Traunfall

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Der Traunfall von der Traunfallbrücke aus gesehen.

Der Traunfall ist ein Wasserfall der Traun in Oberösterreich. Er befindet sich zwischen den beiden Orten Steyrermühl und Roitham, an der Gemeindegrenze von Desselbrunn und Roitham. Der Wasserfall hat eine Fallhöhe von rund zwölf Metern und eine Länge von rund 200 Metern. Diese außerordendliche Länge entsteht, weil er nicht rechtwinkelig zum Flussbett verläuft, sondern sich diagonal vom linken Flussufer zum rechten zieht.

Im Zuge der Kraftwerkserrichtung „Traunfall“ um 1900 wurde der Fallkanal für die Flößer, auch „guter Fall“ bezeichnet, eliminiert und der „wilde Fall“ durch eine Betonwehranlage stark verändert.

Fallkanal[Bearbeiten]

Fahrt mit dem Salzschiff durch die Traunfall-Schleuse, ein Holzstich aus dem Jahr 1874

Auf Grund des Gefälles war der Traunfall lange Zeit ein natürliches Hindernis im Schiffsverkehr. Im Jahre 1311 wurde er das erste Mal schiffbar gemacht. Wie diese Konstruktion aussah, ist heute nicht mehr bekannt. Erst im 16. Jahrhundert kam es zum endgültigen Ausbau zum „fahrbahren Fall“ oder „guter Fall“, wie er auch genannt wurde. Erbaut wurde er vom Holz-, Klaus- und Wasserbaumeister Thomas Seeauer aus Bad Goisern.

Der Fallkanal hatte eine Länge von 396,5 m und eine wechselnde Breite von durchschnittlich 6,1 m. Das Gefälle des Kanals war nicht einheitlich, es betrug am Anfang 15 ‰ und am Ende 65,7 ‰. Um die Wassergeschwindigkeit des sehr starken Gefälles – besonders am Ende des Kanals – zu verringern, wurden Schlitze im Boden des Gerinnes freigelassen. So betrug der Wasserstand am Anfang 90 cm und am Ausgang nur mehr 30 cm. Die Durchfahrt durch diese Floßgasse dauerte 54 Sekunden und war mit den damaligen Mitteln sehr riskant. Ein Modell der Gesamtanlage kann im Schiffleutmuseum in Stadl-Paura besichtigt werden.

Heute ist vom Fallkanal nichts mehr erhalten. Er wurde, wie viele Holzbauten auf und an der Traun, ein Opfer der Modernisierung. Entlang des alten Kanals verläuft heute ein unterirdischer Wasserlauf, mit dem das Wasserkraftwerk Traunfall betrieben wird. Die künstliche Felswand und einige Metallstreben sind heute noch erhalten.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Kraftwerk Traunfall[Bearbeiten]

Ab dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurde die Traun elektrizitätswirtschaftlich genutzt, unter anderem entstand um die Jahrhundertwende das vorerst bedeutendste Kraftwerk der Traun am Traunfall. Es wurde von der Firma Stern & Hafferl, Rechtsvorgängerin der Energie AG Oberösterreich, errichtet. 1901 ging das Kraftwerk mit einer Leistung von 1830 kW in Betrieb. Bereits 1903 erfolgte ein Ausbau, so dass das Kraftwerk 2740 kW lieferte. Damit war es zu dieser Zeit eine der größten Wasserkraftanlagen Österreichs.[1]

Unmittelbar oberhalb des Traunfalls wurde 1923 ein weiteres Wasserkraftwerk - Kraftwerk Siebenbrunn - von der Papierfabrik Steyrermühl errichtet. Dabei kamen erstmals zwei Kaplanturbinen mit einer Leistung von je über 1000 PS zum Einsatz.[2]

Traunfallbrücke[Bearbeiten]

Die Traunfallbrücke; im Vordergrund rechts eine Wehranlage, die zum Kraftwerk Traunfall gehört und im Hintergrund das Kraftwerk Siebenbrunn.

Die erste Traunfallbrücke führte am unteren Ende des Traunfalls über den Fluss. 1925 wurde flussaufwärts in Höhe der Talränder eine Stahlbetonbogenbrücke mit einer Spannweite von 71 Metern und einer Höhe von rund 28 Metern nach einem Entwurf des Architekten Julius Schulte errichtet; sie war damals die größte Bogenbrücke Österreichs. Während des Zweiten Weltkrieges wurde diese Brücke zerstört und 1948 in alter Form wieder aufgebaut.[3]

Nikolauskapelle am Traunfall[Bearbeiten]

Die denkmalgeschützte Nikolauskapelle aus dem Ende des 17. Jahrhunderts.

Im Jahre 1439 wurde das erste Mal von der Kapelle am Fall berichtet. 1598 wurde sie von einem Hochwasser weggeschwemmt und erst 100 Jahre später in ihrer bis heute erhaltenen, barocken Form wieder errichtet. Jahrhunderte hindurch hatte der jeweilige Roithamer Pfarrer eine Wochenmesse in dieser Kapelle zu feiern. Diese Messe wurde von den Gmunder Salzfertigern gestiftet. Die Kapelle ist heute eines der letzten erhaltenen Gebäude am Traunfall aus der Zeit der Salzschifffahrt und steht unter Denkmalschutz.

Flößermadonna[Bearbeiten]

Bronzeplastik „Flößermadonna“

Nach einem Entwurf des Ebenseeer Bildhauers Johann Kienesberger wurde von Josef Prizovsky eine Plastik mit der Bezeichnung „Flößermadonna“ aus Bronze in der Größe von etwa 130 x 100 cm angefertigt. Dieses Kunstwerk wurde 1984 auf einem Steinsockel am rechten Traunufer, im Bereich des ursprünglichen Traunübergangs, wo jetzt ein Steg über die Traun führt, aufgestellt. Im August 2012 wurde die Bronze-Statue von unbekannten Tätern gestohlen.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Traunfall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Energie AG: Kraftwerksstufen der mittleren und unteren Traun (PDF; 636 kB); abgerufen am 30. März 2012
  2. Martin Gschwandtner: Viktor Kaplan und seine Turbine, Verlag für akademische Texte, ISBN 9783638166621
  3. Franz Federspiel: Flussverbauung und Wasserbauten an der Traun (Kataloge des OÖ. Landesmuseums N.F. Nr. 54, 1992, 185-204; PDF; 2,5 MB)
  4. Bundeskriminalamt: Statue Flößermadonna; abgerufen am 9. Sep. 2012

48.01611111111113.799722222222Koordinaten: 48° 0′ 58″ N, 13° 47′ 59″ O