Winston Churchill

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Sir Winston Leonard Spencer-Churchill[1] (* 30. November 1874 in Woodstock (England); † 24. Januar 1965 in London) gilt als bedeutendster britischer Staatsmann des 20. Jahrhunderts. Er war von 1940 bis 1945 und von 1951 bis 1955 Premierminister und führte Großbritannien durch den Zweiten Weltkrieg. Zuvor hatte er bereits mehrere Regierungsämter bekleidet, unter anderem das des Ersten Lords der Admiralität, des Innen- und des Finanzministers. Darüber hinaus trat er als Autor politischer und historischer Werke hervor und erhielt 1953 den Nobelpreis für Literatur.

Winston Churchill 1943
Unterschrift von Winston Churchill

Leben

Herkunft, Schule, Militär

Churchill als Siebenjähriger (1881)
Nach Churchills Flucht aus einem Kriegsgefangenenlager in Pretoria setzte die südafrikanische Regierung 1899 auf einem Steckbrief ein Kopfgeld von 25 Pfund auf ihn aus.

Winston Churchill kam in Blenheim Palace, dem Schloss seines Großvaters John Winston Spencer-Churchill, des 7. Herzogs von Marlborough zur Welt. Seine Eltern waren der britische Politiker Lord Randolph Churchill und die amerikanische Millionärstochter Jennie Jerome. Für die Familienlegende, Churchill stamme über seine Mutter auch von Irokesen ab, gibt es keinen Beleg, auch wenn er selbst daran glaubte.[2]

Churchills Großvater väterlicherseits gehörte als Duke of Marlborough dem britischen Hochadel an. Als dritter Sohn des Herzogs erbte Churchills Vater Randolph jedoch nicht dessen Titel. Winston Churchill selbst sollte in den 1950er Jahren die angebotene Erhebung zur erblichen Peerswürde ablehnen, wurde aber 1953 zum Ritter des Hosenbandordens geschlagen. Seine Herkunft sicherte ihm in seiner Jugend die Aufnahme in renommierte Internate und eine Laufbahn als Armeeoffizier, obwohl seine Leistungen als Schüler eher mangelhaft waren.

Von 1881 bis 1892 besuchte Churchill Eliteschulen in Ascot, Brighton und Harrow. Das autoritäre Erziehungssystem dort widerstrebte ihm und er blieb mehrfach sitzen. Nach der Schulzeit bewarb er sich beim Militär, fiel jedoch zweimal durch die Aufnahmeprüfung. 1893 aber kam er doch noch als Kadett nach Sandhurst und mit 21 Jahren als Kavallerie-Leutnant zum 4. Husarenregiment. Auf der Militärakademie und in der Armee fühlte sich Churchill zum ersten Mal am richtigen Platz. Ohne schulischen Druck erwarb er sich nun auch eine profunde literarische Bildung und begann kurz darauf, selbst zu schreiben. Bis zu seinem Lebensende sollte er als Journalist und Buchautor einen geschliffenen Stil pflegen, der ihm den Nobelpreis für Literatur einbrachte.

Zwischen 1895 und 1901 nahm Churchill als aktiver Soldat und Kriegsberichterstatter an fünf verschiedenen Kolonialkriegen teil, unter anderem in Kuba auf Seiten der Spanier während des dortigen Unabhängigkeitskrieges und verschiedenen Teilen des Empire, etwa in Malakand in der Nordwestlichen Grenzprovinz Britisch-Indiens. 1898 nahm er als Leutnant freiwillig am Feldzug zur Niederschlagung des Mahdi-Aufstandes im Sudan teil.[3] Dabei ritt er in der Schlacht von Omdurman eine der letzten großen Kavallerieattacken der britischen Militärgeschichte mit.

Den Zweiten Burenkrieg erlebte er als Kriegsberichterstatter der Morning Post. Seinem Biographen Martin Gilbert zufolge war der Vertrag, den Churchill mit der Zeitung aushandelte, „wahrscheinlich der günstigste Vertrag, den überhaupt ein Kriegsberichterstatter bis dahin abgeschlossen hatte.“ Außerdem habe er „allgemein dazu […] geführt, die Bezahlung von Journalisten zu verbessern“[4] Nachdem Churchill bei einem Eisenbahnüberfall der Buren gefangen genommen worden war, gelang ihm eine spektakuläre Flucht von Pretoria zur fast 500 Kilometer entfernten Delagoa-Bucht in der portugiesischen Kolonie Mosambik. Zwei Bücher[5] über seine südafrikanischen Abenteuer sowie seine Kriegsberichte machten ihn in Großbritannien bekannt und populär. Seine Flucht machte ihn in den Augen vieler Landsleute zu einem Nationalhelden.[6] Dies kam ihm bei der Unterhauswahl des Jahres 1900 zustatten.

Politischer Aufstieg

Bereits 1899 hatte sich Churchill bei einer Nachwahl vergeblich um einen Sitz im britischen Unterhaus bemüht. Nach seiner Rückkehr aus dem Burenkrieg kandidierte er erfolgreich bei den Unterhauswahlen des Jahres 1900 und zog im März 1901 als frisch gewählter Konservativer (Tory) für den Wahlkreis Oldham ins Parlament ein.

Seinen ersten spektakulären Auftritt im Parlament hatte er am 31. Mai 1904 mit dem demonstrativen Übertritt zu den Liberalen. Der Grund dafür war, dass er in der Frage „Freihandel oder Schutzzoll“ der Haltung der Whigs, die für den Freihandel eintraten, näher stand. Auch in der liberalen Partei wanderte er auf der politischen Skala immer weiter nach links. Er gehörte dem sozialreformerischen Parteiflügel an und galt schließlich in der Öffentlichkeit wie sein Förderer David Lloyd George als draufgängerischer, aber auch bewunderter Radikaler. Schon damals zeigte sich sein Ehrgeiz, einmal Premierminister zu werden. So äußerte er sich 1907 selbstbewusst, er werde zum Zeitpunkt seines 43. Geburtstages Regierungschef sein.[7]

Churchill und der deutsche Kaiser Wilhelm II. 1906 bei Herbstmanövern nahe Breslau

Bei den Konservativen wegen seines Parteiwechsels regelrecht verhasst,[8] überraschte er Freund und Feind durch seine Fähigkeiten als Unterstaatssekretär für die Kolonien (1905–1908) unter Lord Elgin sowie als Handels- (1908–1910) und Innenminister (1910–1911). Insbesondere wegen seiner armenfreundlichen Sozialpolitik stieß er bei den Tories auf heftige Ablehnung. Als skandalös, weil seiner Stellung nicht angemessen, bewerteten sie auch sein persönliches Eingreifen in eine Schießerei der Londoner Polizei mit Anarchisten, die als Belagerung der Sidney Street bekannt wurde. Das Misstrauen vieler Arbeiter dagegen weckte im November 1910 die Entscheidung des Innenministers Churchill, Soldaten nach Südwales zu entsenden, um die Lage nach dem niedergeschlagenen Tonypandy-Aufstand zu beruhigen. Diese politische Hypothek sollte ihn auf Jahrzehnte belasten.

Genau zu dem Zeitpunkt, als sich der deutsch-britische Flottenkonflikt zuspitzte, machte Premierminister Herbert Henry Asquith Churchill 1911 zum Ersten Lord der Admiralität (Marineminister). Seine wichtigste Entscheidung in diesem Amt vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs war die Umrüstung der britischen Kriegsflotte von Kohle- auf Ölfeuerung, was ihren Aktionsradius deutlich erhöhte.

Familiengründung

Churchills rascher politischer Aufstieg fiel mit Veränderungen in seinem Privatleben zusammen: Im September 1908 heiratete er in der Londoner St. Margaret’s Church Clementine Hozier, mit der er bis zu seinem Tod zusammenlebte. Dem Ehepaar wurden später vier Töchter und ein Sohn geboren: Diana (1909–1963), Randolph (1911–1968), der später ebenfalls Parlamentarier wurde, Sarah (1914–1982), Marigold (1918–1921), die noch im Kindesalter starb, sowie Mary (1922–2014), die seit 2005 Trägerin des Hosenbandordens ist. Auch zwei Enkel des Ehepaars Churchill errangen später Sitze im britischen Unterhaus.

Erster Weltkrieg

David Lloyd George und Churchill, von der konservativen Presse als die „schrecklichen Zwillinge“ beschimpft, schufen von 1908 bis 1911 die Grundlagen der britischen Sozialgesetzgebung. Als Premierminister holte Lloyd George Churchill 1917 zurück in die Regierung.

Als Kabinettsmitglied bestimmte Churchill Großbritanniens Politik und Strategie im Ersten Weltkrieg an entscheidender Stelle mit – zunächst als Erster Lord der Admiralität, später, nach dem vorübergehenden Ausscheiden aus der Regierung, als Munitionsminister.

Im Marineministerium

Mitunter überschritt Churchill seine Kompetenzen als Minister erheblich, etwa als er sich im Spätsommer 1914 in die Operationen der britischen Expeditionsstreitkräfte in Belgien einmischte und auf eigene Faust die Verteidigung Antwerpens zu organisieren versuchte. Im Rahmen des Seekriegs entsandte er im Oktober 1914 einen starken Schiffsverband zu den Falklandinseln, um das deutsche Ostasiengeschwader der Kaiserlichen Marine unter Vizeadmiral Graf Spee im Südatlantik aufzuspüren und zu vernichten.

Nach Meinung einiger Autoren soll Churchill dafür verantwortlich gewesen sein, dass die britische Admiralität im Jahr 1915 den Passagierdampfer RMS Lusitania, der zivile Passagiere und Rüstungsgüter von New York nach Liverpool transportierte, nicht rechtzeitig vor einem deutschen U-Boot gewarnt hat, um dadurch die USA zum Kriegseintritt auf Seiten der Entente zu bewegen.[9] Bis heute konnte dafür allerdings kein dokumentarischer Beleg gefunden werden. Der Historiker István Deák stuft diese Autoren als revisionistisch ein.[10]

Schwerwiegend war das Scheitern von Churchills Plan, die Kriegsgegner Deutschland und Österreich-Ungarn an ihrer vermeintlich schwächsten Stelle mit der Royal Navy von See aus anzugreifen: im Süden über das mit ihnen verbündete Osmanische Reich. Zwei Landeunternehmen britischer, französischer, indischer, australischer und neuseeländischer Truppen auf der türkischen Halbinsel Gallipoli an den Dardanellen am 19. Februar und 18. März 1915 scheiterten unter schweren Verlusten. Sein Flottenchef John Fisher, der Churchills Pläne von Beginn an kritisiert hatte, trat daraufhin zurück.

Ausscheiden und Wiedereintritt in die Regierung

Um eine Vertrauenskrise abzuwenden, wurde nun die Einbeziehung der Konservativen in die Regierung unausweichlich. Unter ihrem Parteichef Andrew Bonar Law knüpften sie daran jedoch die Bedingung, dass Churchill als Verantwortlicher für die sich abzeichnende Niederlage an den Dardanellen als Marineminister zurücktreten müsse. Ein weiterer Grund für diese Forderung war, dass Churchill den Konservativen seit seinem Parteiwechsel als „Verräter“ galt. So legte er am 18. Mai 1915 sein Amt als Erster Lord der Admiralität nieder. Der Truppenrückzug von den Dardanellen dauerte vom 19. Dezember 1915 bis zum 9. Januar 1916. Bei den Kämpfen verloren beide Seiten jeweils über 200.000 Mann.

Churchill mit seinem Bataillon an der Westfront, 1916

Churchill verblieb vom 23. Mai bis zum 16. November 1915 in der unbedeutenden Position des Kanzlers des Herzogtums Lancaster in der erweiterten Regierung. Schließlich aber meldete er sich freiwillig zur Armee und ging am 20. November 1915 als Major an die Front in Nordfrankreich, wo er bis zum 6. Mai 1916 ein Bataillon der Royal Scots Fusiliers befehligte.[11]

Schon im März 1916 hatte er in einer Rede vor dem Unterhaus kaum verhüllt seine Wiederernennung zum Marineminister gefordert, damit aber nur Spott geerntet. Erst David Lloyd George, der Asquith im Dezember 1916 als Premierminister ablöste, nahm Churchill, den Konservativen zum Trotz, am 16. Juli 1917 als Munitionsminister in sein Kabinett auf. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Entscheidung zum Bau und Einsatz der Tanks beteiligt. Diese ersten Panzer sollten im Sommer 1918 wesentlich zum Zusammenbruch der letzten deutschen Offensive an der Westfront beitragen.

Entwicklung moderner Waffensysteme

Bereits Ende 1914 war Churchill als Marineminister neben Maurice Hankey, dem Sekretär des Committee of Imperial Defense, für den Bau der als „Landschlachtschiff“ bezeichneten neuen Panzerwaffe eingetreten, um die erstarrten Fronten wieder in Bewegung zu setzen. Nach dem Krieg erklärte eine königliche Prüfungskommission, die mit der Aufgabe betraut war, die Verantwortlichkeit für bahnbrechende militärische Neuerungen und bedeutende strategische Initiativen der Kriegszeit zu klären, dass die Möglichkeit, über die Tanks zu verfügen, vor allen Dingen Churchill zu verdanken gewesen sei:

„Die Kommission hat das Bedürfnis zu erklären, dass es vor allem der Aufgeschlossenheit, dem Mut und der Tatkraft des Sehr Ehrenwerten Winston Spencer Churchill zu verdanken ist, wenn die nebelhafte Idee der Verwendung von Panzerwagen für Kampfzwecke verwirklicht werden konnte.“[12]

Churchill gehörte auch zu den ersten, die das militärische Potenzial von Flugzeugen voll erfassten. Ihm war klar, dass die Maschinen, die im Weltkrieg noch vorwiegend zu Aufklärungszwecken und in Einzelkämpfen eingesetzt worden waren, die Kriegführung revolutionieren würden. Mit ihnen ließen sich künftig Angriffe direkt ins Hinterland des Gegners tragen, um dessen militärische und industrielle Ressourcen zu treffen. Auch Großbritannien würde sich nicht länger auf seine Insellage verlassen können. Als Luftfahrtminister förderte er daher seit 1919 den Aufbau einer Luftwaffe, die auch 1920 im Irak zum Abwurf von Bomben gegen Aufständische eingesetzt wurde.

Der Gefahren des modernen Krieges war sich Churchill vollauf bewusst. In seinem Werk The Aftermath[13] blickte er 1928 auf den Ersten Weltkrieg zurück, zog eine Bilanz aus den Erfahrungen der Vergangenheit und beschrieb damit schon den Krieg der Zukunft:

„Es öffneten sich Luftwege, auf denen Tod und Schrecken weit hinter die eigentlichen Frontlinien getragen werden konnten, so dass auch Frauen, Kinder, Greise und Kranke, die in früheren Kriegen natürlicherweise verschont blieben, davon erfasst wurden. […] Nie zuvor war die Menschheit in dieser Lage. Ohne eine wahrnehmbare Zunahme ihrer Tugenden und ohne den Vorteil einer weiseren Führung hält sie zum ersten Mal die Werkzeuge in Händen, die unfehlbar ihre eigene Vernichtung besiegeln können. […] Die Menschen würden gut daran tun, inne zu halten und über ihre neuen Verantwortungen nachzudenken. Der Tod steht bereit, willfährig, erwartungsvoll und diensteifrig, die Völker massenweise niederzumähen; auf einen Ruf bereit, alle Reste der Zivilisation unwiderruflich zu Staub zu zertrümmern.“

Nach- und Zwischenkriegszeit

In der Nachkriegsregierung

Nach dem Krieg übernahm Churchill in Lloyd Georges Koalitionskabinett nacheinander die Ämter des Kriegs-, des Luftfahrt- und des Kolonialministers (Secretary of State for the Colonies).

Ein Minister zur beliebigen Verwendung. Die Karikatur von 1921 spielt darauf an, dass Churchill seine Ministerien wechselte „wie andere Leute Hüte“.

Ab 1919 Kriegsminister, befürwortete er die Intervention der Westalliierten im Russischen Bürgerkrieg auf Seiten der Weißen Armee. Die deutsche Reichsleitung hatte 1917 Lenin aus seinem Schweizer Exil nach Russland reisen lassen, um dessen Regierung zu destabilisieren und das Land aus der Kriegskoalition hinauszudrängen. Daher unterstützten britische und französische Truppen seit dem Frühjahr 1918 von Archangelsk und Murmansk aus die anti-bolschewistischen Kräfte. Bereits ab Juli 1919 zogen sich die erfolglosen britischen Truppen jedoch aus Russland zurück. Churchill war zwar der Meinung gewesen, der Bolschewismus müsse „bereits in der Wiege erwürgt werden“, konnte sich aber mit seinen Bestrebungen nach einem weitergehenden militärischen Engagement in der eigenen Partei nicht durchsetzen.

Im September 1922 verließen die Konservativen das Kabinett, und Lloyd George verlor die Unterhauswahlen im darauf folgenden Oktober. Mit ihm stürzte der letzte liberale Premier Großbritanniens. Nach zwei Jahren politischer Abstinenz und zwanzig Jahre nach seinem ersten Parteiwechsel trat Churchill 1924 erneut der Konservativen Partei bei.

Schatzkanzler im konservativen Kabinett

Noch im November jenes Jahres wurde er Schatzkanzler (Finanz- und Wirtschaftsminister) in der konservativen Regierung des neuen Premiers Stanley Baldwin und blieb es bis zu dessen Abwahl 1929. Mit seinem französischen Amtskollegen Joseph Caillaux schloss er 1926 ein Fundierungsabkommen über die Kriegsschulden, die die französische Regierung bis 1918 bei der britischen Regierung aufgenommen hatte. Seine wichtigste Entscheidung in diesem Amt war jedoch die Wiedereinführung des Goldstandards, die er 1924 durchsetzte. Diese konservative Finanzpolitik führte zu steigender Arbeitslosigkeit in Großbritannien. Die Unzufriedenheit der Arbeiter gipfelte im Generalstreik von 1926. Churchill forderte, den Generalstreik gewaltsam zu beenden: Entweder das Land bricht den Generalstreik oder der Generalstreik zerbricht das Land. Dazu kam es nicht, aber 1931, zwei Jahre nach Churchills Ablösung als Finanzminister, wurde der Goldstandard wegen seiner verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen wieder abgeschafft.

Nach seinem Ausscheiden als Schatzkanzler wurde Churchill 1929 Kanzler der Universität Bristol.[14]

Im „inneren Exil“

1930 überwarf sich Churchill mit dem abgewählten Premier und Chef der Konservativen wegen dessen angeblich zu nachgiebiger Haltung gegenüber der indischen Unabhängigkeitsbewegung unter Gandhi, den er einen „halbnackten Fakir“ nannte. Als überzeugter Imperialist trat er im Januar 1931 aus Baldwins Schattenkabinett aus. Ein schwerer Unfall im Dezember 1931 – er wurde in New York von einem Taxi angefahren – zwang ihn zu einer einjährigen Erholungsphase. Während er auf Reisen seine Gesundheit wieder herstellte, verlor er durch seine häufige Abwesenheit von Westminster zunehmend an Einfluss im parteiinternen Richtungsstreit.[15]

Churchill zu Gast im Atelier von Charlie Chaplin in Hollywood (1930). Aus dem Plan des kaltgestellten Politikers, als Drehbuchautor zu arbeiten, wurde jedoch nichts.

