Nelson Mandela

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Nelson Mandela (2008)

Nelson Rolihlahla Mandela [nelsɒn xoˈliɬaɬa manˈdeːla] (* 18. Juli 1918 in Mvezo, Transkei, Südafrika; in Südafrika auch mit dem traditionellen Clannamen Madiba bezeichnet) ist ein ehemaliger führender Anti-Apartheid-Kämpfer Südafrikas und war von 1994 bis 1999 der erste schwarze Präsident des Landes. Er gilt neben Martin Luther King als wichtigster Vertreter im Kampf gegen die weltweite Unterdrückung der Schwarzen sowie als Wegbereiter des versöhnlichen Übergangs von der Apartheid zu einem gleichheitsorientierten, demokratischen Südafrika. 1993 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Mandela stammt aus dem Volk der Xhosa. Er studierte Jura an der Witwatersrand-Universität, war Rechtsanwalt und verbrachte 27 Jahre als politischer Gefangener in Haft.

Inhaltsverzeichnis

Kindheit und Jugend [Bearbeiten]

Eltern und Königshaus der Thembu [Bearbeiten]

Mandela wurde am 18. Juli 1918 im Dorf Mvezo am Ufer des Mbashe-Flusses in der Nähe von Umtata, der Hauptstadt der Transkei, geboren. Sein Vater, Gadla Henry Mandela, gab Mandela den Namen Rolihlahla, was wörtlich „Am Ast eines Baumes ziehen“ bedeutet – gemeint ist damit ein „Unruhestifter“.[1] Seine Mutter, Nosekeni Fanny, war Gadlas Drittfrau.[2] Den britischen Namen Nelson erhielt Mandela erst an seinem ersten Schultag. Der junge Rolihlahla, der drei Schwestern und drei Brüder hatte, wurde durch seine Zugehörigkeit zum Königshaus der Thembu geprägt, die zum Volk der Xhosa gehören. Jedoch war er innerhalb der Thembu-Monarchie Angehöriger einer Nebenlinie,[1] so dass sein Vater in erster Linie für die königliche Hofhaltung und die Beratung des Monarchen verantwortlich war, während die Hauptlinie traditionell den König stellte. Mandela hatte eine naturverbundene Kindheit in relativem Wohlstand. Er verbrachte viel Zeit im Freien. Mit ungefähr fünf Jahren wurde er Hirtenjunge und hatte auf Schafe und Kälber aufzupassen.

Mandela-Porträt auf einer sowjetischen Briefmarke 1988 („Kämpfer für die Freiheit von Südafrika“)

Nach einem Streit mit der weißen Provinzregierung verlor sein Vater sein Amt und sein Vermögen. Daraufhin zog der Junge mit seiner Mutter einige Täler weiter in das Dorf Qunu, unweit von Umtata. Sein Leben wurde geformt durch „Sitte, Ritual und Tabu[2] der Xhosa.

Schulausbildung [Bearbeiten]

1925 schickte ihn sein Vater auf die kleine Methodistenschule von Qunu, die er mit einem insgesamt guten Zeugnis bewältigte. Als der Vater 1927 starb, war Mandela neun Jahre alt. Aufgrund des Todes seines Vaters wurde Mandela zum Wahlbezirksführer ernannt. Mit 16 wurde er traditionsgemäß mit einem Initiationsritual in die Reihe der Erwachsenen seines Volkes, der Xhosa, aufgenommen. Er erhielt dabei den Namen Dalibunga. Danach besuchte er das „Clarkebury Boarding Institute“ in Engcobo, ein Internat für Thembu.

Studium [Bearbeiten]

1937, mit 19 Jahren, besuchte er die ungefähr 250 Kilometer von Umtata entfernte methodistische Missionsschule Healdtown Methodist College in Fort Beaufort. Dort hatte er erstmals freundschaftliche Beziehungen zu einem Nicht-Xhosa. Das College war britisch geprägt. Mandela entwickelte dort jedoch ein Interesse an afrikanischer Kultur.

