Maßnahmen ist ebenfalls ein wichtiger Teil des Arbeitsfeldes. Zusätzlich kommen Information und Betreuung der Besucher hinzu.
  • Tierheim- und Pensiontierpflege: Umfasst die Pflege und Betreuung von Haustieren in Tierheimen und -pensionen. Die Einrichtung und der Betrieb solcher Einrichtungen sind hier ebenso Teil des Berufsbildes wie die Pflege der Tiere.

Ausbildung[Bearbeiten]

In Deutschland und Österreich ist für die Ausbildung zum Tierpfleger der Abschluss eines Ausbildungsvertrages mit einem Ausbildungsbetrieb erforderlich. Für die Fachrichtung Zoo bieten alle größeren Zoos bzw. Tiergärten sowie manche Wildparks Ausbildungsplätze an. Viele Tierheime sowie manche Tierpensionen für Hunde und Katzen, aber auch für Pferde oder andere Heimtiere bieten Ausbildungsplätze der Fachrichtung Tierheim und Tierpension an. Schließlich kann man auch einen Ausbildungsplatz der Fachrichtung Forschung und Klinik abschließen, entweder an einer Klinik für Großtiere oder Heimtiere/Kleintiere bzw. einer Forschungseinrichtung mit Tierhaltung (z.B. Institute an Universitäten).

Allgemein umfasst die Ausbildung Grundkenntnisse der Anatomie von Tieren sowie den Erwerb von Kenntnissen über Haltung, Ernährung, Pflege und Transport von Tieren. Tier- und Umweltschutz, sowie entsprechende Rechtsvorschriften sollen vermittelt werden, ebenso Grundlagen des Arbeitsschutzes und der Arbeits- und Betriebsorganisation.

Deutschland[Bearbeiten]

Der Ausbildungsberuf Tierpfleger ist im Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt. Die dreijährige duale Ausbildung mit Fachrichtungen findet im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule statt. Im dritten Ausbildungsjahr erfolgt eine Spezialisierung in eine der drei oben aufgeführten Fachrichtungen.[1] Nach ungefähr der Hälfte der Ausbildung führt die zuständige IHK (Industrie- und Handelskammer) eine Zwischenprüfung durch. Die Ausbildung wird nach drei Jahren mit einer schriftlichen Kenntnisprüfung und einer praktischen Fertigkeitsprüfung abgeschlossen.

Vergütung während der Ausbildung[Bearbeiten]

Die Auszubildenden erhalten von den Tierheimen, Kliniken und Zoos eine monatliche Ausbildungsvergütung, deren Höhe tarifvertraglich festgelegt wird und die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist. Für den Ausbildungsberuf „Tierpfleger” betrug sie laut der Datenbank Ausbildungsvergütungen (DAV) des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) Stand 10/2011:

  • 1. Ausbildungsjahr: € 730 bis € 745
  • 2. Ausbildungsjahr: € 778 bis € 804
  • 3. Ausbildungsjahr: € 824 bis € 877

Diese Angaben gelten für alle drei Fachrichtungen: Tierheim/Tierpension, Zoo und Forschung/Klinik

Österreich[Bearbeiten]

Der Lehrling wird ebenfalls drei Jahre im dualen System ausgebildet. Voraussetzung für den Beginn der Lehre ist das Absolvieren der 9 Pflichtschuljahre. Die meisten Lehrlinge besitzen aber einen Abschluss der Hauptschule und/oder Polytechnischen Schule. Abhängig vom Ausbildungsbetrieb wird ein Schwerpunkt in einem der drei oben genannten Tätigkeitsbereiche gesetzt.[2] Die Ausbildung wird mit der Lehrabschlussprüfung abgeschlossen. Eine Meisterprüfung ist nicht vorgesehen. Für Höherqualifizierungen an Kollegs, Fachhochschulen und Universitäten braucht man in Österreich meistens die Berufsmatura (Berufsreifeprüfung), die sich aus der Lehrabschlussprüfung und vier weiteren Prüfungen zusammensetzt.

Schweiz[Bearbeiten]

Die Ausbildung zum/zur Tierpfleger/in EFZ (französisch Gardien d’animaux CFC, italienisch Guardiano di animali AFC) dauert drei Jahre. Die angebotenen Fachrichtungen sind Heimtiere, Versuchstiere und Wildtiere.

Berufsaussichten[Bearbeiten]

Die Berufsaussichten sind zurzeit sehr gut, vor allem im Bereich Forschung und Klinik fehlt eine Vielzahl an Fachkräften. Das Gehalt eines Tierpflegers ist im Bereich Tierheim und Tierpension meist frei verhandelbar, in den Bereichen Forschung und Klinik sowie Zoos orientiert es sich an den Tarifverträgen der Kommunen bzw. der Bundesländer. Die Beschäftigungszahlen für Tierpfleger sind seit dem Jahr 1999 relativ konstant und lagen im Jahr 2011 bei 22.062 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und 4.239 Arbeitsuchenden.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausbildungsverordnung Deutschland (PDF; 80 kB) gültig seit 2003
  2. Ausbildungsverordnung für Tierpfleger Österreich (PDF; 75 kB) gültig seit 1997
  3. Beschäftigungszahlen für Tierpfleger in Deutschland Ulmato-Bewerbungen mit Verweis auf IAB Forschungsgruppe Berufliche Arbeitsmärkte, aufgerufen am 20. März 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Tierpfleger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen