Weißenburgpark

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Das Teehaus im Stuttgarter Weißenburgpark

Der Weißenburgpark ist eine etwa fünf Hektar große Grünanlage im Stadtbezirk Stuttgart-Süd im Stadtteil Bopser. Auf einer Anhöhe im Park befinden sich das sogenannte Teehaus und der Marmorsaal, die heute als Ausflugslokal beziehungsweise als Veranstaltungsort genutzt werden. Der Park selbst ist mit mehreren Spazierwegen und Sitzgelegenheiten zum Verweilen angelegt. An der höchsten Stelle des Weißenburgparks befindet sich eine Aussichtsplattform mit einmaligem Blick auf Stuttgart und einen Gedenkstein für den Maler und Grafiker Reinhold Nägele. Trotz der einige Meter tiefer vorbeiführenden Bundesstraße 27 ist es im Park angenehm ruhig. An der Bopserwaldstraße am Fuß des Parks befinden sich einige wenige Parkplätze, mit den Stadtbahnlinien 5, 6 und 7 ist der Park über die Haltestelle Bopser zu erreichen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Weißenburg geht auf eine mittelalterliche Burg (Burgstall Weißenburg) der Grafen von Württemberg an dieser Stelle zurück, die 1312 zerstört wurde und von der es keine Überreste mehr gibt.

1843/1844 wurden auf der Anhöhe eine Villa im klassizistischen Stil von Albert Föhr erbaut und ein Park angelegt. Die sogenannte Weißenburg-Villa wurde 1888/1890 erweitert und 1898 vom Stuttgarter Unternehmer Ernst von Sieglin (1848–1927) erworben. Er ließ den Park umgestalten und 1912/1913 auf der Anhöhe vom Architekten Heinrich Henes einen kleinen Pavillon (das sogenannte Teehaus) sowie den Marmorsaal und einen Tennisplatz bauen.[1]

Die Sieglin-Erben verkauften den gesamten Besitz 1956 an die Stadt Stuttgart. Im Rahmen der Vorbereitungen zur Bundesgartenschau 1961 wurde der Park zu einer öffentlichen Grünanlage umgestaltet und 1964 die Villa abgerissen. Unter anderem wurden neue Wege, Spielplätze und Aussichtsterrassen mit schönen Ausblicken auf die Stuttgarter Innenstadt angelegt. Heute ist der Weißenburgpark Teil eines Grüngürtels, der sich von der Bopseranlage an der Hohenheimer Straße bis zum Wernhaldenwald beim Haigst hinaufzieht.

Das Teehaus oben und der Eingang zum Marmorsaal unten auf einem Tafelbild Julius Mössels von 1912/13
Das Teehaus oben und der Eingang zum Marmorsaal heute

Teehaus[Bearbeiten]

Beim Teehaus der früheren Villa handelt es sich um einen runden Pavillon mit Säulenkranz in der Form eines Monopteros, der strukturell vor allem neoklassizistische Auffassungen zeigt, kombiniert mit Jugendstil-Dekor. Er wurde 1913 von Heinrich Henes fertiggestellt und diente der Familie als Gartenhaus. Den Innenraum des Pavillons gestaltete der Dekorationsmaler Julius Mössel (1871–1957) im Rokokostil – besonders hervorzuheben ist das farbenprächtige Deckengemälde mit Musikantenszenen. Das Teehaus wird von einer Kuppel überwölbt, die Oberlichter aufweist. Heute ist das Teehaus mit einer angrenzenden großen Gartenterrasse im Sommer ein beliebtes Ausflugslokal.

Marmorsaal[Bearbeiten]

Der ebenfalls 1913 von Heinrich Henes fertiggestellte Marmorsaal im Weißenburgpark liegt am Hang unterhalb des Teehauses. Auf dem Dach des Saals befand sich ursprünglich ein inzwischen nicht mehr vorhandener Tennisplatz, den man vom Teehaus gut überblicken konnte. Auch die Innenräume des Marmorsaals wurden von Julius Mössel ausgestaltet, diesmal jedoch im klassizistischen Stil. Der Marmorsaal wurde schon von der Familie Sieglin als festlicher Gartensaal genutzt und steht nach einer Renovierung zwischen 1988 und 1992 wieder für Veranstaltungen zur Verfügung. So gibt es dort regelmäßig öffentliche Konzerte, aber auch private Feiern und standesamtliche Hochzeiten.

Weitere Bilder[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Architekturführer Stuttgart S. 90 (s. Lit.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Judith Breuer; Gabriele Pfisterer; Horst Reichert: Der Marmorsaal im Weissenburgpark Stuttgart. Stuttgart 1985.
  • Judith Breuer; Gertrud Clostermann: Die Bauten im Stuttgarter Weißenburgpark. Zur Restaurierung von Marmorsaal und Teehaus. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 1994, Seite 46-59.
  • Judith Breuer; Gertrud Clostermann: Der Marmorsaal im Weißenburgpark Stuttgart. Stuttgart 2010, online:.
  • Wilhelm Michel: Professor Heinrich Henes – Stuttgart. Gartenarchitektur der Villa E. v. Sieglin. In: Deutsche Kunst und Dekoration Band 34, 1914, Seite 132-139, online:.
  • Martin Wörner, Gilbert Lupfer und Ute Schulz, Architekturführer Stuttgart, Dietrich Reimer-Verlag Berlin, 2005, ISBN 3-496-01290-0.

Weblinks[Bearbeiten]

48.764359.1822Koordinaten: 48° 45′ 52″ N, 9° 10′ 56″ O