Mit 21 schrieb sich Mandela im Missions-College von Fort Hare in Alice in der östlichen Kapprovinz ein. Trotz ihrer nur 150 Studenten war sie von großer Bedeutung für afrikanische Gelehrte aus Süd-, Zentral- und Ostafrika. Hier begegnete Mandela auch seinem langjährigen politischen Weggefährten Oliver Tambo, dem späteren Präsidenten des African National Congress (ANC). Fort Hare wie auch Healdtown waren Zentren der Opposition gegen die politische Vormachtstellung der Weißen in Südafrika. Neben Mandela und Tambo erhielten hier viele andere Afrikaner ihre akademische Ausbildung, die Jahre später im politischen Widerstand eine führende Rolle spielen sollten. Mit dem Studium der Fächer Englisch, Anthropologie, Politik, „Eingeborenenverwaltung“ und Römisch-Holländisches Recht strebte Mandela nun, abweichend von der vorgesehenen Laufbahn am Thembu-Hof, eine Beamtenkarriere für das Regierungsministerium für „Eingeborenenangelegenheiten“ an.

In Fort Hare betätigte sich Mandela erstmals politisch und wurde Mitglied des Studentenrats, Student Representative Council (SRC). Als Mandela mit anderen Kommilitonen gegen die schlechte Verpflegung auf dem Campus protestierte, reagierte die College-Leitung mit einem Ultimatum: Er konnte zwischen Einlenken und vorübergehender Suspendierung wählen. Mandela verließ die Universität und die Region, nachdem der Regent Jongintaba, der Mandela viele Jahre erzogen hatte, die Verheiratung seines Sohnes Justice und Mandelas mit zwei Thembu-Mädchen arrangiert hatte. Das Lobola, der Brautpreis, war bereits für beide organisiert, damit konnte die Vermählung nicht mehr rückgängig gemacht werden. Die beiden Männer flohen daher nach Johannesburg, das sie im April 1941 erreichten. Anfangs arbeitete Mandela als Wachmann in einer Goldmine, wo er die Praxis des Kapitalismus kennenlernte. Er wurde entlassen und arbeitete in einer Rechtsanwaltsfirma, wo er zum ersten Mal freundschaftliche Beziehungen zu einem Weißen, dem jüdischen Kommunisten Nat Bregman, entwickelte.[3] Seinen Wohnsitz hatte Mandela im Stadtteil Alexandra, wo er unter ärmlichen Bedingungen lebte. In Johannesburg war Mandela auch als Schwergewichtsboxer aktiv.[4] Mandela erwarb 1943 im Fernstudium an der University of South Africa einen Bachelor of Arts in Jura. Ein in Johannesburg ansässiger Vetter führte ihn bei dem ANC-Aktivisten Walter Sisulu ein, der ihm ermöglichte, ein Jurastudium an der Witwatersrand-Universität zu beginnen. Während dieser Zeit lernte er seinen späteren Anwalt Joel Carlson kennen. 1949 musste er die Universität ohne Abschluss verlassen, da er die Abschlussprüfung wegen seiner politischen Karriere mehrmals nicht bestanden hatte.

Politische Aktivität [Bearbeiten]

Anfänge [Bearbeiten]

Schon als junger Jurastudent engagierte sich Mandela in der politischen Opposition gegen das weiße Minderheitsregime und dessen Weigerung, der schwarzen Mehrheit des Landes die gleichen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Rechte zu gewähren. 1944 trat er dem ANC bei[5] und gründete im selben Jahr zusammen mit Walter Sisulu, Oliver Tambo und anderen die ANC Youth League (etwa: „ANC-Jugendliga“). Hintergrund war die Unzufriedenheit mit der wirkungsarmen Politik der damaligen ANC-Führung unter Alfred Bitini Xuma. Bis etwa 1949 neigte er einem „afrikanischen Nationalismus“ zu, wurde damit aber in der ANC-Exekutive überstimmt.[6]

