Virtual Local Area Network

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Ein Virtual Local Area Network (VLAN) ist ein logisches Teilnetz innerhalb eines Switches oder eines gesamten physischen Netzwerks. Es kann sich über einen oder mehrere Switches hinweg ausdehnen. Ein VLAN trennt physische Netze in Teilnetze auf, indem es dafür sorgt, dass VLAN-fähige Switches die Frames (Datenpakete) eines VLANs nicht in ein anderes VLAN weiterleiten und das, obwohl die Teilnetze an gemeinsame Switches angeschlossen sein können.

Gründe und Vorteile[Bearbeiten]

Lokale Netze werden heute üblicherweise mit Hilfe von aktiven Komponenten aufgebaut, die auf OSI-Ebene 2 (oder höher) arbeiten. In der Regel sind diese Komponenten Switches. Durch die heute gängigen Switch-Implementierungen, welche die Anschlüsse üblicherweise im Vollduplex-Modus betreiben und kollisionsfrei arbeiten, können auch sehr große aber dennoch performante LANs mit einigen hundert oder auch einigen tausend Stationen aufgebaut werden.

Eine Unterteilung solcher Netze kann grundsätzlich aus mehreren Gründen wünschenswert sein:

  • Flexibilität bei der Zuordnung von Endgeräten zu Netzwerksegmenten, unabhängig vom Standort der Station.
  • Performance-Aspekte: So kann zum Beispiel ein bestimmter Datenverkehr wie VoIP in ein VLAN erfolgen und dieses VLAN bei der Übertragung priorisiert werden. Häufig möchte man aber auch einfach nur Broadcast-Domänen verkleinern, damit sich Broadcasts nicht über das gesamte Netz ausbreiten.
  • Sicherheitsaspekte: VLANs können Netze gegen das Ausspionieren und Abhören besser absichern als geswitchte Netze. Geswitchten Netzen wurde früher ein Sicherheitsvorteil zugesprochen, dieser hat heute keinen weiteren Bestand, denn für sie existieren eine Vielzahl von Angriffsmöglichkeiten, wie zum Beispiel MAC-Flooding oder MAC-Spoofing. VLANs hingegen sind robuster, denn zur Verbindung der VLANs kommen Router zum Einsatz, die gegen Layer-2-Attacken systembedingt unempfindlich sind. Zusätzlich bietet Routing auch die Möglichkeit, Firewalls auf Layer-3-Basis einzusetzen, wodurch sich eine größere Auswahl an Firewallsystemen erschließt, schließlich sind Layer-2-basierte Firewalls vergleichsweise selten. Vorsicht ist aber besonders bei dynamischen VLANs bzw. bei Systemen geboten, die im automatischen Lernmodus (siehe Switch-Typen) arbeiten. Diese lassen sich analog zu den Switches ebenfalls kompromittieren und können so den vorgesehenen Sicherheitsgewinn von VLAN-Implementierungen unwirksam machen.

Die beiden letztgenannten Aspekte könnten auch durch eine entsprechende Verkabelung und den Einsatz mehrerer Switches und Router erreicht werden. Durch den Einsatz von VLANs lässt sich dies jedoch unabhängig von der meist vorhandenen und nur mit großem Aufwand erweiterbaren physischen Verkabelung verwirklichen, was neben einer erhöhten Flexibilität auch wirtschaftlich sinnvoll sein kann: VLAN-fähige Geräte sind zwar durchaus teurer, ersetzen unter Umständen aber mehrere Einzelgeräte.

Zuordnung von Datenverkehr zu VLANs[Bearbeiten]

Die Zuordnung der Teilnetze zu einem VLAN kann statisch über Portzuordnung an den Switches erfolgen, über spezielle Markierungen an den Paketen (Tags) realisiert sein oder dynamisch erfolgen zum Beispiel durch MAC-Adressen, IP-Adressen, bis hin zu TCP- und UDP-Ports und höheren Protokollen.

Jedes VLAN bildet, wie ein normales, physisch separiertes Netzwerksegment, eine eigene Broadcast-Domäne. Um den Verkehr zwischen den VLANs transparent zu vermitteln, benötigt man einen Router. Moderne Switches stellen diese Funktion intern zur Verfügung, man spricht dann von einem Layer-3-Switch.

Die Überlegenheit von VLANs im Vergleich zur physischen Zuordnung zu verschiedenen Subnetzen liegt in der Tatsache, dass ein Wechsel von einem VLAN in ein anderes am Kopplungselement (Multilayerswitch, Router) geschehen kann, es muss keine physische Verbindung geändert werden.

Verbindung von VLAN-Switches[Bearbeiten]

Wenn sich ein VLAN über mehrere Switches erstreckt, ist zu deren Verbindung entweder für jedes VLAN ein eigener Link (Kabel) erforderlich, oder es kommen sogenannte VLAN-Trunks (VLT) zum Einsatz. Das Verfahren entspricht einem asynchronen Multiplexing. Deshalb dient ein VLT dazu, Daten der unterschiedlichen VLANs über eine einzige Verbindung weiterzuleiten. Hierzu können sowohl einzelne Ports als auch gebündelte Ports (siehe Link Aggregation) zum Einsatz kommen.

VLAN-Typen[Bearbeiten]

Ältere VLAN-fähige Switches beherrschen nur portbasierte VLANs, die statisch konfiguriert werden mussten. Erst später entwickelten sich dynamische VLANs und proprietäre tagged VLANs. Schließlich entwickelten sich aus den proprietären tagged VLANs die heute dominierenden standardisierten tagged VLANs nach IEEE 802.1q.

Portbasierte VLANs[Bearbeiten]

Portbasierte VLANs sind die Urform der VLANs. Hier wird ein managebarer Switch portweise in mehrere logische Switches segmentiert – alternativ können sich portbasierte VLANs auch über mehrere Switches hinweg ausdehnen. Ein Port gehört dann immer nur zu einem VLAN oder er ist ein Trunk-Port. Um die so segmentierten Netze bei Bedarf zu verbinden, kommt z. B. ein Router zum Einsatz. Ferner gehören sie zu den statischen VLAN-Konfigurationen und bilden sozusagen einen Gegenpol zu den dynamischen VLANs und zu den tagged VLANs. Überall dort, wo eine bessere Übersicht gefordert ist und auch ein höherer Ressourcenverbrauch (Platz, Energie) vermieden werden muss, kommen statische, Port-basierte VLANs zum Einsatz.

Tagged VLANs[Bearbeiten]

Das heute fast ausschließlich verwendete Ethernet-Datenblockformat Ethernet-II nach IEEE 802.3 mit 802.1Q VLAN-Tag

Die paketbasierten tagged VLANs stehen im Unterschied zu den älteren markierungslosen, portbasierten VLANs. Der Ausdruck tagged leitet sich vom englischen Ausdruck material tags ab, Warenanhänger, mit denen Waren markiert werden. Es handelt sich also bei tagged VLANs um Netzwerke, die Netzwerkpakete verwenden, welche eine zusätzliche VLAN-Markierung tragen.

Ein Tagging in VLANs kommt auch dann zum Einsatz, wenn sich VLANs z. B. über mehrere Switches hinweg erstrecken, etwa über Trunkports. Hier tragen die Frames eine Markierung, welche die Zugehörigkeit zum jeweiligen VLAN anzeigt.

Durch die Tags werden VLAN-spezifische Informationen zum Frame hinzugefügt. Zu dieser Gattung gehören die VLANs nach IEEE 802.1q, Ciscos Inter-Switch Link Protocol (ISL) oder auch 3Coms VLT (Virtual LAN Trunk) Tagging. Damit die VLAN-Technik nach 802.1q auch für ältere Rechner und Systeme in einem Netz transparent bleibt, müssen Switches diese Tags bei Bedarf hinzufügen und auch wieder entfernen können.

