Folkwang Universität der Künste

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Folkwang Hochschule im Ruhrgebiet)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Vorlage:Infobox Hochschule/Mitarbeiter fehlt

Folkwang Universität der Künste
Logo
Gründung 1927
Trägerschaft staatlich
Ort Essen, Bochum, Dortmund, Duisburg
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Rektor Kurt Mehnert
Studenten 1.537 Ws 2014/15[1]
Professoren 99 (Januar 2015)
Jahresetat 26,9 Mio. Euro (Januar 2015)
Website www.folkwang-uni.de

Die Folkwang Universität der Künste ist eine Kunsthochschule im Ruhrgebiet für Musik, Theater, Tanz und Gestaltung. Die Universität vereinigt als eine von wenigen in Deutschland die Ausbildung sowohl in den darstellenden als auch in den bildenden Künsten wie auch die Kunstwissenschaft. Mit 1.537 Studierenden ist sie die drittgrößte Kunsthochschule Deutschlands.

Der Hauptsitz der Universität ist Essen, das Hauptgebäude befindet sich im ehemaligen Kloster Werden. Weitere Standorte sind Bochum, Dortmund und Duisburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptgebäude der Folkwang Universität in Essen-Werden: das ehemalige Kloster Werden
Die Weiße Mühle in Essen-Werden, Unterrichtsräume des Studiengangs Musical
Das Folkwang Theaterzentrum in der Bochumer Innenstadt, Unterrichtsräume des Studiengangs Schauspiel
Der Zollverein-Kubus in Essen-Stoppenberg ist seit 2010 Universitätsgebäude für den Fachbereich Gestaltung

Die „Folkwang“-Kultureinrichtungen gehen auf den Kunstsammler Karl Ernst Osthaus (1874–1921) zurück. Der aus der nordischen Mythologie entlehnte Name Folkwang entstammt der Edda und bezeichnet die Gemächer der Göttin Freya. Osthaus gründete 1902 das Museum Folkwang in Hagen. Als Begegnungsstätte für jeden Bürger plante der von Osthaus eingesetzte Museumsdirektor Karl With das Museum unter dem Aspekt einer volkserzieherischen Förderung aller Stände. 1919 gründete Osthaus den Folkwang-Verlag, 1921 eine dem Gedanken des Museums verbundene Schule, die nur kurz existierte. Die Sammlung des Museums Folkwang wurde kurz nach Osthaus' Tod 1921 von Hagen nach Essen verkauft, wo das Museum unter demselben Namen weitergeführt wurde.

In Essen gründeten im 1927 der Bühnenbildner Hein Heckroth, der Choreograph Kurt Jooss und der Operndirektor Rudolf Schulz-Dornburg in Anlehnung an die Idee des Museums die Folkwangschule für Musik, Tanz und Sprechen. Von der im Begriff Folkwang verkörperten Bedeutung der sich vereinenden Musen ging der Anspruch aus, in den Künsten interdisziplinär und spartenübergreifend auszubilden. 1928 wurde eine bereits bestehende höhere Fachschule für Gestaltung, entstanden aus einer Handwerker- und Kunstgewerbeschule, in die Folkwang-Schule integriert.

1963 erhielt die Folkwangschule den Status einer Hochschule. 1972 wurde der Fachbereich Gestaltung unter Aufgabe der Kernidee der geeinten Künste in die neugegründete Universität Essen umgegliedert. Danach führte die Hochschule den Namen Folkwang-Musikhochschule.

Anfang des 21. Jahrhunderts fusionierten mehrere künstlerische Ausbildungsstätten in benachbarten Städten mit der Hochschule. Im Jahr 2000 wurde die Westfälische Schauspielschule in Bochum als Studiengang Schauspiel aufgenommen. 2002 stieß die Staatliche Hochschule für Musik Ruhr in Duisburg zur Folkwang-Hochschule, die ihrerseits 1972 aus der Verbindung des Konservatoriums der Stadt Duisburg mit Folkwang entstanden war. 2004 beteiligte sich die Hochschule am neuen Orchesterzentrum NRW in Dortmund, einer gemeinsamen Einrichtung der vier Musikhochschulen Nordrhein-Westfalens. Mit der Präsenz in vier Städten bezeichnete sich die Hochschule als Folkwang-Hochschule im Ruhrgebiet.

2007 wurde der Fachbereich Gestaltung von der fusionierten Universität Duisburg-Essen in die Folkwang-Hochschule zurückgeführt. Die Räumlichkeiten blieben bis auf weiteres auf dem Campus Essen der Universität. 2009 übernahm die Hochschule den Studiengang Kommunikationsdesign mit sechs Professuren und 200 Studierenden von der Bergischen Universität Wuppertal; der Standort blieb bis Ende 2014 in Wuppertal. Seit 2010 nutzt der Fachbereich zusätzlich den Zollverein-Kubus auf dem Gelände des Welterbes Zeche Zollverein. Benachbart wurde ein Neubau begonnen, der ab 2017 den gesamten Fachbereich aufnehmen soll.[2][3] Nach der erneuten Vereinigung aller Kunstrichtungen benannte sich die Hochschule 2010 in Folkwang Universität der Künste um.

2012 wurde in Essen-Werden die Folkwang-Bibliothek in einem für 7,4 Millionen Euro errichteten Neubau eröffnet. Neben dem Bestand der Folkwang-Universität gingen auch die musikwissenschaftliche Bibliothek der Ruhr-Universität Bochum und die musikpädagogische Bibliothek der Universität Duisburg-Essen ein. Mit 190.000 Medien sind die zusammengeführten Bestände eine der größten musikwissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland.[4]

Struktur[Bearbeiten]

Seit 2007 vereint die Folkwang Universität der Künste die Sparten Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft. Damit ist sie eine von drei integrierten Kunsthochschulen in Deutschland, gemeinsam mit der Universität der Künste Berlin und der Hochschule für Künste Bremen.

