Wasserdeckelschnecken

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wasserdeckelschnecken
Marstonia comalensis

Marstonia comalensis

Systematik
Überordnung: Caenogastropoda
Ordnung: Sorbeoconcha
Unterordnung: Hypsogastropoda
Teilordnung: Littorinimorpha
Überfamilie: Littorinoidea
Familie: Wasserdeckelschnecken
Wissenschaftlicher Name
Hydrobiidae
Stimpson, 1865

Die Wasserdeckelschnecken[1] (Hydrobiidae), auch Wattschnecken[2][Anmerkung 1] oder Schnauzenschnecken[3] sind eine artenreiche Familie aus der Gruppe der Caenogastropoda. Die sehr kleinen bis kleinen Schnecken finden sich weltweit vor allem in Süßwasser, aber auch in Brackwasser und in manchen Fällen in Meerwasser.

Merkmale[Bearbeiten]

Wasserdeckelschnecken haben kleine, konische und glatte, rechtsgewundene Gehäuse mit einer meist ovalen, stets ganzrandigen Mündung. Die Schneckenhäuser ausgewachsener Schnecken haben 2 bis 8 Umgänge und werden nicht länger als 8 mm, doch kann das Haus stets die ganze, kleine Schnecke aufnehmen. Der hornige Verschlussdeckel (Operculum) ist spiralig mit wenigen Windungen.

Die Schnecken haben eine lange, zweigeteilte Schnauze und zwei fadenförmige, spitze oder stumpfe Fühler, an deren Basis die Augen sitzen. Der Mantelsaum kann einfach sein oder auch mit Fortsätzen besetzt sein. Der Fuß besteht aus einer Vorder- und Hinterhälfte. Die Schleimdrüse liegt mittig am Vorderrand des Fußes. Kopf, Fuß, Mantel und Eingeweidesack sind durch Melanin blassgrau bis dunkelviolett oder schwarz gefärbt.

Die Mantelhöhle enthält fast in ihrer ganzen Länge eine Kieme, die aus 10 bis 200 dreieckigen Filamenten besteht. Das Osphradium ist meist klein.

Die Radula ist vom Typ Taenioglossa mit mehr als fünfzig Zahnreihen. Der Mittelzahn ist trapezoidförmig und die Seitenzähne mit wenigen bis vielen, die Randzähne meist mit vielen Höckern versehen.

Die Wasserdeckelschnecken sind meist getrenntgeschlechtlich, wobei das Männchen das Weibchen mit seinem Penis begattet. Die Weibchen legen ihre Eier in einzelnen Eikapseln ab, oft an Wasserpflanzen, doch kann es auch Ovoviviparie geben. In diesem Fall gibt es eine direkte Entwicklung, aber überhaupt schlüpfen bei den meisten Arten fertige Schnecken. Bei einigen Arten gibt es eine Entwicklung über Veliger-Larven.

Da die Gehäuse der Wasserdeckelschnecken wenige artspezifische Charakteristika haben und zugleich viele Arten in sich sehr variabel sind, muss bei Artbeschreibungen und Artbestimmungen auf Merkmale des Operculums, der Radula und des Penis zurückgegriffen werden.

Verbreitung und Lebensweise[Bearbeiten]

Die meisten Wasserdeckelschneckenarten leben in Süßwasser, beispielsweise in Seen oder Flüssen, während andere Arten in Brackwasser vorkommen. Einige wenige Arten leben in Salzwasser, insbesondere auf sandigem oder schlammigem Untergrund zwischen Algen oder in Seegraswiesen.

Die Schnecken leben von Algen und Detritus.

Einige Arten[Bearbeiten]

In der Nordsee und der Ostsee ist die Familie unter anderem durch die Gemeine Wattschnecke oder Glatte Wattschnecke (Hydrobia ulvae), die Bauchige Wattschnecke (Ecrobia ventrosa), die Spitze Wattschnecke (Hydrobia acuta) und die Übersehene Wattschnecke (Hydrobia neglecta) vertreten. Aus Neuseeland in die Nordsee eingeschleppt ist die Neuseeländische Deckelschnecke (Potamopyrgus antipodarum), und der im Schwarzen Meer häufige Steinkleber (Lithoglyphus naticoides) ist durch die Schifffahrt ebenfalls nach Mitteleuropa gelangt.

Systematik[Bearbeiten]

Nach Bouchet und Rocroi (2005) ist die Familie Hydrobiidae eine von 19 Familien in der Überfamilie Rissooidea. Zu der Familie Hydrobiidae gehören derzeit über 160 Gattungen:[4][5]

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Grzimek (Hrsg.): Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierreichs in 13 Bänden. Band 3: Weichtiere und Stachelhäuter. Unveränderter Nachdruck der dtv-Ausgabe von 1979/80. Bechtermünz-Weltbildverlag, Augsburg, 2000 ISBN 3-8289-1603-1
  • Philippe Bouchet & Jean-Pierre Rocroi: Part 2. Working classification of the Gastropoda. Malacologia, 47: 239-283, Ann Arbor 2005 ISSN 0076-2997

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen H. Jungbluth, Deutsche Malakozoologische Gesellschaft: Deutsche Namen für einheimische Schnecken und Muscheln (Gastropoda et Bivalvia) (mollbase.de). Fassung vom 15. Januar 2002.
  2. Doris Freudig (Hrsg.): Lexikon der Biologie. Herder Verlag, Freiburg 2004.
  3. Václav Pfleger: Weichtiere. 192 S., Artia-Verlag, Prag 1984 (S.50).
  4. World Wide Mollusc Speies Database von Bagni Liggia
  5. World Register of Marine Species, Hydrobiidae Stimpson, 1865

Anmerkung[Bearbeiten]

  1. Laut Jürgen H. Jungbluth, mollbase.de bezieht sich der Name Wattschnecke nur auf einen Teil der Wasserdeckelschnecken.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wasserdeckelschnecken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien