Chmelnyzkyj-Aufstand

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Chmelnyzkyj-Aufstand
Bohdan Chmelnyzkyj in Kiew. Gemälde vom Mykola Iwasjuk, Ende 19. Jhdt.
Bohdan Chmelnyzkyj in Kiew. Gemälde vom Mykola Iwasjuk, Ende 19. Jhdt.
Datum 1648 bis 1657
Ort Ukraine, Moldau, Belarus, Polen
Ausgang Sieg der Kosaken
Konfliktparteien
Herb Viyska Zaporozkogo (Alex K).svg Saporoger Kosaken Herb Rzeczypospolitej Obojga Narodow (Alex K).svg Polen-Litauen
Befehlshaber
Bohdan Chmelnyzkyj Władysław IV. Wasa
Johann II. Kasimir
Verluste
unbekannt unbekannt

Chmelnyzkyj-Aufstand war ein gegen die Adelsrepublik Polen-Litauen gerichteter großer Aufstand der Saporoger Kosaken und breiter Schichten christlich-orthodoxer Bevölkerung unter der Führung von Bohdan Chmelnyzkyj in den Jahren 1648−1657. Der Grund war die zunehmende Willkür polnischer Landbesitzer gegenüber der ukrainisch-weißrussischen (ruthenischen) Landbevölkerung, wirtschaftliche Ausbeutung und der religiöse Druck auf die Orthodoxie im Rahmen der Union von Brest.

Bohdan Chmelnyzkyj, ein enteigneter ruthenischer Adliger, begab sich zur Saporoger Sitsch, dem Hort der Kosaken, und wurde dort zum Hetman gewählt. Eine Kosakenarmee begann einen erfolgreichen Feldzug gegen die Armee der polnischen Krone und schlug sie mehrmals empfindlich. Bereits 1648, zu Beginn des Aufstandes, schickte Bohdan Chmelnyzkyj eine Gesandtschaft nach Moskau mit der Bitte um Beistand. Da Moskau jedoch zögerte, einen neuen Krieg gegen Polen-Litauen zu beginnen, mussten sich die Kosaken mit den Krimtataren verbünden. Als Bezahlung durften die Krimtataren den Löwenanteil der erbeuteten polnischen Güter behalten. Die Kosaken begannen einen unaufhaltsamen Vormarsch Richtung Westen, wobei während des Feldzugs Massaker großen Ausmaßes an Polen, Jesuiten, römisch-katholischen Geistlichen und Juden begangen wurden. Der Völkermordforscher Gunnar Heinsohn schätzt, dass diesen Massakern zwischen 34.000 bis 42.500 Menschen zum Opfer fielen [1].

Das Kriegsglück verließ Chmelnyzkyj, als der Krimkhan İslâm III. Giray in den Schlachten bei Sboriw, Berestetschko und Schwanez die Kosaken verriet, damit Polen nicht allzu sehr geschwächt würde. Daraufhin wandte sich Chmelnyzkyj erneut an Zar Alexei Michailowitsch. Bei der Rada von Perejaslaw im Januar 1654 schwor ein Großteil der Kosakenelite einen Treueeid auf den Zaren. Das Zarentum Russland erklärte daraufhin Polen-Litauen den Krieg. Der sehr wechselhafte Russisch-Polnische Krieg 1654–1667 war eine Fortsetzung des Chmelnyzkyj-Aufstands. Am Ende wurde die Ukraine zwischen Russland und Polen entlang des Dnepr aufgeteilt.

Literatur[Bearbeiten]

Der Roman Mit Feuer und Schwert, den der polnischen Literatur-Nobelpreisträger Henryk Sienkiewicz 1884 schrieb, thematisiert den Aufstand in der Ukraine unter Chmelnyzkyj gegen die Polnisch-Litauische Herrschaft. Die Verfilmung des Romans von 1999 war mit über 7 Millionen Zuschauern der in Polen erfolgreichste Kinofilm der Nachwendezeit.

Im Roman Satan in Goraj des polnisch- US-amerikanisch- jiddischen Literatur-Nobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer werden die Massaker an der jüdischen Bevölkerung sehr plastisch dargestellt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gunnar Heinsohn: Lexikon der Völkermorde. ISBN 3-499-22338-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chmelnyzkyj-Aufstand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien