Sacré-Cœur de Montmartre

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel erläutert die Kirche in Frankreich, siehe auch Nationalbasilika des Heiligen Herzens in Brüssel, zu anderen Herz-Jesu-Basiliken des französischsprachigen Raumes siehe Herz-Jesu-Kirche.
Basilika Sacré-Cœur
Montmartre und Sacré-Cœur vom Triumphbogen
Basilika Sacré-Cœur
Die 5 m hohe Christus-Statue von Pierre Seguin
Innenansicht der Basilika Sacré-Cœur
Sacré-Cœur bei Nacht
Blick von der Sacré-Cœur bei Nacht
Kuppel bei Nacht


Die Basilique du Sacré-Cœur de Montmartre [ˌsakʀeˈkœʀ] (dt. Herz-Jesu-Basilika) ist eine römisch-katholische Wallfahrtskirche auf dem Montmartre im 18. Pariser Arrondissement.

Der Bau[Bearbeiten]

Die historistische Kirche[1] wurde im 19. Jahrhundert vom Architekten Paul Abadie begonnen, der sich in einem Wettbewerb gegen 78 Mitbewerber durchgesetzt hatte und dessen Entwurf deutlich durch die Architektur römisch-byzantinischer Kirchen inspiriert wurde wie der Hagia Sophia in Istanbul und des Markusdoms in Venedig, sowie der Kathedrale von Périgueux, die er restauriert hatte. Sacré-Cœur sollte später selbst Vorbild für andere Sakralbauten des 20. Jahrhunderts werden, zum Beispiel für die Theresenbasilika in Lisieux. Abadie verstarb bereits 1884, als der Bau erst begonnen war. Ihm folgten bis zur Fertigstellung sechs Architekten in der Bauleitung nach.

Geschichte[Bearbeiten]

Den Ort hatte zuvor der Erzbischof von Paris und spätere Kardinal Joseph Hippolyte Guibert ausgewählt. Der Grundstein wurde 1875 gelegt, also im selben Jahr, in dem die Verfassung der Dritten Republik in Kraft trat. Dieser symbolische Gehalt war durchaus beabsichtigt. Der Staat unterstützte das Projekt finanziell, nachdem die Nationalversammlung den Neubau zu einem nationalen Projekt erklärt hatte. Die Kirche sollte aber auch dem Gedenken an die französischen Opfer des französisch-preußischen Krieges und der „Abbüßung der Verbrechen der Kommunarden“ dienen. Sie ist auch eine Reaktion auf die Eroberung Roms, der heiligen Stadt, durch die Truppen Viktor Emanuels II. und die „Gefangenschaft“ des Papstes Pius IX. – hierbei spielt das Motiv der Buße für eine angebliche spirituelle Verkommenheit eine Rolle, in der die Honoratioren, die den Bau initiierten, die Ursache für diese beiden Ereignisse sahen.

Die 40 Millionen Francs, die der Bau letztlich verschlang, wurden teilweise durch Spenden aufgebracht (die Namen der Spender meißelte man in den Stein des Neubaus), und 1914 wurde die Basilika Sacré-Cœur schließlich fertiggestellt. Die Weihe fand erst am 16. Oktober 1919, also nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, statt. Dabei erhielt sie durch Papst Benedikt XV. auch den Titel einer Basilica minor.

Die religiöse Widmung der Kirche gilt dem Herzen Christi. Das ist bemerkenswert für eine Zeit der besonderen Marienverehrung – die großen Basiliken jener Zeit wurden in der Regel Maria geweiht, wie die in Lourdes, Lyon und Marseille. Die Herz-Jesu-Verehrung wurde jedoch durch die Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Pius IX. 1856 – auch auf Betreiben französischer Bischöfe – gestärkt und von Leo XIII. in seiner EnzyklikaAnnum Sacrum“ von 1899 wieder aufgegriffen.

Sacré-Cœur wurde aus Château-Landon-Steinen zusammengefügt, einem frostresistenten Travertin aus dem gleichnamigen Ort im heutigen Departement Seine-et-Marne, der durch die Witterung sein Calcit abgibt und so mit der Zeit ein kreideartiges Weiß annimmt. Die Fundamente reichen 33 Meter in den Boden, um die Kirche vor dem Einsinken in den lehmigen Untergrund zu bewahren. Die Kirche selbst misst 85 mal 35 Meter und besitzt eine Höhe von 83 Metern. Die große Kuppel selbst ist allein 55 Meter hoch, von ihr kann man bei guten Wetterverhältnissen bis zu 40 km weit sehen.

Die Ikonografie der Basilika ist national geprägt: Das dreibogige Hauptportal wird von Reiterstatuen der Nationalheiligen Jeanne d’Arc und Ludwig IX. flankiert, die von Hippolyte Lefèbvre geschaffen wurden.

Seit 1885 (einer Zeit, als die Kirche erst teilweise fertiggestellt war) befindet sich über dem Hochaltar eine Monstranz mit dem „Heiligen Sakrament“, einer konsekrierten Hostie, die als Leib Christi verehrt wird.

Die Basilika birgt in ihrer Apsis das Christusmosaik des Künstlers Luc-Olivier Merson (fertiggestellt 1922), mit 475 m² eines der größten Mosaiken der Welt. Es zeigt Jesus mit flammendem, dornenumkränztem Herzen und weit ausgebreiteten Armen.

Heute ist Sacré-Cœur eine der von Touristen meistbesuchten Sehenswürdigkeiten von Paris. Durch die erhöhte Lage sind insbesondere die Treppen vor dem Gebäude bei allen beliebt, die die Aussicht über die Stadt genießen möchten. Von dort sieht man auch die nahegelene Kirche St-Vincent-de-Paul de Paris.

Alternativ kann man auch mit dem Funiculaire de Montmartre, einer Standseilbahn, zur Basilika gelangen.

Kunsthistorische Bewertung[Bearbeiten]

Die Architektur von Sacré-Cœur wurde in der Fach- und Reiseliteratur lange Zeit eindeutig negativ bewertet. Als Beispiel sei ein Bildband von 1974 zitiert:

„Wenn man sich nähert und den Vorplatz erreicht, wenn man das Innere betritt, kann man sich nicht mit der Häufung bedeutungsloser Baukörper abfinden, den ruhmrednerischen, unproportionierten Kuppeln, der unverwüstlichen Häßlichkeit der Skulpturen und Mosaiken und noch weniger mit der Kälte des bleichen Werkstoffs, der niemals eine Patina annehmen wird, diesem robusten Stein aus Château-Landon, der entgegen der Erwartung mit zunehmendem Alter immer weißer wird.“

Fleury, Erlande-Brandenburg und Babelon 1974[2]

Orgeln[Bearbeiten]

Die Basilika besitzt eine Haupt- und eine Chororgel. Die Hauptorgel erbaute Aristide Cavaillé-Coll 1898 für das Schloss Ilbarritz des Baron Albert de l’Espée. 1919 wurde sie nach Sacré-Cœur versetzt. Sie hat 78 Register auf vier Manualen bei folgender Disposition:

I Grand-Orgue
1. Montre 16′
2. Bourdon 16′
3. Gambe 16′
4. Montre 8′
5. Flûte harmonique 8′
6. Bourdon 8′
7. Viole de gambe 8′
8. Salicional 8′
9. Prestant 4′
10. Viole 4′
11. Nasard 2 2/3
12. Doublette 2′
13. Cornet V
14. Fourniture V
15. Cymbale IV
16. Bombarde 16′
17. Trompette 8′
18. Clairon 4′
II Positif
(schwellbar)

19. Quintaton 16′
20. Principal 8′
21. Flûte harmonique 8′
22. Cor de nuit 8′
23. Salicional 8′
24. Flûte 4′
25. Dulciane 4′
26. Octavin 2′
27. Cornet V
28. Carillon III
29. Basson 16′
30. Trompette 8′
31. Cromorne 8′
32. Voix humaine 8′
Trémolo
III Récit
(schwellbar)