Nach dem Sieg der „Afrikaaner“-dominierten National Party bei den Wahlen 1948 und der darauf folgenden Politik der Rassentrennung (Apartheid) wurde Mandela ANC-Vorsitzender in Transvaal. 1951 wurde er zum Präsidenten der ANC Youth League gewählt. Er traf Politiker des South African Indian Congress (SAIC) und der Communist Party of South Africa und öffnete sich zum Marxismus und zu einer Politik, die nicht nach Hautfarbe unterschied.[6] Er führte 1952 die landesweite Defiance Campaign des ANC an, die von den Methoden des gewaltlosen Widerstands Mahatma Gandhis inspiriert war. Die Defiance Campaign brachte dem ANC einen großen Zuwachs an Popularität. Am 30. Juli 1952 wurde er aufgrund seines Engagements unter dem Suppression of Communism Act verhaftet und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er eröffnete im August desselben Jahres mit Oliver Tambo in Johannesburg die erste allein von Schwarzen geführte Anwaltspraxis Südafrikas.[7] Im selben Jahr entwickelte er den Mandela-Plan, ein basis- und bildungsorientiertes Widerstandskonzept gegen die Apartheid. Er wurde im Dezember 1952 für sechs Monate gebannt,[8] so dass er Johannesburg nicht verlassen durfte und nicht an politischen Versammlungen teilnehmen durfte.[9] Im September 1953 wurde der Bann für zwei Jahre erneuert. Zusätzlich wurde ihm aufgetragen, den ANC zu verlassen. Trotzdem war er maßgeblich am Volkskongress (Congress of the People) von 1955 beteiligt, dessen Verabschiedung der Freiheitscharta die Basis der Anti-Apartheid-Aktivitäten bildete. Am 5. Dezember 1955 wurde Mandela erneut verhaftet[8] und 1956 zusammen mit 155 anderen Aktivisten wegen Landesverrats im Treason Trial angeklagt. Der Prozess zog sich bis 1961 hin und endete mit dem Freispruch aller Angeklagten.[10] Von Februar 1956 war Mandela erneut für fünf Jahre gebannt.[9]

Nach der Bannung des ANC [Bearbeiten]

Ursprünglich war Mandela bekennender Vertreter des Gewaltverzichts. Nachdem im März 1960 beim Massaker von Sharpeville unbewaffnete Demonstranten erschossen und in der Folge der ANC und andere Anti-Apartheid-Gruppen verboten worden waren, akzeptierten Mandela und seine Mitstreiter die im ANC gesehene Notwendigkeit des gewaltsamen Kampfes gegen die Apartheid. Zuvor leitete er Ende März 1961 trotz des Banns die All-In African National Conference in Pietermaritzburg. An dieser Konferenz nahmen rund 1400 Delegierte aus zahlreichen Oppositionsgruppen teil; es war ein letzter Versuch, die Regierung durch Drohungen mit Streiks zur Gründung einer nicht-rassischen Republik zu bewegen.[11]

1961 wurde Mandela Anführer des bewaffneten Flügels des ANC, des Umkhonto we Sizwe („Speer der Nation“, kurz MK). Danach verließ er illegal Südafrika und hielt sich als ANC-Repräsentant in mehreren afrikanischen Ländern sowie dem Vereinigten Königreich auf. Zu seinen Reiseetappen gehörte die Teilnahme an der Conference of the Pan African Freedom Movement of East and Central Africa Anfang 1962 in Addis Abeba sowie ein Besuch der Auslandsvertretung des ANC in London, wo er mit Oliver Tambo und weiteren Antiapartheidaktivisten zusammen kam. Während seines Auslandsaufenthaltes traf er die ersten MK-Rekruten auf dem Weg zu einem militärischen Ausbildungslager in Äthiopien.[12][13] In Südafrika agierte er im Untergrund. Er lebte als „Gärtner David“ im Haus des Kommunisten Arthur Goldreich auf der Liliesleaf Farm in Rivonia.[14] Sein damaliger Spitzname The black pimpernel[10] bezog sich auf das Buch The Scarlet Pimpernel (deutsch: Die scharlachrote Blume), das von einem Helden mit verborgener Identität handelt.

