Zuckerbäckerstil

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Der Ausdruck Zuckerbäckerstil bezeichnet abwertend einen Baustil, der als überbordend monumental bzw. als übertrieben und anachronistisch ornamental empfunden wird. Dabei wirkt die Verzierung aufgepfropft und primär einem Selbstzweck dienend. Die Ornamentik erscheint nicht harmonisch in ein schlüssiges Ganzes eingepasst, sondern aufgesetzt. Die Bezeichnung leitet sich ab von den oftmals kleinteilig verzierten Produkten der Zuckerbäcker. In der Architektur hat sie ihren Ursprung in der zunehmenden Abkopplung beziehungsweise Verselbstständigung des Fassadenentwurfs von der strukturellen Logik des Bauwerks. Damit einher geht die vor allem Ende des 19. und Anfang des 20. Jh. zu beobachtende berufliche Scheidung zwischen Architekturzeichner (Architekt) und Ingenieur.

Als Zuckerbäckerstil bezeichnet man vor allem die Architektur des sozialistischen Klassizismus[1]. Allerdings wurde der Begriff in anderen Ländern von Kommentatoren in Bezug auf historistische und eklektizistische Architektur bereits verwendet, als die Sowjetunion der avantgardistischen Architektur (u.a. Konstruktivismus) als Ausdruck ihres revolutionären Programms noch offen gegenüberstand.

In weiterem Sinne meint der Begriff aber auch die Architektur des Historismus und Eklektizismus sofern sie in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gegenläufig zu den Tendenzen der Moderne entsteht. In Italien wird beispielsweise der Stilo Coppedè der 1910er und 1920er Jahre als Zuckerbäckerstil bezeichnet, wobei die sich hier entstandene Architektur sich stark an den Liberty-Stil anlehnt, die italienische Richtung des Jugendstils.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lexikon der Weltarchitektur. München 1992, S. 703.
  2. Kirk, Terry: The architecture of modern Italy. 2 Bd., Bd. 2: Visions of utopia, 1900-present. New York 2005, S. 28-30.