Watch List

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Eine Watch List (deutsch Beobachtungsliste) ist eine Liste von Begriffen, Gegenständen oder Personen, die für den Ersteller der jeweiligen Liste von Bedeutung sind.

Eine spezielle Bedeutung hat dieser Ausdruck im Zusammenhang mit den Einreisebestimmungen in die USA.

Watch List zur Einreise in die USA[Bearbeiten]

Zur Einreise in die USA wird vom State Department eine Watch List (darunter die No Fly List) geführt. Diese enthält Namen von Personen, die nicht Staatsbürger der USA sind und dort unerwünscht sind. Den erfassten Personen wird die Einreise in die Vereinigten Staaten unter allen Umständen verwehrt. Die Aufnahme einer Person in die Watch List kann verschiedene Gründe haben; häufig handelt es sich um Personen, die unter dem Verdacht krimineller Aktivitäten wie etwa des Drogenhandels stehen oder von Personen, deren Namen aus politischen Gründen auf die Watch List gesetzt wurden, etwa Schriftsteller. Zu den Gründen zählen etwa auch die Beschädigung eines Computers, der ausschließlich von einer Finanzinstitution benutzt wird oder allgemein die Beschädigung von Regierungseigentum. Auch Handlungen, die nur eine Gefahr für das Eigentum darstellen und die Regierung durch Einschüchterung beeinflussen sollen, können zu einem Eintrag auf der Liste führen. Für einen Eintrag sind keine konkreten Fakten oder Beweise nötig. Postings auf Twitter oder Facebook sind ausreichend.[1] Die Liste selbst, die Gründe und das Datum des Eintrags sind nur der Transportation Security Administration bekannt. Nach Angabe des Federal Bureau of Investigation ergaben sich bei Überprüfungen im Jahre 2009 19.000 Treffer. Die Terrorist Watchlist enthielt 2009 etwa 400.000 Namen und die Untermenge der No-Fly-List 3.400, darunter 170 US-Bürger.[2] 2013 waren auf der Terrorist Watchlist bereits 700.000 Namen verzeichnet.[3]

Anfang 2014 entschied erstmals ein Gericht über eine Klage gegen die Listung einer Person auf der no-fly list. Der Richter befand, dass die Prüfverfahren nicht die Anforderungen erfüllten. Daher verurteilte er die Regierung der Vereinigten Staaten auf Auskunft, ob die Klägerin zum Zeit des Urteils in die USA fliegen darf, die Regierung muss außerdem offenlegen, nach welcher von neun Kategorien der Klägerin der Flug verwehrt wurde, auch wenn die konkreten Hinweise geheim bleiben dürfen. Außerdem muss jede Person zumindest einen Antrag auf Aufhebung des Flugverbots stellen können.[4] In der darauf folgenden endgültigen Anordnung stellte das Gericht fest, dass der ursprüngliche Eintrag der Klägerin 2004 auf die no-fly list ein einfacher Irrtum eines FBI-Agenten war. In der Folge hatten alle anderen beteiligten Regierungsstellen diesen Eintrag nie überprüft, sondern basierend nur auf der damaligen Entscheidung weit reichende folgende Maßnahmen ergriffen und sie in verschiedene weitere Überwachungslisten eingetragen. Ein Mitarbeiter des State Departments schrieb etwa handschriftlich das Wort terrorist in ein Formular.[5] Die Klägerin wurde dadurch zehn Jahre lang an der Einreise in die Vereinigten Staaten gehindert, verlor ihr Promotionsstipendium an der Stanford Universität und musste weitere Einschränkungen ihres beruflichen und privaten Lebens hinnehmen.[6]

Im Zuge des Gerichtsverfahrens wurden Verdachtsmomente bekannt, dass das FBI völlig unbescholtene Muslime auf die no-fly list gesetzt hätte, um sie anschließend zu einer Tätigkeit als Informant oder agent provocateur in ihrem jeweiligen sozialen Umfeld nötigen zu können.[7]

Beispiele
  • 1987 wurde der frühere Generalsekretär der UNO und damalige österreichische Bundespräsident Kurt Waldheim im Zusammenhang mit behaupteter Mitwisserschaft oder gar Mittäterschaft an Nazi-Kriegsverbrechen während des Zweiten Weltkrieges auf die Watch List gesetzt (siehe Waldheim-Affäre). Dies machte das ganze Verfahren unter diesem Ausdruck vor allem in Österreich bekannt.
  • Im Jahr 1988 wurde Nelson Mandela gemeinsam mit anderen Vertretern des ANC von der US-amerikanischen Regierung unter Ronald Reagan für seinen Kampf gegen das Apartheid-Regime als „Terrorist“ auf die Watch List gesetzt. Erst im Jahr 2008 wurde er unter George W. Bush von dieser Liste gestrichen.
  • Am 22. September 2004 verweigerten die Behörden dem britischen Sänger Cat Stevens die Einreise in die USA wegen angeblicher Kontakte zu islamistischen Terrororganisationen. Stevens, der sich seit seinem Übertritt zum Islam Yusuf Islam nennt, hat solche Verbindungen stets bestritten.
  • Am 18. April 2009 verweigerten die USA einer Air France-Maschine auf dem Weg nach Mexiko das Überflugrecht, weil sich an Bord der Exil-Kolumbianer Hernando Calvo Ospina befand, der – nach Darstellung der Le Monde diplomatique zu Recherchezwecken – Verbindungen zur FARC hat.[8]
  • Im Januar 2010 wurde dem Schriftsteller Gabriel Kuhn die Einreise verweigert.[9] Er hatte eine Lesereise in den USA geplant.
  • Am 30. September 2013 wurde dem Schriftsteller Ilja Trojanow die Einreise ohne Begründung verweigert.[10] Er wollte an einem Germanistenkongress in den USA teilnehmen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. heise.de, Regelbuch enthüllt: Wie US-Behörden die Antiterror-Listen befüllen, 24. Juli 2014
  2. FBI: 19,000 Matches to Terrorist Screening List in 2009 von Kim Zetter auf wired.com, 9. Dezember 2009
  3. New York Times: Who Is Watching the Watch Lists?, 30. November 2013
  4. District Court for the Northern District on California: Rahniah Ibrahim v. Department of Homeland Security, No. C 06-00545 WHA, 14. Januar 2014
  5. District Court for the Northern District on California: Rahniah Ibrahim v. Department of Homeland Security, No. C 06-00545 WHA, 14. Januar 2014 (Schwärzungsgrad reduziert auf Stand 6. Februar 2014)
  6. wired.com: FBI Checks Wrong Box, Places Student on No-Fly List, 6. Februar 2014
  7. vice magazine: The FBI Is Trying to Recruit Muslims As Snitches by Putting Them On No-Fly Lists, 23. April 2014
  8. Henry Samuel: US authorites divert Air France flight carrying 'no-fly' journalist to Mexico
  9. Unrast-Autor wird Einreise in die USA verweigert, 29. Januar 2010
  10. USA: Überwachungskritischem Schriftsteller Ilija Trojanow wird Einreise verweigert