Ganz anders als zu Beginn seiner politischen Karriere galt Churchill in den 1930er Jahren nahezu als Reaktionär. Wie die meisten konservativen Politiker dieser Zeit unterschätzte er Adolf Hitler zunächst[16] und glaubte, in dessen und in Mussolinis Politik positive Ansätze erkennen zu können.[17] Seine Einstellung änderte sich aber, als er erkannte, dass Hitlers Politik auf einen neuen Krieg hinauslief. Seine Warnungen und die scharfe Ablehnung der Appeasementpolitik, der Beschwichtigung und des Nachgebens gegenüber der Aggressionspolitik des nationalsozialistischen Deutschland, brachte ihm in weiten Teilen der britischen Bevölkerung den Ruf eines Kriegstreibers ein. Hatte er 1932 bei einem Aufenthalt in München noch vergeblich das Gespräch mit Hitler gesucht, so wies er nun Annäherungsversuche der deutschen Reichsregierung, darunter zwei Einladungen Hitlers nach Berchtesgaden, zurück.[18][19] Langfristig verbesserte er mit dieser Haltung zwar sein Verhältnis zu einigen seiner innenpolitischen Gegner, den antifaschistischen linken Sozialisten und zur Labour Party,[20] der großen Mehrheit der britischen Bevölkerung erschien Churchill in den 30er Jahren jedoch als ein Mann, der seine Zukunft bereits hinter sich hatte. In der konservativen Parlamentsfraktion beschränkte sich seine Anhängerschaft auf zwei, damals noch sehr unbedeutende Abgeordnete: Harold Macmillan und Brendan Bracken.

Er zog sich auf seinen Landsitz Chartwell in Kent zurück, wo er sich seinem Hobby, der Malerei, vor allem aber seinen journalistischen und schriftstellerischen Ambitionen widmete. Damals entstanden unter anderem die großangelegte Biographie seines Ahnherrn Marlborough und die vierbändige Geschichte der englischsprachigen Völker, die er bis spät in der Nacht seinen Schreibkräften diktierte. Seinem Biografen William Manchester zufolge, war Churchill in den 1930er Jahren der bestbezahlte Schriftsteller und Kolumnist der Welt.[21] Aber auch in diesen „Wilderness Years“, wie Churchill die Zeit seines „inneren Exils“ später nannte, pflegte er intensive politische und gesellschaftliche Kontakte, um den Anschluss an die zeitgenössischen Entwicklungen zu behalten. Zu den Gästen seiner berühmten Abendgesellschaften in Chartwell zählten u. a. Heinrich Brüning, Frederick Lindemann und Charlie Chaplin.

Rückkehr in die Regierung

Neville Chamberlains Appeasementpolitik lehnte Churchill strikt ab.

Die Warnungen vor Hitler wurden so lange nicht ernst genommen, bis dessen eigene Politik dem britischen Volk und der politischen Klasse in Großbritannien klarmachte, wie berechtigt Churchills Misstrauen gewesen war. Seit dem Anschluss Österreichs und der Annexion des Sudetenlandes 1938 sowie der Besetzung der so genannten „Rest-Tschechei“ durch das Deutsche Reich im März 1939 erkannten die Verfechter des Appeasement, dass ihre Politik gescheitert war. Am 31. März sahen sich Großbritannien und Frankreich veranlasst, eine Garantieerklärung zugunsten Polens abzugeben.

Churchill, der diese Entwicklung vorausgesagt hatte, fand nun zunehmend Gehör. Sofort nach dem deutschen Überfall auf Polen, mit dem am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg begann, berief Premierminister Arthur Neville Chamberlain ihn ins Kabinett. Wie bereits 1911 wurde Churchill am 3. September 1939 mit dem Amt des Ersten Lords der Admiralität (Marineminister) betraut. Die Kriegserklärung an das Deutsche Reich folgte am gleichen Tag, doch die Großmächte vermieden noch ein halbes Jahr lang die direkte Konfrontation im großen Maßstab. Die folgenden Monate bis zum Frühjahr 1940 gingen als „Sitzkrieg“ (franz: „Drôle de guerre“; engl.:„Phoney War“) in die Umgangssprache ein.

Churchill wusste, welche kriegsentscheidende Bedeutung die schwedischen Eisenerzlieferungen über den eisfreien norwegischen Hafen Narvik für das Deutsche Reich hatten. Er drängte daher ab Dezember 1939 darauf, auf der Schifffahrtsroute entlang der Küste des neutralen Norwegen Minen zu verlegen. Diese Operation Wilfred hätte deutsche Erzfrachter zum Ausweichen in internationale Gewässer gezwungen, wo sie dann von der Royal Navy hätten versenkt werden können. Ein weiterer Plan sah vor, im Rahmen der Operation Royal Marine im Rhein an der französisch-deutschen Grenze Treibminen zu verlegen. Beide Pläne wurden jedoch bis April 1940 von der französischen Regierung blockiert, um keinen deutschen Angriff zu provozieren. Zudem wären mit Operation Wilfred britisch-französische Waffenlieferungen an Finnland im Winterkrieg gegen die Sowjetunion behindert worden.[22] Erst im Mai 1940 wurden in Rhein, Mosel und Maas mehrere tausend Treibminen verlegt, die den Schiffsverkehr zwischen Karlsruhe und Mainz behinderten.[23]

Als Alternative zu diesen Vorhaben favorisierte Churchill Plan R 4, die Besetzung der norwegischen Häfen durch britische Truppen.[24] Diesem Plan kamen die Deutschen jedoch um wenige Stunden zuvor. Unter höchster Geheimhaltung hatten sie das Unternehmen Weserübung vorbereitet, das am 7. April 1940 begann und am 9. April zur Besetzung erster Ziele in Dänemark und Norwegen führte. Die Royal Navy konnte Narvik daher nicht mehr kampflos erreichen. In der anschließenden Schlacht um Narvik hätte das unerfahrene britisch-französische Expeditionskorps, das ab dem 24. April durch norwegische Truppen verstärkt worden war,[25] die deutschen Gebirgsjäger beinahe besiegt. Letztlich scheiterte das Unternehmen der Alliierten am fehlenden Nachschub. Nach dem Beginn des deutschen Westfeldzuges zogen sie Anfang Juni 1940 ihre letzten Einheiten aus Norwegen ab.

Der Kriegspremier

Briten und Franzosen hatten die deutsche Besetzung Polens und Dänemarks sowie den Angriff auf Norwegen nicht verhindern können. Mit dem Scheitern des Plans R 4[26] verlor Premier Chamberlain den letzten politischen Rückhalt in Bevölkerung und Parlament. Nach der sogenannten Norwegendebatte sah sich der frühere Verfechter der Appeasement-Politik zum Rücktritt gezwungen.

Im Mai 1940 folgte auf das Chamberlain War Ministry das Churchill War Ministry, so die englischen Bezeichnungen der Kriegsregierungen: Obwohl Churchill von Teilen der Presse für den Fehlschlag in Norwegen verantwortlich gemacht wurde, kamen als Nachfolger nur er und Lord Halifax in Frage; letzterer war als Appeasementpolitiker jedoch weitgehend diskreditiert. So bildete Churchill am 10. Mai 1940 eine Allparteienregierung unter Einschluss der Labour Party. Er selbst übernahm neben dem Amt des Premiers auch das des Ministers für Verteidigung. Am selben Tag begann die deutsche Westoffensive (Fall Gelb) mit dem Angriff auf Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Ab dem 24. Mai wurden die alliierten Truppen von Norwegen nach Frankreich zurückverlegt. Am 8. Juni fiel Narvik in deutsche Hand, und mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich trat die Westoffensive in ihre entscheidende 2. Phase (Fall Rot).

Sommer 1940

Die territoriale Situation in Europa nach dem deutschen Westfeldzug 1940

Aufgrund des unerwartet schnellen Vormarschs der Wehrmacht im Westfeldzug wurde Churchill schon in den ersten Tagen seiner Amtszeit mit dem völligen Scheitern der alliierten Kriegsstrategie konfrontiert. Am 21. Mai erreichten deutsche Panzerverbände die Kanalküste bei Abbeville, so dass das britische Expeditionskorps bei Dünkirchen eingeschlossen wurde. Als sich bereits in den ersten Juni-Wochen die militärische Niederlage Frankreichs abzeichnete, versuchte Churchill, eine Kapitulation des Verbündeten unter allen Umständen zu verhindern. Aus diesem Grund schlug er der französischen Regierung eine Französisch-britische Union vor, die Vereinigung beider Länder. Dem gemeinsamen Oberkommando hätten damit die französische Flotte und die außerhalb Europas stationierten französischen Truppen weiterhin zur Verfügung gestanden. In Frankreich setzten sich jedoch die Befürworter einer Kapitulation durch, die unter Marschall Philippe Pétain eine neue Regierung bildeten. Diese unterzeichnete am 25. Juni in Compiègne einen Waffenstillstand mit Deutschland. Frankreich schied aus dem Krieg aus.

Die meisten Historiker stimmen darin überein, dass Hitler einem Sieg nie so nahe gekommen war wie im Sommer 1940: Frankreich war geschlagen; Großbritannien stand allein und ohne ausreichend gerüstete Armee der deutschen Kriegsmaschinerie gegenüber, die bereits halb Europa überrannt hatte. Und in Churchills Kabinett gab es noch immer Anhänger der Appeasement-Politik Chamberlains, die für Verhandlungen mit dem Deutschen Reich eintraten. Als ihr Protagonist stand Lord Halifax noch immer bereit, Churchill als Premierminister abzulösen.

Hitlers Sieg hätte nach Churchills eigenen Worten bedeutet, dass „die ganze Welt, einschließlich der Vereinigten Staaten, einschließlich all dessen, was wir gekannt und geliebt haben, im Abgrund eines neuen dunklen Zeitalters versinken“ müsste. Daher verlangte er im Juni gegen teilweise Widerstände in der eigenen Regierung, dass keinerlei Zugeständnisse an Deutschland gemacht und der Krieg notfalls von Übersee aus weitergeführt werden sollte.

