Weißbartlangur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Weißbartlangur
Weißbartlangur (Trachypithecus vetulus)

Weißbartlangur (Trachypithecus vetulus)

Systematik
Altweltaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Schlank- und Stummelaffen (Colobinae)
Tribus: Schlankaffen (Presbytini)
Gattung: Haubenlanguren (Trachypithecus)
Art: Weißbartlangur
Wissenschaftlicher Name
Trachypithecus vetulus
(Erxleben, 1777)

Der Weißbartlangur (Trachypithecus vetulus oder Semnopithecus vetulus) ist eine Primatenart aus der Gruppe der Schlankaffen.

Merkmale[Bearbeiten]

Weißbartlanguren sind schlanke, langschwänzige Primaten mit stark verkleinerten Daumen. Ihr Fell ist schwarzbraun gefärbt, namensgebendes Merkmal sind die weißen Haare, die das schwarze, unbehaarte Gesicht umrahmen. Diese Tiere erreichen eine Kopfrumpflänge von 45 bis 65 Zentimetern, der Schwanz wird 62 bis 85 Zentimeter lang. Das Gewicht beträgt rund 6 bis 8 Kilogramm, wobei Männchen deutlich schwerer werden als Weibchen.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet des Weißbartlanguren

Weißbartlanguren sind auf Sri Lanka endemisch. Ihr Lebensraum sind Wälder, sie kommen in verschiedenen Waldtypen vor, darunter Regenwälder und Gebirgswälder bis in 2000 Meter Seehöhe.

Lebensweise[Bearbeiten]

Weißbartlanguren sind wie alle Altweltaffen tagaktiv, sie leben vorwiegend auf Bäumen, kommen jedoch manchmal kurz auf den Boden. Sie bewegen sich im Geäst vorwiegend vierbeinig fort, sind aber auch gute Springer. Sie leben in Haremsgruppen, das heißt ein Männchen, ein bis sieben Weibchen und die dazugehörigen Jungtiere. Die übrig gebliebenen Männchen bilden Junggesellengruppen aus 2 bis 14 Tieren. Es sind territoriale Tiere, die auf andere Gruppen aggressiv reagieren. Männchen aus Junggesellengruppen können den Anführer eines Haremsgruppen angreifen, um die Herrschaft in dessen Gruppe zu übernehmen. Gelingt dies, kommt es oft zum Infantizid, das heißt das neue Männchen tötet die Kinder seines Vorgängers, um selbst mit den Weibchen Nachwuchs zeugen zu können.

Diese Primaten ernähren sich vorwiegend von Blättern, nehmen aber auch Früchte, Samen und Blüten zu sich. Wie alle Schlankaffen haben sie einen mehrkammerigen Magen zur besseren Verwertung der schwer verdaulichen Pflanzennahrung.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Nach einer 195- bis 210-tägigen Tragzeit bringt das Weibchen ein einzelnes Jungtier zur Welt. Diese hat zunächst ein graubraunes Fell, das erst nach mehreren Wochen die Erwachsenenfärbung annimmt. Nach sieben bis acht Monaten wird das Junge entwöhnt, die Geschlechtsreife tritt mit rund 4 Jahren ein. Männchen müssen zu diesem Zeitpunkt ihre Geburtsgruppe verlassen.

Bedrohung[Bearbeiten]

Die Rodung der Wälder und zu einem geringeren Ausmaß die Bejagung haben zu einem Rückgang der Populationen geführt. Ihr Verbreitungsgebiet ist zerstückelt, die Art wird von der IUCN als stark gefährdet (endangered) gelistet.

Systematik[Bearbeiten]

Der Weißbartlangur bildet zusammen mit dem Nilgiri-Langur Südindiens die Untergattung Kasi innerhalb der Languren. Die systematische Stellung dieser Untergattung ist umstritten, sie scheinen zwischen den Hanuman-Languren (Gattung Semnopithecus) und den Haubenlanguren (Gattung Trachypithecus) zu vermitteln. Auch die Färbung der Neugeborenen, die ansonsten ein gutes Kriterium der verschiedenen Langurengattungen ist, ist bei Kasi nicht eindeutig. Geissmann (2003) ordnet den Nilgiri-Langur unter Semnopithecus ein, Wilson & Reeder (2005) hingegen unter Trachypithecus.

Es werden vier Unterarten unterschieden: T. v. vetulus im Süden Sri Lankas, T. v. nestor im Westen (diese Unterart gilt als „vom Aussterben bedroht“), T. v. philbricki im Norden und Osten und T. v. monticola im Bergland.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2003, ISBN 3-540-43645-6.
  • Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4.

Weblinks[Bearbeiten]