Prozesse und Haft [Bearbeiten]

Am 5. August 1962 wurde er zusammen mit dem Kommunisten Cecil Williams während einer Autofahrt nahe Howick in Natal verhaftet und zu drei Jahren Gefängnis wegen illegaler Auslandsreisen und Aufruf zum Streik verurteilt. Am 12. Juni 1964 verurteilte Richter Quartus de Wet nach achtmonatiger Verhandlung im Rivonia-Prozess ihn und sieben weitere Mitstreiter zu lebenslanger Haft wegen Sabotage und Planung bewaffneten Kampfes. Die Freiheitsstrafe leistete er – zusammen mit weiteren ANC-Aktivisten – überwiegend auf der Gefängnisinsel Robben Island ab, die im Atlantischen Ozean vor Kapstadt liegt. Ab April 1982 folgten weitere sechs Jahre Inhaftierung im Pollsmoor-Gefängnis in Kapstadt – wo er 1988 an Lungentuberkulose erkrankte – und ab Dezember 1988 mehr als ein Jahr Haft im Victor-Vester-Gefängnis in Paarl.[12] Während seiner Haftzeit belegte er Fernkurse für den Bachelor of Law an der London University.[15]

Ein Beispiel für die weltweite Solidarität aus Glasgow, Schottland
Mandela mit de Klerk beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums 1992 in Davos
Mandela mit US-Präsident Bill Clinton (1993)

Mandela lehnte ab Februar 1985 mehrmals das Angebot einer Freilassung ab, die an die Bedingung geknüpft war, dass der ANC auf den bewaffneten Kampf verzichtet.[12] Der ANC verstärkte seine Kampagne zur Freilassung. Auch international gab es zahlreiche Solidaritätsbezeugungen mit Mandela, etwa das Nelson Mandela 70th Birthday Tribute Concert 1988.

Im Jahr 1988 wurde Nelson Mandela gemeinsam mit anderen Vertretern des ANC von der US-amerikanischen Regierung unter Ronald Reagan für seinen Kampf gegen das Apartheid-Regime als „Terrorist“ auf eine Watch List gesetzt. Erst im Jahr 2008 wurde er unter George W. Bush von dieser Liste gestrichen.[16] Auch Margaret Thatcher nannte ihn einen „Terroristen“.[17]

Freilassung und das Ende der Apartheid [Bearbeiten]

Mandela wurde am 11. Februar 1990 aus der Haft entlassen.[12] Staatspräsident Frederik de Klerk hatte den Befehl gegeben und wenige Tage zuvor das Verbot des ANC aufgehoben.

Am Tage seiner Freilassung leitete Mandela in einer Rede vor 120.000 Zuhörern in einem Stadion in Soweto öffentlich seine Politik der Versöhnung (reconciliation) ein, indem er „alle Menschen, die die Apartheid aufgegeben haben“, zur Mitarbeit an einem „nichtrassischen, geeinten und demokratischen Südafrika mit allgemeinen, freien Wahlen und Stimmrecht für alle“ einlud. Im Juli 1991 wurde Mandela Präsident des ANC. In dieser Position leitete er Verhandlungen mit der Regierung mit dem Ziel der Abschaffung des Apartheid-Systems und der Schaffung einer neuen, vorläufigen Verfassung.

Mandela und de Klerk erhielten 1993 gemeinsam den Friedensnobelpreis. Am 27. April 1994 gewann der ANC die ersten demokratischen Wahlen Südafrikas mit absoluter Mehrheit. Am 9. Mai wurde Nelson Mandela vom neuen Parlament zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. Er führte fortan eine Regierung, in der auch Minister der National Party und der Inkatha Freedom Party vertreten waren.

Präsidentschaft Südafrikas [Bearbeiten]

Als Staatschef und Präsident des ANC (bis Dezember 1997) leitete Mandela die Umgestaltung des Staates und der Gesellschaft weg von der Apartheid und der Minderheitenherrschaft. Er gewann internationalen Respekt für sein Eintreten für nationale und internationale Versöhnung. Dennoch waren radikalere Gruppen über das Ausmaß der in seiner Amtszeit erreichten sozialen Verbesserungen enttäuscht, vor allem über das Unvermögen der Regierung, die AIDS-Krise in den Griff zu bekommen.