Schon am 13. Mai, in seiner ersten Rede als Premierminister, hatte Churchill seinen Landsleuten „nichts als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß“ angekündigt und festgestellt, dass der „Krieg gegen eine monströse Tyrannei, wie sie nie übertroffen worden ist, im finsteren Katalog der Verbrechen der Menschheit“ nur mit einem „Sieg um jeden Preis“[27] beendet werden dürfe. Selbst nach der Niederlage Frankreichs, als viele den Krieg für England verloren gaben, beharrte Churchill auf Zielen, die praktisch damals schon auf die bedingungslose Kapitulation Deutschlands hinausliefen. Am 18. Juni sagte er vor dem Unterhaus:

„Was wir verlangen, ist gerecht, und wir nehmen nichts davon zurück. Kein Jota, keinen i-Punkt lassen wir ab. Tschechen und Polen, Norweger, Holländer und Belgier haben ihre Sache mit der unseren vereint. Sie alle müssen wieder aufgerichtet werden.“[28]

Mit einer weiteren Rede (We Shall Fight on the Beaches) stimmte er am 4. Juni[29] das Parlament und wenig später in einer Rundfunkansprache das britische Volk auf den Widerstand gegen Hitler-Deutschland ein. Er machte – auch an dessen Adresse gerichtet – unmissverständlich klar:

„Wir werden kämpfen bis zum Ende. Wir werden in Frankreich kämpfen, wir werden auf den Meeren und Ozeanen kämpfen. Wir werden mit wachsender Zuversicht und wachsender Stärke am Himmel kämpfen. Wir werden unsere Insel verteidigen, wie hoch auch immer der Preis sein mag. Wir werden an den Stränden kämpfen, wir werden an den Landungsabschnitten kämpfen, wir werden auf den Feldern und auf den Straßen kämpfen, wir werden in den Hügeln kämpfen. Wir werden uns nie ergeben.“[30]

Infolge dieser kompromisslosen Haltung ignorierte Churchill auch das sogenannte „Friedensangebot“, das Hitler Großbritannien in seiner Reichstagsrede vom 19. Juli 1940 machte.[31] Hatte sich die deutsche Führung bis dahin noch Hoffnungen gemacht, dass angesichts der Kriegslage kompromissbereitere britische Politiker Churchill ablösen könnten, so wurden diese am 22. Juli zunichtegemacht. Churchill veranlasste ausgerechnet den als früheren Verfechter des Appeasement bekannten Lord Halifax zu einer Antwort auf Hitlers Rede: „Deutschland wird den Frieden erhalten, wenn es die von ihm besetzten Gebiete geräumt, alle von ihm unterdrückten Freiheiten wiederhergestellt und Garantien für die Zukunft gegeben hat.“[32]

Invasionsgefahr und Luftkrieg

Bei einem Luftangriff zerstörte Londoner Häuser
Churchill und de Gaulle 1944 in Marokko

Churchill bestand erfolgreich seine ersten großen Herausforderungen im Amt: Seiner Regierung gelang es, das geschlagene britische Expeditionskorps zum größten Teil aus Dünkirchen abzuziehen und eine deutsche Invasion zu verhindern. Die Grundlage dafür hatte der Premier unmittelbar nach seinem Regierungseintritt gelegt, indem er der Flugzeugproduktion oberste Priorität eingeräumt und Lord Beaverbrook die Verantwortung dafür übertragen hatte. Als die Luftschlacht um England im August 1940 ihren Höhepunkt erreichte, war es maßgeblich dessen Leistungen und denen des Luftmarschalls Hugh Dowding zu verdanken, dass die Royal Air Force (RAF) der deutschen Luftwaffe ein militärisches Patt abtrotzen konnte. Hitler war es zum ersten Mal nicht gelungen, einem Land seinen Willen aufzuzwingen.[33] Churchills Entschluss, weiterzukämpfen, der endgültig in den Tagen von Dünkirchen gefallen war, zwang Hitler schließlich dazu, den von Anfang an geplanten Krieg gegen die Sowjetunion zu wagen, ohne den Krieg im Westen beendet zu haben. Historiker wie Ian Kershaw sehen darin den Anfang vom Ende der Kriegsstrategie Hitlers.[34]

Der Abwehr einer deutschen Invasion diente auch Churchills Befehl, das Gros der französischen Mittelmeerflotte zu versenken. Denn nach dem Waffenstillstand verfolgte die Regierung von Marschall Pétain in Vichy eine Politik der Kollaboration mit Deutschland: Damit drohte die Marine des bisherigen Verbündeten in Hitlers Hände zu fallen. In einer Präventivaktion, der Operation Catapult, zerstörte die Royal Navy daher am 3. Juli 1940 mehrere französische Schlachtschiffe und Zerstörer, die vor dem algerischen Hafen Mers-El-Kebir ankerten. Dabei starben 1267 französische Marinesoldaten. Das Vichy-Regime brach daraufhin die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien ab. Ein weiterer Grund dafür dürfte gewesen sein, dass Churchill dem damaligen Brigadegeneral und Staatssekretär im französischen Kriegsministerium Charles de Gaulle am 18. Juni 1940 ermöglicht hatte, über BBC seinen berühmt gewordenen Appell an seine Landsleute zu senden, in dem er sie zur Fortsetzung des Kampfes aufforderte. Am 8. August unterzeichneten Churchill und de Gaulle die Übereinkunft von Chequers, in der sich Großbritannien verpflichtete, die Integrität aller französischen Besitzungen sowie die „integrale Restauration und Unabhängigkeit und die Größe Frankreichs“ zu respektieren. Trotz starker persönlicher Vorbehalte gegen de Gaulle erkannte Churchill ihn als legitimen Repräsentanten des Freien Frankreich an.

Der deutsche Invasionsplan (Unternehmen Seelöwe) wurde im Herbst 1940 immer wieder verschoben, bis er im Frühjahr 1941 schließlich aufgegeben wurde. In dieser Zeit flogen deutsche Bomber ständig Luftangriffe auf London und viele andere Städte in England, die – wie beispielsweise Coventry – schwere Zerstörungen erlitten. Vom 25. August 1940 an ging auf Befehl Churchills auch die Royal Air Force dazu über, gezielt Wohngebiete deutscher Städte zu bombardieren, nachdem bereits zuvor Luftangriffe gegen Industrieanlagen im Ruhrgebiet geflogen worden waren.

Churchill im Juni 1943. Das V-Zeichen für victory ‚Sieg‘ wurde durch ihn populär.

Die britische Bevölkerung sah in den Aktionen der Royal Air Force damals eine legitime Antwort auf die deutsche Kriegführung, die mit den Bombardierungen Guernicas, Warschaus, Rotterdams und der südenglischen Städte erstmals in der Geschichte schwere Luftangriffe auf zivile Ziele unternommen hatte. Am 14. Februar 1942 erließ das Luftfahrtministerium die Area Bombing Directive. Sie ermächtigte Arthur Harris, den kurz zuvor ernannten, neuen Oberbefehlshaber des britischen Bomber Command zu Flächenbombardement, die die Kampfmoral des Feindes brechen sollten.

Spätestens Mitte 1944, als Briten und Amerikaner die uneingeschränkte Luftherrschaft über dem Reichsgebiet errungen hatten, erreichten diese Flächenbombardierungen eine Eigendynamik, die auch Churchill nicht mehr stoppen konnte oder wollte. Während dieser Zeit wurden zahlreiche deutsche Städte in Schutt und Asche gelegt. Erst die hohe Opferzahl der Luftangriffe auf Dresden veranlasste Churchill, die Bombardements deutscher Städte zu hinterfragen, ohne allerdings die bisher eingeschlagene Linie zu verlassen. Ganz am Ende des Kriegs distanzierte er sich von Luftmarschall Harris, der zu den Verfechtern des moral bombing gehört und dieses stets als Auftrag seiner Regierung verstanden hatte.

Die Großen Drei

Solange Großbritannien im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland allein stand, konnte Churchill nur dafür sorgen, dass es den Krieg nicht verlor. Ein Sieg aber, das war ihm bewusst, war nur im Bündnis mit den USA möglich. Er setzte daher auf ein gutes Verhältnis zu Franklin D. Roosevelt. Der US-Präsident aber konnte es vor seiner Wiederwahl im November 1940 nicht wagen, sein Land direkt in den Krieg zu verwickeln.

Dennoch erreichte Churchill, dass Großbritannien über den Nordatlantik mit lebens- und kriegswichtigen Gütern aus den USA versorgt wurde. Das Leih- und Pachtgesetz, das Roosevelt am 11. März 1941 durch den Kongress brachte, ging auf eine direkte Initiative Churchills vom Mai 1940 zurück. Es erlaubte der US-Regierung unter anderem, Kriegsschiffe an Großbritannien auszuleihen.

Am 14. August 1941 trafen sich Roosevelt und Churchill vor Neufundland auf dem Schlachtschiff HMS Prince of Wales.[35] Dort unterzeichneten sie die Atlantik-Charta, die mit ihren „Acht Freiheiten“ zur Grundlage der Nachkriegsordnung und der Vereinten Nationen werden sollte.

Bis dahin hatte sich Großbritanniens Lage bereits entscheidend verbessert. Schon Hitlers Ausgreifen auf den Balkan und Nordafrika hatte die Zahl deutscher Luftangriffe auf Ziele in Großbritannien verringert. Nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 stand das Vereinigte Königreich nicht mehr allein im Krieg. Trotz seines Misstrauens gegen Josef Stalin, der zunächst mit Hitler paktiert hatte, bot Churchill ihm nun sofort Unterstützung an. So kam es trotz der prekären Lage, in der sich Großbritannien befand, ab Oktober 1941 zur Lieferung von britischen und US-amerikanischen Hilfsgütern an die Sowjetunion.

Am 7. Dezember 1941 erfolgte Japans Angriff auf die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor, und am 11. Dezember erklärte auch Hitler den USA den Krieg. Damit hatte Churchill endlich den gewünschten Verbündeten an seiner Seite. Unter den „Großen Drei“ – Roosevelt, Stalin und Churchill – sollte ihm am Ende zwar nur noch die Rolle des Juniorpartners der Amerikaner bleiben. Dennoch übte er weiter großen Einfluss auf die Kriegführung aus, nun schon mit Blick auf die Zeit nach Hitlers Niederlage. Denn klarer als Roosevelt erkannte er die Gefahr, dass dem von den Nazis beherrschten ein sowjetisch dominiertes Europa folgen könnte.

Ausdruck dieser Befürchtung war Churchills Mittelmeerplan. Wie schon in der Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg wollte er die Kriegsgegner an ihrer schwächsten Stelle im Süden – diesmal in Italien – angreifen, dann die Alpen östlich umgehen, nach Österreich und ins Zentrum Deutschlands vorstoßen und zugleich die deutschen Truppen auf dem Balkan abschneiden. Damit wollte er die Chance wahren, den Krieg noch vor dem Vorstoß der Roten Armee bis weit nach Mitteleuropa hinein zu entscheiden. Ein erster Schritt zu diesem Plan war die Operation Torch, die Landung der Briten und Amerikaner in Nordafrika am 8. November 1942.

Auf der Casablanca-Konferenz vom 14. bis 26. Januar 1943 legten Churchill und Roosevelt die gemeinsame Kriegsstrategie fest. Sie einigten sich dabei auf den Grundsatz Germany first, wonach die Niederwerfung Hitler-Deutschlands Vorrang vor dem Krieg gegen Japan haben sollte. Roosevelt setzte gegen Bedenken Churchills, der dies psychologisch nicht für klug hielt, die Forderung nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands durch.

Chiang Kai-shek, Roosevelt und Churchill auf der Konferenz von Kairo 1943

Am 10. Juli 1943 landeten die Alliierten in Italien und nahmen Sizilien ein. Dies hatte den Sturz von Benito Mussolini zur Folge. Doch der Vormarsch der alliierten Truppen über die Apenninhalbinsel kam sehr viel langsamer voran, als Churchill es erhofft hatte. Auf der Konferenz von Teheran vom 28. November bis 1. Dezember 1943 trafen er und Roosevelt erstmals mit Stalin zusammen: Dieser drängte nun auf die Eröffnung einer zweiten Front in Frankreich. Dabei wurde auch die so genannte Westverschiebung Polens beschlossen: Nach dem Kriegsende sollte die Sowjetunion die schon im Hitler-Stalin-Pakt gewonnenen ostpolnischen Gebiete behalten, dafür wurde Polens Westgrenze an die Oder-Neiße-Linie verlegt.

Auf dem Weg zur Teheran-Konferenz hatte Churchill in Ägypten Station gemacht. Auf der Konferenz von Kairo besprach er am 1. November 1943 mit Roosevelt und Chiang Kai-shek, dem Staatschef Chinas, das weitere militärische Vorgehen gegen Japan in Ostasien. Auf der zweiten Kairoer Konferenz am 26. Dezember setzte Churchill bei Roosevelt durch, dass die Verbündeten am Prinzip „Deutschland zuerst“ festhielten. Danach sollten die Kriegsanstrengungen im Pazifik erst nach dem Kriegsende in Europa forciert werden.

Am D-Day, dem 6. Juni 1944, begann mit der Operation Neptune schließlich die von Stalin lange geforderte alliierte Landung in der Normandie unter dem Codenamen „Operation Overlord“. In Frankreich kamen die Alliierten rasch voran und befreiten bereits im August Paris. Im Oktober erreichten ihre Truppen die Reichsgrenze bei Aachen. Um die weitere Zusammenarbeit der Alliierten in Europa und im Pazifik zu besprechen, traf sich Churchill vom 11. bis 16. September 1944 mit Roosevelt im kanadischen Québec.

Die „Großen Drei“: Churchill, Roosevelt und Stalin auf der Konferenz von Jalta 1945

Mit seinem Außenminister Anthony Eden besuchte er vom 9. bis 19. Oktober 1944 Moskau. Trotz der Erfolge der britischen und amerikanischen Truppen fürchtete er weiterhin, dass die Rote Armee schneller und weiter nach Mitteleuropa vorstoßen könnte als die Westalliierten. Daher verabredete er mit Stalin eine Aufteilung Mittel-, Ost- und Südosteuropas in Interessensphären. Rumänien, Bulgarien und Ungarn wurden dem sowjetischen Einflussbereich zugeordnet, Griechenland dem britischen. In Jugoslawien wollten beide Mächte ihren Einfluss teilen. Churchill einigte sich mit Stalin ferner auf die Curzon-Linie als Polens Ost- und die Oder als Polens Westgrenze.[36]

Die Ardennen-Offensive der deutschen Wehrmacht (16. Dezember 1944 bis Januar 1945) verstärkte seine Bedenken noch, so dass er auf der Konferenz von Jalta vom 4. bis 11. Februar 1945 zu weiteren Zugeständnissen an Stalin bereit war. Dort wurde nicht nur Deutschlands Aufteilung in vier Besatzungszonen beschlossen, sondern auch Europas Teilung in eine westliche und eine sowjetische Einflusssphäre, wie sie bis 1989 Bestand hatte. Churchill musste sich dabei nicht nur mit Stalin, sondern auch mit Roosevelt auseinandersetzen: Dieser war den Sowjets gegenüber sehr viel weniger misstrauisch und glaubte, sie nach dem Krieg in eine wirkliche Friedensordnung einbinden zu können.

Potsdamer Konferenz: Josef Stalin, Harry S. Truman und Winston Churchill während einer Konferenzpause, Juli 1945

Der Krieg ging nun rasch dem Ende zu. Im März, als die britischen Truppen am Rhein standen, stattete Churchill seinem Oberbefehlshaber, Feldmarschall Bernard Montgomery, einen Besuch ab und setzte mit ihm bei Wesel über den Strom. Am 8. Mai 1945 konnte er vor dem britischen Unterhaus die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht und damit den Sieg in Europa (V-E-Day) bekannt geben.

Nachdem Roosevelt am 12. April 1945 gestorben war, traf sich Churchill mit dessen Nachfolger Harry S. Truman und mit Stalin am 17. Juli auf der Potsdamer Konferenz, um über das weitere Vorgehen in Deutschland und gegen das noch kämpfende Japan zu beraten.

Erneut in der Opposition

Churchill während der Potsdamer Konferenz 1945
Churchill grüßt die Menge in Whitehall am Tag seiner Radioansprache zum Sieg über das nationalsozialistische Deutschland am 8. Mai 1945.

Mitten in der Potsdamer Konferenz wurde Churchill als Premier von seinem bisherigen Stellvertreter Clement Attlee abgelöst. Die Unterhauswahl vom Juli 1945 hatte dessen Labour Party gewonnen, weil sie den Briten bessere Schulen, bessere Wohnungen und ein staatliches Gesundheitswesen versprach. Churchills Wahlkampfprogramm – die Fortsetzung des Krieges gegen Japan und die Warnung vor einer Finanz-„Gestapo“ – schien den Wählern dagegen wenig zukunftsorientiert zu sein.

Während der folgenden sechs Jahre war er Oppositionsführer im Unterhaus. Er nutzte diese Zeit auch, um als weltweit geachteter Staatsmann auf aktuelle Chancen und Gefahren aufmerksam zu machen. Als einer der ersten hatte er schon im Krieg die Folgen der Gewaltpolitik Stalins erkannt. Bereits im Mai 1945 hatte er aus Furcht vor einem weiteren Vormarsch der Roten Armee nach Westeuropa den britischen Generalstab mit der Ausarbeitung von Operation Unthinkable beauftragt, einem Geheimplan für einen Angriff auf die Sowjetunion. Aufgrund militärischer und politischer Erwägungen wurde der Plan jedoch fallen gelassen.[37] Nun, nach dem Krieg, unterstützte Churchill Präsident Trumans Eindämmungspolitik gegenüber der Sowjetunion und prägte den Begriff „Eiserner Vorhang“ (s. u.) für die Grenze zwischen Ost- und Westeuropa. Er bestärkte die USA auch darin, ihr bis 1954 bestehendes Monopol auf Atom- und Wasserstoffbomben für offensive, gegen die Sowjetunion gerichtete politische Ziele zu gebrauchen.

Andererseits waren seine berühmten Reden vor der akademischen Jugend in Zürich 1946 und dem Europarat in Straßburg 1949 zukunftsweisend: Darin schlug er die Schaffung der „Vereinigten Staaten von Europa“ vor, deren „erster Schritt eine Partnerschaft zwischen Frankreich und Deutschland“ sein müsse. „Es kann kein Wiederaufleben Europas geben ohne ein geistig großes Frankreich und ein geistig großes Deutschland“, sagte er und sprach weiter von der Notwendigkeit, der europäischen Völkerfamilie „[…] eine Struktur zu geben, unter der sie in Frieden, Sicherheit und Freiheit leben kann. Wir müssen eine Art Vereinigte Staaten von Europa schaffen. Nur so können Hunderte Millionen von Werktätigen wieder einfache Freuden und Hoffnungen erlangen, die das Leben lebenswert machen.“

Begeistert von den Ideen des damaligen französischen Außenministers Aristide Briand, hatte er sich erstmals schon 1930 in der Saturday Evening Post zu dieser Konzeption geäußert. Jetzt sah er darin einen pragmatischen Weg, den Hass zwischen den europäischen Völkern abzubauen und den Kontinent zu befrieden. Damit verband er das Kalkül, das infolge zweier Weltkriege verringerte politische Gewicht der europäischen Staaten gegenüber den USA und der Sowjetunion zu stärken. Großbritannien sollte nach seiner Vorstellung jedoch nicht in die neu zu schaffenden europäischen Strukturen eingebunden sein: „Wir haben unsere eigenen Träume. Wir sind bei Europa, aber nicht von ihm. Wir sind verbunden, aber nicht eingeschlossen.“ Offenbar hoffte er, Großbritannien könne durch einen unabhängigen Kurs mit seinem atlantischen Partner USA auf Augenhöhe bleiben. Grundkonstante seiner Pläne blieb die Idee einer föderalen Union von Nationalstaaten, die in Freiheit und Wohlstand zusammenleben sollten.

Zweite Amtszeit und letzte Jahre

Winston Churchill trifft Konrad Adenauer am 12. Mai 1956 zu einem Gespräch im Bundeskanzleramt

Mit Churchill als Spitzenkandidat errangen die Konservativen im Oktober 1951 einen knappen Wahlsieg, weil er diesmal die Wahlkampfthemen der Labour Party übernommen und den Briten eine Fortführung des staatlichen Wohnungsbauprogramms versprochen hatte. Innenpolitisch verlief seine zweite Amtszeit in Downing Street No. 10 weitgehend unspektakulär. In der Außen- und Kolonialpolitik dagegen musste er mit mehreren von der Vorgängerregierung geerbten Konfliktherden zurechtkommen. Er tat dies als weiterhin überzeugter Verfechter des Britischen Empire und des Kolonialismus.

