Variantenwörterbuch des Deutschen

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Das 2004 erschienene „Variantenwörterbuch des Deutschen“ beschreibt erstmals die geographischen Varietäten der deutschen Standardsprache. Dialekt und Umgangssprache wurden nur berücksichtigt, wenn die entsprechenden Wörter auch oft in Standardtexten vorkommen.

Das Wörterbuch betrachtet Deutsch als plurizentrische Sprache und stellt die standardsprachlichen Varianten der Länder mit Deutsch als Amtssprache einander gleich. Dies trägt der Tatsache Rechnung, dass Standardsprachen auch von den Staaten und ihren Institutionen (Verwaltung, Rechtswesen etc.) geprägt werden. Vergleiche dazu zum Beispiel die verschiedenen Bedeutungen des Wortes Bundesrat.

Berücksichtigt wurde die deutsche Sprache in den Ländern Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich und der Schweiz sowie in Ostbelgien und Südtirol.

Für eine mögliche Zweitauflage des Variantenwörterbuchs sollen nun auch sogenannte „Namibismen“, also spezifische Ausdrücke des Namibia-Deutschen, aufgenommen werden; darunter befinden sich etwa auch die aus dem Afrikaans stammenden Bezeichnungen „Braai“ für ein „Grillfest“ oder „Pad“ für eine Schotterpiste.[1]

Aufnahmekriterien[Bearbeiten]

Das Wörterbuch umfasst nicht den gesamten Wortschatz des Standarddeutschen, sondern nur diejenigen Wörter, die staatliche oder regionale Besonderheiten aufweisen. Ein Wort wurde aufgenommen, wenn es

  • nicht im gesamten deutschen Sprachgebiet vorkommt

oder wenn es je nach Land oder Region

  • unterschiedliche Bedeutungen trägt
  • unterschiedlich verwendet wird
  • unterschiedlichen Sprachstilen zugerechnet wird
  • von unterschiedlichen Sprechergruppen verwendet wird
  • unterschiedlich häufig verwendet wird

Berücksichtigt wurden neben dem Grundwortschatz auch Bezeichnungen für Sachspezifika und Institutionen, typische Vornamen und Abkürzungen sowie Redewendungen. Nicht berücksichtigt wurden Fachsprachen, Dialekt und Umgangssprache, veraltete Wörter und Wendungen. Insgesamt enthält das Wörterbuch nach Verlagsangabe rund 12.000 Wörter und Wendungen.

Bei Abgrenzungsproblemen war vor allem das Vorkommen im Korpus entscheidend. Nicht aufgenommen wurden Wörter, die sich nur in der Schreibung und der Aussprache von gemeindeutschen Wörtern unterscheiden.

Beispiele

1. Abgrenzungsprobleme zum Standard: Das Wort Wuchtel ist in Österreich unter anderem eine

  • saloppe Bezeichnung für „Ball“ (Grenzfall zum Standard)
  • saloppe Bezeichnung für die Pointe eines Witzes (Grenzfall zum Standard)

2. Redewendungen

  • den Rahm abschöpfen ist im gesamten deutschen Sprachraum in dieser Form verbreitet, obwohl in Deutschland Rahm und Sahne Synonyme sind.
  • Das haut mir den Nuggi raus (schweiz.) ist synonym zu „Da platzt mir die Hutschnur.“ oder „Das geht mir über die Hutschnur.“

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ulrich Ammon, Hans Bickel, Jakob Ebner u. a.: Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. Walter de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-016575-9.
  • Hans Bickel, Christoph Landolt: Duden. Schweizerhochdeutsch. Wörterbuch der Standardsprache in der deutschen Schweiz. Schweizerischer Verein für die deutsche Sprache, Mannheim/ Zürich 2012, ISBN 978-3-411-70417-0 (als E-Book: ISBN 978-3-411-90268-2).
  • Kurt Meyer: Schweizer Wörterbuch. So sagen wir in der Schweiz. Frauenfeld 2006, ISBN 3-7193-1382-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Braai ist auf Pad ins Lexikon. In: Allgemeine Zeitung (Windhuk) vom 22. Juni 2007.