Während seiner Regierungszeit wurden zahlreiche Gesetze der Apartheidszeit widerrufen. Armee und Polizei wurden als South African National Defence Force und South African Police Service neugegründet. Kinder unter sechs Jahren, schwangere und stillende Mütter erhielten eine kostenlose Gesundheitsfürsorge; 1996 wurde die „Primäre Gesundheitsfürsorge“ für alle Südafrikaner kostenfrei.[18] Im Februar 1996 begann die Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC) unter Desmond Tutu mit der Aufarbeitung der Geschehnisse zur Zeit der Apartheid. Im selben Jahr wurde eine neue Verfassung verabschiedet.[19] Die Haushalte von rund zwei Millionen Menschen wurden an das Stromnetz angeschlossen, drei Millionen erhielten einen Wasseranschluss, 750.000 Häuser wurden neu gebaut.[20] Mit dem Land Restitution Act of 1994 und dem Land Reform Act 3 of 1996 wurden Schritte zu einer Landreform unternommen.[21]

Mandela bezeichnete Politiker wie Fidel Castro und Muammar al-Gaddafi als „Kampfgenossen“ (comrades in arms). Castro hatte sich für Freiheitsbewegungen in Angola und Namibia engagiert und damit das Apartheidregime in Südafrika geschwächt. Am internationalen Tag der Solidarität mit dem Palästinensischen Volk am 4. Dezember 1997 in Pretoria sprach Mandela sich mit einem Grußwort für die Rechte der Palästinenser aus: „Wir wissen nur zu gut, dass unsere Freiheit unvollständig ohne die Freiheit der Palästinenser ist“.[22] 1998 entsandte Mandela Soldaten nach Lesotho, um einen Putschversuch gegen die demokratisch gewählte Regierung von Pakalitha Mosisili niederzuschlagen. 1998 bis 1999 war Mandela Präsident der Bewegung der blockfreien Staaten.

Aktivitäten im Ruhestand [Bearbeiten]

Nach seinem Rücktritt als Präsident im Juni 1999 betätigte sich Mandela als Anwalt für eine Reihe von sozialen und Menschenrechtsorganisationen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem das Großkreuz des Bailli, die höchste Auszeichnung des Order of St. John – dem englischen Johanniter-Orden – sowie den Order of Merit durch Königin Elisabeth II. und die Presidential Medal of Freedom durch den damaligen US-Präsident George W. Bush. Am 19. August 1999 wurde die Nelson-Mandela-Stiftung gegründet, die sich der ideellen Fortsetzung seines Lebenswerkes und der Geschichte der Antiapartheitsbewegung widmet.[23]

Anfang 2003 hielt Mandela einige Reden, in denen er George W. Bush und den britischen Premierminister Tony Blair heftig wegen ihrer Irak-Politik kritisierte.

Im Jahr 2003 wurde die Mandela Rhodes Foundation mit dem Sitz in Kapstadt gegründet. Sie dient der Förderung junger afrikanischer Führungskräfte im südlichen Afrika. Die Gründungsinitiative wurde mit einem Festakt unter seiner Beteiligung und in Anwesenheit von Bill Clinton, selbst Rhodes-Stipendiat, und Tony Blair in der Westminster Hall vollzogen.[24][25]

2007 gründete er zusammen mit Desmond Tutu die Gruppe The Elders, in der rund zehn ältere, angesehene Personen aus verschiedenen Kontinenten vertreten sind, darunter auch Mandelas Frau Graça Machel. Mandela ist das einzige Ehrenmitglied der Elders.[26]

Persönliches [Bearbeiten]

Mandela heiratete dreimal. Aus zwei dieser Ehen stammen sechs Kinder. Seine erste Ehe mit Evelyn Ntoko Mase, einer ANC-Aktivistin aus Engcobo und Cousine Walter Sisulus, wurde 1957 nach 13 Jahren geschieden. Evelyn Ntoko Mase starb 2004. Sie hatten zusammen zwei Mädchen und zwei Jungen. Eine Tochter aus dieser Ehe starb im Säuglingsalter. Nelson Mandelas erster Sohn, Madiba Thembekili, kam 1969 bei einem Autounfall ums Leben.

1964 heiratete er Winnie Madikizela, die erste schwarze Sozialarbeiterin Johannesburgs, die ihn während des Treason Trial unterstützt hatte. Sie bekam ihn während seiner Haftzeit nur selten zu sehen. Nach 38-jähriger Ehe trennte sich Mandela nach politischen Belastungen im April 1992 von Winnie Madikizela und wurde am 19. März 1996 von ihr geschieden. Mit ihr hat er zwei Töchter, Zeni und Zindzi.

An seinem 80. Geburtstag, am 18. Juli 1998, heiratete er Graça Machel, Witwe von Samora Machel, dem ehemaligen Präsidenten Mosambiks und ANC-Unterstützer, der zwölf Jahre zuvor bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen war. Am 6. Januar 2005 starb Mandelas zweiter Sohn Makgatho Mandela, Anwalt und Geschäftsmann, im Alter von 54 Jahren in Johannesburg an den Folgen der Immunschwächekrankheit AIDS.

Mandela wollte an der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 am 11. Juni 2010 in Johannesburg teilnehmen. Er hatte sich maßgeblich dafür eingesetzt, dass das Turnier in Südafrika stattfindet. Jedoch starb am Vorabend seine 13-jährige Urenkelin Zenani Mandela an den Folgen eines Autounfalls, so dass er seine Teilnahme kurzfristig absagte.[27] Zur Schlussfeier war Nelson Mandela dann kurzzeitig anwesend.[28] Seither trat er nicht mehr in der Öffentlichkeit auf.

Nachdem Mandela auch nach seinem Rückzug aus der Politik überwiegend in Johannesburg gewohnt hatte, zog er am 14. Juli 2011 dauerhaft in sein Heimatdorf Qunu.[29] Seither wurde er mehrfach in ein Krankenhaus in Pretoria eingeliefert, zuletzt im März 2013 wegen einer Lungenentzündung.[30]

Werke [Bearbeiten]

Als Autor [Bearbeiten]

  • um 1970: I am Prepared to Die. International Defence and Aid Fund for Southern Africa, London, ohne ISBN
    • Wofür ich bereit bin zu leben und zu sterben. Mainzer Arbeitskreis Südliches Afrika, Mainz 1973, ohne ISBN
  • 1973: No Easy Walk to Freedom. Heinemann, London, ISBN 0-435-90782-4
  • 1986: The Struggle is my Life. Pathfinder Press, London, ISBN 0873485939
  • 1994: Long Walk to Freedom. Little, Brown & Company, London, ISBN 0316545856
  • 1996: Nelson Mandela: An Illustrated Biography. Little, Brown & Company, ISBN 0316550388
  • 2003: From Freedom to the Future. Tributes and Speeches. Jonathan Ball, Johannesburg, ISBN 978-1868421572
  • 2011: Conversations with Myself. Farrow, Strauss and Giroux, New York City, ISBN 978-1429988391

Als Herausgeber [Bearbeiten]

Ehrungen [Bearbeiten]

Nelson-Mandela-Statue von Ian Walters in London auf dem Parliament Square

Siehe auch [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

Filme über Mandela [Bearbeiten]

Dokumentationen [Bearbeiten]

  • Freiheit für Nelson Mandela. Dokumentation, Deutschland, Südafrika, 1986, 43 Minuten, Buch und Regie: Ebbo Demant
  • Angeklagt: Nelson Mandela. Der Rivonia-Prozess. Dokumentation, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Südafrika, 2004, 52 Minuten, Buch und Regie: Pascale Lamche, Produktion: ZDF, Inhaltsangabe von arte
  • Nelson Mandela. Eine Legende wird 90. Dokumentation, Deutschland, Südafrika, 2008, Buch und Regie: Richard Klug, Produktion: Phoenix, Erstausstrahlung: 13. Juli 2008, Inhaltsangabe von der Frankfurter Rundschau

