Vermögensverteilung in Österreich

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Die Vermögensverteilung in Österreich ist gleichbedeutend mit der Verteilung des Sach-, Geld- und Beteiligungsvermögen auf Personen oder Gruppen von Personen in Österreich. Österreich weist nach einer Untersuchung der Österreichischen Nationalbank eine ausgeprägte Ungleichheit der Nettovermögen auf.[1] Dabei nehmen sich vermögende Österreicher als weniger wohlhabend wahr, als sie sind und weniger vermögende Österreicher sich als wohlhabender wahr, als sie sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Für die Jahre 1820 bis 1913 wird der Gini-Koeffizient für die Regionen des Kaisertums Österreich und 1867 folgenden Doppelmonarchie Österreich-Ungarns - beide von der Habsburgermonarchie beherrscht-, die heute Österreich darstellen, zwischen etwa 0,86 auf 0,90 geschätzt. (Ein Gini-Koeffizient von 0 bedeutet absolute Gleichverteilung, 1 absolute Ungleichverteilung.) Die entscheidende Ursache für den Anstieg der Ungleichheit besteht in der veränderten Zusammensetzung der Gesellschaft durch die Industrialisierung. Der Anteil des Sektors mit der gleichsten Vermögensverteilung und relativ wohlhabender Bauern, die Landwirtschaft nimmt ab. Der Anteil der Landwirtschaft an der Volkswirtschaft sinkt von 69 % im Jahr 1850 sinkt auf 46 % im Jahr 1890. 1850 sind 27,6 % der arbeitenden Bevölkerung Bauern, 33,9 % Landarbeiter. 1890 gibt es 18,4 % Bauern und 23 % Landarbeiter. Demgegenüber steigt der Anteil der Industriearbeiter von 14,6 % im Jahr 1850 um 10 über Prozent auf 25,3 % im Jahr 1890. Die folgende Tabelle zeigt das durchschnittliche Vermögen dieser Berufsgruppen in Österreichischen Gulden (Werte von 1914).

Vermögen der Berufsgruppen

1820-1866 1867-1913
Bauer 3094 4869
Landarbeiter 348 417
Industriearbeiter 300 492

Die folgende Tabelle zeigt die Abnahme der Landwirtschaft und die Zunahme der Industriearbeiter:

Anteil der Berufsgruppen

1850 1890
Bauern 27,6 % 18,4 %
Landarbeiter 33,9 % 23 %
Industriearbeiter 14,6 % 25,3 %


In der starken Abnahme der Anzahl der vergleichsweise vermögenden Bauern um etwa 10 % und der starken Zunahme der im Vergleich zehn Mal ärmeren Industriearbeiter um etwa 10 % liegt ein wesentlicher Grund für die Zunahme der Ungleichheit der Vermögensverteilung.[2] Gleichzeitig steigt relativ das Vermögen der Unternehmer und der meisten anderen Berufe außerhalb des Agrarsektors.[3]

Aktuelle Situation[Bearbeiten]

Mittleres Vermögen und Durchschnittsvermögen[Bearbeiten]

Das mittlere Vermögen in Österreich beträgt derzeit etwa 76 000 Euro. Also die Hälfte aller Haushalte in Österreich besitzt in Geld- und Sachwerten weniger als 76 000 Euro. Das Durchschnittsvermögen liegt deutlich darüber, bei etwa 265 000 Euro. Das dem Durchschnittsvermögen deutlich geringere mittlere Vermögen weist auf eine starke Ungleichverteilung hin.[4]

Gini-Koeffizient[Bearbeiten]

Die Verteilung des Sachvermögens in Österreich weist einen Gini-Koeffizient von 0,77 auf, die Verteilung des Geldvermögens einen Gini-Koeffizienten von 0,74.[5] Netto weisen Sach- und Geldvermögen gemeinsam einen Gini-Koeffizient von 0,76 auf.[6] Ein Gini-Koeffizient von 0 gibt eine absolute Gleichverteilung wieder, von 1 eine absolute Ungleichverteilung (ein Haushalt besitzt alles, die anderen nichts).

Tabellarische Übersicht[Bearbeiten]

Im Folgenden eine Übersicht über die Vermögenskonzentration des Bruttovermögens:[7]

Vermögensverteilung 2010
Gruppe
der Haushalte
Vermögen in %
Gesamt x Mrd. Euro 100,0 %
Top 5 % x Mrd. Euro 045 %
nächsten 15 % Vermögende x Mrd. Euro 029 %
nächsten 30 % obere Mitte x Mrd. Euro 022 %
untere Hälfte 50 % x Mrd. Euro 04 %

Selbsteinschätzung der Vermögenssituation[Bearbeiten]

Haushalte wurden befragt, für wie vermögend sie sich im Vergleich zu allen anderen Österreichern einschätzen. Die meisten Haushalte verschätzen sich stark, und zwar zur Mitte hin verzerrt. Die meisten sehr vermögenden Haushalte schätzen sich als relativ weniger vermögend ein, und die weniger vermögenden schätzen sich relativ vermögender als sie es tatsächlich sind.[8] Die selbst wahrgenommene Vermögensungleichheit in Österreich erweist sich damit als deutlich geringer als die erhobene tatsächliche Ungleichheit.[9]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Oesterreichische Nationalbank: Fakten zur Vermögensverteilung in Österreich, 2012, S. 255
  2. Michael Pammer: Inequality in property incomes in nineteenth-century Austria (PDF; 145 kB), Journal of Income Distribution, 9 (2000) 65-87, insbesondere: S. 75-76
  3. Michael Pammer: Inequality in property incomes in nineteenth-century Austria, Journal of Income Distribution, 9 (2000) 65-87, vgl. auch: Peter H. Lindert: Early inequality and industrialization. Introduction, S. 7, in: ders. Journal of Income Distribution 9 (2000) (PDF; 60 kB).
  4. S. 256f.
  5. S. 257
  6. S. 258
  7. S. 261
  8. S. 254
  9. S. 265