In der Abadan-Krise beispielsweise forderte und unterstützte Churchill die Maßnahmen des amerikanischen Geheimdienstes CIA, die schließlich zum Sturz des iranischen Premierministers Mossadegh führten. Die Krise war entstanden, als das iranische Parlament auf Betreiben Mossadeghs Anfang 1951 die Verstaatlichung der Erdölindustrie des Landes beschloss, die unter britischer Kontrolle stand.

In Malaya war bereits 1948 eine Rebellion gegen die britische Herrschaft ausgebrochen. Auch in der Kolonie Kenia schwelten Unruhen, die 1952 in den Mau-Mau-Aufstand mündeten. In beiden Fällen trat Churchill dafür ein, die Aufstände militärisch niederzuschlagen. Anschließend versuchte er aber, für alle Seiten politisch tragbare Lösungen zu finden. Die von ihm initiierten Friedensgespräche mit den Aufständischen in Kenia scheiterten allerdings kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Amt. Für die malayischen Sultanate im heutigen Malaysia und für Singapur ließ er 1953 Pläne für die Unabhängigkeit ausarbeiten, die 1957 realisiert wurden.

Nach dem Tod Stalins im März 1953 bot Churchill der Sowjetunion überraschend die Auflösung der Blöcke und Schaffung eines gesamteuropäischen Sicherheitssystems an; eine Idee, die erst nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs in der Zeit nach 1989/90 verwirklicht wurde.

Im selben Jahr erhielt er den Nobelpreis für Literatur für sein großes historisches Werk Der Zweite Weltkrieg. Die neue Königin Elisabeth II. schlug ihn wegen seiner Verdienste zum Ritter des Hosenbandordens. Den angebotenen Herzogstitel schlug Sir Winston in den Folgejahren mehrfach aus, um weiter für das Unterhaus kandidieren zu können.

Im Juni 1953 erlitt er zum wiederholten Mal einen Schlaganfall, der ihn zeitweilig amtsunfähig machte. Schließlich drängten seine Parteifreunde ihn 1955 zu einem Rücktritt vor dem Ende der Amtsperiode und dazu, nicht mehr als Spitzenkandidat der nächsten Unterhauswahl anzutreten. Churchill trat im April 1955 zurück; die Tory-Mehrheit im Unterhaus wählte Anthony Eden zu seinem Nachfolger. Churchill ließ sich 1955 und 1959 noch einmal ins Unterhaus wählen, dem er am Ende mehr als 60 Jahre angehörte, trat aber nicht mehr als Redner in Erscheinung.

Nach seinem Rücktritt lebte Churchill zurückgezogen noch weitere zehn Jahre. Er starb in seinem 91. Lebensjahr am 24. Januar 1965 – auf den Tag genau 70 Jahre nach dem Tod seines Vaters. Er wurde drei Tage lang in der Westminster Hall aufgebahrt und anschließend mit einem Staatsakt in der Saint Paul’s Cathedral geehrt. Beigesetzt wurde Churchill in der Grabstätte seiner Familie auf dem Saint Martin’s Churchyard in Bladon in der Nähe seines Geburtsorts Woodstock.

Churchill im Urteil von Zeitgenossen und Nachwelt

Früher Ruhm: Schon 1908 wurde Churchill als Wachsfigur ins Londoner Kabinett von Madame Tussauds aufgenommen.
Eine Karikatur von Edward Tennyson Reed, erstmals veröffentlicht 1909 im Punch.
Sie stellt Churchill als „Luftikus“ unter den Kabinettsmitgliedern der Regierung Asquith dar und stützt das Urteil „brillant aber unsolide“, das über den Churchill der Vorkriegszeit weit verbreitet war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg: Der Nationalheld. Churchill-Denkmal in London

Hitler wollte in seinem Gegenspieler nur „diesen Schwätzer und Trunkenbold Churchill“ entdecken, der ihn daran gehindert habe, „große Werke des Friedens“ zu vollbringen.[38] Ein 1993 in Oxford erschienenes Werk mit Beiträgen von 29 Historikern und Politikern würdigt Churchill dagegen als „vielleicht die größte Gestalt im 20. Jahrhundert“.[39]

Seine schillernde Persönlichkeit irritierte bereits seine Zeitgenossen und entzieht sich jeder eindimensionalen Beurteilung. Churchill verkörperte in seinem politischen Dasein mal den radikalen Sozialreformer, mal den reaktionären Imperialisten. Einerseits war er der viel beschworene Krieger, der mit seiner Härte und Skrupellosigkeit eher ins 18. Jahrhundert Marlboroughs zu passen schien, andererseits der Politiker, der half, die UNO und Europäische Union mitzubegründen und mit seiner Idee der „Vereinigten Staaten von Europa“ den Weg ins 21. Jahrhundert wies.

Keiner Partei, schon gar keiner Parteidoktrin verpflichtet, wechselte er die politischen Lager, wann immer es ihm nötig und opportun erschien. Er war daher als unzuverlässig verschrien und wurde wegen seiner Ideen sogar von Freunden gefürchtet. Lloyd George beschrieb Churchills Verstand als eine „mächtige Maschine, doch […] wenn der Mechanismus versagte oder falsch lief, waren die Folgen verheerend.“[40]

In der britischen Öffentlichkeit galt Churchill laut Sebastian Haffner noch bis zum Zweiten Weltkrieg als „brillant aber unsolide“.[41] Seine Zeitgenossen sahen es als unseriös und gefährlich an, dass Churchill eine Neigung dazu hatte, sich persönlich in riskante Situationen zu begeben, wie bei der Belagerung der Sidney-Street 1911 oder bei der Antwerpen-Expedition 1914. Weit ausgreifende aber letztlich gescheiterte Vorhaben Churchills – wie der Dardanellen-Plan und die Intervention im nachrevolutionären Russland – schienen ihr Urteil zu bestätigen. Der Schriftsteller H.G. Wells sprach für viele, als er den frühen Churchill mit einem „schwer zu behandelnden kleinen Jungen“ verglich, „der es verdient, übers Knie gelegt zu werden“.[42] Wells dürfte der britischen Mehrheitsmeinung aber auch Jahrzehnte später Ausdruck verliehen haben, als er kurz vor dem Zweiten Weltkrieg seine Ansichten zu Churchill revidierte: „Ich wage zu behaupten, dass wir zu Churchill halten werden, der so viele Fehler gemacht hat, dass er keine weiteren mehr machen kann und der immerhin ziemlich gerissen ist.“[43] Ganz ähnlich wandelte sich das Churchill-Bild im Werk des Karikaturisten David Low: Verspottete er Churchill bis in die 1930er Jahre noch als „Reaktionär“ und „politischen Abenteurer“, so solidarisierte er sich ab Mai 1940 mit dem gerade ernannten Kriegspremier in dem Cartoon „All Behind You Winston“.[44] Nach dem Sieg über Hitler 1945 zollte Low seinem einstigen Lieblingsfeind in der Karikatur „The Two Churchills“ als „leader of humanity“ seinen Respekt.[45] Churchill machte es Kritikern insofern leicht, da er höchst eitel sein konnte, stets auf seine Wirkung und den großen Auftritt bedacht. Aber er war auch fähig, eine große Rolle auszufüllen. So meinte General de Gaulle, der nicht zu seinen besten Freunden gehörte: „Churchill erschien mir (im Juni 1940) als ein Mann, der der gröbsten Arbeit gewachsen war – vorausgesetzt, sie war gleichzeitig grandios.

In seiner Außenpolitik ließ Churchill sich, wie er selbst es formulierte, von dem Prinzip der „Weltverantwortlichkeit“ leiten. Aufgrund der Erfahrung des Ersten Weltkriegs sah er die westlichen Demokratien – vor allem Großbritannien und die USA – in der Pflicht, eine ähnliche Katastrophe in Zukunft zu verhindern. Als Hauptgegner des Weltfriedens sah er nach 1918 zunächst die Sowjetunion, seit Mitte der 30er Jahre aber in zunehmendem und wegen seiner expansiven Politik gefährlicherem Maße Deutschland. Er bekämpfte die Appeasementpolitik seines Vorgängers Chamberlain, weil sie den Krieg, den sie vermeiden sollte, in seinen Augen nur umso wahrscheinlicher machte. Um das nationalsozialistische Deutschland zu schlagen, schreckte er auch nicht vor dem kriegsbedingten Bündnis mit Stalin zurück, das aus seiner Sicht das kleinere von zwei Übeln darstellte. Aber er betrachtete seine Arbeit 1945 erst als halb getan und gehörte zu den ersten, die eine Eindämmung der sowjetischen Expansionspolitik forderten.

Der britische Luftkrieg gegen deutsche Städte und die Zivilbevölkerung wird Churchill bis heute zum Vorwurf gemacht. Der deutsche Publizist Jörg Friedrich bezeichnete ihn deshalb als Massenmörder. Er kritisiert, dass im Rahmen des sogenannten moral bombing gezielt Wohngebiete angegriffen wurden, auch noch gegen Kriegsende, als dies keine militärische Bedeutung mehr gehabt habe. Der Historiker Frederick Taylor betont dagegen, dass Großbritannien nach dem Rückzug seiner Landstreitkräfte vom Kontinent Deutschland nur noch mit Hilfe der Royal Air Force angreifen konnte. Punktgenaue Angriffe auf rein militärische und industrielle Ziele seien zumindest in der Anfangsphase – zumal bei Nachtangriffen – technisch nicht möglich gewesen.

Worum man überhaupt kämpfe, wurde Churchill während des Zweiten Weltkrieges gefragt. Seine Antwort: „Wenn wir aufhörten zu kämpfen, würdet ihr es bald herausfinden.“[46] Kurz und bündig befand Willy Bretscher, Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung: „Churchill rettete im Sommer 1940 Europa.“[47] Churchills Landsmann Alan Moorehead meinte, dass man Churchill aufgrund dieser Leistung als den „größten Briten seit Wellington“ ansehen müsse.[48] Diesen Standpunkt teilen heute britische wie deutsche Historiker und Biografen. Trotz der Toten des Bombenkriegs, für den der Premier mit verantwortlich war, sind laut Christian Graf Krockow „dank Churchills Unbeugsamkeit Abermillionen von Menschen gerettet worden.“[49] Arnold J. Toynbee urteilte Jahre nach dem Krieg: „Ohne Churchill läge die Welt heute in Ketten.“ Sein schwedischer Biograf Knut Hagberg pflichtete dem 1945 bei: „Wenn es Winston Churchill nicht gelungen wäre, England zum Kampfe zu wecken, dann würde es bald kein freies Land mehr in Europa gegeben haben.[50] Und Peter de Mendelssohn schrieb: „Andere mochten und mussten die Zukunft bewältigen. Er hatte bewirkt, dass es überhaupt eine Gegenwart gab.[51]

Aus diesen und vielen ähnliche Äußerungen seiner Zeitgenossen geht hervor, was auch nach heutigem Forschungsstand als Churchills historische Lebensleistung gilt: dass er Hitlers Sieg verhindert hat. Er überzeugte die Briten in der scheinbar aussichtslosen Lage des Sommers 1940 davon, den Krieg noch nicht verloren zu geben, stärkte ihren Durchhaltewillen und legte die Grundlagen für die kommende Anti-Hitler-Koalition mit den USA und der UdSSR. Aus diesen Gründen sehen auch viele deutsche Churchill-Biografen wie Hans-Peter Schwarz, Christian Graf Krockow[52] und Sebastian Haffner[53] in Churchill, nicht in Roosevelt oder Stalin, den entscheidenden Gegenspieler Hitlers.

Als Churchill geboren wurde, stand das britische Empire in seinem Zenit. Als er starb, war Großbritannien zu einer Macht zweiten Ranges geworden. Er selbst mag dies als Scheitern und als Tragödie empfunden haben.[54] Aber: „Merkmal der Größe kann nicht nur sein, was einer hienieden an Bedeutendem schafft“, schrieb sein Biograph Peter de Mendelssohn. „Vielmehr vermag echte Größe auch dem Weitblick, der Entschlossenheit und der unerschütterlichen Tatkraft innezuwohnen, mit denen einer sich der verderblichen Schöpfung in den Weg stellt und die Kräfte aufzurufen, zu versammeln und zu äußerster Leistung anzuspornen vermag, die dem Unheil die Straße versperren. Ein solcher war Winston Churchill.“[55]

Auszeichnungen, Ehrungen, Mitgliedschaften

Briefmarkenblock 1968 mit einem Porträt Churchills

Churchill im Film

Churchills Leben ist Gegenstand Hunderter von TV-Dokumentationen sowie Fernseh- und Kinofilmen. Dazu gehören u. a.:

Werke

  • The Story of the Malakand Field Force: An Episode of Frontier War, 1898.
  • The River War: An Historical Account of the Reconquest of the Sudan, 1899. (Online beim Project Gutenberg)
  • Savrola, 1900. (Roman)
  • From London To Ladysmith via Pretoria, 1900.
  • Ian Hamiltons's March, London 1900.
  • Lord Randolph Churchill, 1906.
  • My African Journey, 1908.
  • The World Crisis, 4 Bände, 1923 bis 1929.
  • My Early Life, 1930 (dt. Meine frühen Jahre, List Taschenbuch Nr. 293/294, Paul List Verlag, 4. Aufl., München 1965)
  • Marlborough. His Life and Times, 1933 bis 1938, 4 Bände. (dt. Marlborough, 2 Bde., Zürich 1990)
  • Great Contemporaries, 1937; (dt. Grosse Zeitgenossen, Fischer Bücherei, Frankfurt und Hamburg,1959), Sammlung von Zeitschriftenessays, u. A. über: George B. Shaw, Alfons XIII., Georg V., Georges Clemenceau, Wilhelm II., Lawrence von Arabien;
  • The Second World War, 6 Bände, erschienen 1948 bis 1954, ISBN 3-502-19132-8.
deutsche Version:
Eduard Thorsch (Übersetzer): Der Zweite Weltkrieg: Mit einem Epilog über die Nachkriegsjahre. Fischer Tb, 4. Auflage, Frankfurt am Main 2003, ISBN 978-3-596-16113-3 (enthält den Epilog Der kalte ‹Friede› und unsere Zukunft von 1957).
  • A History of the English-Speaking Peoples, 1956 bis 1958, 4 Bände (dt. Geschichte der englischsprachigen Völker, 5 Bde., Augsburg 1990).
  • Reden in Zeiten des Krieges, ausgewählt, eingeleitet und erläutert von Klaus Körner, Hamburg u. Wien 2002.

Literatur

  • Peter Alter: Winston Churchill (1874–1965), Stuttgart 2006 ISBN 3-17-018786-4 (Neuere, gut lesbare Biographie).
  • Robert Blake/ Roger Louis, (Hrsg.): Churchill. A major new Assessment of his Life in Peace and War. Oxford 1993 (Aufsatzsammlung der renommiertesten zeitgenössischen Churchill-Kenner), ISBN 0-19-820317-9.
  • David Cannadine: Winston Churchill. Abenteurer, Monarchist, Staatsmann. Berenberg, Berlin 2005, ISBN 3-937834-05-2.
  • John Charmley: Churchill. Das Ende einer Legende. Ullstein, Berlin 1997 (Kritische Biographie), ISBN 3-548-26502-2.
  • John Colville: Downing Street Tagebücher 1939–1945. Siedler, Berlin 1988 (Tagebuchaufzeichnungen eines der engsten Mitarbeiter Churchills während der Kriegsjahre), ISBN 3-88680-241-8
  • Virginia Cowles: Winston Churchill. Der Mann und seine Zeit, Wien 1954.
  • Joachim Fest, Unzeitgemäßer Held seiner Zeit. Winston Churchill, in: Aufgehobene Vergangenheit. Portraits und Betrachtungen, München 1983, S. 215-238.
  • Martin Gilbert, Randolph S. Churchill: Winston S. Churchill. 8 Bände mit Begleitbänden. Butterworth, London 1966, 1988 (Monumentale, englischsprachige Biographie), ISBN 0-434-13017-6.
  • Walter Graebner: Churchill – der Mensch. Rainer Wunderlich, Tübingen 1965 (engl. Original My dear Mr. Churchill. in: W. Graebner: Literary Trust. 1965).
  • Russell Grenfell: Churchill und die Deutschland-Politik. Lynx, Gauting 2002 (Kritische Betrachtung, erschien bereits 1954 unter dem Titel „Bedingungsloser Haß?“), ISBN 3-936169-04-7.
  • Sebastian Haffner: Winston Churchill. Kindler Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-463-40413-3. (Kurze, leicht zu lesende Biographie).
  • Knut Hagberg: Winston Churchill, Stockholm 1945. (Populärwissenschaftliches Werk eines schwedischen Autors).
  • Roy Jenkins: Churchill. Macmillan, London/Basingstoke/Oxford 2001 (englischsprachige Biographie), ISBN 0-333-78290-9.
  • Christian Graf von Krockow: Churchill. Eine Biographie des 20. Jahrhunderts. Hoffmann und Campe, Hamburg 1999, ISBN 3-455-11270-6.
  • John Keegan: Churchill Weidenfels & Nicolsen, 2002 (Englischsprachige Biographie), ISBN 0-297-60776-6.
  • Franz Lehnhoff: Winston Churchill. Engländer und Europäer, Köln 1949. (Biographie von einem Schweizer Autoren).
  • Elizabeth Longford: Winston Churchill, London 1974.
  • John Lukacs: Fünf Tage in London. England und Deutschland im Mai 1940 Siedler, Berlin 2000 (Darstellung der entscheidenden Tage, in denen Churchill in seinem Kabinett die Fortführung des Kriegs gegen Deutschland durchsetzte), ISBN 3-88680-707-X.
  • Peter de Mendelssohn: Churchill. Sein Weg und seine Welt. Bd 1. Erbe und Abenteuer. Die Jugend Winston Churchills 1874–1914. Lemm, Freiburg 1957.
  • Alan Moorehead: Churchill. Eine Bildbiographie, München 1961.
  • Robert Payne: The Great Man. A Portrait of Winston Churchill, New York 1974.
  • John Ramsden: Man of the Century. Winston Churchill and his Legend Since 1945, London 2003.
  • Andrew Roberts: Churchill und seine Zeit. München, DTV 1998 (Kritische Biographie), ISBN 3-423-24132-2.
  • David Stafford: Churchill & Secret Service. London 1997 (Abacus), ISBN 0-349-11279-7.
  • Vladimir G. Truchanovskij: Churchill. Eine Biographie, Berlin 1973. (Biographie aus Sicht der Sowjetunion).
  • Ben Tucker: Winston Churchill. Sein Leben in Bildern. H.R. Hugi, Bern 1946.

