Weiße Bewegung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Für ein geeintes Russland, Plakat 1919
Titelseite der antisowjetischen Exilzeitschrift Tschasowoj (Der Wachtposten), Paris, ca. 1932

Weiße Bewegung (russisch Бе́лое движе́ние / Weiße Bewegung, auch Белое дело / Weiße Sache oder Белая идея / de: Weiße Idee), war eine militärisch-politische Strömung verschiedener Kräfte und Gruppierungen, die sich im Verlauf des Russischen Bürgerkriegs von 1919 bis zu ihrer Vernichtung 1922 gegen die Bolschewiki und die junge Sowjetmacht formierten. Umgangssprachlich wurden sie meist schlicht als die Weißen bezeichnet.

Den bewaffneten Arm der Weißen Bewegung bildete die Weiße Armee, deren Keimzelle die sogenannte Freiwilligenarmee bildete.

Die Weiße Armee verübte während ihres Bestands zahlreiche Pogrome, vor allem an der ukrainisch-jüdischen Zivilbevölkerung, bei denen ca. 60000 Menschen starben. Hintergrund war der seit Jahrhunderten auch in Russland herrschende Antisemitismus und die pauschale Zusammenführung der dort neuen Ideen zu einem Kommunismus mit denen des Judentums.

Die daraus entstehende Grundlage, die in den westlichen Ländern „die materielle Voraussetzung für pauschale Diffamierungen und Verschwörungstheorien“[1] zu einem „Jüdischen Bolschewismus“ gebildet hat, eskalierte in den unter Hitler zur Zeit des Nationalsozialismus unter Hinzuziehung von Rassegesetzen verübten Verbrechen des Holocaust mit etwa sechs Millionen ermordeten europäischen Juden.

Unter der Bezeichnung selbst vereinigten sich Monarchisten, die das Zarentum wiedererrichten wollten aber auch gemäßigte Sozialisten und Republikaner, die gegen jegliches bolschewistisches Gedankengut waren. Sie alle einte als Grundsatz ihres Handelns: „Russland – vereint, mächtig und unteilbar“. Ein Anspruch, der durch die Rote Armee später weitgehend verwirklicht wurde.

Die Weiße Bewegung war de facto die stärkste antibolschewistische militärpolitische Kraft während der Zeit des Bürgerkriegs in Russland. Das beruhte auf monarchistischen, nationalistischen und ferner demokratischen Interessen, zuzüglich der separatistischen Bestrebungen in der Ukraine, im Nordkaukasus und in Mittelasien.

Nach der erfolgreichen Oktoberrevolution wurden die sich dagegen formierenden Weißen bereits zum Ende des Ersten Weltkrieges zur Wahrung bzw. Erweiterung der Einflusssphäre westeuropäischer Staaten durch Truppeninvasionen der Entente und deren Verbündete bis um 1922 unterstützt. Wichtiger für das Bürgerkriegsgeschehen waren allerdings die massiven Lieferungen und Hilfsleistungen an die weißen Truppen in Sibirien und in Südrussland. So schrieb Winston Churchill in einem Memorandum vom 15. September 1919, dass im Jahr 1919 England die enorme Summe von 100 Millionen Pfund und Frankreich zwischen 30 und 40 Millionen Pfund für die weißen Truppen in Russland ausgegeben hätten.[2] Siehe auch: Intervention der Entente-Mächte

Der Terminus der Weißen Bewegung wurde in Sowjetrussland geboren und fußte auf den weißen Uniformen der Offiziere bzw. der Kadetten. Er erfasste in den 1920er-Jahren weiter die Turkvölker des Russischen Imperiums.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johannes Rogalla von Bieberstein, „Jüdischer Bolschewismus. Mythos und Realität, Edition Antaios, Dresden 2002, S. 127.
  2. Winston Churchill: The World Crisis. The Aftermath. London 1929, Band 4, S. 256; Online unter Memorandum written by Winston Churchill 9/15/19 quoted in "The World Crisis The Aftermath"
  3. Autorenbeitrag: Zwetkow W.S.; Kapitel = Die Weiße Bewegung | Ausgabe = Die große russische Enzyklopädie: В 30 т. Т. 3 : 2005