Bei portbasierten VLANs, also bei Paketen, die kein Tag besitzen, wird zum Weiterleiten eines Datenpakets über einen Trunk hinweg üblicherweise vor dem Einspeisen in den Trunk ein VLAN-Tag hinzugefügt, welches kennzeichnet, zu welchem VLAN das Paket gehört. Der Switch auf Empfängerseite muss dieses wieder entfernen. Bei tagged VLANs nach IEEE 802.1q hingegen werden die Pakete entweder vom Endgerät (z. B. Tagging-fähigem Server) oder vom Switch am Einspeiseport mit dem Tag versehen. Daher kann ein Switch ein Paket ohne jegliche Änderung in einen Trunk einspeisen. Empfängt ein Switch auf einem VLT-Port (Trunkport) ein Frame mit VLAN-Tag nach IEEE 802.1q, kann auch dieser es unverändert weiterleiten. Lediglich der Switch am Empfangsport muss unterscheiden, ob er ein Tagging-fähiges Endgerät beliefert – dann muss das Frame unverändert bleiben – oder ob es sich um ein nicht Tagging-fähiges Endgerät handelt (welches zu dem aktuellen VLAN gehört) – dann muss das Tag entfernt werden. Hierzu muss die zugehörige VLAN-ID im Switch hinterlegt sein. Da nach IEEE 802.1q also alle Pakete mit VLAN-Tags markiert sind, müssen einem Trunk entweder alle VLAN-IDs, die er weiterleiten soll, hinterlegt werden, oder er ist zur Weiterleitung aller VLANs konfiguriert. Werden Pakete ohne Tag auf einem Trunk-Port empfangen, können diese je nach Konfiguration entweder einem Default-VLAN zugeordnet werden (der Switch bringt das Tag nachträglich an), oder sie werden verworfen.

Empfängt ein Switch auf einem seiner Ports z. B. von einem älteren Endgerät Pakete ohne VLAN-Tags, auch native Frames genannt, so muss er selbst für das Anbringen des Tags sorgen. Hierzu wird dem betreffenden Port entweder per Default oder per Management eine VLAN-ID zugeordnet. Analog muss der Switch, der das Paket ausliefert, verfahren, wenn das Zielsystem nicht mit Tags umgehen kann; das Tag muss entfernt werden.

Das automatische Lernen der zu den VLTs (Trunkports) gehörenden Einstellungen ist heute Standard bei den meisten VLAN-fähigen Switches. Dabei muss ein Switch mit einem Mischbetrieb von Paketen, die keine Tags kennen und enthalten, aber auch mit Paketen, die bereits Tags besitzen, umgehen können. Das Erlernen der VLTs erfolgt analog zum Erlernen der MAC-Adressen: Empfängt der Switch ein Paket mit VLAN-ID, so ordnet er den Port zunächst diesem VLAN zu. Empfängt er an einem Port innerhalb kurzer Zeit Pakete mit unterschiedlichen VLAN-IDs, so wird dieser Port als VLT identifiziert und als Trunk genutzt. Einfache Switches (ohne Verwaltungsmöglichkeit) bilden üblicherweise ein zusätzliches natives VLAN für alle Pakete, die keine Tags enthalten. Solche Pakete werden meist belassen wie sie sind. Ein Trunkport wird hier wie ein normaler (Uplink-)Port behandelt. Alternativ kann auch ein Default-Tag angefügt werden.

Der Begriff Trunk, im Unterschied zu VLT, wird häufig auch mit einer ganz unterschiedlichen Bedeutung verwendet, siehe auch Bündelung (Datenübertragung).

Generell sollte man Sicherheit aber nicht mehr zu den Tagged-VLAN-Features zählen. Switches lassen sich (wie auch immer) kompromittieren und können folglich auch immer nur als unsicher eingestuft werden. Man kann aber auch direkt bei der Verkabelung ansetzen. Es gibt beispielsweise Messklemmen als Zubehör zu Profi-Netzwerkanalysegeräten, die äußerlich direkt an ein Kabel angeschlossen werden und die das geringe elektromagnetische Feld messen. So kann völlig unbemerkt der gesamte Datenverkehr, der über dieses Kabel läuft, mitgelesen und aufgezeichnet werden. Dagegen hilft nur eine starke Verschlüsselung (z.B. mit IPsec), die manche LAN-Karten direkt in Hardware implementieren.