Weblinks

 Commons: Winston Churchill – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Der Name Spencer ist dem ursprünglichen Familiennamen seiner Vorfahren väterlicherseits entlehnt; den Vornamen Leonard erhielt er zu Ehren seines Großvaters mütterlicherseits, Leonard Jerome.
  2. Dieser Familienmythos der Churchills und der Jeromes besagt, Jennie Jeromes Ur-Großmutter Anna Baker, verheiratete Willcox, sei entweder selbst aus der Verbindung einer Weißen und eines Irokesen hervorgegangen oder habe ihre Tochter Clarissa Hall außerehelich mit einem Irokesen gezeugt. Genealogische Beweise für die Richtigkeit dieser Behauptungen konnten bislang nicht erbracht werden. Jennie Churchills Biograf Ralph G. Martin beruft sich auf Spekulationen über Anna Willcox, die den Großteil ihres Lebens in Neuengland und Nova Scotia verbracht hatte: „[…] may have been raped by an Indian and [that her daughter] Clarissa Willcox may have been half-caste“ (Martin: Jennie. The Life of Lady Randolph Churchill, Bd. 1, London 1969). Elisabeth Snell vom britischen Churchill Center, einer Einrichtung, die sich der Erforschung von Churchills Leben und der Pflege seines Andenkens widmet, bemerkt hierzu, dass es ebenso möglich sei, dass andere Kinder die junge Anna Baker aufgrund ihres dunklen Teints so lange mit der Indianer-Behauptung neckten, bis sie selbst an diese glaubte ([1]). Über die Kontroverse selbst urteilte Snell, dass „das Fehlen von Beweisen die Geschichte nicht unwahr mache, sie aber ebenso wenig verbriefe“. Als gesichert sei lediglich festzuhalten, dass der „Irokesen-Mythos“ existierte, und dass er weithin geglaubt wurde. Was Churchills eigene Haltung zu der Frage angeht, vermerkt Snell: „Sir Winston, to whose romantic nature the story (of Iroquois ancestors) appealed, was known to believe it, as did some members of his family […].“ Im gleichen Sinne äußert sich William Manchester (Manchester: Last Lion, London 1983). Churchills Enkelsohn, Winston Churchill Jr., äußert im Vorwort des Buches The Great Republic, das Churchills Schriften über die Vereinigten Staaten zusammenfasst, dass er selbst – mit Blick auf die, „auf eine sonderbare Weise düsteren Gesichtszüge“ (“mysteriously dark features”), seiner Ur-Ur-Großmutter, Clarissa Willcox, auf einem Gemälde, das er von seinem Großvater geerbt habe – „geneigt sei, (an die Wahrheit der Behauptung) zu glauben“, es aber seinen Lesern anheimstellen würde, sich ein eigenes Urteil zu bilden (Churchill [Hrsg.]: The Great Republic. A History of America, London 2002).
  3. Winston S. Churchill: Kreuzzug gegen das Reich des Mahdi (original: The River War. A Historical Account of the Reconquest of the Soudan, London 1899), Frankfurt 2008, ISBN 978-3-8218-6204-0, S. 7
  4. Martin Gilbert: Churchill, Bd. 1, S. 451.
  5. From London to Ladysmith via Pretoria und Ian Hamilton's March
  6. Roy Jenkins: Churchill, London 2001, S. 61 f.
  7. Hyam: Churchill at the Colonial Office, S. 357
  8. Dies belegen Memoiren vieler Zeitgenossen, etwa die von Helen Violet Bonham-Carter (Winston Churchill as I Knew Him, London 1965) oder Eduard von der Heydt (Auf dem Monte Veritá. Erinnerungen und Gedanken über Menschen, Kunst und Politik, Zürich 1958). Ein zeitgenössischer Beleg ist auch die Schlagzeile „Winston Churchill is out, OUT, OUT!“, mit der die konservative Tageszeitung The Daily Telegraph 1908 Churchills Niederlage gegen William Joynson-Hicks bei einer Nachwahl in Manchester feierte. Dennoch ließ Churchill den Draht zu seiner alten Partei nie völlig abreißen und pflegte Kontakte zu einflussreichen Konservativen. So blieb ihm David Balfour im ganzen wohlgesinnt, Hugh Cecil trat 1908 als sein Trauzeuge auf, und der junge Konservative Lord Birkenhead, mit dem Churchill den politischen Klub The Other Club gründete, wurde damals sogar sein engster persönlicher Freund.
  9. Lusitania-Affäre: Schmutziges Geschäft in: Der Spiegel 45/1972
  10. István Deák: Essays on Hitler's Europe. University of Nebraska Press, Lincoln 2001, ISBN 0-8032-6630-8, S. 185f.
  11. Peter Alter: Winston Churchill (1874–1965). Leben und Überleben. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-17-018786-3, S. 75. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  12. Alan Moorehead: Churchill, München 1960, S. 49 f.
  13. Winston Churchill: The World Crisis. Band 4: The Aftermath (1918–1928). Butterworth, London 1929.
  14. History of the University www.bristol.ac.uk, 16. November 2008.
  15. Virginia Cowles: Churchill, Wien 1954
  16. Dietrich Aigner: Das Ringen um England. Das deutsch-britische Verhältnis. Die öffentliche Meinung 1933–39, München 1969, S. 154 f.
  17. Winston Churchill: The Truth about Hitler, in: „The Strand Magazin“, November 1935, S. 10 f.
  18. Klaus Larres: Churchill’s Cold War. The Politics of Personal Diplomacy, New Haven 2002, S. 31 f.
  19. Peter Alter: Winston Churchill (1874–1965). Leben und Überleben. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-17-018786-3, S. 117. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  20. Dietrich Aigner: Winston Churchill, in: Rolf K. Hocevar (Hrsg.): Die Epoche der Weltkriege, München 1970.
  21. Manchester: Last Lion, Boston 1983
  22. Verminung der norwegischen Küstengewässer
  23. britische Treibminen in deutschen Binnengewässern
  24. Plan R 4 in engl. Wikipedia
  25. Alliierte Übermacht in Norwegen
  26. Operation Wilfred 5.–8. April 1940
  27. Zit. nach Sebastian Haffner, Churchill, Reinbek 1967, S. 120
  28. Zit. nach Sebastian Haffner, Churchill, Reinbek 1967, S. 123
  29. http://www.winstonchurchill.org/learn/speeches/speeches-of-winston-churchill/128-we-shall-fight-on-the-beaches
  30. Zum Original-Wortlaut siehe: We shall fight on the beaches
  31. Zu den Überlegungen auf deutscher und britischer Seite nach der Niederlage Frankreichs siehe Gerhard L. Weinberg: „Eine Welt in Waffen“, Darmstadt 1995, S. 162-165 und S. 173
  32. Zit. nach Raymond Cartier, Der Zweite Weltkrieg, Band 1: 1939–1941, München, Zürich 1982, S. 242
  33. Vgl. Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Ursachen, Ausbruch, Verlauf, Folgen. Berlin 2007, ISBN 978-1-4054-8585-2, S. 69.
  34. Vgl. Ian Kershaw: Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/41. DVA, München 2. Aufl. 2008, ISBN 978-3-421-05806-5, S. 75.
  35. Originalaufnahmen in Farbe: Churchill reviews US and British troops after arriving in Iceland on his way back to London
  36. League of Nations Archives: Chronology 1944
  37. Bob Fenton: The secret strategy to launch attack on Red Army, Daily Telegraph, Issue 1124, 1. Oktober 1998
  38. zitiert nach Sebastian Haffner: Winston Churchill, Reinbek 1967, S. 175; im gleichen Sinne auch: Henry Picker: Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier, Stuttgart 1976, S. 128 (Gespräch vom 21. März 1942): „Es sei schade, dass man eines besoffenen Kerls (Churchills) wegen Krieg führen müsse, anstatt Friedenswerken, so der Kunst, zu dienen.“; Hitlers Auffassung von Churchill als einem notorischen Trinker zeigt sich auch in dem von Krockow (Krockow: Churchill, S. 130) betonten, häufigen Gebrauch der Wendung von Churchill als dem „Whiskysäufer von der Themse“, die auch von Joseph Goebbels aufgegriffen wurde.
  39. zitiert nach Robert Blake, Roger Louis (Hrsg.): Churchill. A major new Assessment of his Life in Peace and War. Oxford 1993
  40. David Lloyd George: Mein Anteil am Weltkrieg, 2 Bde., Berlin 1933/1934. Lord Birkenhead äußerte sich ähnlich: “When Winston is right he is superb. When he’s wrong, well, oh my God…”.
  41. Sebastian Haffner: Historische Variationen, darin Kapitel: Churchill. Ähnlich bei Klaus Jarres: Churchill's Cold War, 2002, S. 31, der einen Bericht Schlesingers über den Churchill der 1930er zitierte: „By that time many of his countrymen generally regard him as unreliable, reactionary and reckless, a brilliant man who had thrown away what might have been a brilliant political career.“
  42. Knut Hagberg: Winston Churchill, Stockholm 1945, S. 182.
  43. Zit nach Hagberg (s. o.): „Well, I dare say we will stick to Churchill, who has made so many mistakes that he can’t make any more and who is rather clever anyhow.
  44. Cartoon im Evening Standard vom 14. Mai 1940. In dem Cartoon lässt Low die gesamte britische Bevölkerung symbolisch hinter Churchill treten, während dieser seine Ärme hochkrempelt um die Herausforderungen des Krieges anzunehmen.
  45. Karikatur im Evening Standard vom 31. Juli 1945.
  46. Runfunkrede vom 30. März 1940. Im Original: “If we stopped fighting you would soon find out” (zitiert nach University of Aberdeen: Aberdeen University Review, 1958, S. 403).
  47. Werner Vogt: Winston Churchill. Mahnung, Hoffnung und Vision. 1938-1946. Das Churchill-Bild in der Berichterstattung und Kommentierung der Neuen Zürcher Zeitung und die unternehmensgeschichtlichen Hintergründe, Zürich 1996, S. 10.
  48. Alan Moorehead: Churchil', S. 126.
  49. Krockow: Churchill, S. 310
  50. Knut Hagberg: Winston Churchill, Zürich 1945, S. 215.
  51. Peter de Mendelssohn: Winston Churchill, in Die Grossen der Weltgeschichte (hg. von Kurt Fassmann), Kindler, Zürich 1971, Band 9, S. 880–898, hier S. 898.
  52. Krockow: Churchill. Eine Biografie des 20. Jahrhunderts, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1999, S. 8
  53. Haffner: Churchill, Reinbek bei Hamburg 1967.(2009 in 21. Auflage erschienen)
  54. Krockow: Churchill. Eine Biografie des 20. Jahrhunderts, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, S. 216
  55. Peter de Mendelssohn: Winston Churchill, in Die Grossen der Weltgeschichte (hg. von Kurt Fassmann), Kindler, Zürich 1971, Band 9, S. 880-898, hier S. 881.
  56. Jürgen Holtorf: Die Logen der Freimaurer, Nikol Verlags GmbH, Hamburg ISBN 3-930656-58-2 S. 141
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