„Zeitgenössischer Tanz“ – Versionsunterschied

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
[ungesichtete Version][ungesichtete Version]
Inhalt gelöscht Inhalt hinzugefügt
→‎Quellen: in Einzelnachweise umbenannt
Zeile 7: Zeile 7:
In Abgrenzung zum klassischen Ballett wurde der Begriff [[Modern Dance]] Anfang des vergangenen Jahrhunderts insbesondere durch die Arbeit der amerikanischen Choreografin [[Martha Graham]] geprägt. Etwa zur gleichen Zeit entstand in Deutschland mit großer öffentlicher Resonanz ganz im Zeichen des Expressionismus der deutsche [[Ausdruckstanz]] mit wichtigen Vertretern wie [[Gret Palucca]], [[Mary Wigman]] oder [[Kurt Jooss]]. Naziherrschaft und Krieg bereiteten der jungen Gattung des Tanzes jedoch ein nachhaltiges Ende.
In Abgrenzung zum klassischen Ballett wurde der Begriff [[Modern Dance]] Anfang des vergangenen Jahrhunderts insbesondere durch die Arbeit der amerikanischen Choreografin [[Martha Graham]] geprägt. Etwa zur gleichen Zeit entstand in Deutschland mit großer öffentlicher Resonanz ganz im Zeichen des Expressionismus der deutsche [[Ausdruckstanz]] mit wichtigen Vertretern wie [[Gret Palucca]], [[Mary Wigman]] oder [[Kurt Jooss]]. Naziherrschaft und Krieg bereiteten der jungen Gattung des Tanzes jedoch ein nachhaltiges Ende.


Erst in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gelang einer Reihe von stilistisch ganz unterschiedlich geprägten Einzelpersönlichkeiten eine neue Popularisierung im weiteren Sinn moderner, künstlerischer Tanzformen: [[Pina Bausch]], [[Susanne Linke]] und [[Reinhild Hoffmann]] in Essen, [[Johann Kresnik]] in Bremen und Heidelberg, Jochen Ulrich in Köln, [[Jessica Iwanson]] und [[Birgitta Trommler]] in München, [[Dieter Heitkamp]] und [[Helge Musial]] in Berlin und andere mehr. Seit 1994 bietet die biennal statt findende [[Tanzplattform Deutschland]] einen Forum für die zeitgenossische Choreografien.<ref>[http://www.tanzplattform2008.de/ Tanzplattform Deutschland 2008]</ref>. Im Programmhandbuch werden in 50 Porträts deutsche Choreografen vorgestellt. Seit 2007 wurde mit der [[Iwanson-Sixt-Stiftung zeitgenössischer Tanz]] erstmals eine Stiftung für zeitgenössischen Tanz in Deutschland gegründet.
Erst in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gelang einer Reihe von stilistisch ganz unterschiedlich geprägten Einzelpersönlichkeiten eine neue Popularisierung im weiteren Sinn moderner, künstlerischer Tanzformen: [[Pina Bausch]], [[Susanne Linke]] und [[Reinhild Hoffmann]] in Essen, [[Johann Kresnik]] in Bremen und Heidelberg, Jochen Ulrich in Köln, [[Jessica Iwanson]] und [[Birgitta Trommler]] in München, [[Dieter Heitkamp]] und [[Helge Musial]] in Berlin und andere mehr. Seit 1994 bietet die biennal statt findende [[Tanzplattform Deutschland]] einen Forum für den zeitgenössischen Tanz<ref>[http://www.tanzplattform2008.de/ Tanzplattform Deutschland 2008]</ref>. Im Programmhandbuch werden in 50 Porträts deutsche Choreografen vorgestellt, welche in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Theaterinstitut auf dem Internetportal des [[Goethe-Institut]]s veröffentlicht werden<ref>[http://www.goethe.de/kue/tut/deindex.htm Tanzbereich des Goethe-Instituts]</ref>. Seit 2007 wurde mit der [[Iwanson-Sixt-Stiftung zeitgenössischer Tanz]] erstmals eine Stiftung für zeitgenössischen Tanz in Deutschland gegründet.


==Terminologische Vielfalt==
==Terminologische Vielfalt==

Version vom 15. April 2008, 19:43 Uhr

Unter dem Sammelbegriff zeitgenössischer Tanz wird gemeinhin die choreografische Bühnentanzkunst der Gegenwart verstanden. Auch in anderen Sprachen hat sich dieser Begriff weitgehend durchgesetzt: Contemporary dance, danse contemporaine, danza contemporanea.

Historische Entwicklung

In Abgrenzung zum klassischen Ballett wurde der Begriff Modern Dance Anfang des vergangenen Jahrhunderts insbesondere durch die Arbeit der amerikanischen Choreografin Martha Graham geprägt. Etwa zur gleichen Zeit entstand in Deutschland mit großer öffentlicher Resonanz ganz im Zeichen des Expressionismus der deutsche Ausdruckstanz mit wichtigen Vertretern wie Gret Palucca, Mary Wigman oder Kurt Jooss. Naziherrschaft und Krieg bereiteten der jungen Gattung des Tanzes jedoch ein nachhaltiges Ende.

Erst in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gelang einer Reihe von stilistisch ganz unterschiedlich geprägten Einzelpersönlichkeiten eine neue Popularisierung im weiteren Sinn moderner, künstlerischer Tanzformen: Pina Bausch, Susanne Linke und Reinhild Hoffmann in Essen, Johann Kresnik in Bremen und Heidelberg, Jochen Ulrich in Köln, Jessica Iwanson und Birgitta Trommler in München, Dieter Heitkamp und Helge Musial in Berlin und andere mehr. Seit 1994 bietet die biennal statt findende Tanzplattform Deutschland einen Forum für den zeitgenössischen Tanz[1]. Im Programmhandbuch werden in 50 Porträts deutsche Choreografen vorgestellt, welche in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Theaterinstitut auf dem Internetportal des Goethe-Instituts veröffentlicht werden[2]. Seit 2007 wurde mit der Iwanson-Sixt-Stiftung zeitgenössischer Tanz erstmals eine Stiftung für zeitgenössischen Tanz in Deutschland gegründet.

Terminologische Vielfalt

Die im Laufe des Jahrhunderts stattfindende ständige Erneuerung der modernen – also nicht klassischen – Tanzkunst wurde mit immer neuen Bezeichnungen charakterisiert. Diese terminologische Entwicklung wurde einerseits seitens der tanzgeschichtlichen Rezeption geprägt, andererseits aber auch bewusst von Choreografen weitergetrieben, die sich damit ästhetisch und pragmatisch zu profilieren wussten: Post Modern Dance, New Dance, Tanztheater, choreografisches Theater, Tanz-Tanztheater, neuer Tanz, physical theatre, u.a. In jüngerer Zeit finden immer mehr auch asiatische Tanzformen, Kampfsporttechniken und Körperbewusstseinstechniken wie Butoh, Tai Chi oder Yoga ihren Weg in den künstlerischen, zeitgenössischen Tanz. Eine Reihe von Choreografen/Regisseuren nimmt für ihre Inszenierungen gar völlig vom sogenannten "handwerklichen Aspekt" des Tanzes Abstand und entwickelt, meist unter Miteinbeziehung interdisziplinärer Arbeitstechniken und Videoinstallationen, eine choreografische Variante der Konzeptkunst. Eine ästhetische oder terminologische Charakterisierung wird somit zunehmend schwieriger.

Aktuelle Tendenzen

Gleichzeitig ist auf breiter Front aber auch eine Rückbesinnung auf die ursprünglich emotionale Qualität des Tanzes im traditionellen Dialog zur Musik zu beobachten. Totgeglaubte moderne Klassiker wie die Martha Graham Company oder die Alvin Ailey Dance Company feiern plötzlich wieder internationale Tournee- Erfolge, zeitgenössische Interpreten der klassischen Moderne wie Mats Ek oder Jiří Kylián haben endgültig Einzug in die Repertoires der großen Opernhäuser gehalten aber auch künstlerisch motivierte Hip-Hop-Gruppen werden auf weltweiten Tourneen umjubelt. Viele Beobachter sehen darin eine Trendwende weg vom theoretisierten Tanz, der in den letzten Jahren auf Festivals gepflegt, vom Publikum hingegen eher zurückhaltend angenommen wurde. Als Beleg dieser Repopularisierung des Tanzes in seinen originären Qualitäten dürfen auch die kommerziellen Erfolge von Filmen wie "Billy Elliot – I Will Dance", "Rhythm Is It!" und sogar der Castingshow von Sat.1 "You can dance" angesehen werden.

Zeitgenössischer Tanz für Kinder und Jugendliche

Ungeachtet dieser nun bald ein Jahrhundert andauernden Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes hat im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit das klassische Kinderballett seine Vorherrschaft lange beibehalten können. Erst mit der allgemeinen gesellschaftlichen Neudefinition des Erziehungsideals in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts konnten zeitgenössische Alternativen an Boden gewinnen. Zu erwähnen sind insbesondere der kreative Kindertanz nach Hastings und Ickstadt sowie der mehr technisch orientierte "moderne Kindertanz" nach Iwanson, die mittlerweile zulasten des traditionellen Kinderballetts zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der Tanzplan Deutschland fördert in jüngster Zeit bundesweit Programme, die unter programmatischen Slogans wie "Acces to Dance" oder "Tanz macht Schule" versuchen, dem zeitgenössischen Tanz auch in der Schule seinen gleichberechtigten Platz zu verschaffen. "Tanzplan Deutschland" ist ein Projekt der Bundeskulturstiftung, das unter dem Slogan >junger Tanz< Kindern und Jugendlichen Raum und Bühne gibt. Für tanzinteressierte Jugendliche gibt es heute in ganz Deutschland Schulen, an denen auch sogenannte "Jugendtanztage" stattfinden, beziehungsweise eine "tänzerische Vorausbildung" belegt werden kann. Die Kultur- und Tanzwerkstatt in Würzburg veranstaltet biennal die "Bayerischen Jugendtanztage", an der Iwanson-Schule zeitgenössischer Tanz in München, an der Folkwang Schule in Essen oder an der Palucca-Schule in Dresden werden berufsvorbereitende Ausbildungsprogramme angeboten, die gleichzeitig den Besuch eines Gymnasiums ermöglichen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Tanzplattform Deutschland 2008
  2. Tanzbereich des Goethe-Instituts
Portal: Tanz – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Tanz