Die Universität ist in vier Fachbereiche gegliedert:

  • Fachbereich 1: Instrumentalausbildung, Jazz, Komposition, Orchesterspiel, Professional Performance, Populäre Musik
  • Fachbereich 2: Lehramt Musik, Musikpädagogik, Musikwissenschaft, Integrative Musiktheorie, Leitung vokaler Ensembles, Musik des Mittelalters
  • Fachbereich 3: Gesang, Musiktheater, Voice Performance, Musical, Physical Theatre, Schauspiel, Regie, Tanz, Tanzkomposition, Tanzpädagogik
  • Fachbereich 4: Fotografie, Industrial Design, Kommunikationsdesign, Kunst und Designwissenschaft, Folkwang Graduate Programm, Gestaltung Heterotopia

Daneben existieren vier nicht den Fachbereichen angehörige Institute: das Institut für Lebenslanges Lernen, das Institut für Computermusik und Elektronische Medien, das Institut für Gregorianik und das Institut für Populäre Musik. Das Orchesterzentrum NRW ist eine gemeinsame Einrichtung von vier nordrhein-westfälischen Kunsthochschulen.

Die Hochschule verfügt aktuell über sieben Standorte in vier Städten. Durch die Entwicklungsgeschichte der Hochschule sind die Standorte nicht deckungsgleich mit den Fachbereichen.

  • Essen-Werden: Am Hauptstandort der Hochschule findet der größte Teil der Musik- und Theaterausbildung statt, außerdem sind drei der zentralen Institute ansässig.
  • Essen-Nordviertel und Essen-Stoppenberg: Das Weltkulturerbe Zollverein in Essen-Stoppenberg soll durch einen Neubau ab 2017 der alleinige Sitz des Fachbereichs Gestaltung werden. Derzeit ist der größte Teil des Fachbereichs noch in Gebäuden der Universität Duisburg-Essen untergebracht.
  • Bochum-Wiemelhausen: Im Folkwang-Theaterzentrum wird Schauspiel und Regie gelehrt. Das Institut für populäre Musik wurde in Räumen der ehemaligen Zeche Prinz Regent eingerichtet.
  • Dortmund-Mitte: Sitz des Orchesterzentrums NRW
  • Duisburg-Mitte: Alte Musik, Kammermusik, Klavier

Studium[Bearbeiten]

In den fünf Fächergruppen Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft bietet die Folkwang-Universität 21 grundständige Studiengänge mit Bachelor-Abschluss und 26 weiterführende Studiengänge mit Master-Abschluss an. Weiterführend ermöglicht die Universität in mehreren Fachgebieten die Promotion und Habilitation. Außerdem betreibt sie Weiterbildungsangebote.[5]

Seit 2008 unterhält die Folkwang-Universität als einzige Kunsthochschule Deutschlands einen fünfzügigen Kompositionsstudiengang. Die „Integrative Komposition“ umfasst die Fächer Instrumentalkomposition, Elektronische Komposition, Komposition und Visualisierung, Jazzkomposition sowie Popkomposition/Produktion.

Außerhalb der Wissenschaft bietet die Universität eine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik an. Der Ausbildungsgang gehört zur IHK Ruhr.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Jährlich finden an der Folkwang Universität der Künste über 300 öffentliche Veranstaltungen statt, die in der Kulturlandschaft der Metropole Ruhr einen hohen Stellenwert genießen: auf sechs eigenen Bühnen, in Kirchen, Museen, Galerien, Zechen und in regelmäßigen Kooperationsprojekten mit den Theatern und Konzerthäusern der Region. Durch diese Vernetzung fördert Folkwang frühzeitig einen praxisorientierten und lebendigen Austausch.

Neben dem reinen Lehrbetrieb betreibt die Universität auch kulturelle Aktivitäten in Essen-Werden. So finden im ehemaligen Bürgermeisterhaus Konzerte der Meisterschüler statt, um ihnen Gelegenheit zu geben, Erfahrung im Konzertieren zu sammeln. Dies wird von einem privaten Sponsorenkreis unterstützt.

Zum Folkwang-Tanz gehört auch das Folkwang-Tanzstudio (FTS). Das FTS ist eine international arbeitende Company, die derzeit zehn professionelle Tänzerinnen und Tänzer aus aller Welt beschäftigt. Das FTS ist angegliedert an das Institut für Zeitgenössischen Tanz der Folkwang Universität der Künste.

Der Fachbereich Gestaltung präsentiert sich auf der selbst organisierten turnusmäßigen Ausstellung „Sichtwerk“.[6]

Personen[Bearbeiten]

Ausgewählte Hochschullehrer[Bearbeiten]

(z.T. ehemalige Studierende)

Ausgewählte Absolventen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt: Studierende an Hochschulen – Vorbericht – Fachserie 11 Reihe 4.1 – Wintersemester 2014/2015 (Vorbericht), S. 35
  2. Nach Scheich-Debakel – Folkwang-Neubau und Hotel auf Zollverein, Neue Ruhr Zeitung Essen, 30. September 2014
  3. Universitäts-Neubau startet mit jahrelanger Verzögerung, Neue Ruhr Zeitung Essen, 21. Juli 2015
  4. Neue Folkwang-Bibliothek ist ein Schmuckstück, Neue Ruhr Zeitung Essen, 19. September 2012
  5. Folkwang-Studiengänge, Website der Universität, abgerufen am 29. Juli 2015
  6. Ausstellung Sichtwerk
  7. Lebensdaten Hans Züllig

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Folkwang Universität – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.38757.0044444444444Koordinaten: 51° 23′ 15″ N, 7° 0′ 16″ O