Spielfilme [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Nelson Mandela – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. a b Biografie Mandelas bei africanhistory.about.com (englisch), abgerufen am 30. März 2013
  2. a b Nelson Mandela: Long Walk to Freedom Volume I: 1918–1962. Little, Brown and Company, New York City 1994, ISBN 978-0754087236, S. 15
  3. Nachruf für Bregman bei jweekly.com (englisch), abgerufen am 31. März 2013
  4. Foto und Zitat bei awesomestories.com (englisch), abgerufen am 5. April 2013
  5. Nelson Mandela: I am prepared to die. International Defence and Aid Fund for Southern Africa, London 1979, ISBN 0-904759-29-6, S. 42.
  6. a b Nelson Mandela: I am prepared to die. International Defence & Aid Fund for Southern Africa, London 1979, ISBN 0-904759-29-6, S. 7.
  7. Zeitleiste 1950–1959 bei sahistory.org.za (englisch), abgerufen am 30. September 2012
  8. a b Biografie bei nelsonmandela.org (englisch), abgerufen am 3. April 2013
  9. a b Nelson Mandela: I am Prepared to Die. International Defence and Aid Fund for Southern Africa, London 1979, ISBN 0-904759-29-6, S. 24
  10. a b Nelson Mandela: I am prepared to die. International Defence and Aid Fund for Southern Africa, London 1979, ISBN 0-904759-29-6, Introduction
  11. Nelson Mandela: I am prepared to die. International Defence & Aid Fund for Southern Africa, London 1979, ISBN 0-904759-29-6, S. 7.
  12. a b c d Kurzbiographie Nelson Mandela. auf www.nelsonmandela.org (englisch)
  13. (1962) Nelson Mandela: Address at the Conference of the Pan-African Freedom Movement of East and Central Africa, auf www.blackpast.org (englisch)
  14. Nelson Mandela: I am prepared to die. International Defence & Aid Fund for Southern Africa, London 1979, ISBN 0-904759-29-6, S. 39.
  15. London University velebrates 150th anniversary. Sunday Times (Sri Lanka) am 24. Mai 2009 (englisch), abgerufen am 6. April 2013
  16. Mandela off U.S. terrorism watch list CNN, 2. Juli 2008.
  17. Charlene Smith: Mandela. Struik, Kapstadt ²2003, S. 8.
  18. Annie Leatt, Maylene Shunk-Kink, Jo Monson: Healing Inequalities. 2003 (englisch, PDF-Datei, 41 kB), Archivversion bei webcitation.org, abgerufen am 30. März 2013
  19. Wortlaut bei info.gov.za (englisch, PDF-Datei; 6,5 MB), abgerufen am 30. März 2013
  20. Theodore K. Rabb, Ezra N. Suleiman: The making and unmaking of democracy: lessons from history and world politics. Taylor & Francis Group, London 2003, ISBN 0415933811.
  21. Bericht über die Landreform bei ngopulse.org (englisch), abgerufen am 30. März 2013
  22. ADDRESS BY PRESIDENT NELSON MANDELA AT THE INTERNATIONAL DAY OF SOLIDARITY WITH THE PALESTINIAN PEOPLE (Version vom 18. März 2009 im Internet Archive) (englisch), abgerufen am 30. September 2012 (Archivversion von 2009)
  23. Nelson Mandela Foundation, About The Foundation (englisch) abgerufen am 17. Juli 2011
  24. Kurzbeschreibung der Gründungsinitiative (PDF; 501 kB)
  25. Kurzbeschreibung auf der Webpräsenz der Mandela Rhodes Foundation (Oxford, UK)
  26. Website der Elders (englisch), abgerufen am 3. April 2013
  27. Artikel auf spiegel-online, abgerufen am 12. Juni 2010
  28. Schlussfeier: Ovationen für Mandela, abgerufen am 11. Juli 2010
  29. Bericht der Sunday Times (englisch), abgerufen am 31. August 2011
  30. Lungenentzündung: Nelson Mandela erholt sich bei stern.de, abgerufen am 3. April 2013
  31. Der «Volksheilige» relativiert sich selbst in: Tages-Anzeiger vom 11. Oktober 2010
  32. FAZ vom 17. Januar 2010, S. 8: Wahrhaft globale Figur
  33. Ansprache von Amadou Mahtar-M'Bow anlässlich der Verleihung des Simón-Bolívar-Preises, 20. Juni 1985 (PDF; 171 kB), zuletzt abgerufen: 15. Februar 2012
  34. List of previous recipients. United Nations Human Rights, 2. April 2008, abgerufen am 29. Dezember 2008 (PDF; 43 kB, englisch).
  35. Unique sculpture at Mandela Capture Site. SouthAfrica.Info, 6. August 2012
  36. Capture of Nelson Mandela in South Africa by Marco Cianfanelli. Von Jane Kenoyer, Hi Fructose, 25. September 2012