Tokugawa Ienari

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Tokugawa Ienari (jap. 徳川 家斉; * 18. November 1773; † 22. März 1841), war von 1786 bis 1837 der 11. Shōgun der Edō-Zeit in Japan.

Lebensweg[Bearbeiten]

Hitotsubashi Ienari wurde 1781 vom Shogun Tokugawa Ieharu adoptiert, nachdem dessen beide Söhne gestorben waren. Der leibliche Vater war Harusada (1727-89). Sein Amt trat er 14-jährig an. Während seiner Minderjährigkeit führte Matsudaira Sadanobu die Regentschaft (hosa), bis er sich 1793 zurückzog. 1788 kam es zum großen Brand von Kyōto.

Tokugawa Ienari in klassischer Hoftracht

In die Zeit nach dem Tode des bisher effektiv herrschenden Ratsmitglieds Tanuma Okitsugu (田沼意次; 1719-88) fielen erste Reformen im Gerichts- und Schulwesen und zur Wiederherstellung der Währung und Preisstabilität. Hauptsächlich über Luxusverbote sollten die Finanzen wieder geordnet werden. Dazu diente auch die verschärfte Abschließung des Landes (sakoku); so wurden die Verbindungen nach Luzon und Annam abgebrochen. Diese „Kansei-Reformen“ zielten insgesamt auf die Stärkung der Zentralgewalt ab und wurden bis 1802 weitergeführt. Den Kindern der Samurai-Klasse sollte „Sittlichkeit“ durch verstärkte konfuzianische Erziehung, in der renovierten Shōhei-Akademie geleitet von Hayashi Kimpō beigebracht werden.[1] Über die Jahre scheiterten sämtliche Versuche die Inflation einzudämmen. Mittelfristig scheiterten die Bemühungen jedoch, da die Vorgaben übermäßig unflexibel gehandhabt wurden.[2][3]

Nach dem Rückzug Sadanobus amtierte Ienari direkt während der Bunka- und Bunsei-Ären. Diese Zeit zeichnete sich politisch durch Stagnation, Vetternwirtschaft und budgetärem Missbrauch aus. Dies ist wohl auch der Grund weshalb die Person Ienari’s von der Forschung bisher kaum beachtet wurde. Siebold wurde von Ienari 1826 in Audienz empfangen.

In die Amtszeit Ienaris fielen vermehrte Versuche der imperialistischen Mächte, besonders Englands[4], Rußlands,[5] aber auch Chinas, mit Japan wieder in Kontakt zu treten.

1837 kam es in Ōsaka infolge einer Hungersnot, die durch korrupte Beamte wesentlich verschärft wurde, zum versuchten Sturm auf die Burg von Ōsaka des Ōshio Heihachirō, in dessen Folge fünf Brücken, 18.000 Häuser und 1.800 Speicher durch Feuer zerstört wurden. Bald nach der Niederschlagung trat Ienari nach über 50-jähriger Amtszeit zurück. Er starb vier Jahre nachdem sein Sohn Tokugawa Ieyoshi Shogun geworden war.

Kan'ei-ji, wo Ienari begraben liegt

Als einzigem der Tokugawa-Shogune wurde Ienari die Ehre zuteil, zu Lebzeiten das höfische Großkanzleramt (Dajō Daijin; 1827–1841) verliehen zu bekommen. Sein Grab befindet sich im Kanei-ji; postum wurde ihm der Name Bunkyō-in verliehen.[6]

Frauen[Bearbeiten]

Seine Hauptfrau war die Tochter des mächtigen Daimyō von Satsuma Shimazu Shigehide (1745–1833). Ienari zeugte mit 40 Frauen 51[7] Kinder, von denen 31 im Kindesalter verstarben. Hunderte weitere „Damen“ fanden sich in seinem Haushalt. Die Vielzahl seiner Nachkommenschaft, deren Unterhalt nicht vom Tennō finanziert wurde, erlaubte es ihm weitreichend politische Bündnisse durch Heiraten abzusichern.

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Backus, Robert; Kansei Prohibition of Heterodoxy and Its Effects on Education; Harvard Journal of Asian Studies Vol. 39 (1979), S 55-106
  2. vgl. Soranaka Isao; The Kansei reforms - Success or Failure?; Monumenta Nipponica Vol. 33 (1978)
  3. vgl. Peter Pörtner, Jens Heise: Die Philosophie Japans. Kröner Verlag, Stuttgart 1995, S. 274
  4. vgl.: Will Robert Stewart
    en:Fleetwood John Pellew
  5. vgl. en:Adam Laxmann
  6. Martin Ramming, (Hrsg.): Japan-Handbuch;, Berlin 1941, S. 603
  7. oder 55: Kodansha encyclopedia of Japan; Tokyo 1983

Siehe auch[Bearbeiten]

Japanische Namensreihenfolge Japanischer Name: Wie in Japan üblich, steht in diesem Artikel der Familienname vor dem Vornamen. Somit ist Tokugawa der Familienname, Ienari der Vorname.