Tobias Kohen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tobias Kohen (1652–1729)

Tobias Kohen (* 1652 in Metz; † 1729 in Jerusalem) war ein deutsch-polnischer Arzt und Schriftsteller. Er war später als Arzt in Konstantinopel, Venedig und Palästina tätig.

Leben[Bearbeiten]

Schon sein Großvater Eleazar Kohn war Arzt und kam aus Jerusalem, er siedelte sich in Kamjanez-Podilskyj (Heute: Ukraine) an. Das Vater von Tobias Kohen war ebenfalls Arzt und hieß Moses Kohn (1598; † 10. Mai 1659), er siedelte zunächst in Narol – damals ein reiche Handelsstadt im heutigen Polen. Er flüchtete 1648 nach Frankreich, als die Stadt während des Chmelnyzkyj-Aufstand geplündert wurde, und war dann Rabbiner in Metz unter dem Namen Kohen-Nerol. Nach dem frühen Tod des Vater heiratet seine Mutter Feige († 1666) 1663 den Wormser Rabbiner Samson Bacharach (1607–1670).[1] Der junge Tobias ging dann zu Talmud-Studien zurück nach Polen. Der Osmanisch-Polnischer Krieg 1672–1676 ließ ihn aber dann zum Studium der Medizin zur Universität Padua gehen. 1685 kam er mit einem Studienkollegen Gabriel Felix Moschides nach Deutschland zur Weiterbildung.[2] Hier wurde er vom Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg protegiert. Dieser veranlasste, das Tobias Kohen als erster Jude in Deutschland offiziell eine Hochschule besuchen durfte und so konnte er an der Universität von Frankfurt an der Oder studieren (sein Freund Gabriel durfte ebenfalls studieren).[3] Später kehrte er nach Padua zurück um dort zu promovieren, da das in Frankfurt und ganz Deutschland für Juden nicht möglich war. Danach ließ sich in Konstantinopel nieder.

Hier wurde er Leibarzt des Tatarenfürsten Selim Girig Khan und der Sultane Mehmed IV., Suleiman II., Ahmed II., Mustafa II. und Ahmed III. Im Jahre 1724 ging er nach Jerusalem, wo er 1729 starb.

Werke[Bearbeiten]

Titetbild von Ma'aseh Toviyyah das den Körper als Haus zeigt

Er beschrieb als erster den Weichselzopf (plica polonica) und veröffentlichte das Lehrbuch:

  • Ma’aseh Toviyyah (maazsa Tobia) 1707, Venedig (Bragadini), Jesniz 1721, Benjacob 1853

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „records of the franklin family and collaterals“ Google Books
  2. Bibliotheca Judaica: bibliographisches Handbuch umfassend die Druckwerke der jüdischen Literatur einschliesslich der über Juden und Judenthum veröffentlichten Schriften, nach alfabetischer Ordnung der Verfasser bearbeitet, mit einer Geschichte der jüdischen Bibliographie sowie mit ..., Band 3. Google Books
  3. Guido Kisch: Die Prager Universität und die Juden, 1348–1848. Google Books