Statische VLANs[Bearbeiten]

Hier wird einem Port eines Switches fest eine VLAN-Konfiguration zugeordnet. Er gehört dann zu einem Port-basierten VLAN oder zu einem untagged VLAN oder er ist ein Port, der zu mehreren VLANs gehört. Die Konfiguration eines Ports ist bei statischen VLANs fest durch den Administrator vorgegeben. Sie hängt nicht vom Inhalt der Pakete ab und steht im Gegensatz zu den dynamischen VLANs unveränderlich fest. Damit ist eine Kommunikation des Endgerätes an einem Port nur noch mit den zugeordneten VLANs möglich. Gehört ein Port zu mehreren VLANs, ist er ein VLAN-Trunk und dient dann meist zur Ausdehnung der VLANs über mehrere Switches hinweg.

Durch die Möglichkeit, einen Port mehreren VLANs zuzuordnen, können zum Beispiel auch Router und Server über einen einzelnen Anschluss an mehrere VLANs angebunden werden, ohne dass für jedes Teilnetz eine physische Netzwerkschnittstelle vorhanden sein muss. Somit kann ein einzelnes Gerät – auch ohne Router – seine Dienste in mehreren VLANs anbieten, ohne dass die Stationen der verschiedenen VLANs miteinander kommunizieren können.
Diese VLAN-Trunks dürfen nicht mit den Trunks im Sinne von Link Aggregation verwechselt werden, bei denen mehrere physische Übertragungswege zur Durchsatzsteigerung gebündelt werden.

Dynamische VLANs[Bearbeiten]

Bei der dynamischen Implementierung eines VLANs wird die Zugehörigkeit eines Frames zu einem VLAN anhand bestimmter Inhalte des Frames getroffen. Da sich alle Inhalte von Frames praktisch beliebig manipulieren lassen, sollte in sicherheitsrelevanten Einsatzbereichen auf den Einsatz von dynamischen VLANs verzichtet werden. Dynamische VLANs stehen im Gegensatz zu den statischen VLANs. Die Zugehörigkeit kann beispielsweise auf der Basis der MAC- oder IP-Adressen geschehen, auf Basis der Protokoll-Typen (z. B. 0x809B Apple EtherTalk, 0x8137: Novell IPX, 0x0800: IPv4 oder 0x88AD: XiMeta LPX) oder auch auf Anwendungsebene nach den TCP-/UDP-Portnummern (Portnummer 53: DNS, 80: HTTP, 3128: Squid Proxy). In der Wirkung entspricht dies einer automatisierten Zuordnung eines Switchports zu einem VLAN.

Die Zugehörigkeit kann sich also zum Beispiel auch aus dem Paket-Typ ableiten und so zum Beispiel ein IPX/SPX-Netzwerk von einem TCP/IP-Netzwerk trennen. Diese Technik ist heutzutage nicht mehr weit verbreitet, da TCP/IP in vielen Netzwerken alle anderen Protokolle abgelöst hat.

Durch Dynamische VLANs kann zum Beispiel auch erreicht werden, dass ein mobiles Endgerät immer einem bestimmten VLAN angehört, unabhängig von der Netzwerkdose, an die es angeschlossen wird. Eine andere Möglichkeit besteht darin, einen bestimmten Teil des Datenverkehrs, zum Beispiel VoIP, aus Performance- oder Sicherheitsgründen (veraltet) in ein spezielles VLAN zu leiten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf-Dieter Köhler: Auf dem Weg zu Multimedia-Netzen.. VPN, VLAN-Techniken, Datenpriorisierung 1999, ISBN 3931959260

Weblinks[Bearbeiten]