33. Bourdon 16′
34. Diapason 8′
35. Flûte traversière 8′
36. Bourdon 8′
37. Viole de gambe 8′
38. Voix céleste 8′
39. Octave 4′
40. Flûte octaviante 4′
41. Doublette 2′
42. Plein-Jeu III–V
43. Bombarde 16′
44. Trompette harmonique 8′
45. Basson-Hautbois 8′
46. Clairon harmonique 4′
Trémolo
IV Solo
(schwellbar)

47. Bourdon 16′
48. Diapason 8′
49. Flûte harmonique 8′
50. Octave 4′
51. Flûte octaviante 4′
52. Octavin 2′
53. Cornet VIII
54. Fourniture II–V
55. Tuba magna 16′
56. Clarinette 16′
57. Tuba mirabilis 8′
58. Trompette 8′
59. Cor anglais 8′
60. Cor harmonique 4′
Trémolo
Pédale
61. Flûte 32′
62. Soubasse 32′
63. Flûte 16′
64. Soubasse 16′
65. Violonbasse 16′
66. Quinte 10 2/3
67. Flûte 8′
68. Bourdon 8′
69. Violoncelle 8′
70. Tierce 6 2/5
71. Quinte 5 1/3
72. Septième 4 4/7
73. Corno dolce 4′
74. Bombarde 32′
75. Bombarde 16′
76. Basson 16′
77. Trompette 8′
78. Clairon 4′

Daneben besteht auch eine Chororgel mit 19 Registern auf zwei Manualen, die 1914 von Charles Mutin in ein bereits 1904 von Lucien Magne entworfenes Gehäuse gebaut wurde. Sie hat folgende Disposition:

I Grand-Orgue
1. Bourdon 16′
2. Montre 8′
3. Bourdon 8′
4. Flûte harmonique 8′
5. Salicional 8′
6. Prestant 4′
7. Nazard 22/3
II Récit expressif
(schwellbar)

8. Diapason 8′
9. Cor de nuit 8′
10. Viole de Gambe 8′
11. Voix céleste 8′
12. Flûte octaviante 4′
13. Plein Jeu IV
14. Basson 16′
15. Trompette harmonique 8′
16. Basson-Hautbois 8′
17. Soprano harmonique 4′
Pédale
18. Soubasse (Nr.1) 16′
19. Flûte 16′
20. Flûte 8′

Titularorganisten:

Glocken[Bearbeiten]

Glockenturm

Im Turm der Kirche hängt ein fünfstimmiges Bronzegeläut.

Die große Glocke – mit 18,835  t Gewicht die größte Glocke Frankreichs und eine der größten der Welt – hat den Schlagton c°+4. Sie wurde 1895 in Annecy gegossen und heißt Savoyarde nach dem 1860 französisch gewordenen Savoyen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Markus Dauss: Identitäts-Architekturen. Öffentliche Bauten des Historismus in Paris und Berlin (1871–1918). Thelem, Dresden 2007, ISBN 978-3-939888-02-4 (u. a. über die Basilika als „zentralen Verdichtungspunkt kirchlicher Identitätsentwürfe“)
  • Daniel Roth, Günter Lade: Die Cavaillé-Coll-Mutin-Orgel der Basilika Sacré-Coeur in Paris. Lade, Langen bei Bregenz 1992, ISBN 3-9500017-2-7
  • Heinfried Wischermann: Architekturführer Paris. Gerd Hatje Verlag, Ostfildern 1997, ISBN 3-7757-0606-2, S. 87

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sacré-Cœur – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Hotz et al.: Der Brockhaus Kunst. F.A. Brockhaus, Leipzig-Mannheim 2001, ISBN 3-7653-2772-7, S. 481
  2. Michel Fleury, Alain Erlande-Brandenburg, Jean-Pierre Babelon: Paris. Hirmer, München 1974, ISBN 3-7774-2650-4, S. 350

48.8866666666672.3427777777778Koordinaten: 48° 53′ 12″ N, 2° 20′ 34″ O